Schmitts Schrift beginnt mit der Eingangsformel: "Der Begriff des Staates setzt den Begriff des Politischen voraus". Staat ist dabei als der "politische Status eines in territorialer Geschlossenheit organisierten Volkes" definiert. Er geht in seiner Bestimmung des Politischen davon aus, das die Identität der Begriffe staatlich und politisch aufgrund der gegenseitigen Durchdringung von Staat und Gesellschaft in der "demokratischen Organisation des Gemeinwesens" nicht mehr gegeben ist.
Schmitt postuliert in seiner Schrift das charakterisierende Kriterium, welches das Politische ausmacht, folgendermaßen: "Die spezifische politische Unterscheidung, auf welche sich die politischen Handlungen und Motive zurückführen lassen, ist die Unterscheidung von Freund und Feind". Diese Freund-Feind-Unterscheidung soll den äußersten Grad einer Assoziation oder Dissoziation bezeichnen, d.h. das Politische "[...] bezeichnet kein eigenes Sachgebiet, sondern nur den Intensitätsgrad einer Assoziation oder Dissoziation". Der Feind ist in besonders intensiver Weise existentiell etwas anderes und Fremdes; die Möglichkeit eines Kampfes mit ihm ist per definitionem immer gegeben, da sein Anderssein eine Negation der eigenen Existenz bedeuten kann. Daher beinhaltet Politik immer die reale Möglichkeit eines Kampfes. Die Übereinstimmung von politisch und parteipolitisch ist dann möglich, wenn innenpolitische Gegensätze intensiver werden, als die außenpolitischen; dies führt zum Bürgerkrieg. Als extremstes politisches Mittel resultiert aus der Freund-Feind-Unterscheidung der Krieg; dieser ist nicht Ziel der Politik, aber als reale Möglichkeit Voraussetzung von Politik. Der Kriegsfall enthüllt als Ausnahmezustand den Kern der Dinge, insbesondere den Kern des Politischen. Eine Welt ohne Freund-Feind-Unterscheidung wäre letztlich eine Welt ohne Politik.
Der Staat als wesentliche politische Einheit besitzt als zentrale Kompetenzen das ius belli, d.h. das Recht, Krieg zu führen, und damit die Bestimmung eines inneren oder äußeren Feindes. Zudem besitzt er das ius vitae ac nectis, d.h. die Verfügung über Leben und Tod. Da Schmitt den Staat als Einheit sieht, wendet er sich gegen pluralistische sozialer Assoziationen. Er negiert die Begriffe politische Gesellschaft/Assoziation und stellt ihnen stattdessen politische Einheit/Gemeinschaft entgegen. Pluralismus ergibt sich für Schmitt aus dem Begriff des Politischen nur in der Staatenwelt: "Die politische Welt ist ein Pluriversum, kein Universum".
Inhaltsverzeichnis
1. Carl Schmitt: Der Begriff des Politischen
2. Günter Meuter: Bataille statt Debatte
3. Pasquale Pasquino: Bemerkungen zum „Kriterium des Politischen“ bei Carl Schmitt
4. Alexander Demandt: Staatsform und Feindbild bei Carl Schmitt
5. Ernst Vollrath: Wie ist Carl Schmitt an seinen Begriff des Politischen gekommen?
6. William Rasch: Conflict as a Vocation
7. Resumé
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit zentralen fachwissenschaftlichen Interpretationen und literarischen Auseinandersetzungen zu Carl Schmitts „Begriff des Politischen“ auseinander. Ziel ist es, durch die Analyse ausgewählter Forschungspositionen ein vertieftes Verständnis für die theoretischen Grundlagen und die Auswirkungen von Schmitts Konzept auf das moderne Staats- und Politikverständnis zu gewinnen.
- Die Freund-Feind-Unterscheidung als konstitutives Kriterium des Politischen.
- Kritik am Liberalismus und der Romantik bei Carl Schmitt.
- Das Verhältnis von Souveränität, Ausnahmezustand und Gewaltmonopol.
- Die historische Transformation vom Pluriversum der Staaten zum universalen Anspruch.
- Die Relevanz von Schmitts Thesen im Kontext der postmodernen politischen Theorie.
Auszug aus dem Buch
1. Carl Schmitt: Der Begriff des Politischen
Schmitts Schrift beginnt mit der Eingangsformel: „Der Begriff des Staates setzt den Begriff des Politischen voraus“. Staat ist dabei als der „politische Status einer in territorialer Geschlossenheit organisierten Volkes“. Er geht in seiner Bestimmung des Politischen davon aus, das die Identität der Begriffe staatlich und politisch aufgrund der gegenseitigen Durchdringung von Staat und Gesellschaft in der „demokratischen Organisation des Gemeinwesens“ nicht mehr gegeben ist.
Schmitt postuliert in seiner Schrift das charakterisierende Kriterium, welches das Politische ausmacht, folgendermaßen: „Die spezifische politische Unterscheidung, auf welche sich die politischen Handlungen und Motive zurückführen lassen, ist die Unterscheidung von Freund und Feind“. Diese Freund-Feind-Unterscheidung soll den äußersten Grad einer Assoziation oder Dissoziation bezeichnen, d.h. das Politische „[...] bezeichnet kein eigenes Sachgebiet, sondern nur den Intensitätsgrad einer Assoziation oder Dissoziation“.
