UNIVERSITÄT ZU KÖLN WS 2003/04
Forschungsinstitut für Soziologie Proseminar: Familiensoziologie
Die Austauschtheorie im Rahmen der Familiensoziologie
Janine Krause
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Rational-Choice-Ansatz 3
3. Austauschtheorie 4
3.1 Grundbegriffe 4
3.2 Erweiterte Grundannahmen 5
3.2.1 Rationalität 5
3.2.2 Nutzenmaximierung in der Austauschtheorie 6
3.2.3 Allgemeine Ressourcen 6
3.3 Erklärung von Handlungen mit der Austauschtheorie 8
3.3.1 Fünf Annahmen Homans zum Tausch 8
3.3.2 Comparison Level und Comparison Level for Alternatives 9
3.3.3 Austausch und Gerechtigkeit 10
4. Anwendung 11
5. Kritische Analyse 12
5.1 Emotionen in engen Beziehungen 15
6. Fazit 17
7. Literaturverzeichnis 18
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1. Einleitung
In der Familiensoziologie ist seit einiger Zeit ein deutlicher Trend weg von makro-theoretischen hin zu mikrotheoretischen Betrachtungen erkennbar, was zu einer zunehmenden Zahl von Arbeiten zu einzelnen familialen Prozessen, wie Ehescheidung, Entscheidung zur Elternschaft, Partnerwahl, etc, führte. Besonders durch den in den letzten Jahrzehnten entstandenen Bedeutungs- und Funktionsverlust oder zumindest die deutlichen Veränderungen der Familie, hat man sich stärker mit der Entstehung und Funktionsweise dieser Prozesse beschäftigt. Ein theoretisches Modell zur Erklärung dieser Prozesse soll in dieser Arbeit ausführlicher vorgestellt werden: die Austauschtheorie. Es stellt sich die Frage, ob eine solche Theorie auf die Erklärung von Handlungen innerhalb von Familien angewendet werden kann, welche Probleme dabei entstehen, welche Vor- oder Nachteile die Theorie hat und ob die Familiensoziologie ihrer Aufgabe der Erklärung typischer familialer Entscheidungs- und Entwicklungsprozesse mit dieser Theorie gerecht wird.
Die Austauschtheorie leitet sich zu großen Teilen aus dem Rational-Choice-Ansatz ab, weshalb dieser zu Beginn der Arbeit kurz erläutert wird. Im weiteren Verlauf werden die Grundbegriffe, Grundannahmen und Handlungserklärungen der Theorie erläutert. Anschließend wird die Anwendung der Austauschtheorie in der Familiensoziologie am Beispiel der Ehescheidung verdeutlicht und abschließend folgt eine kritische Analyse. Der Abschnitt über die Bedeutung der Emotionalität wurde mit einbezogen, um zu zeigen, dass gerade in der Familiensoziologie Handlungen nicht nur durch eine Kosten-Nutzen-Bewertung erklärt werden können, sondern dass auch Emotionen wichtige Ein-flussfaktoren sind. Dieser Aspekt wird in der Austauschtheorie leider vernachlässigt. Zunächst sollen noch die drei grundlegenden Begriffe Handeln, Interaktion und Gruppe definiert werden. Handeln ist definiert als „intentionales, zielgerichtetes und sinnhaftes Verhalten von Menschen“ (Wiswede, G., 1998, S. 44). Interaktion ist definiert als „Wechselbeziehung zwischen Handlungen, die sich aus einem bestimmten Verhältnis von Handelnden ergibt“ (a.a.O., S. 44). Eine Gruppe ist eine „überschaubare Personenmehrheit, die häufig miteinander interagiert“ (a.a.O., S. 46). Die weiteren relevanten Begriffe werden im Laufe der Arbeit erklärt.
Nenneswerte Vertreter der Austauschtheorie sind zum Beispiel Homans (1972), Nye (1981), Thibaut und Kelley (1959), Blau (1964).
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2. Rational-Choice-Ansatz
Unter dem Begriff des Rational-Choice-Ansatzes sind die Annahmen zweier Theorien vereint. Die Annahmen der Austauschtheorie und der Ökonomischen Theorie der Familie. Die Grundannahmen des Rational-Choice-Ansatzes sollen nun kurz dargestellt werden und im weiteren Verlauf der Arbeit als Grundlage für die Darstellung der Aus-tauschtheorie dienen (Hill, P. B. & Kopp, J., 2002, S. 125). Im Mittelpunkt der Untersuchungen steht im Rational-Choice-Ansatz immer das Individuum. Ausgangspunkt des Rational-Choice-Ansatzes ist die Annahme, dass menschliches Handeln dem Lösen von Problemen dient, also der Bedürfnisbefriedigung und dem Erreichen von Zielen. Dies ist aber oft nur durch soziales Handeln möglich, da andere Akteure die Ressourcen kontrollieren, die für die eigene Bedürfnisbefriedigung notwendig sind. In dieser Theorie geht man dabei von zwei grundlegenden Bedürfnissen aus: dem physischen Wohlergehen und der sozialen Wertschätzung. Die Familie zum Beispiel dient der Befriedigung dieser Bedürfnisse (Hill, P. B. & Kopp, J., 2002, S. 125).
