,,Sieh einmal, hier steht er, pfui, der Struwwelpeter!" - Es wird im deutschsprachigen Raum wohl kaum einen Erwachsenen geben, dem diese Verse nicht aus der eigenen Kindheit in der Erinnerung geblieben wären. Wer sich an seine ersten Bücher zurückerinnert, wird unweigerlich das Bild des ,,Struwwelpeter" mit seiner blonden Löwenmähne und den langen Fingernägeln vor sich sehen.
Das Bilderbuch, aus dem die ,,Struwwelpeterfigur" stammt, ist ein Sonderfall innerhalb der deutschen Kinderliteratur. Schon bald nach seinem Erscheinen hat es lauten Beifall und nicht endenwollende Kritik herausgefordert und ist bis heute im Meinungsstreit der Befürworter und Gegner geblieben. Die vorliegende Arbeit verfolgt jedoch nicht die Absicht, über die Nützlichkeit oder Schädlichkeit des ,,Struwwelpeter" zu streiten, sondern versucht die Entstehungsgeschichte des Buches zu verfolgen. Dabei scheint es angebracht zunächst auf den Autor, Dr. Heinrich Hoffmann, einzugehen (Kapitel 1). Auf die eigentümliche Entstehungsgeschichte des ,,Struwwelpeter", wie Hoffmann sie selbst erzählt, soll in Kapitel 1.1 eingegangen werden. Hoffmanns Leben ist eng verwoben mit weiteren literarischen Werken, die in Kapitel 1.2 in Augenschein genommen werden sollen.
Einige Kinder- und Jugenbuchtheoretiker setzen den ,,Struwwelpeter" an den Beginn der Entwicklung des deutschsprachigen Kinderbuches. Dies scheint im Widerspruch zu den Verlagsverzeichnissen aus Anfang des 19. Jahrhunderts zu stehen, in denen eine Vielzahl von Kinderbüchern erschienen sind. Aus diesem Grund werden die Vorläufer des ,,Struwwelpeter" in Kapitel 2 näher betrachtet.
Erst ab der fünften Auflage lag der ,,Struwwelpeter" in der heutigen Form vor und die Geschichten erhielten ihre Reihenfolge, die sie bis heute noch haben. Vor diesem Hintergrund soll, in Kapitel 3, auf die ersten Auflagen des ,,Struwwelpeter" näher eingegangen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zur Biographie Heinrich Hoffmanns als persönliche Entstehungsgrundlage des „Struwwelpeter“
2.1 Zur Entstehung des „Struwwelpeter“
2.2 Weitere literarische Werke von Heinrich Hoffmann
3. Vorläufer des „Struwwelpeter“
4. Die ersten Auflagen vom „Struwwelpeter“
4.1 Das Urmanuskript von 1844
4.2 Die erste, nach der Urhandschrift gedruckte, Ausgabe
4.3 Die zweite Auflage von 1846
4.4 Die dritte Auflage von 1847
4.5 Die fünfte Auflage von 1847
4.6 Das zweite Manuskript von 1858
5. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entstehungsgeschichte des berühmten Kinderbuches „Struwwelpeter“ von Dr. Heinrich Hoffmann. Dabei wird analysiert, inwieweit das Werk ein Produkt seiner Zeit war, welche Einflüsse durch Vorläufermodelle bestanden und wie die verschiedenen Auflagen und Manuskriptfassungen zur heutigen Form des Buches beitrugen.
- Biografische Hintergründe von Dr. Heinrich Hoffmann
- Analyse historischer Vorläufer des „Struwwelpeter“
- Entwicklungsgeschichte der frühen Buchauflagen
- Vergleich zwischen Urmanuskript und späteren Fassungen
- Rolle des gesellschaftlichen und verlegerischen Kontexts im 19. Jahrhundert
Auszug aus dem Buch
2.1 Zur Entstehung des „Struwwelpeter“
Wie der „Struwwelpeter“ entstand hat sein Autor selbst, zuerst 1871 in der „Gartenlaube“ [Nr. 46], berichtet. Ein weiterer Selbstbericht folgt, der auch der 100. Auflage vorgedruckt wurde, in der „Gartenlaube“ von 1893 [Nr. 1] und in den Lebenserinnerungen. Dort berichtete Hoffmann, daß der „Struwwelpeter“ aus der Not eines geplagten Vaters heraus entstand, der vor Weihnachten 1844 durch die Straßen Frankfurts lief, um für seinen vierjährigen Sohn ein Bilderbuch zu kaufen.
Was Hoffmann in den Buchläden vorfand beschreibt er mit den Worten: „Ich hatte in den Buchläden allerlei Zeug gesehen, trefflich gezeichnet, glänzend bemalt, Märchen, Geschichten, Indianer- und Räuberszenen; als ich nun gar einen Folioband entdeckte mit den Abbildungen von Pferden, Hunden, Vögeln, von Tischen, Bänken, Töpfen und Kesseln, alle mit der Bemerkung 1/3, 1/8, 1/10 der Lebensgröße, da hatte ich genug. Was soll damit ein Kind, dem man einem Tisch und einen Stuhl abbildet? Was es in dem Buche sieht, das ist ihm ein Stuhl und ein Tisch, größer oder kleiner, es ist ihm nun einmal ein Tisch, ob es daran oder darauf sitzen kann oder nicht, und von Original oder Kopie ist nicht die Rede, von größer oder kleiner vollends gar nicht.“
Die von ihm vorgefundenen Bücher erschienen ihm unpassend für ein kleines Kind, gerade weil es so professionell gearbeitet, so akribisch um Natur- und Maßstabtreue bemüht war. Eine solche Art von Realismus mußte ihm, der sich als Arzt einen ganz anderen Eindruck von der kindlichen Mentalität gebildet hatte, suspekt erscheinen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die kulturelle Bedeutung des „Struwwelpeter“ und skizziert das Ziel der Arbeit, die Entstehungsgeschichte des Werkes unter Berücksichtigung des Autors und der zeitgenössischen Kinderliteratur zu verfolgen.
