Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2.
Die Entstehung der Hanse 2
2.1
Ursachen für den Anstieg des Handelsvolumens 3
2.1.1
Bev ölkerungswachstum 3
2.1.2
Stadtentwicklung S. 4
2.1.3
Die Erschließung des Ostens 7
3.
Handelsrouten und Wirtschaftsräume im 11. und 12. Jh. 10
4.
Die Entwicklung des hansischen Handels bis zur Städtehanse 11
4.1
Handel in vorhansischer Zeit 11
4.2
Der Aufstieg des hansischen Handels 12
4.2.1
im Westen 12
4.2.2
im Osten 14
4.2.3
Aus hansischem Handel wird die deutsche Hanse 17
4.3
Von der Kaufmannshanse zur Städtehanse 18
5.
Schlussbetrachtung S. 20
Bibliographie S. 21
Anhang S. 22
II
1. Einleitung
In unserem heutigen historischen Bewusstsein hat sich die Hanse, unabdingbar verknüpft mit wirtschaftlicher Expansion, als fester Begriff konsolidiert, dessen Geschichte samt Aufstieg, Blütezeit und Niedergang, sich scheinbar leicht in einen Zeitraum von rund 500 Jahren einordnen lässt. Viele Zeugnisse hansischen Handels und seiner Kultur, die uns bis in die Gegenwart erhalten geblieben sind, erinnern an die wirtschaftlich begründete Erschließung neuer Handelswege im Mittelalter: Die Hansestädte Hamburg, Bremen und Lübeck, die bis zuletzt als Dreierbündnis die Belange der übriggebliebenen Hanse betreuten, weitere zahlreiche Städte, die noch heute - zumeist, um die Attraktivität der Stadt für den Tourismus hervorzuhebenihre einstige Hansezugehörigkeit unterstreichen, das heutige Verkehrsnetz, das durch bereits bestehende Handelsrouten ausgebaut wurde, und nicht zuletzt die hansische Gebäudearchitektur, die Backsteingotik, die sich besonders im norddeutschen Raum wiederfinden lässt.
Je mehr wir uns verdeutlichen mit welcher Präsenz uns die Hanse noch heute begegnet, sei es anhand der eben erwähnten Zeugnisse oder in weiteren, einfacheren Erinnerungen wie Straßennamen, Stadtteilen, Bezeichnungen von Gebäuden und Institutionen, um so unerklärlicher scheint es, eine Begründung zu finden, womit sich die überdauernde Existenz einer eigentlich formlosen Organisation, welche die Hanse zweifelsohne war, erklären ließe. Die Hanse war ein gewachsenes Gebilde, ein Bündnis vieler einzelner Städte, das ohne Gründungsurkunde, ohne eigene Verfassung, ohne eigene Finanzen, ohne Siegel, Beamte oder gar - abgesehen vom Hansetag - Institutionen, in Europa zu seinen Glanzzeiten, aufgrund seiner gewachsenen wirtschaftlichen Bedeutsamkeit, wie ein souveräner Staat agieren konnte. 1 Der, begünstigt durch vielerlei Faktoren wie Stadt- und Territorialentwicklung, gewachsene wirtschaftliche und machtpolitische Einfluss der Hanse, der sich über Jahrhunderte hinweg behaupten konnte, lädt unter den gegebenen Umständen dazu ein, die Hanse als „ein einzigartiges Phänomen in der
1 Zimmerling, Dieter: Die Hanse - Handelsmacht im Zeichen der Kogge. Düsseldorf/Wien 1976. S. 11
1
deutschen und europäischen Geschichte des Mittelalters und der frühen Neuzeit“ zu bezeichnen 2 , dessen Entwicklung im folgenden erläutert werden soll.