Die wichtigste Grundannahme des Rational-Choice-Ansatzes ist die Unterstellung eines subjektiv rational handelnden Akteurs. „Rational“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass der Akteur immer versuchen wird, seinen Nutzen in einer Handlungssituation zu maximieren und die Kosten zu reduzieren, um den größtmöglichen Profit zu erhalten. Da Kosten und Nutzen jedoch immer anhand eines subjektiven Erfahrungshorizonts bewertet werden und die Handlungsentscheidung durch „objektive“ Außenstehende nicht unbedingt auch als diejenige mit dem größtmöglichen Profit bewertet werden muss, spricht man von einem subjektiv rational handelnden Akteur. Wie die Bewertung von Kosten und Nutzen genau erfolgt, wird später anhand der Austauschtheorie näher erläutert (Hill, P. B. & Kopp, J., 2002, S. 125f.). Das RREEMM-Modell bildet den anthropologischen Hintergrund des Ansatzes. Menschen werden danach als resourceful, restricted, expecting, evaluating und maximizing betrachtet. Es gibt also fünf zentrale menschliche Eigenschaften: Resourceful besagt, dass Menschen über materielle und mentale Eigenschaften wie Intelligenz, Kreativität, Lernfähigkeit etc. verfügen. Der Begriff restricted weist darauf hin, dass das menschliche Handeln durch die materielle und soziale Umgebung beschränkt ist und nicht alle theoretisch möglichen Optionen auch in der Realität möglich sind.
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Evaluating bezeichnet die Eigenschaft des Menschen, die Konsequenzen seines Handelns und Handlungsalternativen zu beurteilen. Expecting bezieht sich darauf, dass Menschen mit ihren Handlungen bestimmte Erwartungen verknüpfen. Maximizing deutet schließlich erneut darauf hin, dass Akteure ihren Nutzen maximieren wollen (Hill, P. B., 2002, S. 40f.).
3. Austauschtheorie
Auf der Basis der Grundannahmen des Rational-Choice-Ansatzes soll nun die Aus-tauschtheorie vorgestellt werden.
Der Austausch von Gütern und Leistungen ist in allen Gesellschaften ein wesentlicher Bestandteil sozialer Interaktion. Da die Akteure in der Regel über unterschiedliche Ressourcen verfügen, kann der Tausch dieser Ressourcen als ein Mechanismus bezeichnet werden, der auf beiden Seiten zu einem höheren Niveau der Bedürfnisbefriedigung führen kann. Tausch initiiert somit soziale Interaktion und wenn sie positiv verläuft, stabilisiert er sie auch. Die Austauschtheorie versucht vor allem die Motivation zu Austauschbeziehungen zu beschreiben und zu erklären. Im Vordergrund des Interesses stehen die Erwartungen des Akteurs, seine Handlungsüberlegungen und die Belohnungen, die er durch den Tausch erfährt und die zu einer Verstetigung der Interaktion führen. Anders als in den Wirtschaftswissenschaften wird nicht nur der ökonomische Tausch berücksichtigt, sondern auch der soziale oder reziproke Tausch (Hill, P. B. & Kopp, J., 2002, S.101-103).
Soziale Interaktionen ist in der Austauschtheorie definiert, als der interpersonale Austausch von Belohnung und Bestrafung (Wiswede, G., 1998, S.151). Familienbeziehungen sind folglich Tauschsysteme, im Gegensatz zur Ökonomischen Theorie der Familie, in der Familienbeziehungen als Produktionsgemeinschaften definiert werden.
3.1 Grundbegriffe
Ein sehr wichtiger Grundbegriff ist der der Belohnung. Belohnung ist „der subjektive Wert oder Nutzen eines Ereignisses für eine Person“ (Wiswede, G., 1998, S. 114). Bestrafung dagegen ist „die subjektive Kosteneinschätzung eines Ereignisses durch eine Person“ (a.a.O). Mit dem Begriff Austausch wird daraus folgend die Tatsache beschrieben, „dass die Interaktionen zwischen Personen als gegenseitiger Austausch von Belohnung und Bestrafung interpretiert werden können“ (a.a.O.). Der Begriff des Tausches
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Arbeit zitieren:
Janine Wittfeld, 2003, Die Austauschtheorie im Rahmen der Familiensoziologie, München, GRIN Verlag GmbH
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