Hauptseminar „Jugendkultur und Popmusik" Wintersemester 2001/2002
Jugendkultur und Popmusik - Techno
4. Semester Diplomstudiengang
Medien-Planung, -Entwicklung und -Beratung
Eingereicht von Lars von Hugo und Sebastian Kleffmann
Jugendkultur und Popmusik - Techno - Sebastian Kleffmann, Lars von Hugo
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG 4
2 DIE HISTORISCHEN WURZELN 5
2.1 Kraftwerk deutsche Einflüsse 6
2.2 Synth-Pop 7
2.3 Industrial - New Wave - EBM - New Beat 7
2.4 Disco - Hi-Energy - House 8
2.5 Acid House 10
2.6 Detroit Techno 11
3 DIE LOVEPARADE - TECHNO WIRD DEUTSCH 13
3.1 Hardcore - Gabba - Gabber 14
3.2 Breakbeat - Jungle 16
3.3 Drum´n´Bass 17
3.4 Trance - Goa 18
3.5 Resumé 20
4 TECHNO - ASPEKTE EINER JUGENDKULTUR 21
4.1 Difference - Unity 21
4.2 Intention Grundlage 23
4.3 Tanz - Ekstase 24
4.4 Die Ästhetik 25
4.5 Techno und Mode 26
4.6 Der DJ 28
4.6.1 Westbam 29
4.6.2 Sven Väth 30
4.6.3 Marusha 32
5 FAZIT 33
6 QUELLEN 34
6.1 Literatur 34
6.2 Online und Offline Quellen 35
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Jugendkultur und Popmusik -Techno -Sebastian Kleffmann, Lars von Hugo
1 Einleitung
Techno wird heute - darüber besteht weitgehender Konsens - als wichtigste jugendkulturelle Bewegung der letzten zehn Jahre betrachtet. Rezeption und Produktion von Musik erscheinen dabei unter dem Mantel der Dachgattung Popmusik erstmals seit ihrer Entstehung radikal verändert. Techno beschreibt heute gleichermaßen ausdifferenzierte Arten elektronischer Musik, als auch einen damit einhergehenden, bestimmten kollektiven Lebensstil.
Doch wo liegt der Ursprung dieses Massen- und Gegenwartphänomens? Bei einer Antwort auf diese Frage zeigen sich erste Problematiken, denn bei Aussagen über die musikalischen Wurzeln von Techno und insbesondere dem Versuch, Techno als Begriff und Kulturform zu definieren, finden sich auch in der Literatur mitunter verschiedene Auffassungen und Verweise. Dies liegt u. a. daran, daß der Begriff Techno nicht trennscharf verwendet wird, bzw. sich einer solchen Verwendung entzieht und letztendlich eine genaue Definition nicht zuläßt. So birgt er in sich eine gewisse Mehrdeutigkeit und bleibt von daher grundsätzlich in seiner Gesamtheit als Sammelbegriff für verschiedene Spielarten elektronischer, digital produzierter Tanzmusik mit repetitiven Merkmalen sowie für die mit ihr gewachsene Jugendkultur zu verstehen.
Im folgenden soll zunächst versucht werden, wesentliche Entwicklungsstufen sowie Einflüsse auf „Techno“ zu skizzieren, wobei darauf hinzuweisen ist, daß diese nicht zwangsläufig sukzessive, sondern durchaus auch zeitgleich und in unterschiedlichen Formen an verschiedenen Orten zu finden sind. Dabei kann und soll an dieser Stelle kein Abgleich aller herrschenden und mitunter auf unterschiedlichen Ausgangspunkten basierenden Ansichten geboten werden, Ziel ist vielmehr eine Selektion und Integration der bedeutendsten Erkenntnisse zu dieser Entwicklung. Eine Einbindung sämtlicher Unterspielarten elektronischer Musik ist in diesem Kontext und Umfang nicht möglich- allein schon aus der Tatsache heraus, daß man einem übernationalen Flechtwerk gegenübersteht - wir erachten dies für das Gesamtverständnis allerdings auch nicht für eminent; viele dieser Entwicklungen sind zudem sehr kurzlebig gewesen bzw. dem Wunsch einer innovativen Abgrenzung zur jeweiligen Dachgattung entsprungen.
