Ludwig-Maximilians-Universität München
„Spielarten“ der Liebe im Expressionismus - eine literaturdidaktische Untersuchung
Verfasser:
Matthias Reim
2
Inhaltsverzeichnis
Kapitel: Seite:
1 Die Liebe als Thema in Literatur und Kunst des Expressionismus - Zur Aktualität 4
und Schülerorientierung
2 Expressionismus - ein komplexes Phänomen der Literaturgeschichte im
Deutschunterricht der Oberstufe 5
2.1 Die didaktische Problematik des Epochenbegriffs 5
2.2 Zum Verhältnis exemplarischen und orientierenden Lernens 6
2.3 Die „Spielarten“ der Liebe im Expressionismus 9
3 Texte, Bilder, Dokumente als „Türöffner“ zur Unterrichtsthematik 10
3.1 Was bedeutet „Expressionismus“? 10
3.2 Die junge Generation 12
3.2.1 „Aufbruch der Jugend“ 12
3.2.2 „Der junge Dichter“ 13
3.3 Exkurs: Kulturelle Sexualmoral und „moderne Nervosität“ am Beginn des 20
Jahrhunderts - der Beitrag Sigmund Freuds 14
4 Ein produktionsorientierter Zugang zu den Eigenarten moderner Lyrik am Beispiel
der Liebesgedichte August Stramms 16
4.1 Zur Methodik und der Situierung im Unterrichtsgeschehen 16
4.2 Produktionsaufgaben und Bildmaterial 18
4.2.1 Mit vorgegebenen Wörtern des Gedichts Verabredung ein eigenes Gedicht
schreiben 18
4.2.2 „Restaurieren“ des Gedichts Trieb 18
4.2.3 Visuelle Umgestaltung des Gedichts Freudenhaus 19
4.3 Zur Begründung des produktionsorientierten Ansatzes 20
5 Schlussperspektive 22
Literatur 23
Anhang 26
3
1 Die Liebe als Thema in Literatur und Kunst des Expressionismus - Zur Aktualität und Schülerorientierung
In den Lehrzielen kommen Verhaltenserwartungen oder stoffliche Anforderungen als Forderungen der Gesellschaft auf die Schüler/innen zu und werden als solche durchgesetzt, während sich in den Handlungszielen die am Alltagsbewußtsein [!] der Schüler/innen orientierten Bedürfnisse, Absichten und Interessen artikulieren [..]. 1
Eine Vermittlung zwischen Ansprüchen des Lehrplans bzw. der Institution Schule einerseits und den subjektiven „Ansprüchen“ der SchülerInnen andererseits gelingt aber umso eher, je stärker die Unterrichtssituationen für die SchülerInnen bedeutsame Probleme, Themenstellungen oder Aufgaben enthalten. 2
Zudem impliziert der geforderte Lebensweltbezug im Hinblick auf den Literaturunterricht auch die Notwendigkeit, der „Situationsabstraktheit des [.] Lehrplans einen »Sitz im Leben«“ 3 zu verleihen; in Abschnitt 2.2 wird darauf eingegangen werden. Die objektiven Lehrgegenstände sind durch den Lehrplan vorgegeben: die Schüler sollen einen Eindruck bekommen von der „Vielfalt und Widersprüchlichkeit moderner Literatur [und dazu ermutigt werden,] sich anhand literarischer Werke mit sich selbst und ihrer Zeit und Umwelt auseinanderzusetzen“. 4 Im Sinne eines schülerzentrierten Unterrichts ist es daher sinnvoll, zu untersuchen, welche literarischen Themen möglichst lebensnahe Probleme darstellen, was allerdings angesichts der Aktualität vieler expressionistischer Themen nicht schwer fallen wird. 5
Gerade das Thema der Liebe ist ein eigentlich „zeitloses“ Thema und wurde, seit es Literatur gibt, immer wieder verarbeitet; bereits das hebräische Hohelied der Liebe im Alten Testament ist ein Lobgesang auf die sinnlich-erotische Liebe, und nicht erst seit Freud weiß man, dass sexuelle Wünsche und Vorstellungen Dichter und Künstler in ihrem Schaffen erheblich inspirieren können. 6 Aufgeschlossenheit der Schüler für das Thema dürfte somit „garantiert“ sein, denn die Liebe ist ein Phänomen, das über die Zeit der Pubertät hinaus jeden jungen Menschen in seinem Leben beschäftigt. Der „Kampf“ der jungen expressionistischen Generation um (nicht nur sexuelle) Befreiung hat einige Ähnlichkeit mit der sexuellen Revolte der 68´er Generation, welche auch Nachgeborenen noch ein Begriff sein dürfte. Ein knappes Jahrhundert später mag es für junge Menschen zunächst schwer nachzuvollziehen
