1. Einleitung:
Mit dieser Hausarbeit versuche ich das in Amerika, wie neuerdings auch in Deutschland, beliebte Fernsehgenre „Sitcom“ genauer zu betrachten und das besonders am Beispiel der erfolgreichen freitäglichen deutschen Sitcom „Die Camper“ auf RTL.
Ich werde als erstes auf den im Seminar besprochenen Text von Henri Bergson „Das Lachen“ eingehen und seine Grundthesen herausstellen. Dann werde ich „Das Lachen“ mit dem Text von Siegmund Freud „Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten“ vergleichen und ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausstellen. Dann werde ich Ergebnisse der Diskussionen unter den Seminarteilnehmern anfügen und vielleicht für heute nicht mehr ganz zutreffende Ansätze in Frage stellen.
Weiter werde ich von den Thesen von Bergson und Freud ausgehend auf das erst 1999 erschienene Buch „Die deutsche Sitcom“ von Daniela Holzer eingehen und ihre Thesen vergleichen und vielleicht auch gewisse Parallelen entdecken, da sich alle drei ja mit Theorien über das Komische beschäftigen, die einen vielleicht vor mehreren Jahren und die andere in der heutigen Zeit.
Dann werde ich versuchen, eine genaue Definition des Begriffes „Sitcom“ anzugeben und die verschiedenen Produktionsweisen zu beschreiben. Im Hauptteil werde ich auf die oben angegebene deutsche Situationskomödie „Die Camper“ genauer eingehen, ihre Grundzüge, die typischen Charaktere ihrer Darsteller und eine exemplarische Folge genauer analysieren. Da im Jahr 2000 die Darsteller dieser Sitcom komplett ausgewechselt wurden und Daniela Holzer in ihrem Buch noch auf die alte Besetzung eingeht, werde ich versuchen, die neuen Charaktere selbständig zu untersuchen und die im Buch „Die deutsche Sitcom“ gestellte Frage, ob die Camper durch den kompletten Austausch der Besetzung an Beliebtheit verloren haben, beantworten.
Am Ende der Arbeit werde ich dann wahrscheinlich feststellen, ob die klassischen Texte von Sigmund Freud und Henri Bergson heute überhaupt noch gültig sind und inwieweit Komik sich im Laufe der Jahre verändert hat.
Mit dem Genre Sitcom beschäftige ich mich, da ich in meiner Freizeit häufig Sendungen dieses Formats sehe und das Bedürfnis hatte, Genaueres über diese Form der Unterhaltung am Bildschirm zu erfahren. Außerdem bin ich der Meinung, dass man, wenn man sich mit dem Medium Fernsehen beschäftigt, ohne die Betrachtung von Situationskomödien nicht auskommt, da ein hoher Anteil der täglichen Sendezeit durch Sitcoms belegt wird und die einzelnen Sender während der Ausstrahlung sehr hohe Marktanteile erzielen.
2. „Das Lachen“ von Henri Bergson und „Der Witz und die
„Wie oft heißt es auch, viele komische Effekte ließen sich nicht von einer Sprache in eine andere übersetzen, weil sie sich auf die Sitten und Ideen einer ganz bestimmten Gesellschaft bezögen.“ 4 Bergson charakterisiert Komik als zufällig, denn meistens lacht man über das Ungeschick anderer Menschen im Alltag oder plötzlich auftretende komische Situationen. Er unterscheidet aber zwischen natürlicher und künstlich herbeigeführter Komik, denn der zufällig auf einer Bananenschale ausrutschende Mensch auf der Straße liefert uns eine natürliche Komik, und der von anderen hereingelegte Mensch ist Teil einer künstlichen Komik. 5 Ein weiteres großes Kapitel des Textes befasst sich damit, dass die Gestalt eines Menschen und das Aussehen komisch wirken können und dies besonders, wenn Menschen missgebildet sind oder ein „wohlgestalteter“ Mensch Züge von missgebildeten Menschen nachahmt.
„Komisch kann jede Verunstaltung werden, die ein wohlgestalteter Mensch nachzuahmen vermöchte.“ 6 Bergson verdeutlicht, dass man, wie er in einer seiner ersten Thesen beschreibt, seine Gefühle und sein Mitleid ausschalten muss und dann das komische und lustige an missgebildeten Menschen und Menschen mit nicht alltäglichen Gesichtsausdrücken sehen kann. 7 Dann beschreibt er zur Unterstützung seiner These, dass Karikaturisten auch in jedem, auf den ersten Blick noch so wohlgeformten Gesicht, ein komisches Ungleichgewicht entdecken und die auch noch so kleine Missbildung erkennen, obwohl sie vielleicht für andere Menschen nicht sichtbar ist, und diese dann in ihrer Zeichnung hervorheben. 8 Die Gedanken über die Komik der Physiognomie führt Bergson fort und kommt zur Komik der Bewegungen. Bewegungen sind für ihn dann lustig, wenn sie an einen Mechanismus erinnern wie zum Beispiel die Gesten eines Redners, die sich, wenn man sie genau betrachtet und nicht auf die eigentlichen Worte hört, immer wiederholen und das Ganze mechanisch wirken lassen. Man muss unwillkürlich lachen. 9 Die letzte wichtige These von Bergson ist, dass Kleidung ein komisches Element hat. Er sagt, dass zum Beispiel die Mode von gestern sehr komisch sein kann, denn man hat sich zwar an die jeweils aktuelle Mode gewöhnt, aber die vorherige schon vergessen und Menschen, die sich noch nach der Mode von gestern kleiden, wirken als wenn sie ein Kostüm anhätten.
