Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung 1
2. Hauptteil 2
2.1. Ursprung und Auslöser des Aufstands in der Vendée 2
2.2. Entwicklung von Aufstand und Bürgerkrieg im Jahr 1793 5
2.2.1. Die militärische Ausgangslage und die Ausweitung des Aufstands 5
2.2.2. Die Reaktion der Revolution 7
2.2.3. „La Virée de Galerne“ 8
2.3. Der Terror in der Vendée 10
2.3.1. Carrier in Nantes 10
2.3.2. Turreaus „colonnes infernales“ 11
2.4. Die Fortsetzung des Aufstands nach 1793 12
2.4.1. Guerillakrieg im Stil der Chouannerie 12
2.4.2. Das Ende des Vendéeaufstands 13
2.5. Die Folgen des Krieges 14
3. Fazit 15
1
1. Einleitung
Die Französische Revolution von 1789 verstand sich selbst als Befreierin des Volkes von Despotismus, vom Absolutismus und Feudalsystem des Ancien Régime. Die Abschaffung der feudalen Abgaben wurde von den Bauern begrüßt, die vielerorts die Schlösser ihrer adligen Herren stürmten und die Grundbücher verbrannten. Im März 1793 kam es jedoch im Westen Frankreichs südlich der Loire zu einen Bauernaufstand, der sich im Namen von Gott und König gegen die Revolution richtete, großen Rückhalt in der Bevölkerung hatte und sich im Laufe des Jahres zu einem blutigen Bürgerkrieg ausweitete. Das Aufstandsgebiet, die während des Krieges sogenannte „Vendée militaire“, umfasste die Departements Vendée, Loire-Inférieure, Maine-et-Loire und Deux-Sèvres. Der Vendéeaufstand schien im Sommer 1793 zu einer ernsthaften inneren Bedrohung für das revolutionäre Frankreich zu werden. Was waren die Ursachen für diesen Volksaufstand gegen die Revolution des Volkes? Wie und in welchen Phasen verliefen Aufstand und Krieg in der Vendée? Und welche Folgen hatte der Krieg für die Region? Die vorliegende Arbeit versucht diesen Fragen nachzugehen. Bereits im 19. Jahrhundert war der Vendéekrieg Gegenstand zahlreicher Veröffentlichungen. Dabei haben sich schnell zwei gegensätzliche Sichtweisen herausgebildet. Royalistisch gesinnte Historiker betrachteten den Aufstand als spontane Erhebung der Landbevölkerung gegen die unerwünschten Veränderungen der Revolution, die das harmonische Zusammenleben von Bauern und Grundherren zerstört habe. Für republikanische Historiker war der Aufstand nichts anderes als ein konterrevolutionäres Komplott, angezettelt vom Adel und eidverweigernden Priestern. Insgesamt gesehen haben sich die bedeutenden Revolutionshistoriker der allgemeinen Geschichtsschreibung im 20. Jahrhundert, wie zum Beispiel Albert Soboul, kaum näher mit dem Vendéeaufstand oder der Konterrevolution befasst. Erst in den 1960er Jahren haben sozialgeschichtlich orientierte Studien den Aufstand näher untersucht. Der Engländer Charles Tilly hat als erster die tiefer liegenden Ursachen der Erhebung heraus gearbeitet. 1 Eine Gesamtbetrachtung der Gegenrevolution wurde von Jacques Godechot veröffentlicht. 2 Mitte der 80er Jahre wurde die Vendée erneut in der Forschung behandelt, als Reynald Sécher in seiner Arbeit den Terror gegen die Vendéebevölkerung als innerfranzösischen Völkermord charakterisierte. 3 Séchers Betrachtung wurde in der Forschung heftig diskutiert und zum Teil durch objektivere
1 Tilly, Charles: La Vendée. Révolution et contre-révolution. Paris 1970.
2 Godechot, Jacques: La contre-révolution. Doctrine et action 1789-1804. 2. Aufl. Paris 1984.
3 Sécher, Reynald: Le génocide franco-français: la Vendée-Vengé. 3. Aufl. Paris 1989.
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Arbeiten, etwa von Jean-Clément Martin, 4 relativiert. Eine recht polemische Arbeit in der Tradition Séchers ist kürzlich von Alain Gérard erschienen. 5 Deutsche Historiker haben sich bisher kaum mit dem Aufstand in der Vendée befasst. Eine Ausnahme ist zum Beispiel Michael Wagner, der einige Aufsätze und auch eine Monographie über die französische Gegenrevolution veröffentlicht hat. 6
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich zunächst mit den Ursachen des Aufstands in der Vendée. In einem zweiten Teil wird der Verlauf des Krieges geschildert, betrachtet werden außerdem die republikanischen Terrormaßnahmen gegen die Aufständischen. Schließlich geht die Arbeit auf die Folgen von Bürgerkrieg und Terror ein. Da sich die Ereignisse teilweise überschneiden, ist die Gliederung nicht streng chronologisch.
