Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät
der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Diplomarbeit
zur Wirtschaftspolitik - Außenwirtschaft
als Acht-Wochen-Arbeit
Internationale Kapitalmobilität bei asymmetrischer Information
eingereicht von
Ahrens, Arne
Studiengang: Volkswirtschaftslehre
(mit Schwerpunkt Internationale Wirtschaft)
Abgabetermin: Di.,23.9.2003
Gliederung
1. Einleitung ... 1
2. Internationale Kapitalmobilität ... 2
2.1 Realzinsunterschiede ... 2
2.2 "Home bias" ... 4
2.3 Feldstein-Horioka Paradoxon ... 8
2.4 Erklärungen für Kapitalimmobilität ... 11
2.4.1 Überblick über mögliche Erklärungen ... 11
2.4.2 Asymmetrische Information ... 13
2.4.3 Empirischer Nachweis der Relevanz von asymmetrischer Information ... 15
2.5 Zwischenfazit - keine perfekte internationale Kapitalmobilität ... 17
3. Modell für internationale Kapitalbewegungen ... 18
3.1 Drei Formen von Kapitalbewegungen ... 18
3.2 FPDI - Foreign Portfolio Dept Investment ... 19
3.2.1 Schlussfolgerungen zu den FPDI ... 27
3.3 FPEI - Foreign Portfolio Equity Investment ... 30
3.3.1 Schlussfolgerungen zu den FPEI ... 34
3.4 FDI - Foreign Direct Investment ... 35
3.4.1 Schlussfolgerungen zu den FDI ... 39
3.5 Zwischenfazit - Effizienz der Ungleichbehandlung ... 41
4. Subventionierung von Kapitalimporten ... 41
5. Erklärung der Hinweise auf Kapitalimmobilität ... 43
5.1 Realzinsunterschiede ... 44
5.2 "Home bias" ... 46
5.3 Feldstein-Horioka Paradoxon ... 47
6. Die Rolle der ausländischen Direktinvestitionen (FDI) ... 48
6.1 FDI-Modlell ohne inländischen Kreditmarkt ... 49
6.1.1 Wohlfahrtswirkungen ... 54
6.2 FDI-Modell mit inländischem Kreditmarkt ... 55
6.2.1 Wohlfahrtswirkungen ... 60
6.3 Zwischenfazit - negative Wohlfahrtseffekte möglich ... 61
7. Relevanz für wirtschaftspolitische Entscheidungen ... 62
Literaturverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: "Anteil der ausländischen Wertpapiere (Aktien und Bonds) an der gesamten Marktkapitalisierung" ... 5
Abb. 2: "Über- und Untergewichtung gegenüber den effizienten Marktportfolios 1988-1997" ... 7
Abb. 3: ""Savings retention coefficient" für 16 OECD-Länder in unterschiedlichen Zeiträumen" ... 9
Abb. 4: ""Savings retention coefficient" für ausgewählte Ländergruppen und Zeiträume" ... 10
Abb. 5: "Darstellung der Ergebnisse der Regressionsanalyse bezüglich Kapitalbewegungen und Informationsvariablen" ... 16
Abb. 6: "Steuerbehandlung der unterschiedlichen Formen von Kapitalbewegungen" ... 41
1. Einleitung
Das Ausmaß der internationalen Kapitalmobilität ist für wirtschaftspolitische Entscheidungen von großer Relevanz, dabei wird in modelltheoretischen Überlegungen meist die Annahme der vollständigen Kapitalmobilität getroffen. Im Hinblick auf die in den letzten Jahren weit vorangeschrittene Integration der Finanzmärkte, scheint diese Annahme auch plausibel zu sein. Dennoch gibt es einige Hinweise darauf, dass der Grad der Kapitalmobilität noch relativ weit entfernt von einer vollständigen bzw. perfekten Kapitalmobilität ist. Diese Tatsache hätte dann auch wieder Auswirkungen auf die wirtschaftspolitische Entscheidungsfindung und deren Modellierung. "So kann beispielsweise bei sehr hoher internationaler Beweglichkeit von Kapital die Geldpolitik in ihren Wirkungen eingeschränkt sein und die Besteuerung von Kapitalerträgen lediglich zu einer Verlagerung von Geldanlagen ins Ausland führen."1 In dieser Arbeit soll die unvollständige Kapitalmobilität untermauert werden, wobei als Erklärung eine asymmetrische Informationsverteilung zwischen inländischen Investoren und ausländischen Investoren gegeben wird. Diese soll Verwendung in der Modellierung von internationalen Kapitalbewegungen finden, wobei damit die Besteuerung von Kapitalerträgen bei unvollständiger Kapitalmobilität untersucht und außerdem die Funktion von ausländischen Direktinvestitionen näher betrachtet wird.
