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Proseminar: „Geschichte Spartas von den Anfängen bis zum Hellenismus“ Universität Osnabrück Sommersemester 2003
Verfasser: Marcel Egbers
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Inhaltsverzeichnis:
I. Einleitung Seite 3
II. Der „Mythos Sparta“ Seite 5
III. Das Bild Spartas im Zeitalter der Renaissance und des Absolutismus Seite 9
IV. Das Bild Spartas zur Zeit der Aufklärung und französischen Revolution Seite 14
V. Schlussbetrachtung Seite 20
Quellenverzeichnis Seite 22
Literaturverzeichnis Seite 23
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I. Einleitung:
Für kaum eine andere Stadt der Antike hat die Nachwelt ein so großes Interesse gezeigt wie für Sparta. Die Faszination für Sparta, oder auch Lakedaimon (womit dann nicht nur die Stadt, sondern auch die umliegenden, zum Staat gehörigen, Gebiete miteinbezogen wären) erklärt sich dabei sowohl durch die einzigartigen Sitten, Gebräuche und Ideale seiner Bewohner, als auch durch das gesellschaftliche System dieses antiken Reiches. Neben Athen, als Geburtsort der Demokratie, und dem Alten Rom, als Hauptstadt einer vergangenen Weltmacht, gehört Sparta zu jenen Städten des Altertums, bei deren Nennung auch dem geschichtlich weniger Interessierten sofort ein paar Assoziationen und Schlagworte einfallen. Schon allein die Bezeichnung „spartanisch“ hat sich hierzulande als Redewendung für einen kargen und abhärtenden Lebensstil eingebürgert.
Eine Beschäftigung mit den Quellen verschiedenster Epochen zeigt jedoch, dass es kein festes Bild Spartas gibt, das seit der Antike unverändert weitertransportiert wurde, sondern dass sich dieses Bild mit den Jahrhunderten mehrfach geändert hat, und dass sich zum Teil sogar zeitgleich lebende Gelehrte uneins waren, wenn es um die Beurteilung dieser Stadt ging. Mit eben diesem sich verändernden Bild - der Beurteilung des antiken Spartas in späteren Zeiten - wird sich diese Hausarbeit befassen. Thema wird ebenfalls sein, inwieweit Sparta instrumentalisiert wurde, um mit dem scheinbar vorhandenen Vorbild politische und philosophische Denkmodelle der Neuzeit zu rechtfertigen. Ob die unterschiedlichen Spartabilder tatsächlich dem historischen Sparta entsprachen, oder inwieweit eine Verklärung und Mythologisierung spartanischer Kultur stattfand, ist eine weitere Frage, die im Rahmen dieser Arbeit beantwortet werden soll.
Da es in solch begrenzten Rahmen einer Proseminarsarbeit unmöglich ist, die Entwicklung des Spartabildes seit der Antike bis zur Gegenwart in ausreichender Form darzustellen, werde ich mich ausschließlich auf die Zeit von 1500 bis Anfang des 19 Jahrhunderts beziehen. Die Ausgrenzung des Mittelalters erklärt sich schon allein dadurch, dass die Zahl der mittelalterlicher Quellen über Sparta überaus gering ist. Ein Grund dafür ist, dass die Kirche „ für viele dieser Jahrhunderte die einzige schriftkundige und literarische Bildungsschicht stellt; denn die in der Antike selbstverständliche gehobene Laienbildung [...] verkümmert im Übergang zum abendländischen Mittelalter.“ 1 Im Gegensatz zur vorangegangenen Antike und auch der ihr nachfolgenden Renaissance ist im Mittelalter die Zahl der schriftstellerisch Tätigen sehr
1 Hans-Dietrich Kahl: ‚Was bedeutet „Mittelalter“?’, in: Saeculum 40 (1989). S. 28
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spärlich, und allein deshalb wurde kaum neue Literatur über Sparta verfasst. Aber neben der Tatsache, dass die schriftstellerische Produktion im Ganzen abnahm, liegt ein weiterer Grund für den Quellenmangel einfach darin, dass das Interesse an Sparta im Mittelalter insgesamt recht gering war. Zwar wurden in den Klöstern die Schriften einzelner antiker Philosophen auch weiterhin kopiert, doch befasste sich die NEUE Literatur bis auf wenige Ausnahmen vor allem mit Fragen des christlichen Glaubens, oder der Lebensbeschreibung heroischer Gestalten und eben nicht mit lakedaimonischer Kultur. 2
Die Zeit ab dem 16. Jahrhundert hingegen bietet uns deutlich mehr verwertbares Material, da nun nicht nur Schriftkultur- und Produktion in weit größerem Maß verbreitet waren, sondern auch, weil im Zuge des Humanismus die Berücksichtigung der Antike wieder einen hohen Stellenwert genoss, und sich somit viele Schriftsteller eben auch auf die spartanische Verfassung bezogen.
