VWL – Skript 4. Semester 2000 Thomas Kramer
und Nachfragern erwachsen
(Ein Markt liegt vor, wenn eigennützig handelnde Aktuere in Austauschbeziehung zueinander treten, die nicht zentral geplant ist)
Akteure: Einzelne Personen
Kollektive (Organisation, Haushalte, Unternehmen)
Akteure müssen sich nicht an einem Ort treffen (räumlich Trennung
z.B. beim Versandhandel oder bei Devisengeschäften)
Zeitlicher Bezug:
Leistung & Gegenleistung müssen nicht simultan erfolgen
Märkte lassen sich beobachten, wo Akteure ihre Freiheitsspiel-
räume zur Erreichung eigenener Ziele nutzen
Warum handeln ?:
Wettbewerb um knappe Güter und Ressourcen
Märkte sind untrennbar mit Wettbewerb bzw. Konkurrenz
Ziele stehen im Konflikt mit anderen Akteuren, die dieselben Güter
Diese Konkurrenz schlägt sich in den Austauschverhältnissen
(Preisen) nieder
Dynamischer Charakter: Der dynamische Charakter des Marktes schafft durch die
3. Was wird auf einem Markt getauscht ?
Die Verfügungsrechte an einem Gut setzen sich aus 4 Typen zusammen:
Rechte, welche die Art der Nutzung betreffen (Usus):
z.B. das Recht, ein Gut zu gebrauchen und den Rest der Welt von dem Gebrauch auszuschließen Rechte, formaler oder materieller Veränderungen an einem Gut vornehmen (Ab Usus) Rechte der Aneignung von Gewinnen und Verlusten, die durch die Nutzung des Gutes entstehen („Fruchtziehungsrechte“, Usus Fructus) Rechte zur vollständigen oder teilweise Veräußerung oder Übertragung des Gutes an Dritte
Voraussetzung: Private und/oder staatliche Definition (Restriktionen, Rahmen-
regelungen zur Einhaltung der p.r.) der Verfügungsrechte
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Nutzen eines Gutes und damit sein Preis wird durch die
verbundenen Verfügunsrechte bestimmt (je höher der Nutzen
eines Gutes, desto höher sein Preis)
4. Was kostet die Inanspruchnahme des Marktes ?
Transaktionskosten: ( Treten bei Abschlüssen von Verträgen (bei Austauschprozessen) auf)
( Je geringer die Transaktionskosten, desto vorteilhafter ist es, ein Gut auf dem Markt zu erwerben anstatt es selber herzustellen)
Unterteilung in:
Höhe der Transaktionskosten:
Je mehr durch den Staat überwacht wird (durch Gesetze, Rechte, ...), desto geringer die Transaktionskosten, da Aufwendungen der Akteure zur Kontrolle entfallen.
Erst dadurch kommt es zu einem höheren Austausch von Gütern
Unvollständigkeit der Verträge:
Da für das Vertragsverhältnis nicht alle relevanten Entwicklungen im voraus schriftlich festgehalten werden können, ist das Risiko, einen lückenhaften Vertrag anzunehmen geringer, wenn man auf einen funktionsfähigen rechtlichen Rahmen bauen kann, der für einen fairen Interessensausgleich sorgt.
