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eigene Unabhängigkeit bewahrt, ja sogar eine stärkere Konkurrenz geschaffen. Und doch, trotz aller Selbstständigkeit, trotz aller globalen und ideologische Konkurrenz, sind die beiden Staaten seit nunmehr 30 Jahren zur Kooperation gezwungen. Sowohl in einer Welt der Blockbalancen, als auch in der Gegenwart, müssen die Nationen enger Zusammenarbeiten, als es ihnen wahrscheinlich lieb ist. Diese Arbeit will nun im folgenden Versuchen, das Verhältnis der beiden Mächte seit ihrer gemeinsamen Existenz, 4 zu charakterisieren und Ursachen und Gründe für die schon angedeutete Ambivalenz der Zusammenarbeit herausarbeiten, um letztlich eine Bewertung der heutigen allgemeinen sino- amerikanischen Beziehung vornehmen zu können. Der wohl auffälligste Schwerpunkt ist dabei auf die historische Entwicklung gelegt worden. In diesem Rückblick offenbaren sich Parameter und Voraussetzungen gemeinsamer Zusammenarbeit, sowie Kooperationstechniken und Konfliktbewältigungsstrukturen, die auch für die gegenwärtige Beziehung prägend sind. Des Weiteren ist die VR China und ihre Stellung in dem jeweiligen Untersuchungsbereich bewußt stärker beleuchtet worden, um die jeweiligen Ursachen für die Verhältnischarakteristik deutlich zu machen.
Diese „Bevorzugung“ ist dem Fakt zu verdanken, daß Chinas wirtschaftliche, militärische und politische Rolle und deren Entwicklung, anders als die der USA, kaum bekannt und damit nicht vorauszusetzen ist. Zu dem historischen Verhältnis der beiden Staaten ist ausreichend Forschungsliteratur vorhanden. Da jedoch die Gegenwartsanalyse eines so dynamischen Verhältnisses, wie des Chinesisch- Amerikanischen, eine besondere Aktualität erfordert, kommt den aktuellen Aufsätzen aus Fachzeitschriften eine übergeordnete Bedeutung zu. Am
Anfang der Untersuchung steht die historische Entwicklung der Beziehung, praktisch als Basis und Fundus von Leitlinien, der folgenden Analyse der gegenwärtigen sino- amerikanischen Beziehungen. Das Resümee wird am Ende die Untersuchungsergebnisse bewerten und einen Ausblick in die Zukunft der Beziehung wagen.
2 Die USA und die VR China - ein historischer Überblick
2.1 Erste Orientierung
Als am 1. Oktober 1949 die Volksrepublik China ausgerufen wurde reagierte die amerikaniÖffentlichkeit geschockt. 5 Die Bezeichnung "man habe China verloren“ zeigt, daß sche
China bis dato als Partner in Asien gewertet wurde. Nun war China in zwei Teile zerbrochen. Sowohl die Kommunisten auf dem Festland als auch die Nationalisten auf der Insel Taiwan betrachteten sich als die einzig legitime Regierung von „China“. Für Washington stellte sich
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die schwierige Frage, wie auf das kommunistische Regime reagiert werden sollte, anerkennen oder ignorieren? 6 Allerdings hätte die Anerkennung des einen Staates die Negierung des anderen bedeutet. 7 Taiwan kristallisiert sich von Anfang an als Konfliktpunkt und Prüfstein der sino- amerikanischen Beziehungen heraus. Das Defence Department sah im
Kommunismus und in seiner Ausbreitung eine direkte Bedrohung der USA und in Mao Tsetung einen natürlichen Verbündeten Stalins. Taiwan durfte demnach nicht fallen, ja es sollte sogar geschützt und mit dem „China Aid Act“ unterstützt werden. 8 Die Anerkennung der VR China wurde erst einmal herausgeschoben. Diese Haltung, besonders aber die Unterstützung Taiwans durch die USA, wurde von der Volksrepublik China angeprangert. Die Führung in Peking, die damals ebenfalls eine Positionsbestimmung vorzunehmen hatte, sah ihre Meinung über die imperialistische Großmacht bestätigt. Außerdem wurde die amerikanische Asienpolitik, d.h. das Bündnis mit Japan und die Unterstützung z.B. Süd- Koreas, als Bedrohung der chinesischen Sicherheit und der Stabilität Asiens gesehen. 9 Ideologische Vorurteile mischten sich mit Sicherheitsüberlegungen zu einer insgesamt ablehnenden Haltung gegenüber den Amerikanern.
