3
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Hauptteil 4
2.1. Zur Person Wilhelm DILTHEYS. 4
2.2 DILTHEYS Verständnis über die Geisteswissenschaften. 6
2.3 DILTHEYS Weg zur Hermeneutik 9
2.4 Hermeneutik - Versuch einer Definition. 11
2.5 Hermeneutische Grundbegriffe unter besondere Beachtung des hermeneutischen Zirkels
13
3 Schluss. 18
Literaturverzeichnis 19
1 Einleitung
Der historische Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit, obwohl man bei allen
Periodisierungen beachten muss, dass das Alte erst allmählich abstirbt und das Neue nicht
schlagartig da ist, man also mit längeren Übergangszeiten zu rechnen hat, stellt aus
heutiger Sicht den Beginn der Wissenschaftlichkeit dar.
Nach dem pfeilschnellen Aufstieg der Naturwissenschaften kommt es im 19. Jahrhundert
zum Einzug einer neuen, andersartigen Art der Wissenschaft. Diese unterscheidet sich
g änzlich in Hinsicht auf Methodik, Vorurteilsfreiheit, Wertfreiheit und nicht zuletzt der
Verifizierbarkeit ihrer Aussagen von den damals bekannten Forschungen.
Ein deutscher Philosoph beschreibt diese neue Form als eine Wissenschaft von der
geschichtlich -gesellschaftlichen Wirklichkeit - sein Name ist Wilhelm DILTHEY. 1
Gegenstand dieser Hausarbeit soll das Wissenschaftsverständnis Wilhelm Diltheys werden.
Dabei wird im speziellen auf seine Errungenschaften und Forschungen auf dem Gebiet der
Hermeneutik eingegangen.
1 Vgl Jung, M : Dilthey zur Einführung Hamburg: 1996 8
4
Matthias JUNG beschreibt ihn in seinem Werk Dilthey zur Einführung „…zu Recht als Klassiker des hermeneutischen Denkens, jener philosophischen Richtung, die die Kategorie des geschichtlichen Verstehens in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen gestellt hat. Mit seiner methodischen Konzeption des Verstehens, der aus ihr resultierenden Unterscheidung von Geistes- und Naturwissenschaften, schließlich mit seinen Ansätzen zur Integration geschichtlicher und systematischer Analyse hat er die Entwicklung der Philosophie im 20. Jahrhundert mitbestimmt. 2 .
Dem ersten Teil der vorliegenden Arbeit wird die Vita der Person Wilhelm DILTHEYS gewidmet. Daran anschließend soll sein Verhältnis zu den Geisteswissenschaften in kurzen Auszügen aufgezeigt und mit Hilfe von Beispielen kritisch betrachtet werden. Der Hauptaugenmerk der folgenden Ausführungen wird sich auf DILTHEYS Beschreibungen zur Methode der Hermeneutik fokussieren. Dabei wird nach einer kurzen Erläuterung, die dem Weg DILTHEYS hin zur Hermeneutik gewidmet ist, ein Versuch einer konkreten Definition des Begriffes Hermeneutik unternommen. Abschließend sollen hermeneutische Grundbegriffe, die gerade in dem Bereich der Pädagogik einen großen Stellenwert einnehmen, erklärt und voneinander abgegrenzt werden. Hierbei wird speziell der hermeneutische Zirkel, der quasi das Ausgangsproblem allen Verstehens und somit der Hermeneutik darstellt, betrachtet. Diese Begriffe stellen Grundbausteine dar, wenn man die Arbeit DILTHEYS untersuchen und verstehen möchte.
2 Hauptteil
2.1. Zur Person Wilhelm DILTHEYS
Wilhelm DILTHEY wird am 19. November 1833 als Sohn eines Pfarrers in Biebrich am Rhein bei Wiesbaden geboren.
Im Jahr 1852 beendet er die schulische Ausbildung mit dem Abitur und beginnt mit dem Studium in Heidelberg. Den Anreiz, ein theologisches Studium zu bestreiten, beschreibt er in seiner Biographie wie folgt: „Da mein Vater Hofprediger war und man bei uns nur enge Verhältnisse kannte, bezog ich die Universität in der Absicht, Theologie zu studieren, um
2 Jung, M.: Dilthey zur…, S. 7
5
Beschäftigungen, die mich auf dem Gymnasium ganz hingenommen hatten, fortzufahren.“ 3 .