5. Zum Wettbewerbsbegriff
Wirtschaftlicher Wettbewerb wird verstanden als:
das selbstständiges Streben sich gegenseitig im Wirtschaftserfolg beeinflussender Anbieter oder Nachfrager (Mitbewerber) nach Geschäftsverbindungen mit Dritten (Kunden) durch Inaussichtstellen möglichst günstiger Geschäftsbedingungen
Ziel der Wettbewerbspolitik ist die Erhaltung und Förderung von Wettbewerb:
es gibt zwar divergierende Detailaussagen,
jedoch ist ein Grundkonsens vorhanden:
Freiheit
-
6. Elemente von Wettbewerbsdefinitionen
1. Strukturelle Komponente:
- Existenz von Märkten mit mind. 2 Anbietern oder Nachfragern
- Marktzutritts und –austrittsmöglichkeit
- Wettbewerb findet auf einer Marktseite statt
- Beziehung der Wettbewerber zueinander über Raum, Zeit und Objekt
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2. Verhaltenskomponente:
- Wettbewerbliches Verhalten ist antagonistisch
- Gegensatz: synagogisch oder kooperativ
- Nutzenmaximierung unter Einsatz von Aktionsparametern
3. Prozessuale Komponente:
- „actio“ und „reactio“ im Zeitablauf (Innovation und Imitation) (Ständiges gegenseitiges Überholen der Unternehmen)
7. Funktionen des Wettbewerbs
Gesellschaftliche Funktion
1. Freiheitsfunktion:
- Handlungs- und Vertragsfreiheit
- Materielle Entschießungsfreiheit: Fähigkeit, im Rahmen der gesetzlichen Regelung selbstgesteckte Ziele zu verwirklichen.
⇒ materielle Entschließungsfreiheit abhängig von individueller Ressourcenausstattung ⇒ kein Marktmachtgefälle bei Verwirklichung beider Freiheiten ⇒ Wettbewerb verhindert Marktmachtkonzentration ⇒ Handlungsfreiheit und materielle Entschließungsfreiheit fallen auseinander, deshalb Einschränkung der Vertragsfreiheit (Kartellgesetz) um Idealzustand herzustellen
Statische Funktionen
2. Einkommensverteilung:
- Verteilung der Markteinkommen entsprechend der Marktleistung, die durch die Produktivität und Zahlungsbereitschaft der Nachfrager bestimmt wird ( leistungsgerechte Entlohnung)
- Primäre Verteilung, sekundäre aus gesellschaftlichen Gründen durch Steuern
3. Angebotszusammenstellung: (Selektionsprozess)
- Erstellung und Verteilung des Angebotes entsprechend den Präferenzen der Konsumenten
- Wettbewerb soll optimales Angebot für die Nachfrage bereitstellen
4. Optimale Faktorallokation:
- Minimierung des Einsatzes von Produktionsfaktoren
- Maximierung der mit einer bestimten Faktorausstattung erzielbaren Wertschöpfung
Dynamische Funktionen
5. Anpassungsflexibilität:
- Anpassung an veränderbare Rahmenbedingungen (∆ Nachfragestruktur, ∆ Prod.- technik,∆ Innovation, ∆ Präferenzen), um (2)-(4) zufriedenstellend erfüllen zu können
6. Technischer Fortschritt:
- Förderung des technischen Fortschritts, da wenn technischer Fortschritt ↑ = Wachstum der gesellschaftlichen Wohlfahrt ↓
- Erlangung von Wettbewerbsvorteilen durch Innovation (Problem: Anreizmechanismus Monopol vs. Kein Patentschutz)
8. Koordinationsmängelkonzept
Es gibt 4 Funktionen, die bei Nichterfüllung zum Marktversagen führen / hindeuten:
Markträumungsfunktion: (Ausgleich von Angebot und Nachfrage) hinreichende Tendenz zum Gleichgewicht
Renditenormalisierungsfunktion: Ausgleich von risikobehafteten Renditen, um ... unerwünschte Engpässe / Überkapazitäten zu verhindern
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Übermachterosionsfunktion: (Beseitigung von dauerhafter Übermacht) Innovationsverbreitungsfunktion: (Verhinderung dauerhafter Innovationsrückstände) s. Übersicht A1.1, S. 26 im Buch
9. Der Zielkatalog des Wettbewerbs
Gesellschaftliche Grundwerte:
Wirtschaftspolitische Ziele:
10. Zur Freiheitsfunktion als metaökonomischem Ziel
Gewährleistung von Handlungsfreiheit:
Enthält der Zielkatalog des Wettbewerbs auch „Wettbewerbsfreiheit“ ? Dies ist strittig in der Literatur. Man unterscheidet 2 Aspekte:
⇒ relativ große Handlungsfreiheit der einzelnen Wirtschaftssubjekte (Unternehmer und Verbraucher)
NICHT absolute Handlungsfreiheit, da Freiheitsgewinn des einen, einen Freiheitsverlust für den
anderen darstellt = reziprokes Freiheitsverhältnis zwischen den Wirtschaftssubjekten) ⇒ Wahlmöglichkeiten und Handlungsspielräume müssen hinlänglich gleichgehalten werden
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relative breite Streuung wirtschaftlicher Macht, damit die Funktionsfähigkeit der parlamentarischen Demokratie nicht eingeschränkt wird.
