Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Grundlegendes 4
2.1. Die Verwandlung von Sméagol zu Gollum 4
2.2. Wie die Sméagol-Persönlichkeit in den Vordergrund rückt 5
3. Analyse ausgewählter Filmsequenzen 6
3.1. Selbstgespräch zwischen Gollum und Sméagol 6
3.2. Gollum am verbotenen Weiher 9
3.3. Gollums Plan 12
4. Zusammenfassung der Ergebnisse 15
5. Schlusswort 16
6. Anhang 17
7. Literaturverzeichnis 20
2
1. Einleitung
Der Herr der Ringe, eines der berühmtesten filmischen Meisterwerke der letzten Jahre entstand 1999 bis 2000 in Neuseeland als Peter Jacksons siebter Kinofilm 1 mit Produktionskosten von rund 190 Millionen Dollar. 2 Obwohl Tolkiens Werk bis dato als unverfilmbar galt, nahm sich Jackson dieser Herausforderung an und erreichte damit seinen bislang größten Erfolg. Nicht nur die Einspielergebnisse der ersten beiden Teile von insgesamt ca. 1,73 Milliarden Dollar 3 , sondern auch mehrere Auszeichnungen 4 sind Belege hierfür.
Die folgende Arbeit untersucht wie der innere Kampf zwischen Gollum und Sméagol 5 durch Bildkomposition, Musik, Beleuchtung und Einstellungsgröße filmisch umgesetzt wird. Gollum bzw. Sméagol ist in diesem Film eine vollständig computeranimierte Figur. Bereits im Vorfeld wurden ca. „100 verschiedene Modelle von Gollum angefertigt, bis sich Regisseur, Designer und Computerspezialisten auf eine endgültige Version einigen konnten, die dieser Gestalt gerecht werden konnte“. 6
In einem ersten Kapitel werde ich zunächst grundlegende Fakten zu Sméagol und seine Verwandlung in Gollum aufführen. Zum besseren Verständnis der Sequenzanalysen gehe ich zudem näher auf Gründe ein, warum Sméagol wieder stärker in den Vordergrund tritt. Im darauf folgenden Kapitel werden drei Sequenzen aus Der Herr der Ringe - Die zwei Türme analysiert und es soll hierbei die Wirkung der filmischen Mittel in Bezug auf die Darstellung der inneren Zerrissenheit Gollums sowie deren Einflussnahme auf das Anti- bzw. Sympathieverhaltens gegenüber Sméagol untersucht werden.
Danach werden im vierten Kapitel die zuvor ermittelten Untersuchungsergebnisse des Verhältnisses zwischen Filmtechnik bzw. Bildkomposition und den jeweiligen Charakterzügen Gollums/Sméagols komprimiert dargestellt.
Abschließend befasse ich mich in wenigen Sätzen mit dem Sieg Gollums über Sméagol und dessen Bedeutung für den weiteren Handlungsverlauf.
1 Vgl. http://mitglied.lycos.de/bloodyrookie/
2 http://www.herr-der-ringe-film.de/v2/de/film-infos/
3 http://www.gilthserano.de/tow/worldwide/topmovie.html
4 u.a.: Oscar 2002 in den Kategorien: Bestes Make Up, Beste visuelle Effekte, Beste Kamera, Beste Film-Musik; Vgl. http://www.moviefans.de/specials/oscar/preistraeger.html
5 Zur besseren Lesbarkeit werde ich in meiner Hausarbeit größtenteils darauf verzichten, Synonyme für „Gollum - bzw. Sméagol - Persönlichkeit“ zu verwenden. Stattdessen stehen „Gollum“ und „Sméagol“ selbst für die jeweiligen inhärenten Charaktere.
