Selbstkonzept und Verhaltensstörungen
Kamila Urbaniak
INHALTSVERZEICHNIS
1. Einleitung 1
2. Begriffsbestimmung 2
2.1. Definitionsansätze und der Transver auf die Praxis 7
3. Charakteristika von Selbstkonzepten 12
4. Entstehung von Selbstkonzepten 13
5. Psychosoziale Phasen der Kindheit und Jugend nach Erikson (1968) 18
5.1. Ein kleiner Überblick über Definitionen von Verhaltensstörungen 19
5.2. Die Krisen nach Erik H. Erikson 21
5.2.1. Die erste Krise (1. Lebensjahr) 21
5.2.2. Die zweite Krise (2. - 3. Lebensjahr) 21
5.2.3. Die dritte Krise (3. – 5. Lebensjahr) 21
5.2.4. Die vierte Krise (6. – 12. Lebensjahr) 22
5.2.5. Die fünfte Krise (Pubertät bis Adoleszenz) 24
5.2.6. Die letzten drei Krisen kurz zusammengefasst 24
5.3. Schlüsse aus Eriksons Entwicklungstheorie – was bedeutet sie für mich ? 25
6. Selbstkonzept und Psychopathologie 26
7. Training mit sozial unsicheren Kindern 29
7.1. Ansätze zur Behandlung vo n sozial unsicheren Kindern 30
Arbeitsblatt: Regeln für das Token-Programm 32
8. Zusammenfassende Thesen zur Belegarbeit 33
Bibliographie 34
1. Einleitung
Die Belegarbeit beschäftigt sich mit dem Thema Selbstbild und Verhaltensauffälligkeiten. Überprüft wird die Forschungslandschaft auf einen Zusammenhang zwischen beiden Bereichen, d.h. ob ein negatives Selbstbild zu Verhaltensauffälligkeiten führen kann. In der Forschungsliteratur fand ich ein interessantes Entwicklungsmodell, welches sich mit der Genese vom potentiellen auffälligen Verhalten beschäftigt, das innerhalb der ersten fünf Krisen, entstehen kann, wenn die Lösung einer Krise keinen guten Lauf genommen hat. Zu Beginn der Belegarbeit beschäftige ich mich mit dem Begriff des Selbstkonzeptes. Um Unklarheiten aus dem Wege gehen zu können, beschäftige ich mich sehr ausführlich mit dem in der Literatur nicht einheitlich verwendetem Begriff. Im weiteren Punkt wird die Struktur und die Entstehung von Selbstkonzepten erläutert. Zwischendurch lasse ich einge Beispiele aus der Praxis an einer Grundschule einfließen. In der Belegarbeit war es mir sehr wichtg, Praxis mit der Theorie zu verbinden und anhand einiger Beispiele die Theorie zu veranschaulichen. Es sind kleine Analysen, die auf dem Thema „Wie bin ich?“, beruhen. Meine Kommentare sind Spekulationen und Versuche der Schaffung von Klarheit, um dem Schüler in der Zukunft gerecht werden zu können.
Zum Schluss wird das Training für sozial unsichere Kinder vorgestellt, welches auf einem theoretisch fundierten und empirisch überprüften Rahmenkonzept beruht. Die Auseinandersetzung mit dem Thema ist für mich als angehende Lehrerin insofern wichtig, als dass ich einen Bedarf sehe, schüchternen, zurückhaltenden Schülern unterstützende Hilfe zu gewährleisten, um ein positives Selbstbild aufzubauen. Diese Schüler werden in der Praxis oft nicht gesehen und entwickeln im stillen Kämmerlein Verhaltensweisen, die sich nicht positiv auf das Selbstkonzept auswirken können. Meiner Meinung nach ist das Selbstbild eine wichtige Basis für die Entwicklung einer gesunden Persönlichkeit. Aus diesem Grunde füge ich viele Beispiele an und beschäftige mich mit dem Training für sozial unsichere Kinder, um dort Ansatzpunkte zu finden, die mir helfen, den Schülern Tore zu öffnen und um eine entwicklungsfördernde Atmosphäre zu schaffen. Die Belegarbeit legt einen größeren Wert auf Selbstkonzepte als auf Verhaltensauffälligkeiten, denn mit dem letztgenannten Begriff setzten wir uns ausführlich im Seminar auseinander. Mein persönlicher Zugang zu dem Thema entspringt aus der Tatsache, dass ich selbst in der Schule zurückhaltend war und mich vielleicht gefreut hätte, wenn ein(e) LehrerIn mich unterstützt hätte, diese „Hürde“ zu überspringen. Daher war es mir persönlich sehr wichtig, manchmal die Theorie mit Praxisbeispielen zu veranschaulichen und meine Ideen anzufügen.