11. Zur Verteilungsfunktion
Voraussetzung:
Druck durch andere Marktteilnehmer
Gerechtigkeitsvorstellungen:
Primärverteilung nach Leistungsprinzip ( Verteilung gemäß „property rights“)
- Wer viel leistet, bekommt auch viel Einkommen
- (...) , hat Recht auf Einkommen (Gewinne/Verluste)
Wettbewerb baut Übergewinn durch Markteintritt bzw. Kapazitätsauf- / -abbau ab:
Übergewinne darf nur derjenige erzielen,... Wer besonders knappe Güter besitzt
12. Zur Anpassungsfunktion
exogen verursachte Strukturänderungen (Nachfrageexpansion / -kontraktion) führen über
Wettbewerb zur „optimalen Anpassung“.
Nachfrageänderung: ∆ Präferenz |
∆
Faktor
∆
Einkommensverteilung | Angebotsüberhang !!!
∆
Nachfragekurve
Angebebotsänderung: - hat negativen Effekt für Anbieter
- Anbieter haben nicht mehr so viele Gewinne wie vorher
- Kapazitätsabbau
- ∆ Angebotskurve (Verschiebung der Angebotskurve)
- Gleichgewicht wiederhergestellt
13. Zur Fortschrittsfunktion
Verfahrensinnovation:
neue Prozesse
Anreizmechanismen:
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Suchprozess:
Suche & Gewinnung nach neuen Problemlösungsverfahren / theoretischen Erkenntnissen technisches Wissen ↑
Entdeckungsprozess:
- Gefundenes nutzbar machen
- Wissen ist in anwendbare Technik zu transformieren (Inventionsprozess) Lernprozess:
Das neue Wissen durch Information & Lernen verbreiten Kostensenkungsprozess
Ausleseprozess:
Nur die Leistungsfähigsten können sich am Markt behaupten
- Diese Prozesse verursachen Kosten und sind sehr risikoreich
- Das Risiko wird daher oftmals vermieden
- Trotzdem müssen Unternehmen solche Prozesse implementieren, um am
Markt / Ball zu bleiben (Sicherung der Unternehmensexistenz)
14. Charakterisierung des Wettbewerbsprozesses
Wettbewerb:
als dynamischer Prozess mit Kontroll- und Steuerungsmechanismen (finanzielle Sanktionen) zu verstehen Dynamischer Prozess: Druck auf Preise & Gewinne löst Gewinn- &
Wettbewerb führt zu einer tendenziellen Realisierung des vorhandenen Zielkatalogs, da... Zwang zum rationalen Handeln gegeben wird (Verwirklichung der