6 http://www.moviefans.de/herrderringe/a-z/gollum.html
3
2. Grundlegendes
2.1. Die Verwandlung von Sméagol zu Gollum
Zu Beginn der Trilogie erfährt der Rezipient auf welche Art und Weise die Figur Sméagol den Ring der Macht erlangt und sich durch diesen zum Gollum verändert. Jener war einst Mitglied einer „hochgeachteten“ 7 Familie, die einem Hobbit-ähnlichem V olk angehörte. „Der wißbegierigste und vorwitzigste […] war Sméagol“. 8 Bereits hier ist die Tendenz zu erkennen, dass er sich von der Dunkelheit angezogen fühlt. Er wendet seine Blicke von den Bergeshöhen sowie anderen Dingen um sich herum ab und richtet seine Wahrnehmung vornehmlich nach unten, auf Wurzeln und Ursprünge. 9 Bei einer Bootsfahrt findet sein Freund Déagol den Ring der Macht. Sméagol beobachtet dies und verlangt von ihm die Übergabe des Rings. Da jener sich weigert, packt er „Déagol an der Kehle und [erwürgt] ihn, weil das Gold so strahlend und schön [ist]“. 10 Der Ring ergreift nicht nur Besitz von Sméagol, sondern gibt ihm überdies Macht entsprechend seiner Veranlagung. Er wird durch Tragen des Rings für seine Umwelt unsichtbar und nutzt dies, um seine Neugier zu stillen und das dadurch erworbene Wissen auf boshafte Art und Weise auszunutzen. An dieser Stelle erfährt der Rezipient, wie Sméagol zu dem Namen „Gollum“ gekommen ist: „Er gewöhnte sich an, zu stehlen und vor sich hin zu murmeln und kehlig zu glucksen. Deshalb nannten [seine Verwandten] ihn Gollum“. 11 Aufgrund seines Verhaltens wird Sméagol verbannt und zieht sich in das Nebelgebirge zurück.
Das Buch geht näher auf das Vorleben Gollums ein und der Leser erfährt einiges über dessen Geschichte. Im Film Der Herr der Ringe - Die Gefährten stehen dagegen die Vorgeschichte des Rings und sein Weg zu Frodo im Vordergrund. Die Wandlung von Sméagol zu Gollum wird bei der Vorstellung der Figur nicht thematisiert. Der Rezipient erfährt erst im zweiten Teil der Trilogie, dass Gollum einst „Sméagol“ hieß. Eine weibliche Stimme 12 aus dem Off bringt dem Rezipienten Gollum näher. Sie berichtet uns, wie das „Geschöpf Gollum“ 13 an den Ring gekommen ist. Dabei erkennt man in einer Detailaufnahme, wie eine Hand den Ring vom Grund eines Flusses nach oben hebt. In der darauf folgenden Detailaufnahme
7 Tolkien, Der Herr der Ringe - Die Gefährten 74
8 Ebd.
9 Ebd.
10 Ebd. 75
11 Ebd.
12 Die Stimme Galadriels (Anm. d. Verf.)
13 Vgl. O-Ton Der Herr der Ringe - Die Gefährten DVD (Extended Version) 0:05:40 (Std.:Min.:Sek.)
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umschließen die Hände Gollums den Ring, während er leise „mein Schatz“ flüstert. 14 Nun geht die Sprecherin aus dem Off etwas näher auf die Veränderungen in Gollums Leben ein, die durch den Ring verursacht werden. Nach einer Kamerafahrt über das Nebelgebirge, Gollums neuem Aufenthaltsort, ist zunächst ein dunkler Höhlenboden mit Fischresten zu sehen. Die Kamera schwenkt langsam nach oben und man erkennt Gollum auf einem Felsen hockend, dabei hört man ihn zunächst leise und dann immer lauter werdend sagen: „Mein Eigen. Mein Liebstes. Mein Eigen. Mein Schatz“. 15 In der Halbnahen dominieren dunkle, kühle Farben, überwiegend schwarz und blau. Die Umrisse Gollums heben sich durch einfallendes blauschimmerndes Licht vom Hintergrund ab. Er befindet sich halb in diesem Licht und halb im Schatten und richtet sich nur einmal auf, wobei seine Augen grün funkeln. Die Stimme aus dem Off spricht währenddessen von Gollums unnatürlich langem Leben, welches ihm durch den Ring verliehen worden ist. Ihre Aussage „500 Jahre vergiftete er dessen Verstand“ 16 ist bezeichnend für die vom Ring hervorgerufene Schlechtigkeit Gollums. Hierdurch ist bereits zu Beginn des Films für den Rezipienten erkennbar, dass Gollum auf der Seite des Bösen anzusiedeln ist. Dies macht auch das Ende der Sequenz deutlich, in der das Bild langsam ausgeblendet wird und als fast nichts mehr sichtbar ist, von der „Finsternis von Gollums Höhle“, in der der Ring wartet, geredet wird.