Im Laufe der Zeit studiert er neben dem Fach der Geschichte der christlichen Weltanschauung auch noch Philosophie und Geschichte in Berlin bei BOECKH, RANKE, Kuno FISCHER und TRENDELENBURG. 4
1856 schließt DILTHEY sein Studium in Heidelberg als auch in Berlin mit dem theologischen Examen bzw. philologischen Staatsexamen ab und startet seine berufliche Karriere mit einer Anstellung als Adjunkt am Joachimsthalischen Gymnasium in Berlin. 5 Seine Promotion erfolgt 1864 mit einer Studie zur Ethik SCHLEIERMACHERS, und im selben Jahr habilitiert er mit der Arbeit Versuch einer Analyse des moralischen Bewusstsein. 6
Im vierten Semester seiner Universitätstätigkeit erfolgt 1866 die Berufung auf eine Professur in Basel, dem er aber schon zwei Jahre später ( 1868 ) wieder entflieht, um einer Berufung nach Kiel zu folgen.
Hier erscheint 1870 der erste Band seines ersten Hauptwerkes Das Leben SCHLEIERMACHERS und begründet seinen Ruf als Historiker der
Geisteswissenschaften. 7 Ein Jahr später verlässt er den Norden Deutschlands und geht in das schlesische Breslau. Dort befasst er sich mit biographischen und historischen Arbeiten, insbesondere Abhandlungen und Rezensionen in Westermanns Monatsheften. 8 Im Jahr 1882 geht er zurück nach Berlin und wird Nachfolger von Herman LOTZE, dem nach HEGEL wichtigsten deutschen Metaphysiker. 9
1883 erscheint sein erster und einziger Band der Einleitung in die Geisteswissenschaften. Versuch einer Grundlegung für das Studium der Gesellschaft und Geschichte. „In Berlin entstand die Ethikvorlesung ( 1890 ), die das Thema von Dissertation und Habilitationsschrift wieder aufnahm und den Schlussstein des Bogens der Geisteswissenschaften nach ihrem damaligen Konzept der moralisch-politischen Wissenschaften, der Geisteswissenschaften als der neuen Form der praktischen
3 Dilthey, W.: Schriften zur Pädagogik. In: Rutt, Theodor (Hrsg.): Schöninghs. Sammlung Pädagogischer Schriften. Quellen zur Historischen, Empirischen und Vergleichenden Erziehungswissenschaft. Paderborn: 1971. S. 338
4 Vgl. Jung, M.: Dilthey zur..., S. 217
5 Vgl. Dilthey, W.: Schriften zur…, S. 338
6 Vgl. Jung, M.: Dilthey zur..., S. 217
7 Vgl. a.a.O.
8 Vgl. Dilthey, W.: Schriften zur..., S. 352
9 Vgl. Jung, M.: Dilthey zur..., S. 217
6
Philosophie, setzt.“ 10 . Diesem Werk folgt 1894 eine Publikation seiner Ideen über eine beschreibende und zergliedernde Psychologie.
Als Hermann EBBINGHAUS 1896 eine scharfe Kritik über die Ideen veröffentlicht, entschließt sich DILTHEY, die systematische Ausarbeitung des zweiten Bandes der Einleitung zunächst aufzugeben und sich auf die SCHLEIERMACHER-Studien zu fixieren. Nachdem 4 Jahre später Edmund HUSSERLS erster Band der Logischen Untersuchungen erscheint und DILTHEY sich intensiv mit ihm auseinandersetzt, entschließt er sich, zusammen mit einer vertieften Aneignung HEGELS, das Projekt der Einführung weiter zu führen. 11
1905 wird DILTHEY von HUSSERL besucht. Dieser hatte mit seinem 5 Jahre zuvor erschienenem Werk der Phänomenologie zum Durchbruch verholfen. Noch im selben Jahr gibt Wilhelm DILTHEY seine akademische Lehre auf und widmet sich nunmehr ganz und gar seinem Lebenswerk.
Ein Jahr später erscheint Das Erleben und die Dichtung, welches Wilhelm DILTHEY über den Kreis seiner Fachkollegen hinaus bekannt macht. 12 Sein letztes Werk Weltanschauung, Philosophie und Religion, herausgegeben 1911, etabliert die DILTHEY-Schule endgültig. Jedoch, noch im selben Jahr am 01. Oktober stirbt Wilhelm DILTHEY in Seis / Südtirol an der Ruhr. Zusammenfassend kann man festhalten, dass „…kaum ein Denker (..) die geistesgeschichtlichen Entwicklungen unseres Jahrhunderts so weitgehend beeinflusst [ hat ] wie Wilhelm DILTHEY.“ 13 .