China war 1949/50 definitiv keine Großmacht, wie Charles Kitts bemerkt. 10 China hatte gerade ein Jahrhundert der Demütigung, Rebellion, Revolution sowie fremder Besatzung und Bürgerkrieg beendet. Das mächtige Land war in dieser Zeit arm und rückständig. Immer noch verzweifelt auf der Suche nach Frieden, Stabilität und einer einheitlichen Regierung, konnte es keine ernsthafte Bedrohung für Amerika sein. Aber es bestand die Möglichkeit das China den kommunistischen Block entscheidend anreichern und in einer Allianz mit der
Sowjetunion zu einem gefährlichen Gegner der USA werden könnte. Verhandlungen 1949 zwischen Peking und Moskau, 11 und das dort geschlossene Sicherheitsabkommen schienen diese Tendenz jedenfalls aus amerikanischer Sicht zu bestätigen.
2.2 Konfrontation und offene Feindschaft
Die vorsichtig abwartende Haltung Trumans, wurde schließlich mit dem Korea Krieg 1950-1953 beendet. Die beiden Mächte USA und China standen sich auf dem Schlachtfeld gegenüber, die jeweiligen Interessen der beiden Staaten waren offenbar unvereinbar. Amerika war beim Versuch den Kommunismus einzudämmen nicht nur ideologisch, sondern auch territorial zu weit gegen China vorgerückt. Der Kriegseintritt Chinas zeigte jedoch deutlich, daß der junge Staat entschlossen war, seine Interessen gegen jede Macht auf der Welt zu behaupten,
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auch gegen die Vereinigten Staaten von Amerika. Die darauffolgende Entscheidung Washingtons, Taiwan zu schützen und auch verstärkt Waffen und Militärhilfe zu leisten, 12 ist vielleicht als eine erste Anerkennung der VR China (bzw. ihrer Stärke) zu werten.
Die Streitpunkte verhärten sich nach dem Krieg. Die beiden Mächte werden zu erklärten Gegnern. 13 Die Innenpolitik beider Staaten wird in den 50‘er und 60‘er Jahren zum dominierenden Faktor der Beziehungsbildung. Die Regierung in Washington kann Angesichts der öffentlichen Erfahrungen des Korea Krieges, dem antikommunistischen Streben des Mc Carthyism´s im Landesinneren, der starken pro- Taiwanesischen „China Lobby“, und des offenen Antiamerikanismus seitens der Chinesen kaum anders als feindlich reagieren. Die Eindämmung und Isolierung Chinas war damit die Konsequenz, die die USA als demokratisch legitimierte Supermacht ziehen mußte. Auch Pekings radikale Außenpolitik orientierte sich am innenpolitischen Bedarf der ideologischen Linientreue. 14 China sah zu der kalten Allianz mit der Sowjetunion daher vorerst keine Alternative.
2.3 Feindschaft und Isolation
Von 1953 bis 1971 folgt damit eine von Spannung und Feindschaft geprägte Phase der bilateralen Beziehung. Um die chinesisch- kommunistische Expansion zu kontrollieren, ist die Eisenhower- Administration bereit, an den Rand eines Krieges zu gehen. Seit 1951 hatte die USA begonnen ein Netz von Sicherheitsverträgen im asiatisch- pazifischem Raum zu weben. 15 Chinas Umfeld sollte gestärkt werden. Ziel war es die kommunistischen Kräfte bis an die chinesische Grenze einzudämmen. 16 Die Angst vor einer kommunistischen Invasion in Südostasien war so groß, das John Forster Dulles die Bildung einer weitreichenden kollektiven Sicherheitsorganisation nach Art der NATO in der Region vorantrieb. Die 1954 gegründete SEATO legte dann ihren Schutzmantel auch über die Nichtmitgliedsstaaten Indochinas, Laos, Kambodscha und Südvietnam. 17 Noch deutlicher gegen den Einfluß Chinas war jedoch der gemeinsame Verteidigungsvertrag mit der "Republik China" auf Taiwan 1955 gerichtet. China reagierte aggressiv. Drei schwere militärische Konflikte in der Taiwanstraße 1954, 1958 und 1962 sind als die sichtbaren Auswirkungen des tiefen Antagonismus zu verstehen. Dieser Antagonismus ist, wie angedeutet, gleichsam strategisch, innenpolitisch und ideologisch bedingt gewesen.