1 Gudjons: Handlungsorientiertes Lehren und Lernen, S. 124.
2 Vgl. ebd.
3 Kiefer u. Riedel: Bausteine, S. 17.
4 KWMBl I So.-Nr. 7 / 1992, S. 350.
5 Anm. d. Verf.
6 Vgl. Abschnitt 3.3.
4
sein, was es bedeutet, in einer Gesellschaft aufzuwachsen, in der bürgerliche und „katholische“ Moralvorstellungen auf die Erziehung großen Einfluss haben und Sexualität öffentlich tabuisiert ist; einige gute Möglichkeiten, um hier den SchülerInnen „Vorstellungsbildung“ 7 und historisches Verstehen zu ermöglichen, wird in den Abschnitten 3.2 und 3.3 gezeigt.
2 Expressionismus - ein komplexes Phänomen der Literaturgeschichte im Deutschunterricht der Oberstufe
In der Literatur des 20. Jahrhunderts erscheint der „Akt der sinnstiftenden Strukturierung“ 8 seit dem Expressionismus immer schwieriger: der Begriff kennzeichnet eine der vielseitigsten und produktivsten Perioden der neueren deutschen Literaturgeschichte. Zur ersten Orientierung sei deshalb das Kriterium der zeitlichen Einordnung genannt: Paul Raabe nennt in der Einleitung zu seinem Lexikon den Generationszusammenhang der expressionistischen Dichter als übergreifendes Charakteristikum; zwei Drittel der „Beteiligten“ sind zwischen 1885 und 1896 geboren, die zeitliche Dauer umfasst in etwa die Jahre 1905 bis 1925. 9 Zudem scheint die didaktische Problematik dieses Epochenparadigmas bereits in seinem Konstruktcharakter zu liegen, da Epochenbegriffe immer „mit qualifizierenden Bedeutungen belastet sind [und] der realen Fülle und Vielgestaltigkeit des im betreffenden Zeitraum Hervorgebrachten nicht gerecht werden können“. 10
2.1 Die didaktische Problematik des Epochenbegriffs
Der literaturwissenschaftliche Expressionismus-Begriff ist also wie jede Periodisierung an jeweils bestimmte Vorstellungen von „dem Wesen und der Funktion von Literatur“ 11 gebunden und stellt somit ein Rezeptionsphänomen dar; bereits die expressionistischen Autoren und Künstler selbst haben ja ihr Selbstverständnis in zahlreichen Reden, Dokumenten und Manifesten 12 der Öffentlichkeit kund getan. Literarische Texte, oder allgemeiner: Kunstwerke sind zudem stets in konkreten gesellschaftlichen Strukturen und Prozessen verortet: Literaturgeschichte ist deshalb immer mit anderen, politischen, sozialen oder kulturellen „Geschichten“ vernetzt. 13 In Abschnitt 3
7 Zu den Begriffen „Vorstellung“ bzw. „Vorstellungsbildung“ vgl. Abraham: Vorstellungsbildung und Literaturunterricht, S. 10 ff.
