Inhaltsverzeichnis:
Aufgabenstellung 3
Geschichtliches 3
Was ist ein Lübsow- Grab 4
Die Lübsow- Gräber 6
Die einzelnen Lübsow-Grab-Kriterien 6
römischer Import als Grabbeigabe 7
weitere besondere Beigaben und Beigabenreichtum 7
Waffenlosigkeit 8
Körperbestattung 9
besonders aufwendiger Grabbau 9
Lager der Gräber abseits der großen Friedhöfe 9
Geschlechtsbestimmung in den Lübsow- Gräbern 10
Zusammenfassung 10
Literatur 12
Karten 13
Tabelle: Lübsow- Gräber 16
2
Aufgabenstellung:
Im Mittelpunkt der folgenden Untersuchung sollen die germanischen Fürstengräber vom Typ- Lübsow stehen.
H.J. Eggers stellte 1953 1 eine Reihe älterkaiserzeitlicher Grabfunde zusammen. Diese Gräbergruppe und dessen Abgrenzung gegen die gleichzeitigen normalen Bestattungen sollen im Rahmen dieser Arbeit erfasst und kommentiert werden.
Geschichtliches:
Das heutige Lübsow liegt in Mittelpommern im Kreise Greifenberg (Gryfice) nahe dem Fluss Rega, im heutigen Polen.
100m nordwestlich des Ortes liegt der Sandberg, über diesen läuft die einzige Verbindungsstraße zur Außenwelt, da der Ort Lübsow von sumpfigen Wiesenniederungen umgeben ist.
Auf dem Sandberg wurde 1908 das erste Grab entdeckt, 1910 und 1913 zwei weitere Gräber Diese Gräber haben den Namen Lübsow I, II und III.
1928 wurden in einem Kieferwäldchen, dem sogenannten Tunnehult weitere Gräber entdeckt. Die Gräber von 1925 werden mit arabischen Ziffern als Grab 1,2 und 3 bezeichnet um sie von dem Sandberg zu unterscheiden.
Die Entdeckungen waren meist ein rechtes durcheinander. Bauern und Arbeiter benutzten die Steine der Grababdeckungen für den Straßenbau, da die Bauern für diesen einen Te il der Steine zur Verfügung stellen mussten. Diese nahmen sie von ihren Feldern oder die aus dem Forst, so wurden viele der Gräber gefunden und zerstört.
Dem Hauptmann und Batteriechef Vetter vom Vorpommerschen Feldartillerie Regiment und Herrn Stubenrauc h ist es zu verdanken, daß überhaupt Funde gesichert wurden oder „vorpubliziert“ wurden. E. Pernice publizierte und bearbeitete die ersten Gräber vom Typ Lübsow.
Es hätte schon längst eines der Gräber ausgegraben gehört, auch die Genehmigung dafür war erteilt, doch wegen widriger Äußerer Umstände wurde die Grabung immer wieder verschoben. Erst im November 1937 begann Eggers unter der Leitung von Herr Dr. Kunkel mit Laien die Ausgrabung eines der Gräber.
1 Eggers 1953, 58-111
3
Was ist ein Lübsow Grab?
In der bisher erschienenen Literatur gibt es keine genaue Definition eines Lübsow- Grabes. Lediglich eine Beschreibung der Gemeinsamkeiten gibt eine Vorstellung eines Lübsow- Grabes, an dieser Stelle möchte ich direkt H.J. Eggers zitieren und anhand dessen Zitate weiterarbeiten.
Eggers sagt 2 :
„Ob es sich um Polen oder Hannover, um Norwegen oder Schlesien handelt, stets treffen wir in diesen Gräbern Bronzeeimer, Becken, Kannen und Kasserollen, Silberbecher und Glasgefäße, Fibeln, Nadeln, Goldberlocks, Goldfingerringe, Schnallen und Riemenzungen, Spielsteine und Würfel, Trinkhörner und Tongefäße. Natürlich sind nicht alle Gräber gleich reich, auch sind sicherlich zahlreiche Inventare durch unsachgemäße Bergung stark verstümmelt. Trotzdem bleibt die einheitliche Gruppe erstaunlich.“
Weiter heißt es an anderer Stelle 3 :
„... auch die Beigabenkombination ist sehr konstant. Und stets pflegen sich diese Gräber sehr stark von dem zu unterscheiden, was sonst in der betreffenden Gegend üblich ist. Nur die Keramik und die eine oder andere sonstige Beigabe erscheint landschaftsgebunden."
Im Bezug des Grabbaus sagt Eggers 4 :
"Die Bauart der Fürstengräber ist genauso einheitlich wie die Zusammensetzung ihrer Beigaben. Nur drei Brandgräber haben wir in unsere Tabelle aufnehmen müssen, da ihr Inventar auf das engste mit den übrigen zusammengehört: Klatzow, Apensen und Bornitz. Alle übrigen sind Körpergräber. Folgende Grundform können wir für diese Gräber feststellen: größere Holzkammern, meist über 2 m tief, mit großen Feldsteinen überdeckt, gelegentlich ein Hügel mit Steinkranz, darin der Baumsarg mit dem Toten und seinem persönlichen Schmuck. Neben dem Sarge, zu Häupten oder zu Füßen, eine Gruppe von Silber-, Bronze-, Glas- und Tongefäßen, ursprünglich wohl teilweise mit Speisebeigaben. Endlich oft noch ein Holzkästchen und darin Messer, Schere, Kamm und gelegentlich noch andere Beigaben«.