Der Feind ist in besonders intensiver Weise existentiell etwas anderes und Fremdes; die Möglichkeit eines Kampfes mit ihm ist per definitionem immer gegeben, da sein Anderssein eine Negation der eigenen Existenz bedeuten kann. Daher beinhaltet Politik immer die reale Möglichkeit eines Kampfes. Die Übereinstimmung von politisch und parteipolitisch ist dann möglich, wenn innenpolitische Gegensätze intensiver werden, als die außenpolitischen; dies führt zum Bürgerkrieg. Als extremstes politisches Mittel resultiert aus der Freund-Feind-Unterscheidung der Krieg; dieser ist nicht Ziel der Politik, aber als reale Möglichkeit Voraussetzung von Politik. Der Kriegsfall enthüllt als Ausnahmezustand den Kern der Dinge, insbesondere den Kern des Politischen. Eine Welt ohne Freund-Feind-Unterscheidung wäre letztlich eine Welt ohne Politik.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Carl Schmitt: Der Begriff des Politischen: Dieses Kapitel erläutert die Grundannahmen Schmitts, insbesondere die zentrale Freund-Feind-Unterscheidung als essenzielles Kriterium des Politischen.
2. Günter Meuter: Bataille statt Debatte: Der Autor arbeitet heraus, wie Schmitt den Liberalismus und die Romantik als unpolitisch ablehnt und durch eine metaphysisch begründete Entscheidungstheorie ersetzt.
3. Pasquale Pasquino: Bemerkungen zum „Kriterium des Politischen“ bei Carl Schmitt: Pasquino hinterfragt Schmitts Konflikttheorie und diskutiert das Verhältnis des Politischen zum staatlichen Gewaltmonopol unter Einbezug von Max Weber.
4. Alexander Demandt: Staatsform und Feindbild bei Carl Schmitt: Das Kapitel analysiert den Übergang von antiken Modellen hin zum modernen Nationalstaat und Schmitts Sorge vor einer universalen Einmischung.
5. Ernst Vollrath: Wie ist Carl Schmitt an seinen Begriff des Politischen gekommen?: Vollrath ordnet Schmitts Denken in die Krise der Staatsrechtslehre ein und beleuchtet die Suche nach einer identitätsstiftenden politischen Form.
6. William Rasch: Conflict as a Vocation: Rasch untersucht die Relevanz von Schmitts Thesen in einer globalisierten Welt, in der Souveränität zunehmend durch Assoziationen ersetzt wird.
7. Resumé: Dieses Kapitel fasst die verschiedenen Forschungspositionen zusammen und ordnet sie im Hinblick auf ihre wissenschaftliche Aussagekraft ein.
Schlüsselwörter
Carl Schmitt, Begriff des Politischen, Freund-Feind-Unterscheidung, Liberalismuskritik, Ausnahmezustand, Souveränität, Politikwissenschaft, Staatslehre, politische Theologie, Parlamentarismus, Nationalstaat, Pluralismus, Assoziation, Politische Romantik, Gewaltmonopol.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit bietet einen wissenschaftlichen Literaturbericht, der verschiedene kritische Perspektiven und Interpretationen zu Carl Schmitts einflussreichem Werk „Der Begriff des Politischen“ systematisch zusammenfasst.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Zentral sind die Untersuchung der Freund-Feind-Unterscheidung, die fundamentale Kritik Schmitts am liberalen Denken, die Krise des Staates sowie die historische Entwicklung von politischen Einheiten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Komplexität von Schmitts Begriffsbildung durch die Rekapitulation ausgewählter Forscher wie Meuter, Pasquino, Demandt, Vollrath und Rasch für ein Studium der Politikwissenschaft aufzubereiten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um einen Literaturbericht, der durch eine vergleichende Analyse und Synthese verschiedener fachwissenschaftlicher Beiträge eine strukturierte Übersicht über den Forschungsstand bietet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Kapitel, die jeweils einen spezifischen Autor oder Aspekt behandeln – von der metaphysischen Begründung über die staatsrechtliche Einordnung bis hin zur Bedeutung in der postmodernen Theorie.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Die wichtigsten Begriffe sind das Politische, Freund-Feind-Unterscheidung, Souveränität, Liberalismuskritik und die Krise der Staatsrechtslehre.
Inwiefern spielt der Ausnahmezustand bei Schmitt eine Rolle?
Laut der Arbeit enthüllt der Kriegsfall als Ausnahmezustand den Kern der Dinge, da hier die Unterscheidung von Freund und Feind auf die Spitze getrieben wird und das Politische als reale Existenzmöglichkeit sichtbar wird.
Wie unterscheidet sich die Sichtweise von Alexander Demandt?
Demandt betont insbesondere die historische Perspektive und das Pendeln zwischen den Modellen von Polis und Imperium, wobei er die Gefahr von Universalmächten für die Souveränität der Nationalstaaten hervorhebt.
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- Helmut Strauss (Autor), 2002, Literaturbericht zur politischen Theorie Carl Schmitts, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19640