Inhalt:
1. Die Problematik der Verträge Spartas mit Persien 3
2. Der erste Vertrag 3
2.1 Inhalt
2.2 Die Bedeutung des ersten Vertrages
3. Der zweite Vertrag 5
3.1 Inhalt
3.2 Die Bedeutung des zweiten Vertrages
4. Der dritte Vertrag 7
4.1 Die Vorgeschichte
4.2 Inhalt
4.3 Die Bedeutung des dritten Vertrages
5. Werden aus Lakedaimoniern und Persern wirklich Verbündete? 9
6. Verzeichnis der verwendeten Literatur 10
1. Die Problematik der Verträge Spartas mit Persien
Ein wesentlicher Einschnitt in den peloponnesischen Krieg war ohne Zweifel der Eintritt Persiens auf der Seite der Spartaner im Jahre 411. Aus früheren Feinden wurden scheinbar Verbündete.
Dieses Bündnis musste nun durch Verträge abgesichert werden. Thukydides beschreibt drei Verträge und gibt ihren Wortlaut wieder. 1 Die Tatsache, dass drei Verträge hintereinander 2 mit kurzen Zeitabständen geschlossen wurden, zeigt, dass zumindest die ersten beiden nicht zur vollen Zufriedenheit der Vertragspartner ausfielen.
Die Verträge waren vorrangig auf eine Isolation Athens hin ausgelegt, doch bergen sie auch ein gewisses Problempotential in sich, die Nachbesserungen, also neue Verträge, erforderlich machten. Man kann in den Verträgen eine Veränderung feststellen: Ist der erste Vertrag noch ein Symmachievertrag, der sich im Wesentlichen darauf beschränkt, einen Nichtangriffspakt zwischen den Parteien zu sichern, so werden die Aussagen bezüglich der Gebietsansprüche und Finanzhilfe im dritten Vertrag konkretisiert.
2. Der erste Vertrag
2.1 Inhalt
Der erste Vertrag kam im Sommer 412 nach der Einnahme Milets 3 zu Stande 4 . Er besagt, dass der persische Großkönig Anspruch auf sämtliche Gebiete erheben kann, die er oder seine Vorfahren besessen haben. Den Lakedaimoniern hingegen werden keinerlei Ansprüche zuerkannt, weder in finanzieller noch territorialer Hinsicht. Ferner soll verhindert werden, dass diese Gebiete Tribut an Athen zollen (18, 1). Der Rest des Vertrages stellt eine Balanceerklärung zwischen den beiden Parteien dar. Der Krieg gegen die Athener solle gemeinsam geführt werden und
1 Vgl. Thuk. 8,18; 8,37; 8,58. Alle nachfolgenden Quellenangaben beziehen sich auf Thuk. 8 und werden in (...)
im Text angegeben.
2 1. Vertrag: Sommer 412, 2. und 3. Vertrag: Winter 412/11. vgl. Thuk. 8, 18; 8,37; 8,58.
3 Vgl. Bockisch: ´Αςµοσταί; S. 167.
4 Der erste Vertrag mit Tissaphernes wurde von Chalkideus als Vertreter der Lakedaimonier unterzeichnet (vgl.
36, 2).
3
die Beendigung des Krieges bedürfe das Einverständnis sowohl der Perser als auch der Lakedaimonier (18, 2). Von den Persern abfallende Städte sollen Feinde der Lakedaimonier sein und umgekehrt (18, 3).
2.2 Die Bedeutung des ersten Vertrages
Die Klausel „Alles Land und alle Städte, die der Großkönig besitzt und die Vorfahren des Großkönigs besaßen, sollen Besitz des Großkönigs bleiben“ (18,1) ist die wohl problematischste. Persien bekam nicht nur Kleinasien zugesprochen, sondern auch „sämtliche Inseln und Thessalien und die Lokrer und alle bis zu den Boiotern“ (43, 3) unter seine Herrschaft gestellt.
Über finanzielle Angelegenheiten schweigt sich der Vertrag weitgehend aus: Nur soviel, dass die Städte, die Athen unterstellt waren, die Tributzahlung beenden sollten. Dies war ein wesentlicher Teil der Strategie Tissaphernes’, die Tribute sollten an ihn gerichtet werden. Jedoch wurde auch hierüber nichts im Vertrag vereinbart. 5
Nach Abschluss des Vertrages kam es zu Kämpfen vor Milet. Die Athener besiegten zwar die Spartaner und ihre Verbündeten (25, 4), jedoch ist hier das erste Mal der Vertrag zwischen Sparta und Persien erfüllt worden. Eine Vertrauensbasis bildete sich aus, sodass es für Tissaphernes nun nicht mehr schwierig war, die Lakedaimonier zu einem Angriff auf Iasos 6 zu überreden 7 . Iasos dürfte der Hintergrund für die Klausel 18, 3 sein. Bei Thukydides erfahren wir auch, wie diese Klausel erfüllt wurde. Es wird berichtet, dass Iasos von den Truppen des Tissaphernes und den Lakedaimoniern überraschend angegriffen wurde. Amorges fiel den Lakedaimoniern in die Hände. „Er war vom Großkönig abgefallen, und die Peloponnesier übergaben ihn [Amorges] an Tissaphernes, damit er ihn, wenn er wolle, dem Großkönig vorführe [...].“ (28, 3) Die Stadt Iasos wurde geplündert und von Tissaphernes eingenommen, die Söldner des Amorges wurden in die Truppen der Peloponnesier eingegliedert (28, 2-4).
Nach der Einnahme von Iasos reiste Tissaphernes nach Milet. Er zahlte der lakedaimonischen Schiffsmannschaft einen Monatssold von einer attischen
5 Vgl. Lewis, S. 91.
6 In Iasos sitzt Amorges, ein Aufrührer gegen die Perser. Vgl. Lewis, S. 91 und (28, 2).
7 „ Tissaphernes [...] beredete sie zu einer Ausfahrt nach Iasos“ (28, 2).
4
Arbeit zitieren:
Alfred Hiergeist, 2003, Die Verträge zwischen den Persern und den Lakedaimoniern, München, GRIN Verlag GmbH
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