Vordiplomarbeit
im Fachbereich Sozialwesen
FH Jena
Thema: Behindert in einem System der
Ungleichheit?
Randgruppe oder integrierte
Gemeinschaft
Ausgearbeitet von: Tobias Nachtrab
Seite 3
Inhaltsverzeichnis:
VORWORT...............................................................................................5
1 EINLEITUNG 6
2 DEFINITION 7
2.1 BEHINDERUNG DEFINIERT IM SCHWERBEHINDERTENGESETZ 7
2.2 DEFINITION DER BEHINDERUNG IN DER GESELLSCHAFT 8
2.3 BEHINDERUNG AUS SOZIALWISSENSCHAFTLICHER SICHT 9
2.3.1 Schädigung 9
2.3.2 Stigmatisierung 9
3 GESELLSCHAFT BEHINDERT 10
3.1 MAN IST NICHT BEHINDERT MAN WIRD BEHINDERT 10
3.2 DIE NORM BESTIMMT 11
3.3 DEFIZITHYPOTHESE 11
3.4 FOLGEN IM GESELLSCHAFTSSYSTEM 12
3.5 ARMUT ALS VERSTÄRKENDER FAKTOR 13
3.6 AUSGRENZUNG DER BEHINDERTEN AUFGRUND 14
WIRTSCHAFTLICHER INTERESSEN 14
4 PERSONENGEBUNDENE VERÄNDERUNGEN 14
4.1 VERLEUMDUNG UNGEWISSHEIT - AGGRESSION 14
4.2 NEUORGANISATION 15
5 LEBENSWELTWANDLUNGEN 16
5.1.1 Lebensgeschichte 16
5.1.2 Das Selbstkonzept 17
5.2 STRUKTURELLE VERÄNDERUNGEN 18
5.2.1 Angehörige und Berufswelt 18
5.3 SOZIALE VERÄNDERUNGEN 19
5.3.1 Identität 19 Identität.................................................................................................................................................19
5.3.2 Freizeit 19
5.3.3 Stabilisierung 20
5.3.4 Begegnung 20
5.3.5 Partizipation 20
5.4 ZUSAMMENFASSUNG 21
6 SCHLUSSWORT 22
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Vorwort
Behindert? – Damit habe ich nichts zu tun. Auch für mich galt dieser Aus- spruch.
Ich hatte noch nie in meinem Leben Kontakt zu geistig oder körperlich be- hinderten Menschen. Sie waren nicht ausgeblendet - aber bewusst waren sie mir tatsächlich nicht. Oft kann man sich damit herausreden, daß es wo hl zu schwierig sei, in kurzer Zeit die Sachverhalte und Umstände eines behinder- ten Menschen zu ergründen und nachzuvollziehen.
Man tritt höflich zur Seite, öffnet Türen, erhebt sich mühselig von Sitzplät- zen und wirft scheue Blicke den behinderten Mitmenschen nach. Aber Kontakte irgendeiner Art kommen wohl sehr selten oder gar nicht zu- stande. Ausstellungen wie „Der [im]perfekte Mensch“ in Dresden werden oft als skurrile Kunstwerke wahrgenommen. So wird ein anzustrebender Austausch zwischen den Nichtbehinderten und Behinderten kaum angeregt. Es scheint, als ob zwei Welten nebeneinander existieren würden. Doch mir drängt sich die Frage auf, warum?
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1 Einleitung
In Deutschland leben 6,6 Mill. körperlich behinderte Menschen 1 . Dies ist
ein Anteil von rund 8% der Bevölkerung. Jedoch besteht zwischen Behin- derten und Nichtbehinderten eine Kluft, welche an Brisanz nicht verliert. Nichtbehinderte wissen meist nicht, wie sie sich angemessen verhalten sol- len und meiden daher Kontakte; manche fühlen sich bereits durch den An- blick eines körperbehinderten Menschen gestört und provoziert. Es hilft kaum, wenn sie daran erinnert werden, dass sie selbst plötzlich als Folge ei- ner Erkrankung, eines Verkehrs- oder Arbeitsunfalls für den Rest ihres Le- bens schwer behindert sein können.