Somit kann auch das für uns fast normalste auf der Welt, nämlich Kleidung, laut Bergson äußerst lächerlich wirken. 1 0
2.2 Die wichtigsten Thesen des Textes „Der Witz und die Arten des Komischen“ von Sigmund Freud im Vergleich mit dem Essay „Das Lachen“ von Henri Bergson:
Der Auszug „Der Witz und die Arten des Komischen“ aus dem Buch „Der Witz und seine Bedeutung zum Unbewussten“ von Sigmund Freud ist, wie „Das Lachen“ von Henri Bergson ein Essay und behandelt das Verhältnis des Witzes zur Komik und charakterisiert dabei die Komik.
Freuds Text ist philosophischer Natur und mit nicht so vielen schnell einleuchtenden Beispielen, wie Bergsons und somit auch nicht so schnell zu begreifen. Außerdem benutzt er einige Fachbegriffe der Philosophie und mehrere Fremdwörter, die nicht für jeden verständlich sind.
Eine seiner ersten Thesen besagt, dass das Naive in Kindern wie in Erwachsenen komisch wirkt, aber nur dann, wenn man als Betrachter über die Naivität der betreffenden Personen informiert ist. Wenn nicht, kann Naivität laut Freud oft als Frechheit ausgelegt werden und man lacht nicht über den Naiven, sondern entrüstet sich über ihn, da er sich über Grenzen hinwegsetzt. Wenn man aber über die Naivität, zum Beispiel eines Kindes informiert ist, ist man sich bewusst, dass diese Person keine Grenzen kennt, keine Hemmungen hat, sich natürlich nicht bewusst ist, naiv zu wirken und somit durch ihr unbeholfenes Verhalten oft komisch erscheint. 1 1 In einem weiteren Abschnitt des Textes geht Freud im Gegensatz zu Bergson, der dieses Thema ganz auslässt, auf die Situationskomik ein und somit auf einen Vorläufer der heutigen Sitcom.
Er stellt heraus, dass man an einer Person meist unbeabsichtigt eine Bewegung, einen bestimmten Charakterzug oder andere Eigenschaften komisch empfindet und dies meist in bestimmten unbeabsichtigten Situationen. Wenn man das aber erkannt hat, kann man diese Situationen zum Beispiel auf der Bühne nachstellen, dadurch das lustige Verhalten der Person hervorrufen und somit eine Komik der Situation künstlich herstellen, wie es ja heutzutage bei Situationskomödien auch gemacht wird. 1 2 Die erste mit Bergson übereinstimmende Aussage von Freud ist, dass man durch Vermenschlichung (Personifizierung) Tiere und Gegenstände komisch wirken lassen kann. Freud geht aber nicht wie Bergson darauf ein, dass nur menschliche oder vermenschlichte Dinge lustig sein können. 1 3 Wie auch schon Bergson geht Freud auf die Komik der Bewegungen ein und beschreibt auch, dass übertriebene und überflüssige Bewegungen komisch wirken, wie zum Beispiel der Clown auf der Bühne, der durch übertriebene Bewegungen das Publikum zum Lachen bringt oder das Beispiel des Keglers, der
lange in seiner Position verharrt, nachdem er die Kugel geworfen hat, da er sich unbewusst fälschlicherweise einbildet, die Kugel solange in ihrem Lauf beeinflussen zu können, wie er in dieser Stellung bleibt.
„So sind ganz reine Fälle dieser Art von Komik die Bewegungen, die der Kegelschieber ausführt, nachdem er die Kugel entlassen hat, solange er ihren Lauf verfolgt, als könnte er diesen noch nachträglich regulieren;....“ 1 4 Den Text setzt Freud mit weiteren Thesen von Bergson fort, welche die Komik der Körperformen und Gesichtsausdrücke beziehungsweise Physiognomie beschreibt. Auch Freud geht auf die Komik eines nicht makellosen Aussehens ein und beschreibt zum Beispiel eine krumme Nase und einen Buckel als komische Effekte. Allerdings geht er nicht so weit, wie Bergson und erklärt nicht eine Missbildung oder deren Nachahmung durch einen vermeintlich „normalen“ Menschen als komisch.
