[...] dargegen erklerten Ire Kön. Würden sich dahin [...] das sie [die unierten Stände] ursach haben werden sich mehr, als sie etwa vermeinen, uff dero freundschafft zuverlassen.
Bouwinghausen über seine Unterredung mit dem englischen König, September 1608
Einleitung......................................................................................................................4
Die Union - Defensivbund oder Teil einer antihabsburgischen Allianz?........................5
Die Union und England - Annäherung und Bündnisschluß...........................................9
Die englische Außenpolitik - Ziele, Mittel und Motive..................................................12
England, die Union und das „böhmische Abenteuer“..................................................16
Resümee.....................................................................................................................23
Abkürzungen...............................................................................................................26
Quellen und Literatur..................................................................................................26
Zitate auf Seite 2: Bowinghausen an Herzog Johann Friedrich von Württemberg, 1./11. September 1608, in: Gottfried Lorenz (Hrsg.), Quellen zur Vorgeschichte und zu den Anfängen des Dreißigjährigen Krieges, Darmstadt 1991, S. 77-81, hier S. 79.
3
Der Beginn des Dreißigjährigen Krieges wird gemeinhin auf das Jahr 1618 datiert. Im Verständnis Axel GOTTHARDTs aber nahm die Katastrophe zehn Jahre zuvor mit dem Scheitern des Regensburger Reichstags und der Gründung der protestantischen Union ihren Anfang. 1
Die Unterzeichnung der Ahauser Unionsakte im Mai 1608 und der Zusammenschluß katholischer Reichsstände zur Liga im darauffolgenden Jahr markierten den Höhepunkt einer konfessionellen Polarisierung im Reich, die nach einer Phase des Funktionierens des Augsburger Religionsfrieden in den 1570er/80er Jahren verstärkt eingesetzt hatte. Die Bereitschaft zur „pragmatischen Friedenssicherung“ war dem vorrangigen Willen zur Konsolidierung und zum Ausbau der eigenen Position gewichen. 2 Mit den beiden konfessionellen Sonderbündnissen hatten sich im Reich zugleich auch jene Parteien formiert, die später in der böhmischen Krise als „Katalysa-tor zum großen Krieg hin“ wirken sollten. 3 Die auswärtigen Verbindungen von Union und Liga trugen dabei entscheidend zur Internationalisierung des Konflikts bei, da mit deren Intensivierung und Ausformung die europäischen Kräfteverhältnisse verstärkt unter den Einfluß der reichsinternen Vorgänge, Spannungen und Konflikte geraten waren. 4
Eine der auswärtigen Mächte, mit der die Union gleich nach ihrer Gründung Kontakt aufnahm, war England. Die Entwicklung der Beziehung zwischen diesen beiden Kräften des protestantischen Lagers sowie das letztliche Scheitern eines aktiven Zusammengehens der beiden Verbündeten stehen im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit. Ziel ist es, die Gründe für das Scheitern der englisch-unistischen Allianz am Beginn des Dreißigjährigen Krieges und die Folgen dieses Scheiterns für das Bündnis der protestantischen Reichsstände herauszuarbeiten. Zu diesem Zweck wird darzustellen sein, welche Politik England und die Union im Jahrzehnt vor Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges auf der europäischen Bühne verfolgten und durch welche Motive und Konzepte diese jeweils bestimmt war.
Ereignisgeschichtliche Standardwerke älteren Datums zur Geschichte Englands und Deutschlands in der ersten Hälfte des 17. Jahrhundert werden dazu ebenso herangezogen wie neuere Studien zur englischen Außenpolitik unter Jakob I. sowie zur protestantischen Union. An dieser Stelle sind die auf umfangreichen Quellenstudien und Archivrecherchen basierenden Arbeiten Axel GOTTHARDTs hervorzuheben, die