2. Zur Biographie Heinrich Hoffmanns als persönliche Entstehungsgrundlage des „Struwwelpeter“: Dieses Kapitel beschreibt das Leben Hoffmanns, sein strenges väterliches Erbe und seine berufliche Entwicklung als Arzt, die seine Ansichten über die Bedürfnisse von Kindern prägten.
2.1 Zur Entstehung des „Struwwelpeter“: Hier wird detailliert dargestellt, wie Hoffmann aus persönlicher Unzufriedenheit mit dem damaligen Buchangebot für Kinder selbst zum Schöpfer eines Bilderbuches wurde.
2.2 Weitere literarische Werke von Heinrich Hoffmann: Dieser Abschnitt zeigt, dass Hoffmann auch in anderen literarischen Gattungen wie Lyrik und Satire aktiv war, bevor er durch den „Struwwelpeter“ berühmt wurde.
3. Vorläufer des „Struwwelpeter“: Das Kapitel untersucht ältere didaktische Bilderbücher und Warngeschichten, um Parallelen in Inhalt und Form zum Struwwelpeter aufzuzeigen.
4. Die ersten Auflagen vom „Struwwelpeter“: Die Entwicklung des Buches von der ersten Ausgabe 1845 bis hin zur finalen Fassung wird chronologisch nachvollzogen.
4.1 Das Urmanuskript von 1844: Eine Beschreibung der ursprünglichen, handschriftlichen Fassung des Autors.
4.2 Die erste, nach der Urhandschrift gedruckte, Ausgabe: Analyse der ersten kommerziellen Veröffentlichung und deren Unterschieden zum Original.
4.3 Die zweite Auflage von 1846: Darstellung der inhaltlichen Erweiterungen und der Identifizierung des Autors.
4.4 Die dritte Auflage von 1847: Fokus auf die Änderung des Buchtitels durch verlegerisches Geschick.
4.5 Die fünfte Auflage von 1847: Abschluss der strukturellen Entwicklung des Buches durch Hinzufügung weiterer Geschichten.
4.6 Das zweite Manuskript von 1858: Erörterung der Überarbeitung der Illustrationen und des Wechsels der Reproduktionsverfahren.
5. Resümee: Das Resümee fasst zusammen, dass der Erfolg des „Struwwelpeter“ das Ergebnis einer glücklichen Kombination aus Hoffmanns pädagogischen Erfahrungen, seinem künstlerischen Talent und dem richtigen verlegerischen Gespür war.
Schlüsselwörter
Heinrich Hoffmann, Struwwelpeter, Kinderliteratur, Entstehungsgeschichte, Bilderbuch, pädagogische Erziehung, 19. Jahrhundert, Urmanuskript, Illustration, Warngeschichten, Verlagsgeschichte, Literaturdidaktik, Kindheit, Realismus, Buchauflagen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Entstehungsgeschichte des Struwwelpeters und zeigt auf, welche persönlichen, biographischen und gesellschaftlichen Faktoren zur Entstehung dieses bedeutenden Werkes der Kinderliteratur führten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Schwerpunkten gehören das Leben von Heinrich Hoffmann als Autor und Arzt, der Vergleich des Struwwelpeters mit zeitgenössischen Vorläuferwerken sowie die Entwicklung und Veränderung des Buches durch verschiedene Auflagen und Manuskripte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Entstehungsprozess des Buches zu dokumentieren und aufzuzeigen, dass der Struwwelpeter kein Zufallsprodukt war, sondern ein gezieltes Werk, das auf Hoffmanns Erfahrungen im Umgang mit Kindern basierte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturgeschichtliche Analyse, die biographische Aufzeichnungen, Verlagsverzeichnisse und vergleichende Text- sowie Bildanalysen früher Fassungen und Auflagen heranzieht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Autors, die Betrachtung historischer Vorläufer (Didaktik und Erziehungsliteratur) sowie eine detaillierte chronologische Aufarbeitung der verschiedenen Publikationsstufen des Buches.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Heinrich Hoffmann, Struwwelpeter, Kinderliteratur, Illustration, historische Vorläufer, Entstehungsgeschichte und die Transformation der Manuskripte über verschiedene Auflagen hinweg.
Wie unterschied sich das Urmanuskript von den späteren gedruckten Auflagen?
Das Urmanuskript war ein privat gefertigtes Schreibheft mit aquarellierten Zeichnungen; spätere Auflagen wurden professionell lithographiert und später in Holzschnitt-Technik vervielfältigt, wobei auch inhaltliche Anpassungen und eine Standardisierung der Figuren stattfanden.
Welche Rolle spielte der Beruf von Heinrich Hoffmann bei der Entstehung?
Als Arzt nutzte Hoffmann gezeichnete Geschichten, um seine verängstigten jungen Patienten zu beruhigen; diese im Arbeitsalltag entstandenen Motive bildeten den Grundstock für die Geschichten im Struwwelpeter.
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- Korina Solbach (Autor), 2001, Die Entstehung des ´Struwwelpeter´ nach Heinrich Hoffmann, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1959