Inhalt:
1. Hinführung 3
2.1. Brechts politische Grundhaltung 3 - 5
2.2. Die Ereignisse am 17. Juni 5 - 6
2.3.1. Gedichtanalyse: Die Lösung 6 - 8
2.3.2. Gedichtanalyse: Böser Morgen 8 - 10
2.3.3. Gedichtanalyse: Die Neue Mundart 11 - 13
2.4. Brecht im inneren Widerspruch 13 - 14
3. Fazit 14
4. Literaturverzeichnis 15 - 16
2
1. Hinführung
Als es am 17. Juni 1953 zu dem gewaltsamen Niederschlagen der Arbeiteraufstände in Berlin kam, war der zu diesem Zeitpunkt weltbekannte und geachtete Autor, Dichter und Künstler Bertolt Brecht eine der wenigen namhaften Persönlichkeiten, die sich nicht gegen das Einschreiten der Sowjetpanzer aussprach. Im „Neuen Deutschland“ ist wenige Tage später zu lesen: „Es ist mir ein Bedürfnis, Ihnen in diesem Augenblick meine Verbundenheit mit der SED auszudrücken.“ 1 Wie kommt ein Mensch wie Brecht, ein ausgesprochener Pazifist dazu, der SED, der Partei, die über 100 Tote und zahlreiche Verletzte durch das gewaltsame Zerschlagen der Aufstände zu verantworten hat, sich in dieser Form zu äußern? Wie stand er wirklich zur SED und zur DDR in dieser Zeit?
Ich möchte in dieser Hausarbeit versuchen, Brechts politische Position anhand der Ereignisse am 17. Juni 1953 und anhand dreier Gedichte aus den Buckower Elegien zu rekonstruieren. Ich möchte mich genauer mit den Dimensionen beschäftigen, die zeigen, inwieweit sich Brecht vom System DDR entfremdet hat.
2.1. Brechts politische Grundhaltung
Brecht war schon an seiner Schule als Rebell und Anarchist bekannt - obwohl oder vielmehr weil er selber einem wohlsituierten Elternhaus entstammt. 2 Er thematisiert dies in seinem Gedicht Verjagt mit gutem Grund: „Als ich erwachsen war und um mich sah Gefielen mir die Leute meiner Klasse nicht, Nicht das Befehlen und nicht das Bedientwerden. Und ich verließ meine Klasse und gesellte mich Zu den geringen Leuten.“ 3
Gegen Ende des Ersten Weltkrieges leistete er Kriegsdienst als Sanitäter in einem Augsburger Lazarett, wo er mit den Toten und Verwundeten des Krieges konfrontiert wurde und seine pazifistische Haltung entwickelte. 4
In den Jahren 1924 bis 1926 betrieb Brecht intensive Studien des Marxismus, die ihn zum überzeugten Kommunisten werden ließen.
Nachhaltiger wurde Brecht von den Taten der Nationalsozialisten und der Zeit des Krieges geprägt. Durch sie wurde er in seiner Haltung bekräftigt, dass der einzige Gegenpol zum
1 Brecht Werke, Bd. 30, S.178.
2 Vgl: http://www.bertoldbrecht.de/.
3 Brecht Werke, S. 84f.
4 Vgl. Kesting, Brecht, S. 14.
3
Kapitalismus als Grundlage für Faschismus und Krieg der Kommunismus sein musste. 5 Dies konnte auch ein Kommunismus sein, der so bizarre Formen aufwies, wie der in der UdSSR seit 1923 herrschende Stalinismus, die für ihn direkte Antwort auf den Faschismus der Nazis: „Die Umwandlung des Berufsrevolutionärs in einen Bürokraten, einer ganzen revolutionären Partei in einen Beamtenkörper gewinnt durch das Auftreten des Faschismus tatsächlich eine neue Beleuchtung.“ 6
Brecht war ein Gegner der freien Wahlen: „Zweimal während meines Lebens wählten die Deutschen […] durch `freie Wahlen´ Regierungen, die verbrecherische Kriege anzettelten und sie außerdem noch verloren.“ 7 Er hielt die Menschen für zu unwissend, selbst ihr politisches Schicksal zu bestimmen: „Es ist der älteste Trick der Bourgeoisie, den Wähler frei seine Unfreiheit wählen zu lassen, indem man ihm das Wissen um seine Lage vorenthält.“ 8 Nach dem Krieg zog Brecht nach Ostberlin. Er entschied sich deshalb für die DDR, weil sie für ihn der Staat auf deutschem Boden war, in dem sich der Faschismus nicht wiederholen würde. Dieses Land war für ihn eine Neue Welt, an deren Aufbau er sich beteiligen wollte. Auch die Hintergründe waren für Brecht relevant: Das System der DDR ist abhängig von dem der UdSSR, desjenigen Landes, dem es gelang, den Faschismus zu besiegen. Dagegen sah er in der westlich-orientierten Marktwirtschaft der BRD, die ihm auch die Einreise verweigert hatte, den besten Nährboden für neuen Faschismus. Die Tatsache, dass Brecht ein Kommunist war, der sich mit Marx’ kommunistischen Theorien auseinandergesetzt hatte und dessen Ansicht teilte, nun aber in die DDR mit ihrem Real-Existierenden Sozialismus zog, war die für ihn naheliegendste Option. Brecht sah die Grundlagen für eine kommunistische Gesellschaftsordnung gesetzt: „Eigentums- und Produktionsverhältnisse sind gründlich geändert worden […] öffentliche Geschäfte sowie die Meinungsbildung der Bevölkerung folgen bisher unerhörten Methoden.