Für Nichtbehinderte ist es nicht nachvollziehbar, welche Veränderungen im Leben durch eine plötzliche Behinderung auftreten und erfolgreich bewäl- tigt werden müssen. Denn in diesen Prozessen, welche durch den kürzlich behindert gewordenen Menschen zu l eisten sind, kann man dem Problem der Behinderung in der Gesellschaft näher kommen und Ansatzpunkte für Veränderungen finden. Dies würde bedeuten, dass es möglich wird das Problem der Ausgrenzung durch eine „Andersartigkeit“ aufzudecken oder zu prüfen. Diese Prozesse möchte ich ansprechen und beispielhaft untersu- chen. Unter Berücksichtigung anderer Fachgebiete, wie z.B. Psychologie und Recht, werden wissenschaftliche Ansatzpunkte und Zugänge für die Grundannahme der Behinderung offengelegt. Als Kern sollte die Verände- rung der Lebensweltbedingungen einer Person dienen, welche erst kür zlich behindert geworden ist. Diese Person habe ich im Laufe meiner Arbeit hä u- fig besucht und konnte so theoretische Wissensgrundlagen überprüfen. Da dieses Thema sehr subjektiv empfunden wird, muss davon Abstand g e- nommen werden, diese Aussagen zu generalisieren. Sie sind Auszüge einer Lebensgeschichte, welche im Jahr 2000 begonnen hat und bis heute nicht abgeschlossen ist. Oft bewegt man sich dabei auf zwiespältigem Territori- um, denn Subjektivität und Emotionalität sind nicht zu verachtende Fakto- ren.
1 Lt. Datenreport v. 1999
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2 Definition
Behinderung wird im allgemein daran erkannt, dass irgendetwas als fehler- haft oder defekt erscheint: im Körperbau, in den Bewegungsabläufen, in der Wahrnehmung, im Verhalten... Ein solcher Begriff von Behinderung, der an dem äußerem Bild eines Individuum festgemacht wird, gehört zunächst in die Kategorie des Alltagswissens. Eine objektive Diagnose fällt in die Zu- ständigkeit der Medizin. Hier gelten indessen grundsätzlich keine anderen Maßstäbe. Scheinbar subjektive Eindrücke sollen nach wissenschaftlichen Kriterien überprüft und so in gesicherte und sozialrechtlich handhabbare Er- kenntnisse überführt werden. (siehe §3 SchwbG) Behinderung wird als Schädigung, ein Unvermögen, ein Nicht-Können verstanden. Diese Inter- pretation berücksichtigt eine rein medizinische Sichtweise, man betrachtet pathologische Faktoren, körperliche und geistige Beeinträchtigungen. Eine eindeutige Definition ist, so Speck, unrealistisch, es besteht die Gefahr der Verkürzung oder gar der Stigmatisierung. Behinderung ist an sich schon ein komplexer Begriff, der aus verschiedenen Teilbegriffen re- sultiert:
aus einer organischen Schädigung
•
aus individuellen Persönlichkeitsfaktoren und
•
aus sozialen Bedingungen und Einwirkungen
•
Erst das Zusammenwirken aller drei Faktoren ergibt das Phänomen Behin- derung. (Speck, 1993, S. 40)
2.1 Behinderung definiert im Schwerbehindertengesetz
Die gesetzliche Grundlage für die Definition der Behinderung von Men- schen, liefert das Schwerbehindertengesetz. Es definiert im § 3 Abs. I SchwbG Behinderung wie folgt:
Behinderung im Sinne dieses Gesetzes ist die Auswirkung einer nicht nur vorübergehenden Funktionsbeeinträchtigung,
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Dipl. Sozialpädagoge Tobias Nachtrab, 2002, Behinderte in einem System der Ungleichheit, Munich, GRIN Publishing GmbH
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