8 Nutz: Literaturgeschichte, S. 25.
9 S. Raabe: Die Autoren und Bücher des literarischen Expressionismus, S. 7.
10 Karl Otto Conrady, zit. nach Nutz: Literaturgeschichte, S. 25.
11 Ebd.
12 Diese Texte erreichen teilweise fast literarische Qualitäten; Anm. d. Verf.
13 Vgl. Nutz: Literaturgeschichte, S. 23.
5
dieser Arbeit werden deshalb drei Möglichkeiten beschrieben, den SchülerInnen eine Vorstellung von der Epoche zu ermöglichen: in einer von Kasimir Edschmid 1917 gehaltenen Rede, die unter dem Titel „Expressionismus in der Dichtung“ veröffentlicht wurde, kommt unter Anderem die oben genannte künstlerische Selbstreflexion im Zusammenhang mit dem konkreten historischen Kontext der Epoche - besonders hilfreich für das Verständnis der SchülerInnen - schön zum Vorschein! 14 Anhand dieses Textes als erstem „Türöffner“ 15 zur Thematik soll zunächst eine Annäherung an den literaturwissenschaftlichen Begriff „Expressionismus“ erfolgen.
Zweitens soll der Text „Der junge Dichter“ von Rudolf Kurtz dazu dienen, die antibourgeoise, rebellische, revolutionäre Pose vieler Künstler - die vom Verfasser übrigens leicht ironisch dargestellt wird - in ihrer Bedeutung für die Gestalt der in Literatur und Kunst verarbeiteten Themen, insbesondere für das der Liebe, herauszuarbeiten. 16 In einem wissenschaftlichen Aufsatz von 1908 mit dem Titel „Die »kulturelle« Sexualmoral und die moderne Nervosität“ äußert sich der Wiener Nervenarzt Sigmund Freud, Begründer der Psychoanalyse, über den Zusammenhang zwischen Kultur und Sexualtrieb in der „modernen“ Gesellschaft; dieser soll als quasi außerliterarisches „Zeugnis“ für erste Ansätze einer sexuellen Befreiung in der Moderne für SchülerInnen fruchtbar gemacht werden. 17 Didaktische Entscheidungen über die Konzeption einer literaturgeschichtlichen Unterrichtssequenz sollen im Wesentlichen auf die Ausbildung einer „kulturellen Kompetenz“ 18 abzielen; auf der Schülerseite gehören dazu die Bereitschaft, einzelne literarische Texte durch historische Verortung zu verstehen, und „die Fähigkeit, Literatur als Medium [..] im Hinblick auf die Geschichtlichkeit und damit den Wandel ihrer Funktionen, Produktions- und Rezeptionsbedingungen, Themen, Strukturen und Gestaltungsmittel zu erfassen“. 19 Dies zu zeigen, soll das generelle Anliegen im folgenden Abschnitt 3 sein.
2.2 Zum Verhältnis exemplarischen und orientierenden Lernens
Begreift man Literaturgeschichte als einen gesicherten, lernbaren Bestand an Namen, Werken und Lebensdaten von Autoren sowie charakteristischer Stil- und Gattungsmerkmale, dann setzt die didaktische Arbeit genau hier an, indem zu jenem „objektiven“ kulturellen Gedächtnis ein subjektives Moment hinzukommt: Aufgabe des Lehrers sei es, so Nutz,