2. Begriffsbestimmung
Bei der Auseinandersetzung mit der Forschungsliteratur zum Thema Selbstkonzept steht man einer großen Begriffsvielfalt gegenüber. In der deutschen Literatur findet man Begriffe wie „Selbstkonzept“, „Selbstwertgefühl“, „Selbstvertrauen“, „Selbstbild“, „Selbstwertschätzung“, „Selbstakzeptierung“, „Ich“ und „Identität.“ Um der Gefahr der Unübersichtlichkeit und der Missverständnisse aus dem Wege zu gehen, sollen an dieser Stelle die genannten Begriffe definiert werden. Um auch Klarheit über die in der Literatur große Begriffsvielfalt zu bringen, wird der Versuch der Gegenüberstellung der Definitionen bei verschiedenen Autoren gemacht. Anschließend wird die Begriffsvielfalt eingeschränkt, so dass in meiner Ausarbeitung mit einem Begriff, nämlich dem des Selbstkonzeptes operiert werden kann.
BALDERING (1993)1 stützt sich auf Definitionen von DEUSINGER (1986)2 und MUMMENDEY (1981)3, die die Ansicht vertreten, dass Selbstkonzepte als Einstellungen gegenüber der eigenen Person verstanden werden. Baldering sagt weiterhin, dass Selbstkonzepte durch eine kognitive, d.h. die Fähigkeiten betreffende, eine evaluative, d.h. eine Wertung enthaltende und eine konative, d.h einen Aspekt der Veränderung enthaltende, Komponente gekennzeichnet sind. Selbstkonzepte werden als ein wichtiger Bereich der Persönlichkeit aufgefaßt, denn sie entwickeln sich mit und als Aspekt der Persönlichkeit. Alle Aspekte der eigenen Person können zum Einstellungsobjekt werden und in der Ausbildung von Selbstkonzepten ihren Niederschlag finden, sagt er. Deusinger spricht von einem multidimensionalen Modell des Selbstkonzeptes, d.h. dass Kinder und Jugendliche Einstellungen zu verschiedenen Bereichen ausbilden, z.B. zum Bereich des eigenen Körpers, zum Bereich ihrer Fähigkeiten, zum Bereich ihrer Gefühle, zum Bereich ihres Verhaltens u.ä. Deusinger spricht nicht von einem multidimensionalen Modell, das isoliert aufzufassen ist. Vielmehr meint Deusinger ein Nebeneinander bzw. ein System von Einstellungen gegenüber der eigenen Person. FILIPP (1984) oder FREY & BENNIG (1983)4 unterscheiden bei dem Begriff des Selbstkonzeptes zwischen einem kognitiven Aspekt, womit selbstbezogene Kognitionen und schließlich das Selbstkonzept gemeint sind und einem evaluativen Aspekt, d.h. welches ein wertendes Charakteristikum beinhaltet, womit nichts geringeres als das Selbstwertgefühl gemeint ist.
KRUPITSCHKA (1989)5 versteht unter dem Begriff des Selbstkonzeptes ein hypothetisches Konstrukt, das das Selbst als Objekt der Kenntnis („Selbstbild“) und der Bewertung („Selbstwertgefühl“ oder „Selbstwertschätzung“) der eigenen Person umfasst. Sogesehen finden wir an dieser Stelle eine starke Parallele zur Definition von Filip oder Frey & Bennig. MARKUS (1977) und NEUBAUER (1976)6 sprechen von einem multidimensionalen hierarchisch organisierten System von Selbst- Schemata, das Wahrnehmungen, Erwartungen und Handlungen des Wesens beeinflusst. Selbstwertschätzung oder das Selbstwertgefühl wird nach COOPERSMITH (1967)7 aus dem Hintergrund bisher erfahrener und damit vorangegangener Bewertungsprozesse gesehen. Daraus resultiert die Fragestellung : „Wie wertvoll bin ich für die anderen Menschen?“ Selbstvertrauen bezieht sich nach STANNIEDER (1984)8 auf gedankliche und emotionale Vorwegnahme eigenen Handelns in künftigen Situationen. Hier ergibt sich die Frage: „Was traue ich mir in künftigen Situationen zu?“9 Beide Begriffe, also sowohl das Selbstwertgefühl bzw. die Selbstwertschätzung als auch das Selbstvertrauen, finden ihre Basis in bisher erfahrenen Situationen. Der Begriff der Selbstakzeptierung meint nach Krupitschka, dass ein Individuum sich selbst als Person mit all ihren Schwächen und Stärken uneingeschränkt anzunehmen vermag. Auch in diesem Punkt bilden erfahrene Situationen einen Nährboden für die Selbstakzeptierung oder auch die Nicht-Selbstakzeptierung.
[...]
1 Baldering, Dagmar (1993): Selbstkonzepte von Kindern im Grundschulalter: ein Vergleich zwischen psychisch auffälligen Kindern und Kindern der Normalpopulation. Frankfurt/Main, Berlin, Bern, New York, Paris, Wien, Lang. S. 2.
2 Ebd., S. 2.
3 Ebd., S. 2.
4 Ebd., S.2.
5 Krupitschka, M. (1989): Modifikationen des Selbstkonzepts und Selbstwertgefühls von Kindern mit Störungen im Lern-, Leistungs- und sozioemotionalen Bereich. In: Lukesch, H., Nöldner, W.& Petz, H. (Hrsg.). Beratungsaufgaben in der Schule. München. S.232.
6 Ebd., S. 232.
7 Ebd., S. 232.
8 Ebd., S. 232.
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Kamila Urbaniak, 2003, Selbstkonzept und Verhaltensauffälligkeiten, Munich, GRIN Publishing GmbH
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