Werdegang vom Expressionismus zum Nationalsozialismus
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Heinar Schilling
Werdegang vom Expressionismus zum Nationalsozialismus
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Schilling als Expressionist 3
3. Krisenjahre nach dem Krieg 5
4. Desillusionierung und Abwendung vom Expressionismus 7
5. Allgemeine Situation 11
6. Nationalsozialismus und Ende 12
7. Resümee 14
8. Quellenangabe 16
2
1. Einleitung
Sowohl ein Gedicht zu Ehren Karl Liebknechts, des linksrevolutionären Anführers des Spartakusaufstandes, als auch eine faschistisch getönte germanische Weltgeschichte stammen aus der Feder Heinar Schillings, der zunächst Expressionist war und in der Zeit der Weimarer Republik einen Wandel zum Nationalsozialisten vollzog. Dieser Wandel ist schwer zu verstehen, denn beide Standpunkte scheinen verschiedener nicht sein zu können. Es soll daher Ziel dieser Hausarbeit sein, den Werdegang Schillings nachzuvollziehen und Gründe dafür vorzustellen. Hierzu wird es nötig sein, die geschichtlichen und politischen Entwicklungen Deutschlands in dieser Zeit näher zu beleuchten.
Heinar Schilling wurde am 20. Oktober 1894 in Dresden geboren, als Sohn des bekannten Bildhauers Johannes Schilling 1 . Er studierte Germanistik und Philosophie in München, Leipzig, Kiel und Berlin. Als junger Mann diente Schilling im ersten Weltkrieg, und noch während dessen Verlauf gründete er den „Dresdner Verlag von 1917“. 2
2. Schilling als Expressionist
Viele Merkmale, die heute als solche des Expressionismus gelten, lassen sich sehr gut bei Heinar Schilling feststellen. Ich möchte daher die wichtigsten hier vorstellen, um zu verdeutlichen, dass Schilling nicht nur peripher mit dem Expressionismus in Kontakt kam, sondern vollständig in diese Literaturepoche eingebunden war. Schilling war 1917 Mitbegründer der „Expressionistischen Arbeitsgemeinschaft Dresden“, rief später zur Gründung der „Dresdner Sozialistischen Gruppe der Geistesarbeiter“ auf und war Mitglied der seit 1919 bestehenden „Expressionistischen Arbeitsgemeinschaft Kiel“. Die Gruppenbildung ist zwar kein Novum, aber doch ein Phänomen des Expressionismus, in dem es zu über 40 Gruppierungen kam, die meist in Beziehung zu Zeitschriften und Verlagen standen. Grund für das Zusammenfinden war beispielsweise die schwierige Situation während des ersten Weltkrieges, Kriegsproteste ließen sich durch die gefährliche Zensur nur innerhalb kleiner Gruppen von Vertrauten kundtun. Natürlich verbesserte die Mitgliedschaft in einer
1 Das monumentale Bronzestandbild der Germania in der Nähe von Rüdesheim stammt von Johannes Schilling.
2 Biografische Fakten entnommen aus: Stark, Michael: „...wenn uns der sturm betrogen“ - Vom Expressionismus zum Faschismus. In: Dresdner Hefte (S. 71)
3
Vereinigung auch die Chancen auf Rezeption und Resonanz auf einem immer größer werdenden Literaturmarkt und verhalf den Dichtern so aus der Isolation. Unter der Herausgabe von Schilling und Felix Stiemer erschien seit dem 15. Januar 1918 beim Felix Stiemer Verlag die Zeitschrift „Menschen“ 3 . In dieser ersten Ausgabe wurden unter anderem vier Gedichte Schillings abgedruckt, die die Schrecken des Krieges mit Versen wie „An dem Weg fielen allzuviele“ und „Rot raucht Blut, Menschenleiber zerreissen“ verdeutlichen. Auch die im Krieg verlorene Menschlichkeit kommt durch die Zeile „Brüder des Menschen, wo bliebet ihr?“ 4 zum Ausdruck und es zeigt sich hier deutlich, dass Schilling zu diesem Zeitpunkt eine kriegsgegnerische Haltung einnahm. Und dass er die Formel „Protest gegen Mord und Irrsinn“ 5 in seinem Vortrag über die Eigenschaften und Anliegen des Expressionismus verwendete, bezeugt, dass er die Antikriegshaltung für einen Wesenszug desselben hielt. 6 Auch war es ihm wichtig, den Expressionismus als etwas Innovatives zu kennzeichnen, das an keine Tradition anschließt. Die Kunst solle man nicht verstehen, wichtig sei das Gefühl, „auf Fühlen kommt es an“, „man sehe - oder sehe nicht“ 7 . Dieser Anspruch an die Kunst ist allerdings nicht neu, man findet ihn beispielsweise auch in der gefühlsbetonten Lyrik der Romantik, die gegen die Rationalität Position bezog. Was Schilling hier wohl ausdrücken will, ist eine Wendung gegen das verstandeslastige Industriezeitalter, welches mit seinem Kapitalismus den Mensch entfremdet, während der Expressionismus den Menschen befreien will. Desweiteren spielt für Schilling die Ganzheitlichkeit eine große Rolle - so verwendet er in dem relativ kurzen Vortrag das Wort „absolut“ sehr häufig. Der spätere öffentliche Brief von Schilling an den französischen Pazifisten und Autor des Antikriegsromans „Das Feuer“, Henri Barbusse, untermauert diese Feststellung. Schilling spricht hier davon, dass es auf das einheitliche Europa ankomme und nicht auf die einzelnen Länder, dass er „auf die Einheit der Geister“ hoffe und an „die große Nation der Menschenrechte“ 8 glaube. Die Sehnsucht nach Einheitlichkeit zeigt sich auch in der Schrift „Mein Denkmal“, die im Heft 2 der „Menschen“ im zweiten Jahrgang veröffentlicht wurde. Es fällt hier das Wort „Esperanto“ - eine einheitliche Sprache für die ganze Welt. Die Zukunftsvision Schillings spielt damit, dass die Menschen irgendwann einmal diese Sprache
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Die Herausgeber wechselten: teils war Schilling Alleinherausgeber, teils hatte er Hasenclever als Partner.
4 Dieses und die beiden vorangegangenen Zitate in „Menschen“, Heft I, 1. Jahr
5 Schilling, „Expressionismus“. In: Ludewig (S. 42)
6 Hier ist allerdings zu bemerken, dass eine Antikriegshaltung erst während und durch den Krieg entstand, zuvor war eine kriegsbefürwortende Stimmung vorherrschend. Und auch Schilling diente im ersten Weltkrieg, eventuell sogar ebenso euphorisch wie viele andere, die den Krieg als einen Aufbruch (aus der Langeweile) empfanden.
7 Schilling, „Expressionismus“. In: Ludewig (S. 41f)
8 Schilling „Offener Brief an Barbusse“. In: Ludewig (S. 45f)
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Arbeit zitieren:
Caroline Dorn, 2003, Heinar Schilling - Werdegang vom Expressionismus zum Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag GmbH
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