14 S. Abschnitt 3.1.
15 Zum Begriff „Türöffner“ vgl. Nutz: Literaturgeschichte, S. 28.
16 S. Abschnitt 3.2.
17 S. den Exkurs in Abschnitt 3.3.
18 Nutz: Literaturgeschichte, S. 32.
19 Ebd.
6
ausgehend von (Lese-)Interessen und gegenwartsbezogenen Fragehaltungen der SchülerInnen „Erkundungsreisen“ durch die Fülle und Komplexität des Stoffes zu unternehmen. 20 Durch entdeckendes Lernen wird SchülerInnen ermöglicht, sich ein eigenes Bild zu machen, anstatt einfach einen vorgesetzten Epochenbegriff übernehmen zu müssen. Hier ist bereits auf die Problematik für den Schulgebrauch angefertigter Literaturgeschichten hinzuweisen, die für SchülerInnen leicht Gegenstand eines bedenkenlosen Gebrauchs als Lehrbuch werden können; Kiefer empfiehlt hier, von vornherein kritisch auf solche Darstellungen hinzuarbeiten. 21
Zudem ist es aufgrund der oben genannten Stofffülle vonnöten, selektiv und exemplarisch 22 vorzugehen. Dabei schließen sich objektives und subjektives Moment keinesfalls aus; exemplarisches und orientierendes - d.h. in unserem Zusammenhang Aneignung eines breiten literaturgeschichtlichen Orientierungswissens - Lernen sind in eine produktive Beziehung zu bringen, die den Schülern auch erfahrbar zu machen ist. 23 Angesichts schulorganisatorischer Sachzwänge - geringe Anzahl der Wochenstunden im Fach Deutsch und 45-Minuten-Takt 24 wird man nämlich auf kurz oder lang sicherlich nicht darum herum kommen, den vom Lehrplan für die Oberstufe de facto geforderten „systematischen Durchgang durch die Literaturgeschichte der Neuzeit“ 25 irgendwie zu bewältigen; eine weitere Erschwernis besteht hier zudem für die Dimensionen kommunikativen bzw. handlungs- und produktionsorientierten Unterrichts. 26
Exemplarisches Lernen soll nach Klafki Grundlage und Voraussetzung für orientierendes Lernen sein; auf diesem Wege gewonnenes, aufschließendes Wissen ermöglicht es den SchülerInnen, Erkenntnisse, Fähigkeiten und Einstellungen auch auf dargebotene und stofflich komplexere Informationszusammenhänge zu übertragen. 27 Die unten entworfenen Produktionsaufgaben 28 zu Stramm-Gedichten werden beispielsweise ergänzt durch ein Schülerreferat zum Autor, das die wichtigsten Angaben zum Leben und Werk beinhalten soll:
die bürgerliche Herkunft und zunächst „klassische“ berufliche Laufbahn des Künstlers, mit einer Promotion abgeschlossenes Universitätsstudium, Kontaktaufnahme zum Künstlerzirkel des „Sturm“ in der Reichshauptstadt Berlin und schneller künstlerischer Erfolg, in kurzer Zeit
