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Schoßlisten
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Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung S 02
II. Hauptteil
1. Schoßlisten und Schoß - Ein Definitionsversuch S 04
2. Die Entwicklung des Schoßes S 06
3. Die Erhebung des Schoßes S 08
4. Der Aufbau von Schoßlisten S 11
5. Die erweiterte Bedeutung von Schoß S 18
III. Schlussbetrachtung S 20
IV. Quellen- und Literaturverzeichnis S 21
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I. Einleitung
Die Stadt als soziostrukturelles Gefüge im Mittelalter wurde bislang vor allem in den neuen Bundesländern der Bundesrepublik Deutschland vernachlässigt. Erst in den letzten Jahren begannen Historiker mit der Auswertung der sozialgeschichtlicher Massenquellen. Diese Auswertung umfasst auf der einen Seite Quellen, auf deren Grundlage Sozialdatenbanken erstellt werden können z.B. Steuerregister und Volkszählungen, und auf der anderen Seite Quellen, die für die Zuordnung der Einzelhaushalte notwendig sind, d. h. ohne die eine sozialtopographische Verwertung der o.g. Datenbanken nicht möglich wäre, z.B. Grundregister, Grundstückskarten und Brandkataster. Hinsichtlich der Sozialstruktur ist die Erwerbs- und Berufsstruktur, die demographische Struktur und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit anhand des jährlichen Steueraufkommens von besonderem Interesse.
Zu den Steuerregister gehören neben den Kontributionsregister die Schoßregister, die seit dem Mittelalter bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts geführt wurden. Im Gegensatz zu den Schoßregistern, die nur eine pauschale Erwerbsteuer enthalten, sind die Kontributionsregister, welche eine differenzierte Erwerbsteuer enthalten, aussagekräftiger. Da die Kontributionsregister jedoch erst seit dem 16. Jahrhundert in Erscheinung traten, sind nur die Schoßregister für das Mittelalter für den Historiker von enormer Bedeutung. Aus diesem Grund umfasst das Thema dieser Hausarbeit die Schoßlisten-Quellen der hansischen Spätzeit, um ihre ganze Bedeutung für den Historiker aufzeigen zu können. Dabei stehen die Beschreibung und die Definition von Schoßlisten und Schoß im Mittelpunkt der Arbeit. Des weiteren soll auf den Aufbau einer solchen Liste eingegangen werden, wobei drei Schoßregisterbeispiele die unterschiedlichen Verfahrensweisen verdeutlichen sollen. Ebenfalls soll auf die Art und Weise der Erhebung des Schoßes eingegangen werden.
Dass der Schoß auch Ursache für politische Diskrepanzen sein kann, wird gegen Ende der Arbeit Gegenstand sein. Auf die tatsächlichen Auswirkungen des politischen Ereignisses kann aber nicht ausführlich eingegangen werden, da dies den Rahmen der Arbeit sprengen würde.
In der Schlussbetrachtung soll noch einmal verdeutlicht werden, wie ausgewertete Schoßregister Auskunft über die Vermögensverteilung im sozialen Gefüge der Stadt Reval geben können. Hierbei wird es besonders um die Verteilung der Nationalitäten gehen. Als Fazit vorweggenommen kann man sagen, dass der hansische Kaufmann selbst dort das Sagen hatte, wo er, was die Zahlen betrifft, in der Minderheit war.
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Für die Forschung der Stadtgeschichte spielen Schoßlisten eine wichtige Rolle. Die meisten der bekannten Register sind handschriftlich überliefert und nicht ediert. Ungedruckte Schoßlisten besonderer Aussagekraft sind in Stralsund, Rostock, Göttingen und Köln zu finden, um nur einige davon zu nennen. Editierte Schoßlisten sind die Goslarer Schoßlisten von 1457 1 und 1501 2 , ebenso die Hildesheimer Stadtrechnungen. 3 Des weiteren sind Dortmunder 4 und Revaler Schoßlisten 5 ediert worden. Es fällt auf, dass die meisten Editionen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stammen. Anhand der überlieferten Schoßregistern ist es anzunehmen, dass die älteste Edition von R. Doebner im Jahr 1893 herausgegeben wurde; hierbei handelt es sich um die Hildesheimischen Stadtrechnungen.