2. Die Entstehung der Hanse
Der zeitliche Rahmen, dem die Entwicklungsgeschichte der Hanse zugewiesen werden kann, erstreckt sich, grob abgesteckt, von der Mitte des 12. Jahrhunderts bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts, über fünfhundert Jahre. Will man diesen Zeitraum präziser definieren, zeigt sich aufgrund fehlender Gründungs- und Auflösungsurkunden schnell, dass sich dies nicht ganz problemlos bewerkstelligen lässt: Oftmals wird die Geburtsstunde der Hanse mit der Gründung der Stadt Liubices, Lübecks, 1159 in Verbindung gebracht, einer Stadt, der später aufgrund ihrer geographischen Lage größte Bedeutsamkeit hinsichtlich der hansischen Wirtschaft und Organisation zukam. Diese Zuordnung scheint einleuchtend, wie wir im weiteren Verlauf sehen werden, allerdings sollte man dennoch berücksichtigen, dass es Handel im hansischen Sinne schon vor diesem Zeitpunkt gab. Ebenso undeutlich wie der Beginn hansischen Handels lässt sich auch das Ende dieser Organisationsform ausmachen. Das Jahr 1669, in welchem der letzte Hansetag zusammentraf, käme dafür durchaus in Frage, die Bedeutsamkeit der Hanse hatte sich jedoch schon weit vorher derart reduziert, dass die Betreuung aller noch anstehenden hansischen Belange 1630 an die drei Städte Hamburg, Bremen und Lübeck abgetreten wurde. 3
Die Hanse, die sich sogar ihren Namen nicht selbst gegeben hatte 4 , nahm ihren Anfang als lose Kaufmannsgemeinschaften, die sich zum Zweck gemeinsamer Handelsbelange im Ausland und zum gegenseitigen Schutz zusammenschlossen. Damit verminderten die einzelnen fahrenden Kaufleute das Risiko des Warenverlusts
2 Fritz, K./Krause, G.: Seekriege der Hanse. Berlin 1997. S. 10
3 Dollinger, Philippe: Die Hanse. 2. Aufl., Stuttgart 1976. S. 11/12
4 Der Begriff „Hanse“, der übersetzt „Bund“, „Gemeinschaft“ oder „Schar“ bedeutet, wurde offiziell erst von König Heinrich III. von England in den Urkunden vermerkt, die Hamburg 1266 und Lübeck 1267 erlaubte, wie schon zuvor Köln eine eigene Hanse zu gründen bzw. sich zu einer solchen zusammenzuschließen (habeant hansum suam).
Vgl. Ziegler, Uwe: Die Hanse - Aufstieg, Blütezeit und Niedergang der ersten europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. Eine Kulturgeschichte von Handel und Wandel zwischen 13. und 17. Jahrhundert. Bern/München/Wien 1994. S. 7
2
durch Raub noch lange bevor es zum einheitlichen Zusammenschluss der Kaufmannshanse oder gar der Städtehanse kam.
Eingebettet in einen allgemeinen europäischen Aufschwung im 11. und 12. Jahrhundert trugen verschiedene Faktoren wie Bevölkerungszunahme,
Stadtentwicklung, die Erschließung des Ostens durch Christianisierung, aber auch die technischen Fortschritte im Schiffsbau wesentlich zum Anstieg des Handelsvolumens und somit zum Aufstieg hansischen Handels bei. 5 Die enge Verknüpfung dieser Faktoren mit dem Aufstieg der Hanse macht einen kurzen Exkurs zu den Einflüssen, die das Handelsvolumen in hohem Maße steigerten, erforderlich, wenngleich diesbezüglich nicht zu verhindern sein wird, innerhalb der hansischen Entwicklungsgeschichte chronologisch vorwegzugreifen.
2.1 Ursachen für den Anstieg des Handelsvolumens
2.1.1 Bevölkerungswachstum
Obgleich des Fehlens statistischer Unterlagen und dem Wissen um die Tatsache, dass den Historikern lediglich Schätzungen auf der Basis wirtschaftlicher Entwicklungen zugrunde liegen, können wir doch davon ausgehen, dass eine regelrechte Bevölkerungsexplosion Europa im Zeitraum vom 11. bis zum 14. Jahrhundert überschwemmte. Lag die Bevölkerungsdichte Europas 1050 noch bei 46 Millionen, so stieg sie 1150 auf 50 Millionen, 1200 weiter auf 61 Millionen und schließlich auf 73 Millionen um 1300. Das größte Wachstum scheint sich zwischen 1200 und 1340 entwickelt zu haben: So klomm die Bevölkerung Frankreichs in diesem Zeitraum von 12 auf 21 Millionen, in Deutschland von 8 auf 14 Millionen und in England von 2,5 auf 4,5 Millionen. 6 Die Ursache für diesen enormen Geburtenanstieg gegenüber den Todesfällen lag laut Hammel-Kiesow neben einer um 1000 einsetzenden Klimaverbesserung und dem Abklingen der Einfälle von Wikingern, Ungarn und Arabern in folgenden Faktoren: „Feudale Herrschaften, etwas besser organisiert als in den vorangegangenen Jahrhunderten, konnten einen gewissen Friedenszustand innerhalb ihres Machtbereichs gewährleisten. [...] Die Siedlungsflächen wurden durch Rodungen und Binnenkolonisation in bislang nicht oder nicht intensiv genutzte Gebiete ausgeweitet.“ Des weiteren wurde „durch Siedlungsbewegungen im Osten, im Donautal, aber auch in Spanien und Süditalien [...] neues Land erschlossen.“
5 Zimmerling, Dieter: Die Hanse - Handelsmacht im Zeichen der Kogge. Düsseldorf/Wien 1976. S. 49
6 Ebd. S. 55
3
Arbeit zitieren:
Yvonne Vitt, 2003, Die Hanse und ihr Beitrag zur wirtschaftlichen Expansion Europas - Ein entwicklungsgeschichtlicher Einblick in den Aufstieg hansischen Handels, München, GRIN Verlag GmbH
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