1 Gotthard, Konfession, 1.
2 Schilling, Konfessionalisierung im Reich, 27; zu den Phasen der Konfessionalisierung im Reich: ebd., 7-30.
3 Ehrenpreis/Horstkemper,156; Schulze, 166.
4
das Fehlen einer neueren Monographie zur protestantischen Union für die Zwecke dieser Arbeit kompensiert haben. Ergänzend wird auf die im Anhang verwiesenen Quelleneditionen zurückgegriffen. 5
Der Unionsschluß zu Ahausen war das Ergebnis einer Reihe von wiederholten Bündnisansätzen im protestantischen Lager, die vor allem von der kurpfälzischen Partei immer wieder initiiert worden waren. 6 Mit einem Zusammenschluß der protestantischen Reichsfürsten verfolgten der calvinistische Kurfürst und der „eigentliche Staatsmann“ der Kurpfälzer, Christian von Anhalt, 7 die Absicht, die international organisierte protestantischen Gegenbewegung, die sich seit Mitte des 16. Jahrhunderts unter treibender Kraft der calvinistischen Generalstaaten und der Kurpfalz als Reaktion auf die Formierung des gegenreformatorischen Internationalismus entwickelt hatte, um einen neuen Akteur zu verstärken. 8 Zu diesem Zweck sollte die Union Teil eines europaweiten Netzes antihabsburgischer Allianzen werden, das man, im Angesicht des heranziehenden großen Krieges, der expansiven gegenreformatorisch-habsburgischen Front entgegenstellen wollte. 9
Seiner ausdrücklichen Intention nach jedoch war die zunächst durch sechs „friedliebende und gehorsame Stendte“ 10 begründete Union eine reine Defensivallianz zur Wahrung der Interessen der protestantischen Reichsstände im Reich vor dem Hinter-grund der zunehmenden Furcht vor politischer Unterdrückung und rechtlicher Benachteiligung und dem zuletzt durch die Ereignisse um Donauwörth erschütterten Glauben in die neutrale Autorität des Kaisertums. 11 Geschlossen „vielweniger aber des Heyl.
4 Adams, Union, 87; Schulze, 172.
5 Die letzte Monographie zur Union: Moriz Ritter, Geschichte der Deutschen Union von den Vorbereitungen des Bundes bis zum Tode Kaiser Rudolfs II. (1598-1612), Schaffhausen 1873. Eine längst angekündigte neue Quellenedition zur Union, die nicht nur ihre innere Entwicklung und ihre Politik im Reich, sondern auch die auswärtigen Beziehungen beleuchten sollte, wird noch immer vermißt: Beiderbeck [u.a.].
6 Adams, Union, 89f.; dazu ausführlich: Einleitung von Moriz Ritter in: Briefe und Akten I, 1-107.
7 Ritter II, 149; dort auch zur Person Christian von Anhalts und seiner Stellung in der pfälzischen Politik, 146-149.
8 Zum Konzept von gegenreformatorischen und protestantischem Internationalismus und der dahinterstehenden zeitgenössischen Deutung eines Endkampfs zwischen dem Antichrist in Verkörperung des spanischen Königs und des Papstes, und den „Kinder der wahren Kirche“: Schilling, Formierung eines internationalen Systems, 605-610.
9 Gotthard, Protestantische „Union“, 84; Adams, Union, 87f.
10 Ahauser Unionsakte vom 4./14. Mai 1608, in: Quellen zur Vorgeschichte, Nr. 6. Unterzeichner waren der Kurfürst von der Pfalz, vertreten durch Christian von Anhalt, der Pfalzgraf von Neuburg, der Herzog von Württemberg sowie die Markgrafen von Ansbach, Baden und Kulmbach.
11 Zur Zuspitzung des Konflikts zwischen protestantischen und katholischen Reichsständen, der kaiserlichen Politik sowie der Krise der Reichsverfassung: Schulze, 164-190; detailliert bei Ritter II, 5. Buch: Die Auflösung der Reichsverfassung. 1586-1608.
5
Reichs Constitutionen zu abbruch, sondern vielmehr zu bestreckung derselben und beßerer erhaltung friedes und einigkeit im Reich“, war das Bündnis auf zehn Jahre begrenzt und beschränkte die Verpflichtung zu gegenseitigem Beistand im Angriffsfall auf die zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses bereits in Besitz der Unierten befindlichen Territorien. 12
Der intendierte defensive Charakter des protestantischen Sonderbundes spiegelte denn auch die Haltung der Mehrheit der insgesamt 29 Reichsstände wider, die im Laufe seiner Existenz diesem angehört hatten. 13 Ihre Ziele gingen über die Bereinigung der protestantischen Gravamina, die Bekräftigung des Religionsfriedens und die Wiederherstellung eines funktionsfähigen Reichskörpers mit einem neutralen Kaiser an der Spitze, kraft dessen Autorität sie keine systematische Unterdrückung mehr durch die katholische Übermacht fürchten müßten, nicht hinaus. Anders als der pfälzischen Kurfürsten und Christian von Anhalt, die als Direktor bzw. Generaloberstleutnant die Schlüsselpositionen innerhalb der Union besetzten, glaubten sie an die Möglichkeit einer systemimmanenten Reform und suchten eine Lösung des Konflikts im Rahmen der Reichsordnung. 14
Da der Zusammenschluß calvinistischer und lutherischer Stände auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner, der Abwehr der bedrohlichen katholischen Übermacht, beruhte, war mit der Unterzeichnung der Unionsakte weder der zukünftige politische Kurs des Bündnisses noch das Ausmaß seiner auswärtigen Beziehungen und damit seine Stellung im eurpäischen Kräftefeld besiegelt. 15
Den vorsichtigeren unter den Unionsmitgliedern war nicht an weitreichenden internationalen Allianzen und einer daraus folgenden engeren Verflechtung mit der reichsexternen europäischen Politik gelegen. Man müsse beachten, „das die getroffene unio auf den land- und religionfriden sambt der stent freiheit und herkommen im Reich fundirt [...] Da man aber die verein nicht im Reich allein lassen, sondern auch uf Franckreich, Engelant, Staden, und also ultra ferminos imperii transferiren und extendiren wollte, wurt man aus dem fundamento unionis schreiten, die sachen nur weitläufig machen, die nervos distrahiren [...]“, was das Erreichen des vorrangigen Ziels, die Abstel-
