1. Zahlungssysteme im Internet ........................................................................................3
1.7 Literaturverzeichnis
1. Zahlungssysteme im Internet
1.1 Einleitung
Das Internet ist ein riesiger Marktplatz. Zahlreiche Händler bieten Ihre Waren im Inter- net zum Kauf an. Die Euphorie, die der Boom des eCommerce mit sich bringt wird jedoch gebremst durch die Unsicherheit über die Zahlungsmethoden im Internet, sowohl beim Händler wie auch beim Kunden. Oftmals wird das Internet nur als Bestellmedium verwendet. Die Zahlung erfolgt dann auf den klassischen Wegen: Nachnahme, Über- weisung und Lastschrift.
„Das Internet wurde bislang hauptsächlich als Informationsbörse und Werbeträger verwendet. Aber gerade jetzt bieten immer mehr Softwarehersteller, Dienstleister und Banken digitale Zahlungssysteme vor allem in Pilotprojekten an.“ 1
Der Zahlungsverkehr im Internet ist ein zentrales, derzeit noch nicht vollständig gelös- tes Problem. Hier treffen ganz unterschiedliche Fachgebiete, wie Computertechnik, Kreditwirtschaft, Politik, Recht und Kryptographie aufeinander, und es entsteht ein unübersichtlicher Bereich mit einer Vielzahl von Anforderungen, Möglichkeiten und Randbedingungen. Daneben existieren bereits zahlreiche Zahlungssysteme mit ganz unterschiedlichen Grundkonzepten und Einsatzbereichen. „Jedes Zahlungsmittel hat spezifische Eigenschaften, die jeweils für bestimmte Transaktionen besonders geeignet sind“ 2 . Ein einheitlicher Standard lässt sich schon allein deshalb nicht verwirklichen.
Im Folgenden werden zunächst die Anforderungen an ein elektronisches Zahlungssys- tem aufgezeigt und eine mögliche Kategorisierung festgelegt. Anschließend werden dem Leser wichtige kryptographische Methoden beschrieben, die im Zahlungsverkehr Anwendung finden. Abschließend werden die wichtigsten Zahlungssysteme und ihre Anwendungsbereiche diskutiert.
1
Zahlungssysteme im Internet – Allgemeine Einführung
http://www.inf-wiss.uni-
2
Gora, W., Mann E.: Handbuch Electronic Commerce: Kompendium zum elektronischen Handel. Berlin, Heidelberg, u.a.: Springer Verlag, 2001, S. 269
1.2 Voraussetzungen für elektronische Zahlungssysteme
Zahlungssysteme im Internet müssen den unterschiedlichsten Anforderungen gerecht werden. Dabei stehen die Voraussetzungen meist in Relation, häufig auch im Wider- spruch zueinander. So wird bspw. eine hohe Sicherheit meist mit Einschränkungen im Bedienkomfort erkauft. Die Akzeptanz vor allem auf Händlerseite ist wiederum abhän- gig von den Kosten, die das System verursacht. Es gilt also den besten Kompromiss aus den folgenden Faktoren finden.
1.2.1 Sicherheit
Da das Internet ein offenes Kommunikationsnetzwerk ist, können Daten bei der Über- tragung grundsätzlich „abgehört“ werden. „Besonders wichtig sind den Benutzern hohe Sicherheitsstandards beim elektronischen Bezahlen. Und zwar sowohl für Käufer als auch für Verkäufer.“ 3
Zahlungssysteme müssen ausreichenden Schutz vor Angriffen bieten und jeden Miss- brauch ausschließen. In der Regel wird diese Sicherheit durch Datenverschlüsselungen erreicht. Auch andere Verfahren können ausreichende Sicherheit bieten (bspw. Nur einmal gültige Transaktionsnummern)
1.2.2 Akzeptanz
Was nützt das beste System, wenn es keiner benutzt? Für den Händler stellt sich die Frage, ob er ein bestimmtes System zur Zahlung seiner Waren überhaupt anbietet. Er gibt damit meist eine Palette von verschiedenen Zahlungsarten vor, aus denen der Kun- de dann eines, als das für ihn beste, akzeptieren kann.
1.2.3 Bedienbarkeit
Die Bedienbarkeit hat vor allem beim Kunden einen großen Einfluss auf die Akzeptanz. Während die Banken und Händler ständig neue Zahlungssysteme anbieten, scheitern viele an der umständlichen Bedienung. Meist ist eine zusätzliche Software zu installie- ren, deren Bedienung erst erlernt werden muss oder der Kunde muss sich bei bestimm- ten Anbietern erst registrieren lassen. Vor allem für ältere Leute, die generell Probleme beim Umgang mit einem Computer haben, stellen kompliziertere Systeme oftmals eine unüberwindbare Hürde dar.
Der Versuch mit digitalen Geldmünzen ein Pendant zu echtem Bargeld zu schaffen scheiterte bisher an der umständlichen Bedienung und der damit verbundenen schlech- ten Akzeptanz beim Kunden. Dieser musste zuerst ein spezielles Konto bei seiner Bank eröffnen, dann aus diesem mittels einer Software die digitalen Münzen erstellen und diese schließlich in einer elektronischen Geldbörse verwalten. Der Vergleich mit Bar- geld erscheint aus Sicht der Bedienbarkeit als äußerst fragwürdig.
1.2.4 Rentabilität
Es wird erwartet, dass elektronische Zahlungen gerade im Bereich sehr kleiner Beträge von weniger als 5 DM (Micropayments) große Bedeutung erlangen. Nicht jedes Zah- lungssystem kann so kleine Beträge wirtschaftlich abrechnen, da zum Teil hohe Fixkos- ten entstehen. Bei einer Befragung der Universität Karlsruhe nannten 70,5% der über 7100 Befragten den Kostenfaktor als einen der vier wichtigsten zur Auswahl eines Zahlungssystems. 4
1.2.5 Sonstige Kriterien
Neben den oben aufgeführten Voraussetzungen können auch andere Kriterien für die Wahl des Zahlungssystems ausschlaggebend sein. Bei manchen Zahlungen wünscht der Kunde eine zum Bargeld vergleichbare Anonymität des Zahlungsmittels. „Allerdings ist der Gesichtspunkt der Anonymität ohnehin nur im Bereich der digitalen oder virtuellen Güter relevant.“ 5 Beim Kauf von physischen Gütern wird die Anonymität durch Angabe
einer Lieferanschrift hinfällig.
Durch das globale Medium Internet werden Käufe im Ausland vereinfacht. Hierfür bedarf es eines Zahlungssystems, dass währungsübergreifend abrechnen kann.
4
Umfrage „Internet Zahlungssysteme aus Sicht der Verbraucher (IZV)“ der Universität Karlsruhe:
5
Gora, W., Mann E.: Handbuch Electronic Commerce: Kompendium zum elektronischen Handel. Berlin, Heidelberg, New York, Barcelona, Hongkong, London, Mailand, Paris, Singapur, Tokio: Springer Verlag, 2001, S. 267
Arbeit zitieren:
M.A. Mike Kleist, 2001, Zahlungssysteme im Internet, München, GRIN Verlag GmbH
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