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Erzieherische Kommunikation aus systemtheoretischer Perspektive

Title: Erzieherische Kommunikation aus systemtheoretischer Perspektive

Intermediate Examination Paper , 1999 , 40 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: Magister Artium Jörg Frehmann (Author)

Communications - Specialized communication
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Wir konzentrieren uns einleitend auf die System/Umwelt-Differenz, um dann in einem zweiten Schritt die Unterscheidung von psychischen und sozialen Systemen und ihrer jeweiligen Operationsmodi herauszustellen. Da uns vorrangig die sozialen Systeme interessieren, wenden wir uns dann dem zentralen Begriff der Kommunikation zu. Um der Beschreibung des Funktionssystems der Erziehung Vollständigkeit zu garantieren, ist es unerläßlich im Übergang zum Hauptteil dieser Arbeit, die Formen der gesellschaftlichen Differenzierung nachzuzeichnen. Dabei interessieren uns weniger die Formen der segmentären Differenzierung, der Zentrum/Peripherie-Differenzierung und der stratifikatorischen Differenzierung, als vielmehr die moderne funktionale Differenzierung, die sich dadurch auszeichnet, daß verschiedene Funktionssysteme zwar ungleichartig, aber gleichrangig nebeneinander bestehen. Jedes Funktionssystem leistet einen spezifischen Beitrag zur gesellschaftlichen Reproduktion, der von keinem anderen System übernommen werden kann (ungleichartig). Da dieser Beitrag jedoch unentbehrlich ist und von keinem anderen System übernommen werden kann, ist auch kein System wichtiger als das andere (gleichrangig). Im Rahmen dieses Kapitels sollen dann auch die beiden anderen Ebenen der Systembildung (Interaktion und Organisation) geschildert werden.
Im Hauptteil soll zunächst einmal auf den Unterschied von Erziehung und Sozialisation eingegangen werden, um dann vertiefend in die Beschreibung des Erziehungssystems einzudringen. Dabei werden uns folgende Punkte interessieren: Welche Funktion erfüllt die Erziehung, was leistet sie gesamtgesellschaftlich und wie reflektiert sie über sich, mit welcher binären Codierung strukturiert sie ihre Kommunikation und was tragen die Programme dazu bei, und welches Medium kann den Erfolg erzieherischer Kommunikation steigern. Abschließend werfen wir noch einen Blick auf den erziehenden Unter-richt, wobei vordergründig die immanenten Probleme der Unterrichtssituation behandelt werden sollen.

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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. System und Umwelt

2. Psychische und soziale Systeme

3. Kommunikation

4. Gesellschaftliche Differenzierung

5. Sozialisation und Erziehung

6. Funktion, Leistung, Reflexion

7. Binäre Codierung und Programmierung

8. Das Medium der Erziehung

9. Erziehender Unterricht

Resümee

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht das Erziehungssystem aus einer systemtheoretischen Perspektive, insbesondere auf Basis der Theorie Niklas Luhmanns. Ziel ist es, erzieherisches Geschehen als rein kommunikativen, funktional differenzierten Prozess zu beschreiben, der nicht an psychische Individuen, sondern an soziale Kommunikation gebunden ist.

  • Analyse der Erziehung als funktionales Teilsystem der modernen Gesellschaft.
  • Unterscheidung zwischen psychischen Systemen und sozialen Kommunikationssystemen.
  • Die Rolle der Kommunikation als Reproduktionsmechanismus des Erziehungssystems.
  • Die Bedeutung binärer Codierung und spezieller Programme im pädagogischen Kontext.
  • Problematisierung des Unterrichts als Interaktionssystem unter Bedingungen von doppelter Kontingenz.

Auszug aus dem Buch

3. Kommunikation

Kommunikation ist also diejenige Operation, durch die sich soziale Systeme (und damit Gesellschaft) produzieren und reproduzieren und somit die Stellung des Letztelements von sozialen Systemen einnehmen.

Da auch das Erziehungssystem ein soziales System ist, das auf der Basis von Kommunikation operiert, gilt es vorrangig den Kommunikationsbegriff, der innerhalb der Luhmannschen Theorie einen zentralen Stellenwert genießt, zu skizzieren. Damit wird die Relevanz psychischer Systeme nicht degradiert, denn „Kommunikation ist (...) auf Bewußtsein angewiesen – allein schon deshalb, weil nur das Bewußtsein, nicht aber die Kommunikation selbst, sinnlich wahrnehmen kann (...).“ Wir nehmen aber die Position eines (externen) Beobachters ein, der nicht dem Anspruch gerecht werden will zu ergründen, was und wie z.B. Lehrer oder Schüler denken während Erziehung stattfindet. Es geht lediglich darum aufzuzeigen, wie das Funktionssystem Erziehung operiert, und das erfordert eine nähere Betrachtung des Kommunikationsbegriffs.

