Inhalt
1. Einführung in das Identitätsproblem 1
2 . 1 Leitbegriffe 2
2 . 1 . 1 Wahrheit 2
2 . 1 . 2 Täuschung 3
2 . 1 . 3 Irrtum 4
2 . 1 . 4 Traum 4
2 . 1 . 5 Sinne 5
2 . 1 . 6 Beweis 5
2 . 1 . 7 Zeugen 5
2 . 1 . 8 Erkenntnissicherheit 5
2 . 1 . 9 Skepsis 6
2 . 2 Identitätsproblematik 6
3 Bibliographie 11
II
1. Einführung in die Identitätsproblematik
Heinrich von Kleists Komödie „Amphitryon“, die er selbst „Ein Lustspiel nach Molière“ nannte, besteht aus drei Akten von jeweils fünf bis elf Szenen pro Akt. Sie wird durchgängig bestimmt von dem Motiv des Rollentausches und der damit entstehenden Identitätsproblematik.
Schon im ersten Akt werden die Hauptpersonen vorgestellt und damit auch der Rollentausch eingeführt. Diese sind:
Amphitryon, der Feldherr der Thebaner und somit Oberster der Thebaner. Jupiter, Donnergott und Oberster der Götter, der in der Gestalt von Amphitryon erscheint. Sosias, Diener des Amphitryon.
Merkur, Diener des Jupiter und Gott, der in der Gestalt von Sosias auftritt. Alkmene, die Frau von Amphitryon. Charis, die Frau von Sosias.
Nicht nur das „Herr - Knecht Verhältnis“, sondern auch die optische Erscheinungsform von Amphitryon und Jupiter sowie Sosias und Merkur sind gleich. Somit ist der Rollentausch das bestimmende Motiv in dem gesamten Drama. Gesetzt den Fall, dass dem Zuschauer im Theater das Drama und die Personen bekannt sind, liegt hier ein Schwerpunkt der Komödie. Etliche komische, verwunderliche und auch nachdenklich stimmende Szenen entstehen dadurch. Denn wer findet es nicht komisch solchen Verwechslungen zuzusehen? Und wer fragt sich nicht: Wie würde ich mich wohl verhalten, wenn ich plötzlich meinem eigenen Spiegelbild gegenüberstehen würde? oder: Woran könnte ich erkennen, ob diese Frau meine Ehefrau oder nur eine Doppelgängerin ist?
Diese Fragen und Überlegungen schaffen die Identitätsproblematik, denn woran macht man das „ICH“ fest? Ist es das Verhalten, das innere Gefühl, das Aussehen oder sind es Belege, die man sehen oder auch nicht sehen kann? Sind das überhaupt stichfeste Merkmale und Beweise? Sosias sagt in Vers 710-715 1 : „Jedoch zuletzt erkannt ich, musst ich mich, Ein Ich, so wie das andre, anerkennen. Hier stand’s, als wär die Luft ein Spiegel vor mir, Ein Wesen völlig wie das meinige,
1 Heinrich von Kleist: Amphitryon. Stuttgart. Reclam. 2002, S. 28
1
Von diesem Anstand, seht, und diesem Wuchse, Zwei Tropfen Wasser sind nicht ähnlicher.“
Kleist hat mit seinem „Amphitryon“ ein Thema aufgegriffen, das schon von Alters her immer aktuell geblieben ist und auch in unserer heutigen Zeit nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat. So meint auch Anthony Stephens: „Was die Gesellschaft fordert und auch zuweilen belohnt, ist das perfekte Rollenspiel, die vollendete
2. 1 Leitbegriffe
Beim Umgang mit der Identitätsproblematik stößt man immer wieder auf die Leitbegriffe der Problematik. In den Versen 1122-1147 3 treten sie alle einmal auf. Es sind neun wichtige Begriffe, welche da wären:
Wahrheit (Vers 1144), Täuschung (Vers 1127), Irrtum (Vers 1133), Traum (Vers 1125), Sinne (Vers 1140), Beweis (Vers 1143), Zeugen (Vers 1131), Erkenntnissicherheit (Vers 1147) und Skepsis (Vers 1136-1138). Im Folgenden werde ich näher auf diese eingehen.
2. 1. 1 Wahrheit
Der Begriff „Wahrheit“ lässt sich nur schwer definieren, doch einfach gesagt ist es die Übereinstimmung von Tatsache und Behauptung. Sie beschreibt die Wirklichkeit. Die Wahrheit wird im „Amphitryon“ häufig verschleiert durch das Rollenspiel und somit durch das doppelte Vorhandensein von Sosias und Amphitryon. Es ist nicht mehr einfach für die beteiligten Personen Wahrheit von Lüge zu unterscheiden, denn selbst das Erscheinungsbild der beiden Götter entspricht nicht mehr der Wirklichkeit. Sie täuschen eine Scheinwirklichkeit vor. Woran kann man also die Wahrheit erkennen?
2 Anthony Stephens: Kleist, Sprache und Gewalt. Freiburg im Breisgau. 1999, S. 15
3 ebd., S. 42, 43
2
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Stephanie Kollmann, 2003, "Amphitryon" - Leitbegriffe und Identitätsproblematik von Heinrich von Kleist, Munich, GRIN Publishing GmbH
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