Auch gegenüber der Sowjetunion tritt China jetzt immer kritischer in Erscheinung. Die Konflikte innerhalb des kommunistischen Blocks seit 1958 bringen China in einen gleichzeitigen
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Kampf gegen „U.S.-Imperialismus“ und „sowjetischen Revisionismus“, der letztlich zu einer immer stärkeren Isolation führt. 18 Eine andere Tendenz der chinesischen Außenpolitik wird mit der Besetzung Tibets 1959 deutlich, nämlich die von USA und UdSSR befürchtete Ausweitung des chinesischen Einflußgebietes. Sowohl an der indischen- (1959 und 1962) als auch an der sowjetischen- (1969) Grenze kommt es zu Kämpfen, in Nepal, Pakistan, und Indochina baut China seinen Einfluß aus, leistet Militärhilfe an kommunistische Verbände,
oder unterstützt wie in Thailand, Indonesien, Burma und den Philippinen Guerilliabewegungen. 19 Die Explosion der ersten chinesischen Atombombe 1964 und ihr ungehemmtes Engagement in Asien machen China für die USA sicherheitspolitisch gefährlicher als die UdSSR. Allerdings wird es für Peking nun immer schwieriger international zu agieren. Zu den Eindämmungsanstrengungen der USA versuchte nun auch die UdSSR, Pekings politischen und ideologischen Einfluß in der Welt zu verringern. 20
2.4 Pragmatische Kooperation
Im Juli 1971, noch während der Vietnamkrieg tobte, überraschte Präsident Nixon die Weltöffentlichkeit mit der Ankündigung eines China Besuchs. Mehr noch, von einer Normalisierung des Verhältnisses zwischen den beiden Staaten und einem offenem Meinungsaustausch war die Rede. 21 Was wie ein Wunder klang, war das Produkt neuer sicherheitspolitischer Überlegungen auf beiden Seiten und der schon seit 1958 stattfindenden Geheimverhandlungen zwischen den Staaten. 22
Ausgangspunkt für Chinas Ausbruch aus der Isolation war das immer bedrohlichere Verhältnis mit der UdSSR. Spätestens, seit den blutigen Zusammenstößen an der sino- sowjetischen Grenze (1969), fürchtete Peking den großen kommunistischen Bruder mehr, als die überseeische Imperialmacht. 23 Besonders in Asien hatte Moskau sich immer stärker als politischer Gegenspieler offenbart. Peking fürchtete eine Einkreisung des Staatsgebietes. 24 Zudem war innenpolitisch der radikale Teil der Kulturrevolution abgeschlossen und damit wieder Wille und Kraft vorhanden die Selbstisolation zu überwinden. 25
In Amerika verblaßte die Erinnerung an den Koreakrieg, und die innere Kommunistenhatz des Mc Carthyism´s ging zurück. Da auch die mächtige China Lobby an Einfluß verloren hatte, war innenpolitisch der Weg zu einer Verbesserung der sino- amerikanischen Beziehungen geebnet. 26 Im Vordergrund der Amerikanischen Überlegungen stand jedoch, ohne Zweifel, ebenfalls eine Balance des strategischen Dreiecks China- Sowjetunion- USA. 27 Für die Verei-
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Arbeit zitieren:
Götz Kolle, 2000, Die Volksrepublik China und die USA - Eine Untersuchung des amerikanisch-chinesischen Verhältnisses , München, GRIN Verlag GmbH
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