Kommunikation kommt durch die Synthese dreier Selektionen zustande: Information, Mitteilung und Verstehen. „Keine dieser Komponenten kann für sich allein vorkommen. Nur zusammen erzeugen sie Kommunikation. Nur zusammen – das heißt nur dann, wenn ihre Selektivität zur Kongruenz gebracht werden kann.“

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Umriss der historischen Tradition der Pädagogik und Einführung in den systemtheoretischen Ansatz als externer Beobachter des Erziehungssystems.

1. System und Umwelt: Erläuterung der systemtheoretischen Grundunterscheidung zwischen System und Umwelt sowie des Konzepts der Selbstreferentialität.

2. Psychische und soziale Systeme: Abgrenzung psychischer von sozialen Systemen unter besonderer Berücksichtigung der autopoietischen Organisation.

3. Kommunikation: Darstellung der Kommunikation als operative Basis sozialer Systeme und als Synthese aus Information, Mitteilung und Verstehen.

4. Gesellschaftliche Differenzierung: Analyse der funktionalen Differenzierung der Gesellschaft und deren Auswirkungen auf die Inklusion von Personen in Funktionssysteme.

5. Sozialisation und Erziehung: Präzise Unterscheidung zwischen dem undifferenzierten Geschehen der Sozialisation und dem funktionsorientierten System der Erziehung.

6. Funktion, Leistung, Reflexion: Untersuchung der spezifischen gesellschaftlichen Funktion, der Leistungsbeziehungen zu anderen Systemen und der Reflexionsfähigkeit des Erziehungssystems.

7. Binäre Codierung und Programmierung: Analyse der Strukturierung erzieherischer Kommunikation durch binäre Codes (besser/schlechter) und die Rolle von Lehrplänen als Programme.

8. Das Medium der Erziehung: Diskussion darüber, ob das Kind oder der Lebenslauf als Medium der erzieherischen Kommunikation fungiert, um die Erfolgschance der Erziehung zu erhöhen.

9. Erziehender Unterricht: Untersuchung des Interaktionssystems Unterricht und dessen struktureller Probleme, wie dem Verstehens- und Technologiedefizit.

Resümee: Zusammenfassende Einschätzung, dass Erziehung als rein kommunikativer Prozess nicht am Menschen festgemacht werden kann, was pädagogische Widerstände provoziert.

Schlüsselwörter

Systemtheorie, Niklas Luhmann, Erziehungssystem, soziale Systeme, Kommunikation, funktionale Differenzierung, Sozialisation, operative Geschlossenheit, binäre Codierung, erziehender Unterricht, Autopoiesis, Selektion, Verstehensdefizit, Technologiedefizit, Pädagogik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das Erziehungssystem auf Basis der Systemtheorie von Niklas Luhmann, um das erzieherische Geschehen als ein in der Gesellschaft stattfindendes, autopoietisches Kommunikationssystem zu beschreiben.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Schwerpunkten zählen die System/Umwelt-Differenz, die operative Geschlossenheit sozialer Systeme, die Rolle der Kommunikation, sowie die spezifischen Bedingungen von Erziehung, wie Codierung und Programmierung.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, eine systemtheoretische Beschreibung des Erziehungssystems zu liefern, die das erzieherische Geschehen strikt als Kommunikation fasst und sich damit von traditionellen, anthropozentrischen Pädagogikverständnissen abgrenzt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die differenztheoretische Analyse und den systemtheoretischen Ansatz, um das Erziehungssystem als Funktionssystem innerhalb einer funktional differenzierten modernen Gesellschaft zu betrachten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Abgrenzung von Erziehung und Sozialisation, der Funktion, Leistung und Reflexion des Erziehungssystems, sowie der Problematik des Unterrichts als Interaktionssystem.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Systemtheorie, Kommunikation, Autopoiesis, funktionale Differenzierung, operative Geschlossenheit und Erziehungssystem.

Warum kann Erziehung nach der Systemtheorie nicht am Menschen festgemacht werden?

Da Erziehung ein soziales System ist, das ausschließlich auf der Basis von Kommunikation operiert. Menschen (psychische Systeme) sind zwar Bedingung für die Kommunikation, gehören aber nicht zum System, sondern bilden dessen Umwelt.

Was bedeutet der Begriff "Technologiedefizit" in Bezug auf den Unterricht?

Es bedeutet, dass das Erziehungssystem keine objektiv richtigen Verfahren (Technologien) besitzt, die sicherstellen könnten, dass die intendierte Vermittlung von Wissen bei den Schülern auch tatsächlich erfolgreich abläuft.

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Details

Title
Erzieherische Kommunikation aus systemtheoretischer Perspektive
College
University of Duisburg-Essen  (Kommunikationswissenschaft)
Grade
sehr gut
Author
Magister Artium Jörg Frehmann (Author)
Publication Year
1999
Pages
40
Catalog Number
V19348
ISBN (eBook)
9783638234931
ISBN (Book)
9783638681070
Language
German
Tags
Erzieherische Kommunikation Perspektive
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Magister Artium Jörg Frehmann (Author), 1999, Erzieherische Kommunikation aus systemtheoretischer Perspektive, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19348
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