2.2. Wie die Sméagol-Persönlichkeit in den Vordergrund rückt
Sowohl im Buch, als auch im Film verändert sich Gollums Verhalten aufgrund verschiedener Faktoren. Ausschlaggebend ist Frodos Freundlichkeit und dessen Vertrauen in Gollum, obwohl dieser „schleimig, hinterlistig, egozentrisch und völlig unfähig zu irgendwelchen positiven Gefühlen [ist]“. 17 Er vertraut Gollum sogar die Führung Ihrer Gruppe und somit auch Ihr Leben an. Dieses wohlwollende Verhalten ihm gegenüber spricht den in ihm verborge nen Sméagol an. Gandalf vermutet bereits bei einem Gespräch mit Frodo in Beutelsend, dass sich Gollum danach sehnt, „eine freundliche Stimme zu hören“. 18 Im Film scheint diese Vermutung bestätigt zu werden, als Frodo ihn mit seinem einstigen Namen
14 Vgl. O-Ton Der Herr der Ringe - Die Gefährten DVD (Extended Version) 0:05:40
15 Ebd.
16 Ebd.
17 Smith, Tolkiens ganz gewöhnliche Helden 84/85
18 Tolkien, Der Herr der Ringe - Die Gefährten 76
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Sméagol anspricht. 19 Hatte er zunächst abweisend auf Frodos Fragen reagiert, so wird er nun ruhig und nachdenklich. Diese Stimmung wird auch durch die leise einsetzende Musik aus dem Off deutlich. In einer Großaufnahme sehen wir Gollums trauriges und schwermütiges Gesicht. Der Glanz in seinen Augen ist verschwunden. Als er seinen früheren Namen Sméagol ausspricht scheint er erleichtert und für einen Moment glücklich zu sein. Sein verlorengeglaubter Charakter kommt zum ersten Mal deutlich zum Vorschein. Wie sich die weiteren Veränderungen Gollums in Der Herr der Ringe - Die zwei Türme ausdrücken, soll in den nachfolgenden Ausführungen anhand von drei Filmsequenzen verdeutlicht werden.
3. Analyse ausgewählter Filmsequenzen
3.1 Selbstgespräch zwischen Gollum und Smé agol (1:10:44 bis 1:13:00)
Diese Sequenz beginnt mit der 70. Minute und 44. Sekunde des Films. In einer subjektiven Detailaufnahme aus Gollums Sicht sehen wir Frodos Hand, die den Ring, der an einer Kette befestigt ist, fest umschließt. Aus dem Off ist Go llums Stimme zu hören: „Wir wollen ihn! Wir brauchen ihn!“. 20 Die Einstellung wechselt zu einer Totalen von dem Wald, in der das Selbstgespräch zwischen Gollum und Sméagol stattfindet. Es ist dunkel, nur einfallendes blauschimmerndes Licht erhellt das Filmbild ein wenig. Der Aufbau der Szene erinnert an die Bildkomposition der Szene aus dem ersten Teil der Trilogie Der Herr der Ringe - Die Gefährten, als Gollum den Ring zum ersten mal in seinen Händen hält. Er erscheint am linken Bildrand. Die Kamera fährt leicht zurück und schwenkt nach links, so dass er nun in der Mitte des Bildes zu sehen ist. Gollum murmelt: „Wir müssen ihn haben, den Schatz! Sie haben uns den Schatz gestohlen! Garstige kleine Hobbitse“. 21 Dabei stützt er sich mit beiden Händen auf dem Boden ab und wendet seinen Kopf von rechts nach links. Es folgt ein Einstellungswechsel zu einer Nahaufnahme Gollums. Dieser beschimpft Frodo und Sam als „böse, tückisch und falsch“. 22 Die Kamera schwenkt nach links, so dass Sméagol nun auf der rechten Bildhä lfte zu sehen ist. Dieser Wandel von Gollum zu Sméagol wird zudem durch die
19 Vgl. Der Herr der Ringe - Die zwei Türme DVD 00:37:30
20 Ebd. 0:37:30
21 Ebd. 1:10:55
22 Ebd. 1:11:02, siehe auch Anhang [S.17]
6
Quote paper:
Dipl.-Inf. Andre Feldmann, 2003, Der Herr der Ringe - Gollum gegen Smeagol - Der innere Kampf zwischen Gut und Böse und dessen filmische Umsetzung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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