Seminar Sportpsychologie: Sportpsychologisches Lexikon Gruppenkohäsion und Erfolg
Kohäsion). Dabei reflektiert die beziehungsorientierte Kohäsion die Interaktion der Gruppenmitglieder außerhalb der Wettkampf-/Trainingssituation, während die
aufgabenorientierte Kohäsion in engem Zusammenhang zu den sportlichen Zielen einer Mannschaft steht.
Der Erfolg einer Mannschaft wird in der Regel über die Prozentzahl der gewonnenen Spiele gemessen 1 und ist somit ein objektiv beobachtbare Größe.
Leistung hingegen wird besonders in Spielsportarten häufig subjektiv empfunden. Es ist möglich trotz guter Leistung ein Spiel zu verlieren, bzw. trotz subjektiv schlechter Leistung zu gewinnen.
In der Beispieluntersuchung wird aus diesem Grund explizit zwischen Leistung und Erfolg unterschieden.
Auf unser einleitendes Beispiel bezogen setzt sich die Forderung nach den elf Freunden also mit beziehungsorientierter Kohäsion auseinander, die Feststellung des aktuellen Fußballbundestrainers hingegen mit aufgabenorientierter Kohäsion, da es ihm und seinem Team darum geht, gemeinsam gesteckte Mannschaftsziele zu erreichen.
2 UNTERSUCHUNGEN ZUM ZUSAMMENHANG VON
KOHÄSION UND ERFOLG BZW. LEISTUNG IN
SPORTSPIELMANNSCHAFTEN
2.1 Untersuchungsansätze 2
1972 entwickelten MARTENS, LANDERS u. LOY den „Sport Cohesiveness Questionaire“ (SCQ). Dieser blieb über lange Zeit der meist eingesetzte Fragebogen zur Messung des Mannschaftszusammenhalts, erfaßt aber überwiegend die interpersonelle Attraktivität der Gruppenmitglieder und die Attraktivität der Mannschaft. Somit wird nicht das Team in seiner
1 Diese Art der Operationalisierung von Erfolg ist nur möglich in Sportarten, in denen durch den Spielmodus das
Ergebnis „Unentschieden“ ausgeschlossen bzw. auf ein Minimum reduziert wird.
2 Alle angesprochenen Untersuchungsergebnisse und die daraus folgenden Konsequenzen (s. Punkt 3) gelten
ausschließlich für interagierende Sportgruppen und sind nicht ohne weiteres auf koagierende Sportgruppen
übertragbar.
In interagierenden Mannschaften (z.B. im Basketball oder Volleyball) hängt die Gruppenleistung von der Güte der
Kooperation und der Koordination der spezialisierten Fähigkeiten der Mitglieder ab. Bei koagierenden Teams
II
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Gesamtheit beurteilt, sondern die Qualität zwischenmenschlicher Beziehungen der Sportler zum Indikator einer Gruppeneigenschaft gemacht.
Aus dieser Kritik heraus entstanden Mitte der achtziger Jahre unabhängig voneinander drei neue Erhebungsinstrumente für die Gruppenkohäsion. Zwei davon bezogen sich ausschließlich auf die Sportart Basketball. Zum einen der von MEDING entwickelte „Kohäsionsfragebogen Basketball“ (KFB) und das „Multidimensional Sport Cohesion Instrument“ (MSCI) von YUKELSON, WEINBERG u. JACKSON (1984). 1985 wurde zusätzlich ein sportartunspezifischer Fragebogen vorgestellt. Der von CARRON, WIDMEYER u. BRAWLEY entwickelte „Group Environment Questionaire“ (GEQ). Allen dreien ist gemeinsam, daß sie Kohäsion multidimensional erfassen, als Fragebogen konzipiert sind und aus der Einschätzung der Spieler auf den Zusammenhalt der Mannschaft schließen. Unterschiede bestehen in Bezug auf die Dimensionalität von Kohäsion. Den zwei Faktoren des KFB - aufgabenorientierte und beziehungsorientierte Kohäsion - stehen bei MSCI und GEQ jeweils vier Faktoren gegenüber, wobei jeweils zwei Dimensionen inhaltlich weitgehend mit denen des KFB übereinstimmen und die beiden anderen eher als Ergänzung zu werten sind (vgl. MEDING 1988, YUKELSON/WEINBERG/JACKSON 1984 und
CARRON/WIDMEYER/BRAWLEY 1985).