20 Nutz: Literaturgeschichte, S. 24 ff.
21 S. Kiefer u. Riedel, Bausteine: S. 33.
22 Vgl. Nutz: Literaturgeschichte, S. 27.
23 Vgl. Klafki: Exemplarisches Lehren und Lernen, S. 156.
24 Vgl. Kiefer u. Riedel: Bausteine, S. 11.
25 KWMBl I So.-Nr. 7 / 1992, S. 342.
26 Vgl. Kiefer u. Riedel: Bausteine, S. 11.
27 S. Klafki: Exemplarisches Lehren und Lernen, S. 155 ff.
28 S. Abschnitt 4.
7
äußerst produktive und dabei stilbildende künstlerische Tätigkeit, Kriegsteilnahme und das Schreiben als „Lebensbewältigung“ und schließlich ein Schicksal, das er mit vielen Künstlern teilte: sein Kriegstod an der russischen Front. 29
Das relativ übersichtliche Œvre des Autors bietet dann bei seiner Gedichtsammlung „Tropfblut. Gedichte aus dem Krieg“ 30 einen Anknüpfungspunkt für eine bzw. mehrere Stunden zur expressionistischen Kriegsthematik, in die parallele Beispiele aus der bildenden Kunst einbezogen würden: die Kriegsgedichte bei August Stramm im Vergleich mit den Kriegsbildern Otto Dix´, die beide auf je unterschiedliche Weise versucht haben, ihre als Soldat erlebten Kriegsgräuel in Worte bzw. Bilder zu fassen. Entdeckendes Lernen bedeutet aber auch, SchülerInnen an der Wahl von Fragestellungen, thematischen Aspekten und Lektüreschwerpunkten zu beteiligen; das schließt in einem begrenzten Rahmen die selbständige Recherche nach Texten, Materialien und Informationen mit ein. 31
Hier bietet sich zunächst das Internet mit seinen zahlreichen Suchmaschinen zumindest als erste Orientierungshilfe an; wenn es allerdings um die Entnahme von im Netz hinterlegter Primärliteratur geht, ist auf alle Fälle Vorsicht geboten, da besonders viele Gedichte auf privaten „Homepages“ teilweise gekürzt, verändert, mit Rechtschreibfehlern oder anderweitig verfremdet erscheinen, und zudem häufig auf Quellenangaben verzichtet wird. 32 Für Schüler empfehlenswert und philologisch vertrauenswürdiger erscheint da das ständig aktualisierte Literaturarchiv des Projekts Gutenberg, 33 das auf der offiziellen Homepage des Nachrichtenmagazins »Der Spiegel« verfügbar ist; dort sind allein über 11000 Gedichte abrufbar, hinzu kommen Originaltexte aller literarischer Gattungen wie Märchen, Sage, Roman, Novelle und vieler mehr. Das Angebot, in dem alle Epochen der neueren deutschen Literaturgeschichte vertreten sind, ist übersichtlich gegliedert und sowohl nach
Autorennamen als auch nach Gattungen alphabetisch sortiert „anklickbar“. Eine besondere „Spezialität“: zu den meisten Autoren ist eine, meist mit Bild und Autogramm versehene, Kurzbiographie vorhanden, in der die wichtigsten Lebensdaten und Werke verzeichnet sind. Ähnliches gilt für das Bildarchiv der Kunst und Architektur; 34 es ist Teil des Kunstgeschichtlichen Instituts der Philipps-Universität Marburg und nimmt
die Aufgaben eines deutschen Dokumentationszentrums für Kunstgeschichte wahr. Das
29 Vgl. Adler: Nachwort und Kommentar zum Werk August Stramms, S. 327 ff.
30 S. Stramm: Die Dichtungen, S. 81 ff.
31 Nutz: Literaturgeschichte, S. 30.
32 Anm. d. Verf.
33 www.gutenberg2000.de (31. August 2003).
34 www.bildindex.de (31. August 2003).
8
ebenfalls ständig erweiterte Archiv beinhaltet Farbfotos von Werken aller Künstler, Gattungen und Epochen der bildenden Kunst, ermöglicht komfortable Stichwortsuche sowie beinhaltet für jedes Werk umfangreiche Angaben zu Material, Maßen und Standort. Die Bilder können einfach auf dem PC gespeichert werden.
In München ergibt sich zum einen die schöne Möglichkeit, die großen Bibliotheken samt OPAC zur ortsnahen Recherche zu nutzen. Zum anderen liegt nichts näher als beispielsweise die Pinakothek der Moderne mit ihrer umfangreichen Sammlung der „Brücke“-Künstler Ernst Ludwig Kirchner, Emil Nolde, Erich Heckel, Otto Müller und Karl Schmidt-Rottluff, sowie ihrer Beckmann-Sammlung; 35 das Lenbach-Haus kann mit Werken der Künstler des „Blauen Reiter“, u.a. Franz Marc und Wassily Kandinsky, aufwarten. 36 Im Umland ist das oberbayrische „Museumsdreieck“ mit seinen Spezialsammlungen zur „Brücke“ in Bernried und zum „Blauen Reiter“ in Kochel zu nennen. 37 Während also beispielsweise literarisches Lernen durch den Besuch einer Autorenlesung einen „Sitz im Leben“ der SchülerInnen erhalten kann, 38 drängt sich im Zusammenhang mit dem Thema Expressionismus das Museum als Lernraum förmlich auf.