1 Bonhoff, F.: Goslarer Schoßregister von 1457. ZndSächsFamilienG 7. 1925. S.145-158.
2 Ders.: Goslarer Schoßregister von 1501. ZndSächsFamilienG 10. 1928. S.137-151.
3 Doebner, R. (Hrsg.): Hildesheimische Stadtrechnungen. Bd. 2. Hildeheim 1893 u. 1896.
4 Johansen, P.: Fragment einer ältesten Einwohnerliste Revals. BeitrrKde Estland. Bd. 13. H. 1/2 . 1927. S.51-53. (Schoßliste von 1310 für St. Olai-Pfarre)
5 Meininghaus, A.: Der Dortmunder Königsschoß. Ein Beitrag zur Sozialgeschichte der Dortmunder Bür- gerschaft im 15. Jahrhundert. BeitrrG Dortmund 38. 1930. S.79-158.
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II. Hauptteil
Schoßlisten sind ihrer Bedeutung nach besondere Steuerlisten. Unter Steuerlisten versteht man Verzeichnisse, die Listen von Namen enthalten. Die Träger dieser Namen gehörten zu den Steuerpflichtigen der Stadt. Des weiteren verzeichnen die Listen die schuldigen
Abgaben. 6 Anhand der Analysen können verschiedene Arten von Steuerlisten unterschieden werden. So gibt es z.B. seit dem 14. Jahrhundert die sogenannten landesherrlichen Steuerlisten. Die Reichssteuerlisten 7 und Bedeverzeichnisse 8 sollen an dieser Stelle nur erwähnt wer-
den. Schoßlisten werden den städtischen Quellen zugeordnet; sie gehören zu den Akten. Man findet Schoßlisten in den meisten Städten seit etwa Mitte des 15. Jahrhunderts. Aus dieser Zeit sind häufig nur einzelne Regesten und nur selten ganze Serien von Listen überliefert; wobei unter ganze Serien an dieser Stelle fortlaufende Schoßlisten verstanden
werden. Schoßlisten werden vom Historiker als eine der wichtigsten Quellen zur Bevölkerungs-und Sozialgeschichte angesehen. 9 Sie gelten als sehr ergiebig, wenn man sie mittels der zur Verfügung stehenden Quellen derselben Stadt aus demselben Zeitraum „zum Sprechen“ bringt. 10 Wichtig werden Schoßlisten in der historischen Demographie. Erst seitdem die Stadt neben diesen Listen auch die Geburts-, Heirats- und Sterberegister kennt, kann sich der Historiker eine Vorstellung über die Bevölkerungszahlen einer mittelalterlichen Stadt machen. Ebenso notwendig sind die Neubürgerlisten in diesem Zusammen-
hang. Aber die Frage, was einen Schoß bezeichnet, ist durch diese Ausführungen noch nicht beantwortet worden. Schoß bzw. Schoße sind mittelalterliche Begriffe für Sondersteuern, die zunächst nur für bestimmte Kriegszüge erhoben wurden. Sie konnten, wie auch die
Bede, leicht zur Dauersteuer werden. Im Laufe des Mittelalters, Ende 14. Jahrhunderts/
6 Die Definition beruht aus den Untersuchungen von Götz, Isenmann und Sprandel.
7 Als Beispiel wäre die Reichssteuerliste von 1241 anzugeben. 8 „Bede“ bezeichnet eine vom Herrn eingeforderte Steuer. Der Begriff kann auch synonym für „Schoß“
verwendet werden.
9 Sprandel 1982. S. 68.
Arbeit zitieren:
Katrin Möller, 2001, Schoßlisten, München, GRIN Verlag GmbH
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