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Jugendkultur und Popmusik -Techno -Sebastian Kleffmann, Lars von Hugo
Daran anschließend sollen wichtige Entwicklungen, Merkmale und Besonderheiten der im Begriff Techno implizierten und damit verbundenen Jugendkultur analysiert und dargestellt werden.
2 Die historischen Wurzeln
Über den historischen Ursprung von Techno ließe sich an dieser Stelle bereits streiten. Vom technischen Standpunkt aus betrachtet, liegt er in den Anfängen der elektronischen Musik. Mit der Erfindung des Phonographen durch Thomas A. Edison 1877 konnten zum ersten Mal Töne aufgezeichnet und konserviert werden, wodurch der Grundstein für elektronische Musik gelegt war. Im Laufe des 20. Jahrhunderts folgten zahlreiche Experimente mit realen und gespeicherten Geräuschen. Um den Bogen nicht zu überspannen, sollen hier jedoch lediglich einige prägnante Pioniere elektronischer Musik Erwähnung finden. Einer der bedeutendsten ist Karlheinz Stockhausen. In den fünfziger Jahren schuf er bereits komplexe Montagen aus naturalistischen und synthetischen Klängen, indem er anfangs u. a. Klangspektren mit Hilfe eines Sinusgenerators und Überlagerung von Sinustönen systematisch erzeugte. Etwa fünfzehn Jahre später, 1965, sollten solche experimentellen Umwege durch die Erfindung des ersten analogen Synthesizers und dem damit gelegten Grundstein für die Erzeugung elektronischer Musik nicht mehr von Nöten sein.
Eine häufige Erwähnung findet auch John Cage, der „als einer der großen Experimentatoren der neuen Musik und Vertreter der äußersten Avantgarde“ 1 gilt. Cage, gestorben 1992, war wohl einer der ersten Komponisten überhaupt, der Stücke unter Verwendung von Elektronik erdachte. So featured seine Serie der 'Imaginary Landscapes' (es gibt deren 5 verschiedenen Teile, die zwischen 1939 und 1952 entstanden) unter anderem Radios, Kontaktmikrophone und Schallplattenspieler als Klangerzeugungsquellen. Letztere wurden von ihm erstmals, wie heute bei der Tätigkeit des DJs, als Musikinstrument auf der Bühne zur Konstruktion neuer Klangcollagen eingesetzt, ohne die Erzeugung eigener genuiner Klänge.
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Jugendkultur und Popmusik -Techno -Sebastian Kleffmann, Lars von Hugo
In den sechziger Jahren entstanden die ersten elektronisch hergestellten Filmmusiken, der New Yorker Steve Reich experimentierte als erster mit den heute v. a. im Hip-Hop und Techno-Bereich angewendeten Loop- und Scratch-Techniken, Vertreter wie Phillip Glass und Tirey Riley entwickelten weitere minimalistische Kompositionstechniken und nach und nach wandten sich immer mehr Bands den Möglichkeiten der neuen Techniken zu. 2
2.1 Kraftwerk & deutsche Einflüsse
In Deutschland formierten sich Ende der sechziger Jahre die Gruppen Can, Tangerine Dream und Kraftwerk, die sich zunächst Organisation nannten. Während erstere durchaus innovative und neue Versatzstücke in Form von elektronischen Elementen in ihre Musik integrierten, und im Falle von Tangerine Dream von rocklastiger Musik zu einer reinen Elektronik-Gruppe avancierten, führte Kraftwerk diese Schritte in ihrer Konsequenz zu Ende. Es war die erste Band, die ausschließlich vollsynthetisch hergestellte Musik spielte und nicht von ungefähr als bedeutendste Inspirationsquelle von überwiegend schwarzen Funk und Hip-Hip-Musikern, später auch von House- und Techno-Künstlern genannt wurde und wird. Kraftwerks Stücke behandeln, bei einer grundlegenden Faszination für die Welt der Maschinen, die Fusion dieser mit dem Menschen. Ralf Hütter von Kraftwerk sagt hierzu: „Wir gehen eine partnerschaftliche Koexistenz mit den Maschinen ein und stoßen so gemeinsam in fremdartige Gebiete vor. Ich denke, das ist definitiv der Grundgedanke von elektronischer Musik und damit auch der definitive Grundgedanke von Techno. Und das unterscheidet diese Musik von Rock ´n´ Roll - bei Techno geht es um stetigen Wandel, um Innovation und um Fortschritt (…).“ 3 Ulf Poschardt beschreibt „Kraftwerks liebliche und gleichzeitig hochmoderne Musik“ als „Ausdruck der Fähigkeit von High-Tech, Menschen beglücken und absolute Schönheit produzieren zu können.“ 4 Auch wenn diese Zuschreibung vielleicht etwas zu weitreichend ist, bleibt unbestreitbar, daß Kraftwerk, v. a. in der Zeit nach ihrem
