Gliederung
Tommaso Pirtinari - ein Vertreter der Medici in Brügge
1. Die Familie Medici - Aufstieg und Einfluß des Florentiner
Gro ßbürgertums. S.3
2. Die Florentiner Patrizierfamilie Portinari - ihre Bedeutung in und für
Florenz. S.4
3. Geschichte der Familie des Tommaso Portinari - eine Schicksalsgeschichte im
Altarbild.
S.5
4. Tabellarische Lebensdaten von T. Portinari und seinem
Umkreis. S.7
5. Gestaltung, Auftrag und Funktion des Portinari-
Altars. S.8
Der niederländische Maler Hugo van der Goes
1. Kurzbiographie des niederländischen Meisters Hugo van der Goes (1467-
1482 ) S.11
2. Die Bedeutung und Rezeption von Hugo van der Goes und seinem Portinari-
Altar. S.12
Der kulturelle Austausch zwischen Nord- und Südeuropa
1. Der Einfluß Italiens in den nordischen
Landen. S.13
2. Der Einfluß der Niederländer in
Italien. S.13
3. Bedeutung und Wirkung des Portinari-Altars in
Florenz. S.15
Literaturverzeichnis. S.17
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I. Tommasio Portinari - ein Vertreter der Medici in
Brügge
1. Die Familie Medici - Aufstieg und Einfluß des Florentiner Großbürgertums
Der Aufstieg der Florentiner Bankiersfamilie Medici, die bis ins 18. Jahrhundert hinein in Florenz, in der Toskana, in Europa eine beherrschende Rolle spielte, ist so einmalig, wie die Raffinesse ihrer politischen Methoden, die von der Ernennung Giovanni di Medicis 1413 zum Bankier des Papstes, über die eigene Erlangung des Papstthrones des ersten Medici 1513 (von insgesamt dreien) als Leo X. und schließlich sogar zur Thronbesteigung Katharina di Medicis als Königin von Frankreich zwanzig Jahre später führten.
Anfang des 13. Jahrhunderts siedelte die Familie Medici aus dem Mugello, einer Landschaft nördlich von Florenz, in die Stadt am Arno über 1 .
Ende des 14. Jahrhunderts gingen aus den Kämpfen der „popolo grasso“ und dem „popolo minuto“ wenige reiche Familien als Sieger hervor, die fortan die Geschicke der Stadt, auf die weder König noch Papst mehr Einfluß nehmen konnte, bestimmten. Giovanni d`Averardo (di Bicci) hatte sich zu Ende des Trecento dem Bankwesen zugewandt und den Grundstock des Familienvermögens mit Filialen in Venedig, Neapel und Brügge gelegt.1433 wurde Giovannis Erbe Cosimo (Il Veccio - Der Alte) auf Betreiben der konkurrierenden Albizzi -Familie in die Verbannung geschickt. Ein Jahr später verschoben sich die Machtverhältnisse und er kehrte mit triumphalem Einzug zurück, um die Abizzi zu verbannen. Dem Mißtrauen ihrer Mitbürger begegneten die Medici fortan als Förderer der Künste, wobei sie die Stadtsymbole (Herkulus) zunehmend für ihre Zwecke und Popularität nutzten. Ein weiterer Ausdruck der mediceischen Kunstpolitik ist der Palazzo Medici an der Via Larga, mit dessen Bau 1444 von Michelozzo begonnen wird. Cosimos Sohn Piero (Il Gottoso - der Gichtbrüchige) verlegte die Förderung von Profan- und Sakralbauten auf die Stiftung devotionaler Kunstwerke innerhalb bestehender Kirchen. Pieros Orientierung an der Hofkultur, zumal des Nordens, führte zu einem lebhaften Kunstimport. Tafelbilder, Bildteppiche und Gegenstände des Kunsthandwerks internationalisierten das Florentiner
1 Christina Luccinat, Mario Scalini - Die Pracht der Medici, München, London, New York 1998, S. 5 ff.
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Kunstleben. Die „elegante ritterliche Lebensart des burgundischen Hofes“ (Aby Warburg) fand Eingang in die toskanische Handelsmetropole.
Pieros erstgeborener Sohn Lorenzo (Il Magnifico), der zum eigentlichen Herrscher in Florenz Aufstieg, obwohl er selbst kein Ratsmitglied war, förderte den Kunstexport und zugleich die Ausbildung junger Künstler (u.a. Michelangelo). Nach seinem Tod wendete sich das Schicksal der Medici, da es seinem Sohn Piero nicht gelang das von Savonarola und den oppositionellen Parteien aufgewiegelte Volk zu beruhigen, so daß die Medici 1494 ein zweites Mal aus Florenz vertrieben wurden.
Das Mäzentum der Familie Medici liegt in ihrer moralischen Zwiespalt zwischen Bankgeschäft und Wuchertum begründet 2 . Bereits Giovanni Bicci stiftete zu Brunelleschis Umbau der San Lorenzo in Florenz und insbesondere sein Nachfolger Cosimo trachtete danach „alles den Armen zurückzugeben“, da er sich als Schuldner Gottes fühlte.