2.2 Beispieluntersuchung mit dem Kohäsionsfragebogen
Basketball
Die von MEDING mit dem Kohäsionsfragebogen Basketball (KFB) durchgeführte Studie in Einzelheiten darzulegen würde den Rahmen dieser Arbeit bei weitem sprengen, daher möchte ich nur kurz auf den Ablauf und die wichtigsten Ergebnisse zu sprechen kommen. MEDING hat in seiner von der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG) unterstützten Studie 64 leistungsorientierte Basketballmannschaften mit dem Ziel untersucht, die Beziehung von Kohäsion und Effektivität darzustellen. Das Projekt lief in der Zeit vom 01.07.1984 bis zum 31.12.1986, die Befragung der teilnehmenden Mannschaften fand in der Zeit vom 13.09.1984 -05.05.1985 in der Region Braunschweig statt. Alle an der Untersuchung teilnehmenden Mannschaften wurden insgesamt dreimal befragt, und zwar vor, während und unmittelbar nach der Saison, so daß auch Aussagen über die Entwicklung der Kohäsion getroffen werden (z.B. Bowling oder Schießsport) hingegen wird die Gruppenleistung im wesentlichen durch die Summe der
Individualleistungen bestimmt.
III
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konnten. Der KFB umfaßt insgesamt 27 Items, jeweils 6 zu aufgabenorientiertem bzw. beziehungsorientiertem Trainerverhalten, 7 zu aufgabenbezogener Kohäsion und 8 zu beziehungsbezogener Kohäsion. Alle Items sind auf einer Punktskala von 1 bis 6 zu bewerten, wobei gilt, je niedriger der Wert, desto höher die Kohäsion.
Die Spielklassenzugehörigkeit der befragten Mannschaften zog sich im Erwachsenenbereich von der Kreisliga bis zur 1. Bundesliga bei den Herren und bei den Damen von der Kreisliga bis zur 2. Bundesliga. Im Jugendbereich gehörten die Mannschaften der Kreis- bzw. Leistungsklasse sowohl der A- als auch der B-Jugend an.
Die einzelnen Ligen wurden in der Untersuchung zu zwei Klassen zusammengefaßt, eine obere und eine untere Leistungsklasse. Die Variable „Alter“ wurde in den Ausprägungen „Erwachsene“ und „Jugendliche“ intervallskaliert erfaßt, je nach Zugehörigkeit zu einer Erwachsenen- bzw. Jugendmannschaft. Sportlerinnen waren mit 27.8 % unterrepräsentiert. Dieser Wert entspricht aber in etwa dem vom DSB angegebenen Frauenanteil von 1983.
2.2.1 Ergebnisse der Untersuchung mit dem KFB
Die Ergebnisse werden hier nur angeschnitten. Zudem werden nur die Ergebnisse dargestellt, die relativ eindeutig sind. Vermutungen über eventuelle Zusammenhänge und daraus resultierende Schlußfolgerungen werden außer Acht gelassen. ⇒ Aufgabenbezogene Kohäsion ist ein leistungsbestimmender Faktor in
Sportspielmannschaften mit interagierender Sportartstruktur, besitzt allerdings im Konzert der leistungsbestimmenden Faktoren nicht die Bedeutung, um den Erfolg einer Mannschaft direkt beeinflussen zu können.
⇒ Sozial-emotionale bzw. beziehungsorientierte Kohäsion ist weder als Bedingung noch als Folge von Mannschaftsleistung anzusehen, zudem ist sie eher als Konsequenz, denn als Voraussetzung von Mannschaftserfolg zu betrachten.
⇒ Die Entwicklung von Kohäsion bedarf einer gewissen Zeitspanne, in der die Sportler miteinander interagieren.
⇒ Zusammensein und Zusammenbleiben ist zwar eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für Kohäsion.
⇒ Konflikte können sowohl produktiv als auch kontraproduktiv auf Kohäsion wirken.
IV
Arbeit zitieren:
Jörg Bahl, 1997, Gruppenkohäsion und ihre Auswirkungen auf den Erfolg einer Sportmannschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
Der Zusammenhang zwischen Gruppenkohäsion und Gruppenleistung
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