2.3 Die „Spielarten“ der Liebe im Expressionismus
Die Lyrik, die einen gattungsmäßigen Lektüreschwerpunkt in der 13. Jahrgangsstufe darstellt, soll ja laut Lehrplan auf „epochentypische [.] Inhalte, Motive und Formen“ 39 hin ausgewählt werden.
Da die Liebe als literarisch-künstlerisches Thema des Expressionismus nicht, wie beispielsweise die Kriegsthematik, eine Verarbeitung konkreter historischer Ereignisse und damit verbundener zeitbezogener menschlicher Erfahrungen darstellt, sondern per se (als eigentlich zweitunabhängiges Phänomen) schon einen ganzen Komplex völlig unterschiedlicher menschlicher Erfahrungen bzw. Empfindungen ausdrücken kann, muss es eine Aufgabe der germanistischen Literaturwissenschaft 40 sein, unter Einbeziehung von Psychoanalyse, Philosophie und evtl. Theologie, in einem umfangreicheren Rahmen eine entsprechende Untersuchung zu diesem Thema durchzuführen.
35 S. Homepage der Münchner Pinakothek, http://www.pinakothek-der-moderne.de/deutsch.htm (31. August
2003).
36 S. Homepage des Lenbach-Hauses, http://www.lenbachhaus.de/4_sammlu/set_samm.htm (31. August 2003).
37 S. Homepage des „Museumsdreiecks“, http://www.expressionismus-museen.de/ (31. August 2003).
38 Vgl. Kiefer: Bausteine, S. 17 f.
39 S. KWMBl I So.-Nr. 7 / 1992, S. 352.
40 Die sich auch einer „wechselseitigen Erhellung der Künste“ bedienen müsste und nicht nur auf die Gattung der Lyrik beschränkt bleiben kann; auch zur Epik und Dramatik des Expressionismus gäbe es zahlreiche Beispiele.
9
Quote paper:
M.A. Matthias Reim, 2003, 'Spielarten' der Liebe im Expressionismus, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Die Darstellung der Großstadt in der Lyrik des Expressionismus
German Studies - Modern German Literature
Bachelor Thesis, 43 Pages
Die Tradition des Hässlichen im Expressionismus
Am Beispiel von Gottfried Benn...
German Studies - Modern German Literature
Intermediate Examination Paper, 33 Pages
Vergleich von Georg Trakls Gedichten "Verfall" und "Gro...
German Studies - Modern German Literature
Termpaper, 12 Pages
War der Expressionismus eine l...
German Studies - Literature of History, Eras
Scholary Paper (Seminar), 19 Pages
Literaturepochen (Vom Barock bis zur Exilliteratur)
German - History of Literature, Eras
Presentation / Essay (Pre-University), 8 Pages
Problemgeschichtliche Analyse ...
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 25 Pages
Zu Jakob van Hoddis' "Weltende"
Untersuchung des Gedichtes und...
German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 21 Pages
Vergleich der Ansätze Piagets und Kohlbergs zur Moralentwicklung
Psychology - Developmental Psychology
Scholary Paper (Seminar), 22 Pages
Handlungs- und produktionsorientierte Unterrichtsverfahren: Das szenis...
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 38 Pages
Matthias Reim's text 'Spielarten' der Liebe im Expressionismus is now available as a printed book
Matthias Reim has published the text 'Spielarten' der Liebe im Expressionismus
Matthias Reim has uploaded a new text
Musik als Form geistigen Widerstandes 1. Texte, Bilder, Dokumente
Jüdische Musikerinnen und Musi...
Joachim Carlos Martini
Vermittlung von Information im...
Andreas Laubinger, Brunhilde Gedderth, Claudia Dobrinski
Interdisziplinäre Beiträge zu ...
Ernst Rohmer, Werner Wilhelm Schnabel, Gunther Witting
Schreiben und Gestalten mit ne...
Mechthild Dehn, Thomas Hoffmann, Oliver Lüth, Maria Peters
Intermedialität von Text und Bild bei Alexander Kluge
Zur Korrespondenz von Früher N...
Hyun Soon Cheon
0 comments