In Kapitel 2 werden unterschiedliche Tatbestände, die Hinweise auf unvollkommene internationale Kapitalmobilität geben, beschrieben. Außerdem werden mögliche Erklärungen für diese gegeben, die neben der asymmetrischen Information existieren. Die Marktunvollkommenheit der asymmetrischen Information, die in dieser Arbeit im Mittelpunkt steht, wird ebenfalls in Kapital 2 genauer erläutert. Anschließend wird in Kapitel 3 ein Modell für die unterschiedlichen Arten von internationalen Kapitalbewegungen entwickelt. Dieses Modell berücksichtigt explizit internationale Kapitalimmobilität, die aus asymmetrischer Information resultiert. Das wird Modell dazu benutzt, um Politikempfehlungen zur Besteuerung zu geben, die Ineffizienzen aufgrund der Kapitalimmobilität ausgleichen. Kapitel 4 greift daraufhin die angeregte Subventionierung von Kapitalimporten auf. Es folgt Kapitel 5, welches die in Kapital 2 aufgezeigten Hinweise auf international nicht perfekte Kapitalmobilität anhand des Modells aus Kapital 3 erklärt. Kapitel 6 beschäftigt sich genauer mit ausländischen Direktinvestitionen bei asymmetrischer Information, indem es das Modell aus Kapitel 3 erweitert.
2. Internationale Kapitalmobilität
Die Mobilität des Produktionsfaktors Kapital über nationale Grenzen hinweg wird dadurch getrieben, dass Investoren für ihr Kapital die höchstmögliche Verzinsung suchen. Ein anderer Grund für Investitionen im Ausland, der nicht unbedingt unter dem Gesichtspunkt von produktiveren Produktionsbedingungen zu sehen ist, verfolgt das Ziel, neue Absatzmärkte zu erschließen oder zu sichern. Perfekte internationale Kapitalmobilität ist dann zu attestieren, wenn Investitionsentscheidungen sich nur noch an dem Kriterium der Grenzproduktivität orientieren. Die Abwesenheit von institutionellen Barrieren und Schranken allein reicht dafür nicht aus. Es bedarf vielmehr eines Verhaltens der Wirtschaftssubjekte, welches zu einer ausschließlich an der Grenzproduktivität orientierten Allokation führt.2 Das Kapital ist also nicht mehr an das Land gebunden, in dem es durch Konsumverzicht freigesetzt wurde.
Um zu zeigen, dass es mit der "textbook story of perfect capital mobility"3 nicht weit her ist, werden im Folgenden drei Ansätze dargestellt, die die Immobilität des Kapitals über Ländergrenzen hinweg erkennen lassen. Abschnitt 2.1 behandelt die Unterschiede in den Realzinsen, Abschnitt 2.2 den "home bias"4 in den Wertpapierportfolios und Abschnitt 2.3 zeigt das Feldstein-Horioka Paradoxon auf. Im Anschluss daran werden in Abschnitt 2.4 mögliche Erklärungen für Kapitalimmobilität gegeben , wobei besonders Augenmerk auf die asymmetrische Informationsverteilung gelegt wird. Abschnitt 2.5 zieht ein kurzes Zwischenfazit.
2.1 Realzinsunterschiede
In einer Welt mit perfekter internationaler Kapitalmobilität würde über alle Länder hinweg Gleichheit der Realzinsen herrschen. Bestehen keine institutionellen Barrieren für Kapital und auch sonst keine anderen Hemmnisse für die Wirtschaftssubjekte, würde jeder Unterschied in den Realzinsen durch Arbitrage abgebaut werden. Ein Nachweis für die Existenz von Realzinsunterschieden zwischen Ländern ist somit ein Hinweis darauf, dass Kapital international nicht vollkommen mobil ist. Überprüft man die Gleichheit von realen Zinssätzen zwischen Ländern empirisch, erhält man darüber Aufschluss. So ein Test wurde unter anderem von Mishkin5 durchgeführt.
[...]
1 Lapp (1996a), Seite1.
2 Vgl. Lapp (1996a), Seite 1.
3 Razin, Sadka, Yuen (1998), Seite 46.
4 „Home bias“ meint die Neigung zu heimischen Kapitalanlagen in den Portfolios von Anlegern.
5 Vgl. Mishkin (1984), Seite 1345 ff.
Quote paper:
Arne Ahrens, 2003, Internationale Kapitalmobilität bei asymmetrischer Information, Munich, GRIN Publishing GmbH
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