15. Wettbewerb als Ziel oder Mittel ?
- Gerechtigkeit (Hoppmann hat den Schwerpunkt auf die Konsistenz von Zielsystemen gelegt)
- Instrumente
Mittel:
(Kanzenbach hat den Schwerpunkt auf die Konsistenz der Mittel gelegt)
Ziel & Mittel sollen ein zusammenhängendes System sein Mit welchen Mitteln kann welches Ziel erreicht werden (Berücksichtigung von Nebenbedingungen und konkurrierenden komplementären Zielen)
Ziel & Mittel werden nicht getrennt betrachtet, sie müssen auf Konsistenz geprüft werden:
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entscheiden
Zielkonflikte:
Marktgeschehen sorgt für max. Anpassungsdruck und daher opt. Interindustrielle Allokation (vor allem im homogenen Polypol) jedoch keine Handlungsspielräume für die Marktteilnehmer man ist gezwungen, so zu handeln, wie es der Markt verlangt Wenig technischer Fortschritt (aufgrund der niedrigen Gewinnspielräume) Marktgeschehen ist nicht mit der Verteilungsgerechtigkeit kompatibel Welche marktstrukturellen Voraussetzungen müssen für gute Ergebnisse gegeben sein ? Welcher Grad an Dezentralisierung kann in einer hochtechnisierten Volkswirtschaft noch aufrecht erhalten werden ?
17. Erste Dilemmathese (Theoretische Realisierbarkeit der Funktionen)
Zielkonflikte innerhalb der ökonomischen Funktion
Gegensätze:
Das Dilemmaproblem hier ist, wenn technische und organisatorische Erfordernisse große Unternehmenseinheiten und hohe Konzentrationsgrade notwendig machen !!! Fortschritt vs. Allokation
18. Zweite Dilemmathese (Effektive Chancen zur Realisierung der Funktionen)
Das Dilemmaproblem hier ist die Diskussion zwischen der theoretisch möglichen Realisierbarkeit der Funktionen und deren effektiven Chancen realisiert zu werden !!!
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19. Bedingungen zur Gültigkeit der Dilemmathesen
Die beiden Dilemmathesen gelten nur unter folgenden Voraussetzungen:
Es existieren Größenvorteile (economies of scale), die die Errichtung großer Unternehmenseinheiten erforderlich machen Die Fortschrittsfunktionen großer Unternehmen sind grundsätzlich größer Die Errichtung von Großunternehmen impliziert hohe Konzentrationsgrade auf den betroffenen Märkten Hohe Konzentrationsgrade bedingen sinkenden Wettbewerbsdruck, wodurch die Anpassungs- und Fortschrittsneigung der Unternehmen abnimmt Hohe Konzentrationsgrade implizieren niedrige Grade an wirtschaftlicher Freiheit für andere Markteilnehmenr, nämlich die Marktgegenseite und potentielle Konkurrenten
20. Bedingungen zur Gültigkeit der Harmoniethesen
Diese Vermutungen (Voraussetzungen der Dilemmathesen) werden von den Anhängern
der Harmoniethesen bezweifelt
Diese sagen:
D.h., im wettbewerblichen Marktprozess bilden sich die jeweils optimalen Größen von selbst heraus, da nur sie überleben Es existieren zwar Größenvorteile, ihr Ausmaß ist aber nur in sehr wenigen Bereichen erheblich Es gibt keine einheitliche, d.h. für alle Phasen des Fortschrittsprozesses gleiche und zudem hohe fortschrittsoptimale Unternehmensgröße Selbst wenn große Unternehmenseinheiten erforderlich sind, ergeben sich nicht notwendigerweise auch hohe Konzentrationsgrade.
Zu berücksichtigen ist die Erweiterung der Märkte durch:
Verbreitung der Produktpaletten
Wettbewerbliche Anpassungs- und Forschungsprozesse können auch bei geringer Zahl von Markteilnehmern stattfinden (Wichtiger ist die Freiheit des Marktzutritts) Geringe Zahl von Marktteilnehmern impliziert nicht automatische Freiheitsbeschränkungen für andere Marktteilnehmer Große Unternehmen kaufen innovative kleinere Unternehmen auf Große Unternehmen tätigen eher Verfahrensinnovationen, kleinere eher Basisinnovationen Bei hohem Konzentrationsgrad ist die prinzipielle Rivalität am höchsten
21. Marktversagen als Begründung für (wettbewerbliche) Ausnahmebereiche
Arbeit zitieren:
Thomas Kramer, 2000, Wettbewerbstheorie und -politik, München, GRIN Verlag GmbH
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