"Apokalyptiker und Integrierte"
- Theoretische Überlegungen zum richtigen Umgang mit Produkten der Massenkultur und
"Hochkultur, Massenkultur, Subkultur. Grenzziehung im Kulturbetrieb"
Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkung S. 3
I. Theoretische Forderungen 3
Grundvoraussetzungen für den Umgang 3
mit Gütern der Massenkultur
Leitfaden zur Untersuchung von Pro- 6
dukten der Massenkultur
II. Lektüre von Steve Canyon 7
Analyse der Botschaft 8
Die Sprache des Comic 9
Abgeleitete Fragen S 10
Hume und der Inder: Einleitung in die S 12
empirische Forschung
Die Aufgabe der Kritik und der Ge- S 14
schichtsschreibung
III. Schlussbemerkung S 15
IV. Literaturnachweis S 16
2
Vorbemerkung
Ziel dieser Arbeit ist es, die in dem Buch "Apokalyptiker und Integrierte" von Umberto Eco vorgeschlagenen Vorgehensweisen für einen sinnvollen wissenschaftlichen Umgang mit den Produkten der Massenkultur herauszuarbeiten, um dann an einem Beispiel zu untersuchen, in wie weit Eco selbst diese bei seinen Untersuchungen von Massenprodukten beherzigt und angewendet hat. Zu diesem Zweck habe ich die Kapitel der "Einleitung" 1 , "Massenkultur und 'Kulturniveaus'" 2 und "Die Struktur des schlechten Geschmacks" 3 , die sich mit dem Thema Kultur und Massenkultur im allgemeinen beschäftigen, unter dem Gesichtspunkt untersucht, welche theoretischen Anforderungen an den angemessenen Umgang mit (Massen-) Kulturprodukten jeglicher Art gestellt werden. Danach habe ich das Kapitel "Lektüre von Steve Canyon" 4 bearbeitet und herauszufinden versucht, wie Eco bei der Analyse eines Werkes aus dem Bereich der Unterhaltung vorgeht. Ich habe mich dabei an die Strukturierung des Kapitels gehalten um die Argumentationsstruktur in ihrer chronologischen Reihenfolge nachvollziehen zu können.
I. Theoretische Forderungen
Im Gegensatz zu den meisten Theoretikern und Philosophen, die sich gleichzeitig mit ihm mit dem Thema „Massenkultur“ beschäftigt haben, vertritt Eco in den in dem Buch „Apokalyptiker und Integrierte“ gesammelten Texten, die bereits in den 60er Jahren des 20sten Jahrhunderts entstanden, keine durchweg ablehnende oder abwertende Haltung gegenüber den in der und durch die Massenkultur hervorgebrachten Produkte. Für den angemessenen Umgang mit diesen Produkten schlägt er einige Vorgehensweisen vor, die ich im Folgenden darstellen möchte.
Grundvoraussetzungen für den Umgang mit Gütern der Massenkultur.
Bevor die eigentliche Analyse des einzelnen Werkes der Massen- und Konsumkultur beginnen kann, müssen 3 Voraussetzungen erfüllt sein.
1 Umberto Eco, Apokalyptiker und Integrierte, S. 15 - 35. Von nun an: AI
2 AI, S. 37 - 58
3 AI, S. 59 - 115
4 AI, S. 117 - 159
3
Zu allererst muss die Bereitschaft dazu vorhanden sein, sich kritisch (und nicht polemisch) im Sinne einer wissenschaftlichen Untersuchung mit den betreffenden Objekten auseinanderzusetzen. Diese Aufforderung gilt insbesondere den "Apokalyptikern" des Titels. Die konservativen Kulturphilosophen und -kritiker haben es lange Zeit nicht für notwendig erachtet, sich mit den Strukturen und Inhalten sowie den Formen des Ge- und Verbrauchs der Massenprodukte ernsthaft wissenschaftlich zu beschäftigen 5 .
Eng mit diesem Punkt ist die Ablehnung der sogenannten "Begriffsfetische" verbunden. Die strikte Weigerung der Wissenschaft, sich näher mit den Konsumerzeugnissen zu befassen, führte in diesem Punkt zur Einführung und Anwendung bestimmter Schlagworte, die den jeweiligen Sachverhalt auf eine einzige Vokabel reduzieren, wie "Massenkultur", "Kulturindustrie", "Massenmensch" oder "Masse". Eco schließt den Gebrauch solcher Fetische im sinnvollen Diskurs für beide Seiten vehement aus. Die Anwendung von Fetischen evoziert emotionale Reaktionen und blockiert damit die Diskussion 6 . Außerdem werden diese Vereinfachungen den zum Teil sehr komplexen und differenzierten Begebenheiten nicht gerecht. Die sogenannte "Masse" setzt sich beispielsweise bei genauerer Betrachtung aus verschiedenen untereinander höchst verschiedenen und selbst innerhalb weit differenzierten Gruppen von Personen zusammen. Die Zusammenfassung unter dem Begriff der "Masse" ermöglicht es, mit einem einzigen Begriff die Gesamtheit der möglichen Adressaten zu erfassen, lässt jedoch jede Form von Unterscheidung der einzelnen Individuen völlig außer acht.
Als zweites darf ein Diskurs über die heutige Medien- und Massenkultur nicht losgelöst von ihrer historischen Entwicklung und ohne Einbeziehung der möglichen lokalen und temporalen Unterschiede geführt werden. Für Eco liegt die Keimzelle einer Kultur für die Massen bereits in der Erfindung des Druckes mit beweglichen Lettern, wenn nicht noch früher 7 . Massenkultur und Avantgardekultur sind nicht als zwei voneinander unabhängige Phänomene zu begreifen, sondern als zwei Ausformungen einer einzigen Entwicklung, die sich in ihrem Entstehen gegenseitig beeinflusst haben 8 . Erst mit der fortschreitenden Produktion von leicht und schnell herzustellenden Massenwaren, welche die Bedürfnisse der Menschen decken (Beispiel Photographie), wird die Kunst frei, so etwas wie eine Avantgarde zu entwickeln. Damit verliert diese den Status als "aristokratischer Vorläufer", der unbeeinflusst bleibt von den Entwicklungen der Massenkultur und ihr vorausgeht.
6 Vgl. AI, S. 19
7 Vgl. AI, S. 19 - 22
8 Vgl. AI, S. 65 f.
4
Quote paper:
Katrin Jansen, 2003, Umberto Eco, Apokalyptiker und Integrierte - Theoretische Überlegungen zum richtigen Umgang mit Produkten der Massenkultur und deren praktische Umsetzung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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