Hinsichtlich des Geschlechts schreibt Eggers 5 :
"Ein großer Teil der Gräber ist durch seinen Goldschmuck als weibliche Bestattung gekennzeichnet, einige weisen sich durch Reitersporen als Männergräber aus, bei einigen muß die Frage des Geschlechts des Toten offen bleiben. Aber dies ist unwesentlich, wichtig ist allein die Tatsache, daß diese sonst so stark übereinstimmenden Gräber sicher nicht einem Geschlecht zugesprochen werden dürfen."
2 Eggers 1953, 104
3 Eggers 1953, 107 4 Eggers 1953, 104 5 Eggers 1953, 104
4
Eggers interpretiert den Befund 6 : "Alles in allem verraten diese Gräber einen gehobenen fürstlichen Lebensstil. Nicht jeder konnte sich kostbares Silber-, Bronze- und Glasgeschirr leisten, das bei den Gastmählern im Mittelpunkt des Trinkgelages gestanden haben wird. Nicht jeder konnte sich in seiner Muße mit Brettspiel die Zeit verkürzen, nicht jeder Reiter trug bronzene und silberne Sporen. Nicht jede Frau besaß kostbaren Gold- und Silberschmuck, nicht jede besaß mit Schlüsseln verschließbare Kästchen, um den Schmuck aufzubewahren, nicht jede Kamm und Spiegel, Schere und Messer, um den Körper zu pflegen." Und weiter 7 : „.. wir dürfen annehmen, daß es die wandalischen und burgundischen, die langobardischen und markomanischen Stammesfürsten se1ber waren, die sich in diesen Grabkammern bestatten ließen. Nicht ethnologisch, sondern soziologisch muß diese Erscheinung gedeutet werden! Eine gemeinsame Sitte, vielleicht durch Eheverbindungen gestützt, verband den germanischen Hochadel der älteren Kaiserzeit. Und so konnte es geschehen, daß die Bestattungen dieser Fürstengeschlechter einen stark "gemeingermanischen" Charakter zeigen - ganz im Gegensatz zu der politischen Zersplitterung in kleine und kleinste Stammesterritorien, wie sie sich etwa in Tacitus Germania spiegelt."
Eine genaue Aussage, welches Grab nun Lübsow- Grab genannt werden darf und welches nicht, gab es bisher aber leider nicht. Selbst Eggers scheint sich über die Frage, welches Grab nun als Lübsow- Fürstengrab gilt und welches nicht, im Laufe seiner Beschäftigung mit diesem Problem, nicht immer sicher gewesen zu sein.
So zählte er 1942 8 nur die Gräber Hiddesee, Klatzow, Kossin, Lübsow, Groß Grünow, Pustamin und Balenthin zu den Fürstengräbern, anlässlich des römischen Imports. Von diesen Fundorten fehlten Groß Grünow und Balenthin in der Fürstengräberkarte von 1951. Im Aufsatz von 1953 fehlt Pustamin, dafür kommen ne ue Gräber, das Grab von Dollerupgaard, Nörre Brody, Skrobeshave, Juellinge, Espe, Hoby, Apensen, Hagenow, Marwedel, Gross-Kelle, Store-Dal, Schlönwitz, Bleitikow, Rondsen, Schladitzsch, Bornitz, Repow, Zliw, Wichulla, Dehe und Leg Piekarski.
1964 hingegen wurde das Grab von Bornitz kommentarlos gestrichen, die üblichen Brandgräber erscheinen noch auf der Karte, werden aber nicht mehr erwähnt. Neu sind die Gräber von Holubitz, Brunow, Byrsted, Gödåker und Prag- Bubenec.
Ich werde mich nun auf den letzten Stand von Eggers beziehen, aber Gräber, die nicht gesichert sind, beraubt, oder aus anderen Gründen nicht vollständig und somit nicht aussagekräftig sind herausnehmen. Wobei nicht alle unvollständigen Gräber herausgenommen werden können, da kaum ein Grab fachgerecht ausgegraben wurde. Eine gewisse Fehlerquelle wird also auch noch bei meiner Eingrenzung vorhanden sein.
Ebenfalls werden Gräber über die keine Dokumentationen vorhanden sind oder welche unzureichend dokumentiert sind ebenfalls herausgenommen.
Somit versuche ich im Rahmen dieser Arbeit wenigstens die gesicherten Lübsow- Gräber zu erfassen.
6 Eggers 1953, 105
7 Eggers 1953, 107 8 Eggers 1940, 18
5
Quote paper:
Steffen Kobes, 2003, Die germanischen Fürstengräber der Lübsow Gruppe, Munich, GRIN Publishing GmbH
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