Im folgenden Abschnitt möchte ich versuchen den Begriff der Geisteswissenschaften, der in den Werken und Ausführungen DILTHEYS eine zentrale Rolle einnimmt, genauer zu beleuchten.
2.2 DILTHEYS Verständnis über die Geisteswissenschaften
Ein zentraler Aspekt der Forschung und Ansicht Wilhelm DILTHEYS ist die „...methodologische Fundierung der Geisteswissenschaften...“ 14 , die er im ausgehenden 18. Jahrhundert maßgeblich beeinflusste.
10 Vgl. Dilthey, W.: Schriften zur..., S. 352
11 Vgl. Jung, M.: Dilthey zur..., S. 217
12 Vgl. a.a.O.
13 Hufnagel, E.: Einführung in die Hermeneutik. St. Augustin: 2000. S. 140.
7
Der Begriff der Wissenschaft, den man als das systematische Ganze der Erkenntnis verstehen kann, taucht erstmalig in der Philosophie des Altertums und des Mittelalters auf. Mit der Ausbildung neuzeitlicher Naturwissenschaften, wie Physik, Chemie oder auch Mathematik, beginnt die Auflösung des universalen Wissenschaftsbegriffs zugunsten einer stärkeren Betonung der Einzelwissenschaften. Zugleich wurde die mathematischnaturwissenschaftliche Methode Vorbild aller Wissenschaftlichkeit, der gegenüber die Geisteswissenschaften die in ihrem Wesen liegende, andersartige Methodik geltend machten.
„Nun wird in der Regel nicht von der Geisteswissenschaft gesprochen, sondern von den Geisteswissenschaften, also von mehreren Wissenschaften, die sich als ‚geisteswissenschaftlich’ auszeichnen - wir können für unseren Zusammenhang sagen: die mit geisteswissenschaftlichen Methoden arbeiten.“ 15 .
Deshalb fasst Wilhelm DILTHEY in seiner Deutung der Geisteswissenschaften sowohl Geschichts- als auch Gesellschaftswissenschaften zusammen und stellt sie den Naturwissenschaften gegenüber. 16
Aber was sind nun Geisteswissenschaften? In erster Linie verstehen wir darunter die Wissenschaften, die wie der Name es bereits verlauten lässt, den Geist in den Mittelpunkt stellen. So kann man Philosophie, Sprachwissenschaften, Kunstwissenschaften, Theologie, Rechtswissenschaften, Geschichte, aber auch Pädagogik, Soziologie und Psychologie dazu zählen. „Sie sind die Wissenschaften, die im Horizont der uns überhaupt zugänglichen geschichtlichen Zeit die Geschichte selbst, Sprache, Kunst, Dichtung, Philosophie, die Religionen, aber ebenso auch Dokumentationen persönlichen Lebens (...) zum Gegenstand haben und vergegenwärtigen.“ 17 .
Wilhelm DILTHEY gibt in seinem Werk Ideen über eine beschreibende und zergliedernde Psychologie von 1894 eine kurze und prägnante Differenzierung der beiden Wissenschaften: „Die Natur erklären wir, das Seelenleben verstehen wir.“ 18 . Der Fakt der Erfahrung nimmt in den Geisteswissenschaften einen großen, nicht zu verachtenden Stellenwert ein, wogegen die Naturwissenschaften auf Objekten, die sich in Raum, Größe oder Zahl ausdrücken lassen, beruhen. Naturwissenschaftliche Forschung
14 Hufnagel, E.: Der Wissenschaftscharakter der Pädagogik. Band 1: Von Trapp bis Dilthey. Frankfurt/ Main: 1982. S. 130
15 Danner, H.: Methoden geisteswissenschaftlicher Pädagogik. Einführung in Hermeneutik, Phänomenologie und Dialektik. München; Basel: 1994. S. 19
16 Vgl. Hufnagel, E.: Der Wissenschaftscharakter..., S. 130
17 Ritter, J.: Die Aufgabe der Geisteswissenschaften in der modernen Gesellschaft. Münster: 1961. S. 17
18 Dilthey, W.: Ideen über eine beschreibende und zergliedernde Psychologie (1894). In: Dilthey, W.: Gesammelte Schriften. V. Band. Stuttgart/ Göttingen: 1974. S. 144
Arbeit zitieren:
Maik Teichgräber, 2003, Das Wissenschaftsverständnis Wilhelm Diltheys, München, GRIN Verlag GmbH
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