12 AhauserUnionsakte, in: Quellen zur Vorgeschichte, Nr. 6; Ritter II, 247f.
13 Beiderbeck [u.a.]; darunter: Oetinngen, Pfalz-Zweibrücken (seit 1609), Kurbrandenburg, Hessen-Kassel (seit 1610), Straßburg, Ulm, Nürnberg (seit 1609) sowie andere süd- und südwestdeutsche Reichsstädte.
14 Gotthard, Protestantische „Union“, 83-85. Zu dieser zahlenmäßig kleineren, aber offensiven Gruppe zählte außerdem vor allem Ansbach und Baden, Ritter II, 447.
15 Adams, Union, 90; Gotthard, Protestantische „Union“, 93; Ritter II, 150f. und 243-247, unter Hinweis darauf, daß Lutheraner und Calvinisten sich nicht zum Schutz der Religion, sondern ihrer weltlichen Rechte verbanden, und der Abschwächung des früheren Entwurfs einer Bundesverfassung dahingehend, daß der Erhalt des Religionsfriedens als Bündniszweck in der Unionsakte ausdrücklich nicht erwähnt wird.
6
Arbeit zitieren:
Victoria Krummel, 2000, Die protestantische Union und England. Eine verhängnisvolle Allianz?, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
1618-1648: Dreißigjähriger Krieg und Westfälischer Frieden - Religions...
Ursachen und Grundlinien des K...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Studienarbeit, 32 Seiten
Fortuna in Los siete libros de la Diana - Göttin oder Teil der göttli...
Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde
Seminararbeit, 21 Seiten
Lewis W. Hine's Social Photography - Immigrants at Ellis Island 19...
Amerikanistik - Kultur und Landeskunde
Hausarbeit, 16 Seiten
Die Italienzüge Friedrichs I. im Zusammenhang mit dem Versuch einer re...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit (Hauptseminar), 27 Seiten
Friedrich Barbarossa und das Papsttum
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 22 Seiten
Gewaltprävention in der Grundschule am Beispiel des Faustlos-Curriculu...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Vordiplomarbeit, 25 Seiten
Die Siedlungsgeschichte des Norddeutschen Tieflandes aus archäologisch...
Geowissenschaften / Geographie - Regionalgeographie
Referat (Ausarbeitung), 21 Seiten
Die "Krise der Arbeit" und Wege zu ihrer Überwindung
Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation
Hausarbeit, 15 Seiten
Having Fun with Poetry - Examenslehrprobe im Fach Englisch
Englisch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Unterrichtsentwurf, 15 Seiten
Möglichkeiten und Grenzen einer Reform des kommunalen Wahlrechts in De...
Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands
Diplomarbeit, 127 Seiten
Der Winterkönig - Friedrich V., der letzte Kurfürst aus der Oberen Pfa...
Eine Einführung zur Bayerische...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Wissenschaftlicher Aufsatz, 24 Seiten
Victoria Krummel's Text Die protestantische Union und England. Eine verhängnisvolle Allianz? ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Victoria Krummel hat den Text Die protestantische Union und England. Eine verhängnisvolle Allianz? veröffentlicht
Victoria Krummel hat einen neuen Text hochgeladen
Die Rechtskraft von Gerichtsentscheidungen in der Europäischen Union
Eine Untersuchung vor dem Hind...
Claas F. Germelmann
Where is Our Responsibility?: Unions and Economic Change in the New En...
William F. Hartford
0 Kommentare