Mit der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten im Oktober 1990 hat sich für die Bevölkerung der ehemaligen DDR die Situation des Arbeitslebens drastisch verändert. Die Hoffnung auf versprochene „blühenden Landschaften“ und ausreichend sichere Arbeitsplätze wurde schon bald gebremst und aufgegeben. Hohe Erwerbslosenquoten in den neuen Bundesländern, allein im März 2003 betrug diese laut Bundsanstalt für Arbeit 19,6 %, zeugen von rapiden Veränderungen innerhalb sozialer und ökonomischer Prozesse.
Besonders stark von dieser „...radikalen Restrukturierung und andauernden Arbeitsmarktkrise in Ostdeutschland [...] , welche die sich in den 1990er Jahren in Westdeutschland vollziehenden Wandlungsprozesse in ihrer Dramatik bei weitem übertraf...“, wurden die Frauen in Mitleidenschaft gezogen-
Die folgende Hausarbeit soll sich mit der Frage beschäftigen wie es zu einer solch nachhaltigen Entwicklung für die weibliche Bevölkerung der ehemaligen DDR kommen konnte. Den Mittelpunkt meiner Ausführungen wird dabei die geschlechtsspezifische Segregation des Arbeitsmarktes bilden, aus der man Rückschlüsse und Gründe für eine erklärende Antwort finden kann. Besonders interessant und aussagekräftig stellt sich dabei der Zeitraum der 80er Jahre dar, indem „...91 Prozent aller Frauen berufstätig waren...“.
Susanne Diemer beschreibt in ihrem Aufsatz zum Problem weiblicher Erwerbstätigkeit die Situation der Frauen der DDR in den späten Achtzigern wie folgt: „...Im Zentrum sozialistischer Gleichberechtigungspolitik steht die Integration der Frauen in das Erwerbsleben. Kein anderer Aspekt der Gleichberechtigung, wie etwa die politische Partizipation von Frauen oder die Frage der familialen Arbeitsteilung fand, und findet sowohl theoretisch als auch praktisch vergleichbare Betrachtung. ...“.
Im Folgenden wird nach einer Begriffsklärung und der damit verbundenen historischen Einordnung des Problems, die geschlechtliche Arbeitsmarktteilung der DDR betrachtet. Beginnend mit einem kurzen Überblick, der die ökonomisch – soziale Entwicklung der „Nachkriegs – DDR“ bis zum Ende der Siebziger Jahre zugrunde legt, wird anschließend der Erwerbsverlauf der Bevölkerung der Deutschen Demokratischen Republik in den Achtzigern mit Hilfe empirischer Studien ausgewertet und analysiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1. Begriffsklärung und historische Einordnung des Problems
2.2. Die Entwicklung der Arbeitsmarktsegregation der DDR von 1949 bis zum Ende der 70er Jahre
2.2.1. Ausgangsbedingungen und Wachstumskonstellationen
2.2.2. Beschäftigungsstruktur in der DDR von 1949 bis zum Ende der 70er Jahre
2.3. Die Situation des weiblichen Werktätigen in den 80er Jahren
2.4. Geschlechtsspezifische Segregation im Erwerbsverlauf im Kontext der familialen Entwicklung
2.5. Die Fluktuation Werktätiger der DDR der 80er Jahre als Ausdruck sozialer Konflikte
2.5.1. Der Begriff der Fluktuation in den 80er Jahren
2.5.2. Analyse der wichtigsten Fluktuationserscheinungen
2.5.2.1. Die betrieblichen Bedingungen, die die Werktätigen der DDR zu Beginn der 80er Jahre zur Fluktuation veranlasst haben
2.5.2.2. Ideelle Bedingungen der Arbeit als Ursachen der Fluktuation
2.5.2.3. Materielle Bedingungen der Arbeit als Ursachen der Fluktuation
3. Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die geschlechtsspezifische Segregation auf dem Arbeitsmarkt der DDR in den 1980er Jahren, um die strukturellen Ursachen für die nach der Wiedervereinigung aufgetretene hohe Erwerbslosigkeit unter Frauen in den neuen Bundesländern zu analysieren.
- Historische Einordnung der Arbeitsmarktsegregation in der DDR von 1949 bis 1989.
- Analyse der Beschäftigungsstruktur und der Situation weiblicher Werktätiger.
- Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Erwerbsverläufen und familialer Entwicklung.
- Erklärung von Arbeitsplatzwechseln (Fluktuation) als Ausdruck sozialer Konflikte im Betrieb.
- Bewertung betrieblicher Bedingungen als Einflussfaktoren auf die Arbeitsmarktdynamik.