1 Dahlhaus, Carl und Eggebrecht, Hans Heinrich (Hrsg.): Brockhaus Riemann Musik Lexikon. Mainz, B.
Schott's Söhne, 1989
2 vgl. Anz, Phillip und Walder, Patrick (Hrsg.): Techno. Zürich, Rico Bilger, 1995, S. 10
3 Ralf Hütter, zit. in: Blask, Falko und Fuchs-Gamböck, Michael: Techno. Eine Generation in Exstase.
Bergisch Gladbach, Bastei Lübbe, 1996, S. 91
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Jugendkultur und Popmusik -Techno -Sebastian Kleffmann, Lars von Hugo
75er Album „Autobahn“ und dem weltweiten Erfolg, einen enormen Einfluß auf die weitere musikalische Entwicklung, insbesondere in Amerika genommen haben und in diesem Zusammenhang auch in vielen Darstellungen nicht unbegründet als Urväter des Techno bezeichnet werden.
2.2 Synth-Pop
Eine weitere Erscheinungsform, ebenfalls geprägt durch Kraftwerk, soll hier kurz Erwähnung finden. Synth-Pop entwickelte sich unter verstärktem Einsatz von Synthesizerklängen gegen Ende der siebziger Jahre. Produzenten wie Brian Eno und Giorgio Moroder kreierten elektronische Sounds. Insbesondere in England entstanden Bands, die heute auch unter den Gattungsnamen Wave oder Elektro-Pop geführt werden, wie z. B. New Order, OMD oder Visage. Vor allem aber Depeche Mode erreichten im Einklang mit ihrem 87er Album „Music for the masses“ Weltruhm. Als weitere wichtige Elektronik-Band muß Yello aus der Schweiz genannt werden, die mit ihren Klangbildern aus Naturgeräuschen und elektronischen Sounds wie auch Depeche Mode von vielen Techno und House DJs als Inspirationsquelle angeführt werden.
2.3 Industrial - New Wave - EBM - New Beat
Viele der heute erfolgreichsten Techno-Produzenten, so u. a. Sven Väth, sind zunächst durch EBM beeinflußt gewesen. Diese Stilrichtung entwickelte sich gegen Mitte der achtziger Jahre in Belgien und ist maßgeblich geprägt durch Bands wie Front 242 und á; Grumh. EBM ist eine Kreuzung zwischen den experimentellen Klängen von Industrial Music und den poppig-synthetischen Sounds von New Wave. Industrial, entstanden in England, war auf die „Zerstörung gängiger Ryhtmus- und Melodieschemata“ 5 ausgerichtet. Insbesondere Bands wie Throbbing Christle, SPK und Cabaret Voltaire produzierten als wichtigste Vertreter dieser Gattung Musik, die Angst, Haß und Verzweiflung thematisierte, eine beschönigende Darstellung der Realität
4 Poschardt, Ulf: DJ Culture. Reinbek bei Hamburg, Rowohlt, 1997, S. 231
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Arbeit zitieren:
Lars von Hugo, Sebastian Kleffmann, 2002, Jugendkultur und Popmusik - Techno, München, GRIN Verlag GmbH
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