2. Die Florentiner Patrizierfamilie Portinari - Bedeutung in und für Florenz Der Name Portinari steht für eine ehrwürdige, traditionsreiche Florentiner Familie, deren Urvater Folco das Spital von S. Maria Nuova in Florenz bereits im Jahre 1288 begründet und damit das Patronatrecht der sich dort befindlichen Kapelle San Egido inne gehabt hatte 3 . Mitte des 15. Jahrhunderts begannen die Portinari, die Chorkapelle mit einem Marienzyklus auszustatten, an dem u.a. die Künstler Domenico Veneziano, Alesso Baldovinetti und Andrea del Castagno mitwirkten. Leider ist von diesem Zyklus in der heutigen Zeit nicht mehr viel erhalten geblieben. Der Vitenschreiber der Hochrenaissance, Giorgio Vasari, berichtet in seinen „Le vite de piu excellenti pittori, scultori e architettori“, daß die Wandfresken außerdem Porträts der Familie Portinari enthielten 4 .
Den ikonographischen Mittelpunkt bildete jedoch zweifelsohne der „Portinari-Altar“ (Abb.1) von Hugo van der Goes, dem weitere Aufträge flämischer Meister - insbesondere Porträtbilder von Hans Memling (1440-94) - folgten. Für die Florentiner Künstlergeneration des späten Quattrocento bot sich somit in der Familienkapelle der Portinari in S. Maria Nuova seit den 1480er Jahren eine regelrechte Galerie ganz unterschiedlicher altniederländischer und italienischer Bildtypen, die aufgrund ihres Bildtypus und Technik einen interessanten
2
Ernst H. Gombrich - Die Kunst der Renaissance, Stuttgart 1985, S. 54 f.
3 Susanne Kress - Memelings Tryptichon des Benedetto Portinari und Leonardos Mona Lisa, S. 224
4 Giorgio Vasari - Le vite de piu excellenti pittori, scultori e architettori, hrsg. Gaetano Milanesi, Florenz 1878-
1885, Bd. II. (Die Kirchen von Florenz) Walter und Elisabeth Paatz , Frankfurt 1953, S. 677 ff.
5
Kontrast und zugleich „interkulturelle“ Vergleichsmöglichkeiten geboten mögen haben. Die Bedeutung der Kapelle als dem Zentrum künstlerischer Inspiration und Schaffens trug wohl auch seit dem 14. Jahrhundert die Stellung als Treffpunkt für Versammlungen der Florentiner Malergilde bei, die den Patron der Maler - den heiligen Lukas - hier verehrte und somit die verschiedenen Epochen und Stile zur Orientierung stets vor Augen hatte.
Es sei noch bemerkt, daß sich eben aus dieser Versammlung in späteren Zeiten die berühmte „Accademia del Disegno“ entwickelt hat 5 ...
3. Die Geschichte der Familie des Tommaso Portinari (1432-1501)eine Schicksalsgeschichte im Altarbild
Tommaso Portinari (1432 -1501) war, neben Angelo Tani, der Jüngere der beiden Medici-Agenten in Brügge. Er war ab ca. 1460 Finanzmann am burgundischen Hof und übernahm ab 1469 deren eigentliche Leitung, um Tani ab 1471 endgültig auf die zweite Position zu drängen. 1470 hatte Tommaso sich mit der vierzehnjährigen Maria Baroncelli verheiratet, mit der er 10 Kinder bekam: Maria (1471), Antonio (1472), Pigello (1474/76), Guido (1476/77), Margherita (1475), Dianora (1479), Francesco (um 1487), Giovanni Batista, Gherardo und Folco.
Stifterbildnisse waren seit jeher Ausdruck religiöser Frömmigkeit und der Suche nach dem Seelenheil. Sie dienten dabei zum Teil auch karikativen Zwecken. Die religiöse Kultur des Spätmittelalters war noch tief in der Lebenswelt der Menschen der Renaissance verankert und Privatpersonen, sowie Gemeinschaften stifteten, neben Altären, auch Seelenmessen, Prozessionen, Wallfahrten oder kostbare Meßgewänder. Durch Stiftungen, auch fromme Werke genannt, wollten die Gläubigen die Sündenstrafen mildern, die jeden Menschen nach seinem Tod beim Jüngsten Gericht treffen würden. Außerdem äußerte sich bei den wohlhabenden Familien damit auch ihr Prestigebedürfnis. Zur Stiftung eines Altars gehörte neben der Einrichtung eines Altartisches eine Geldsumme, aus deren jährlichen Zinseinkünften ein Priester bezahlt wurde. Dieses Einkommen, die sogenannten Pfründe, verpflichteten den Geistlichen, regelmäßig zum Gedenken des Stifters Seelenmessen zu lesen. Das Besitzrecht an dem gestifteten Altar wurde oftmals mit deutlich sichtbarem Familienwappen am Altargemälde bekräftigt, mitunter ließ sich der Stifter auch auf den
5 Susanne Kress, aaO, S. 233, Anm. 36
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Arbeit zitieren:
M.A. Martina Merten, 2000, Die Medici als Auftraggeber: Hugo van der Goes - Der „Portinari-Altar“ (ca. 1475-78), München, GRIN Verlag GmbH
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