Auszug aus dem Buch
2.1. Begriffsklärung und historische Einordnung des Problems
Unter dem Begriff der Segregation versteht man, aus dem Lateinischen übersetzt, die freiwillige oder erzwungene gesellschaftliche, oft auch räumliche Absonderung eines Personenkreises mit gleichen Merkmalen, von der Gemeinschaft.
Die geschlechtsspezifische Teilung, bzw. Abtrennung des Arbeitsmarktes und des Erwerbsverlaufes ist ein zentraler Aspekt der Geschlechterbeziehung. In der Analyse des Problems wird die Aufgabenverteilung zwischen Männern und Frauen untersucht, die durch die sozialen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie die gesellschaftlich vorbestimmten Rollenzuweisungen entstanden ist und durch Traditionen aufrechterhalten wird.
Die Aufspaltung des Arbeitsmarktes in geschlechtsspezifische Berufe und Tätigkeiten ist ein konstruktives Merkmal moderner Industriegesellschaften. Sie entstanden aus einer Notlösung heraus, als in England in Folge der Abrodung der Wälder das Holz rar wurde und man somit auf Kohle als Energierohstoff ausweichen musste. Um diese in ausreichenden Mengen zu fördern, erfand der Engländer Savory im Jahre 1698 die erste dampfgetriebene Pumpe – welche von Watt später weiterentwickelt wurde. Das Zeitalter der Maschinen hatte begonnen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Problemstellung hinsichtlich der weiblichen Erwerbslosigkeit nach der Wiedervereinigung und Formulierung der Forschungsfrage zur DDR-Arbeitsmarktsegregation.
2. Hauptteil: Detaillierte Analyse der historischen Entwicklung, der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung, der Situation in den 80er Jahren sowie der Fluktuationsursachen in DDR-Betrieben.
3. Schluss: Zusammenfassende Betrachtung der Studienergebnisse und Einordnung der Bedeutung geschlechtsspezifischer Berufsstrukturen für den Transformationsprozess nach 1990.
Schlüsselwörter
DDR, Arbeitsmarktsegregation, weibliche Erwerbstätigkeit, Arbeitsmarkt, geschlechtsspezifische Teilung, Fluktuation, Arbeitsplatzwechsel, Industrielle Revolution, Sozialpolitik, DDR-Wirtschaft, Berufsverlauf, Erwerbsbiografie, Beschäftigungssystem, Geschlechterrollen, Arbeitskollektiv.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit der geschlechtsspezifischen Segregation des Arbeitsmarktes in der DDR während der 1980er Jahre und deren Auswirkungen auf die Lebens- und Erwerbsbiografien von Frauen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die historische Entwicklung der Arbeitsmarktsegregation, die Beschäftigungssituation der Frauen, der Einfluss familialer Strukturen auf den Erwerbsverlauf sowie die Ursachen von Fluktuation in DDR-Betrieben.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Erklärungsansätze für die hohe Erwerbslosigkeit von Frauen in den neuen Bundesländern nach 1990 zu finden, indem die spezifischen Strukturen des DDR-Arbeitsmarktes untersucht werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Die Arbeit stützt sich auf die Auswertung und Analyse vorhandener empirischer Studien sowie soziologischer und wirtschaftshistorischer Literatur zur Arbeitsmarktsituation in der ehemaligen DDR.
Was deckt der Hauptteil der Arbeit ab?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Einordnung der Segregation, die Analyse der Beschäftigungsstrukturen in verschiedenen Zeitabschnitten und die Untersuchung von betrieblichen Fluktuationsursachen anhand ideeller und materieller Faktoren.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie geschlechtsspezifische Segregation, DDR-Arbeitsmarkt, Frauenförderung, Fluktuation und betriebliche Sozialkonflikte charakterisiert.
Inwiefern beeinflusste die "familiale Entwicklung" die Berufswahl der Frauen in der DDR?
Die Studie zeigt, dass Frauen oft Berufe wählten, die eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichten, wobei dies häufig mit Qualifikationseinbußen und einer Konzentration in bestimmten Wirtschaftsbereichen einherging.
Warum wird die "Fluktuation" als Ausdruck sozialer Konflikte interpretiert?
Fluktuation wird als Versuch der Werktätigen gewertet, betriebliche Bedingungen – wie etwa ein unbefriedigendes Betriebsklima oder mangelnde Informationsweitergabe –, die nicht mit ihren persönlichen Erwartungen korrespondieren, durch einen Arbeitsplatzwechsel zu umgehen.
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- Maik Teichgräber (Author), 2003, Geschlechtsspezifische Segregation in der DDR der 80er Jahre, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19185