Das sowohl Antike als auch die neuste Geschichte in dieser Arbeit nicht berücksichtigt werden, hat hingegen sehr schlichte Gründe: Sowohl die Antike, in der die Macht Sparta noch direkt am wirken war, als auch die Zeit nach 1850, mit ihrer gewaltigen Fülle an Spezialliteratur zur griechischen Altertumsgeschichte, bieten bereits für sich allein genommen genügend Stoff für mehrere eigene Aufsätze. Statt also einen oberflächlichen Blick über mehr als 2500 Jahre Geschichtsrezeption streifen zu lassen (und eine solange Zeitspanne in nur 20 Seiten abzuhandeln, kann nur in einer oberflächlichen Betrachtung enden), wird sich diese Arbeit hauptsächlich aber dafür detailliert mit dem „Mythos Sparta“ in der frühen Neuzeit befassen. Als Quellen werden daher vorwiegend Schriftstücke eben dieser Zeit genutzt; nur wenn es um die Frage geht, inwieweit die damalige Vorstellung dem historischen Sparta entsprach, werden vereinzelt Vergleiche mit Antiken Quellen oder moderner Forschungsliteratur gezogen.
Nach dieser ersten einleitenden Erklärung wird sich das nun anschließende Kapitel direkt mit dem „Mythos Sparta“ auseinandersetzen, seiner Entstehung und der Definition des Wortes „Mythos“. Anhand ausgewählter Textbeispiele wird in den nachfolgenden Kapiteln dann das Weiterleben dieses Mythos und seine Funktion in der frühen Neuzeit analysiert.
2 Die wenigen Gelehrten des Mittelalters, die sich auf die Antike bezogen und dennoch neue eigene Ideen entwickelten, wie Johannes Scotus Eriugena mit seinem Werk „De divisione naturae“, aber auch später Albertus Magnus und Thomas von Aquin, nahmen vor allem Stellung zu den erkenntnistheoretischen und naturwissenschaftlichen Ansätzen antiker Philosophen; staatsphilosophische Schriften, die sich auf Vorbilder wie Sparta bezogen, gab es jedoch kaum. Was die mhd. Heldenlieder und Sagen betraf, so handelten nur wenige von antiken Figuren. Zu nennen wäre hier das Alexanderlied des Pfaffen Lamprecht und die „Eneide“ des Heinrich von Veldeke. In ihnen tauchten zwar griechische jedoch keine spartanischen Helden auf.
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II. Der „Mythos Sparta“
Bereits der erste Satz dieser Arbeit wies auf die Faszination hin, welche die Stadt Sparta selbst noch Jahrhunderte nach ihrer Eingliederung in das römische Reich hervorrief, fern ihrer längst vergangenen Blütezeit.
Das große Interesse, das dieser Stadt bis in die heutige Zeit entgegengebracht wird, begründet sich in ihrer Einzigartigkeit. Seit der Antike bis zur Gegenwart gab es keine Polis und keinen Staat mit einer ähnlichen Verfassung, Gesellschaft oder Kultur. Einige Aspekte, welche die Einzigartigkeit Spartas ausmachten, waren unter anderem:
- Die Verfassung Lykurgs, die eine Mischung aus demokratischen, monarchischen und oligarchischen Elementen darstellte, und sich lange Zeit als sehr stabil herausstellte.
- Die spartanische Erziehung, die allein auf das Wohl des Staates ausgerichtet war und die damit verbundene Opferbereitschaft (z. B. die Schlacht an den Thermophylen)
- Die Gleichheitsidee unter den Spartiaten
- Beschränkung der Wirtschaft auf das Notwendigste
- Der Stellenwert des Sports im Leben, und die damit verbundene körperliche Schönheit
- Die Einrichtung von „Sklavenstaaten“
Wenn man jedes dieser Merkmale berücksichtigt und in seinem geschichtlichen Zusammenhang sieht, dann hat man ein außergewöhnliches aber dennoch wirklichkeitsnahes Bild des antiken Spartas gewonnen. Jedoch haben sich sowohl unter Pädagogen als auch Philosophen und Politikern viele zu allen Zeiten auf die spartanische Kultur berufen, um eigene Thesen und Vorstellungen zu untermauern; und häufig wurde bei einer solchen Betrachtung nicht der historische Kontext berücksichtigt, sondern bestimmte Phänomene aus dem Gesamtzusammenhang gerissen, um dann - entweder idealisiert oder ideologisiert - zur eigenen Rechtfertigung zu dienen. Im Verlauf der Geschichte fand so eine zunehmende Enthistorisierung des Spartabildes statt, so dass Sparta schließlich zu einem Mythos wurde. Bevor wir uns allerdings mit dem „Mythos Sparta“ beschäftigen, sollte man sich klar werden, was mit dem Wort Mythos überhaupt gemeint ist.
Platon hat den Begriff „Mythos“ um 400 v. Chr. geprägt, und gebrauchte ihn immer dann, wenn er einen Sachverhalt nicht durch Rationalität („logos“), sondern durch das Erzählen einer Geschichte verständlich machen wollte. Der Auszug einer modernen Lexikondefinition erklärt den Begriff folgendermaßen:
Arbeit zitieren:
Marcel Egbers, 2003, Der Mythos Sparta in der frühen Neuzeit, München, GRIN Verlag GmbH
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