“ 9 Brecht besaß in politischer Hinsicht viel Selbstbewusstsein und vertrat eine eigene Linie, die auf das Ziel der klassenlosen und friedlichen Gesellschaft ausgerichtet war. Nach Brecht’schem Selbstverständnis hatte der Künstler politischen Einfluss auszuübenmehr noch - der Künstler war für Brecht von politischer Bedeutung und hatte einen Staat entscheidend mit zu prägen. So sah er sich in der DDR als eine politische Instanz und verfasste verschiedene Schriften, die der Regierung Vorschläge unterschiedlichster Art zur Realisierung empfahlen. Aus seiner Feder stammen auch verschiedene Propagandagedich-
5 Vgl.Karasek, Brecht, S. 153f.
6 Brecht Werke, Bd. 27, S. 158.
7 Brecht, Gesammelte Werke, Bd. 20, S. 328.
8 Ebd.
9 Brecht, Gesammelte Werke, Bd. 20 S. 317.
4
Arbeit zitieren:
David Wieblitz, 2003, Gedichtanalyse: Der 17. Juni als Wendepunkt von Brechts Haltung zur DDR, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Widerstand der Verfolgten: Die Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus
Studienarbeit, 44 Seiten
Zu: Georg Heyms "Der Gott der Stadt"
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Vergleich der Großstadtlyrik Georg Heyms und Thomas Klings
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 22 Seiten
Stilistische Verpflichtung? Nietzsches "Lehre vom Stil" und ...
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
Die Großstadtdarstellung in Erich Kästners „Fabian“ und in Alfred Döbl...
Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
Hausarbeit (Hauptseminar), 18 Seiten
Bernhard von Clairvaux: Epistula 363 - Der Aufruf zum Zweiten Kreuzzug...
Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte
Seminararbeit, 24 Seiten
Berlin in der Neuen Sachlichkeit
Berlin Alexanderplatz und Fabi...
Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen
Hausarbeit, 24 Seiten
Der Ausbruch des Peloponnesischen Krieges
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Seminararbeit, 18 Seiten
Der Ausbruch des peloponnesischen Krieges und die Kriegsschuldfrage
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Seminararbeit, 18 Seiten
Der Kulturkampf im Deutschen Kaiserreich bis 1875
Geschichte Europa - Deutschland - 1848, Kaiserreich, Imperialismus
Seminararbeit, 20 Seiten
Höhentraining als Wettkampfvorbereitung für Ausdauersportler
Sport - Bewegungs- und Trainingslehre
Seminararbeit, 18 Seiten
David Wieblitz's Text Gedichtanalyse: Der 17. Juni als Wendepunkt von Brechts Haltung zur DDR ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
David Wieblitz hat den Text Gedichtanalyse: Der 17. Juni als Wendepunkt von Brechts Haltung zur DDR veröffentlicht
David Wieblitz hat einen neuen Text hochgeladen
Der 17. Juni 1953 im Spiegel sowjetischer Geheimdienstdokumente
33 geheime Berichte des Bevoll...
Klaus-Dieter Müller, Joachim Scherrieble, Mike Schmeitzner
Helmut Schmid: Gestaltung ist Haltung / Design Is Attitude
Gestaltung Ist Haltung / Desig...
Victor Malsy, Philipp Teufel, Fjodor Gejko
The Brecht Yearbook / Das Brecht-Jahrbuch, Volume 29: Mahagonny.com
Mahagonny com, Intl Brecht Society, Marc Silberman
Brecht Yearbook / Das Brecht-Jahrbuch, Volume 22: I'm Still Alive / Ic...
Intl Brecht Society, Maarten Van Dijk
The Brecht Yearbook / Das Brecht-Jahrbuch, Volume 21: Intersections/Sc...
Intl Brecht Society, Maarten Van Dijk
Erzahlungen (Von) Franz Kafka, Bertolt Brecht (Und) Heinrich Boll: Kaf...
Franz Kafka, Charles W. Hoffman, Richard Plant
0 Kommentare