„Ja, von dieser Komik der Bewegungen zweigt das Komische der Körperformen und Gesichtszüge ab, indem diese aufgefaßt werden, als seien sie das Ergebnis einer zu weit getriebenen und zwecklosen Bewegung.“ 1 5 Dann geht Freud noch einmal auf die Situationskomik ein. Er definiert Situationskomik so, dass eine Person in eine Situation gerät und darauf reagieren muss, dies auch geschieht, aber nicht abhängig von den Eigenschaften der Person, sondern in einer Weise wie jeder darauf reagieren würde. Damit widerspricht er sich selbst, denn am Anfang des Textes steht die These, dass Menschen auf Grund ihrer speziellen Eigenschaften auf bestimmte Situationen in einer charakteristischen Weise reagieren. 1 6 Weiter im Text beschreibt Freud, dass es den Menschen nicht mehr gereicht hat, zufällig komische Situationen zu erleben oder in solche zu geraten. Also wurde irgendwann Komik auf der Bühne aufgeführt und somit künstlich hergestellt. „Die Menschen haben sich nicht damit begnügt, das Komische zu genießen, wo sie im Erleben darauf stoßen, sondern danach gestrebt, es absichtlich herzustellen,....“ 1 7 Das hatte zur Folge, dass man Komik nun analysieren konnte, denn sie wurde ja nach bestimmten Schemata hergestellt. 1 8 Doch wie ja allgemein bekannt ist, geht das Lustige an der Komik verloren, je intensiver man diese analysiert. Eine auch von Henri Bergson analysierte Form der Komik, die Sigmund Freud dann im weiteren Verlauf des Textes aufgreift, ist die Karikatur.
Wie auch schon Bergson beschreibt Freud, dass man bei der Karikatur einen bis dahin nicht entdeckten Zug im Antlitz eines Menschen plötzlich entdeckt und ihn stark hervorhebt und somit aus jedem noch so wohlgeformten Gesicht einen Makel herausstellen kann. 1 9 Ähnlich wie bei Bergson beschreibt Freud, die verschiedenen Voraussetzungen um Komik lustig zu finden und zu lachen.
Bei Bergson sind das die ersten drei Thesen am Anfang des Textes, die er auch durchnummeriert hat:
1. komisch kann nur etwas sein, dass menschliche Züge hat 2 0 2. lachen kann man nur, wenn man seine Gefühle ausschaltet 2 1 3. richtig lachen kann man nur in Gruppen und diese ist dann eine
eingeschworene Gemeinschaft, in die niemand so einfach eindringen kann 2 2 Bei Freud kommen solche Thesen erst am Ende des Textes vor, aber auch er hat sie nummeriert.
Erst sagt er, dass man schon vor dem eigentlichen Lachvorgang in einer heiteren Stimmung sein muss und dass man dann nahezu alles komisch findet. Dann sagt er, dass man schon in der Erwartung zu lachen in eine lustige Stimmung kommt, wie zum Beispiel, wenn man eine vermeintlich lustige Lektüre in die Hand nimmt oder in eine Komödie im Theater geht. Weiter greift er auf, dass man, wenn man über wichtige Dinge nachdenken muss, nicht offen für Komik ist, also in lustigen Situationen über andere Sachen nachdenkt und für das Lustige nicht empfänglich ist. Als vierten Punkt beschreibt er die Situation, dass man beginnt, das Komische zu analysieren und somit das Lustige eliminiert. Als letzten wichtigen Punkt erwähnt er die Problematik die auftritt, wenn eine Person über etwas nicht lachen kann, weil sie an eine ähnliche Situation bestimmte negative Erinnerungen hat, andere darüber aber herzlich lachen können, da sie diese Situation nie erlebt haben und somit ein Streitpunkt zwischen den beiden Personen auftritt und dieser Streitpunkt dann die heitere Stimmung auslöschen kann. 2 3 Die Meinung von Bergson, dass man seine Gefühle ausschalten muss, um über eine Person zu lachen, greift Freud auch auf, als er erwähnt, dass man den Anflug von Mitleid für eine bestimmte hereingelegte Person schnell abwirft, wenn man sieht, dass diese Person sich aus der Situation nichts macht.
„Die Situation, die den Delinquenten zur Verzweiflung treiben sollte, könnte bei uns intensives Mitleid erregen; aber dies Mitleid wird gehemmt, weil wir verstehen, daß er, der näher Betroffene, sich aus der Situation nichts macht.“ 2 4 Am Ende dieses Vergleichs zwischen Bergson und Freud kann man sagen, dass Sigmund Freud viele seiner Thesen in Anlehnung an Henri Bergson aufgestellt hat, denn es finden sich erstaunlich viele Parallelen zwischen den beiden Texten. Außerdem ist ein weiteres Indiz dafür, dass Freud der Text von Bergson als eine Grundlage diente, dass er ihn zweimal wörtlich erwähnt und auch einmal kritisiert, als er sich gegen die These von Bergson ausspricht, die besagt, dass eine Person komisch wirkt, wenn ihre Bewegungen stark an einen Mechanismus erinnern, womit Freud nicht übereinstimmt. 2 5 Ein weiteres Mal beschreibt Freud den Text von Henri Bergson als „schön und lebensfrisch“ und erklärt, dass er daraus die Idee hatte, die Komik der Physiognomie zu untersuchen. Zusätzlich erwähnt er das von Bergson im
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Cornelia Berndt, 2001, Die geschichtliche Entwicklung der Comedy in Deutschland am Beispiel der Sitcom Die Camper, Munich, GRIN Publishing GmbH
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