2. Hauptteil
2.1. Ursprung und Auslöser des Aufstands in der Vendée
1789 war auch die Bevölkerung in der Vendée der Revolution gegenüber durchaus positiv eingestellt und auch eine besondere Sympathie für die Monarchie oder den König gab es nicht. Der anfängliche Enthusiasmus wurde jedoch besonders bei der Bauernschaft bald durch Ernüchterung verdrängt. Die Bauern in der Vendée profitierten kaum von der Abschaffung des Kirchenzehnten und der feudalen Abgaben, da in dieser Region die Zeitpacht weit verbreitet war. 7 Hinzu kam, dass die Bauern beim Verkauf der Nationalgüter dem kapitalkräftigeren städtischen Bürgertum unterlegen war, das sich die besten Güter in den ländlichen Gemeinden sicherte. 8 Die revolutionäre Agrargesetzgebung brachte nur Grundeigentümern Vorteile, Pächter dagegen zahlten nach der Abschaffung des Zehnten dem Grundbesitzer statt dessen eine entsprechend höhere Pacht. 9
Bereits vor der Revolution herrschte zwischen dem städtischen Bürgertum und den Bauern eine große Rivalität. Die Weber, die in der um Cholet angesiedelten Textilindustrie arbeiteten stammten meist aus der Bauernschaft. Sie waren die Leidtragenden einer wirtschaftlichen Krise der Textilindustrie Ende der 1780er Jahre, wodurch der Konflikt mit den bürgerlichen
4 Martin, Jean-Clément: La Vendée et la France. Paris 1987.
5 Gérard, Alain: „Par principe d’humanité...“. La Terreur et la Vendée. Paris 1999.
6 Wagner, Michael: Vendée-Aufstand und Chouannerie im Lichte der neueren Forschung. In: Francia. Forschungen zur westeuropäischen Geschichte; 15 (1987). S. 733-754. Ders.: Die Gegenrevolution. In: Reichardt, Rolf (Hrsg.): Ploetz. Die französische Revolution. Würzburg 1988. S. 98-111. Ders.: England und die französische Gegenrevolution 1789-1802. (=Ancien Régime, Aufklärung und Revolution; 27) München 1994.
7 Vgl.: Wagner: Vendée-Aufstand und Chouannerie. S. 739.
8 Vgl.: Tilly: La Vendée. 208-217.
9 Vgl.: Martin: La Vendée et la France. S. 81 f.
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Fabrikbesitzern verstärkt wurde. 10 Dadurch, dass in der Vendée das städtische Bürgertum, eigentlicher Träger der Revolution, in weit höherem Maße von den revolutionären Veränderungen profitierte als die Bauern auf dem Land, wuchs der Gegensatz und das Mißtrauen zwischen den beiden gesellschaftlichen Gruppen. 11 Nicht die Revolution an sich, sondern das sie tragende städtische Bürgertum war der eigentliche Feind, den die aufständischen Bauern bekämpfen wollten.
Neben dem sozio-ökonomischen Konflikt gab es noch einen weiteren Gegensatz zwischen Bauern und Bürgertum in der Vendée, der gegenrevolutionären Tendenzen in der Landbevölkerung hervorgerufen hat: Die Religion. Die revolutionäre Kirchenpolitik, die Zivilkonstitution des Klerus vom 12. Juli 1790 und der Treueid von Priestern auf die Verfassung vom 27. November 1790, stieß bei der religiös geprägten ländlichen Bevölkerung in der Vendée auf starke Ablehnung. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war die Vendée das Zentrum einer intensiven katholischen Predigtmission durch den Orden von Louis Grignion de Monfort. Die Monfortaner Mission kann zwar nicht als direkte Ursache für die spätere Erhebung gegen die Revolution gelten, 12 durch sie haben sich jedoch vor allem in der ländlichen Bevölkerung strenge religiöse Traditionen gefestigt. Die Zahl der Priester, die den Eid auf die Verfassung verweigerten, war in der Vendée im Vergleich zu anderen französischen Gebieten sehr hoch. Fast alle Pfarrer verweigerten hier den Eid. Auf der anderen Seite stieß die Monfortaner Mission beim städtischen Bürgertum auf wenig Resonanz. 13 Diese Gruppe blieb der Kirche gegenüber mißtrauisch eingestellt. Die Zivilverfassung und der Priestereid wurden von den revolutionären Verwaltungen, die vom städtischen Bürgertum dominiert waren, in den Departements des späteren Vendéeaufstands besonders streng durchgesetzt. Bereits 1789 waren in den cahiers de doleances westfranzösischer Städte ähnliche Forderungen gestellt worden. 14 So gingen die Behörden zum Beispiel im Departement Maine-et-Loire mit besonderer Härte gegen eidverweigernde Priester und volkstümliche Wallfahrten vor. 15 Waren die religionspolitischen Maßnahmen vom Konvent zunächst nicht gegen die Kirche, sondern vielmehr zu deren Erneuerung gedacht, so bekamen sie in den westlichen Departements in ihrer praktischen Ausführung
10 Tilly: La Vendée. S. 220-227.
11 Vgl.: Martin: La Vendée et la France. S. 63 ff.
12 Vgl.: Martin: La Vendée et la France. S. 57 ff.
13 Vgl.: Furet, François: Die Vendée. In: Furet, François; Ozouf, Mona (Hrsg.): Kritisches Wörterbuch der Französischen Revolution. Band 1. Frankfurt a. M. 1996. S. 269-287. S. 282f.
14 Vgl.: Tackett, Timothy: Die Stadteliten und der Priestereid von 1791. In: Reichardt, Rolf; Schmitt, Eberhard (Hrsg.): Die Französische Revolution als Bruch des gesellschaftlichen Bewußtseins. München 1988. (=Ancien Régime, Aufklärung und Revolution; 15) S. 579-602. S. 584-595.
15 Vgl.: Tackett: Die Stadteliten und der Priestereid von 1791. S. 583.
Quote paper:
Tobias Birzer, 2002, "L'inexplicable Vendée" Gegenrevolutionärer Aufstand und Bürgerkrieg in Westfrankreich 1793-1796, Munich, GRIN Publishing GmbH
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