I. Einleitung S. 1 II. Die Kenntnisse indigener Sprachen und der Sprachgebrauch S. 2 Alexander von Humboldts III. Rassistische Residuen in der Berichterstattung Alexander von S. 3 Humboldts IV. Der Indianer als Fabelwesen in der Berichterstattung Humboldts S. 5 V. Alexander von Humboldt und sein Umgang mit indianischen S. 8 Bediensteten VI. Indianische Gastgeber Alexander von Humboldts S. 10 VII. Schlußbetrachtung S. 11 VIII. Literatur VIII.1 Primärliteratur S. 13 S. 13
VIII.2. Sekundärliteratur
I. Einleitung
Während seiner fünfjährigen Reise traf Humboldt auf Vertreter aller Schichten und Klassen der lateinamerikanischen Kolonialgesellschaft. Es kann kaum bestritten werden, daß es vor allem Personen aus der weißen Oberschicht waren, zu denen Humboldt in engeren Beziehungen stand und die folglich in seinem Reisejournal besonders hervorgehoben werden. 1 Dennoch steht außer Frage, daß er auch mit Menschen aus den unteren Bevölkerungsschichten, zu denen neben den Indios auch Zamben, Mestizen und Mulatten, sowie freie und versklavte Schwarze zählten, in Berührung kam. Die vorliegende Arbeit soll einen Einblick in die Natur diese Kontakte geben, wie sie von Humboldt beurteilt wurden und in welchem Ausmaß sie sich in seiner Berichterstattung niedergeschlagen haben. Besonderes Augenmerk soll dabei auf Begegnungen mit der indigenen Bevölkerung gerichtet werden.
Die Beziehungen Humboldts zu Angehörigen der lateinamerikanischen Oberschicht sind von ihm nicht nur in seinen Reiseberichten, sondern auch durch seinen Schriftverkehr mit diesen Personen bestens dokumentiert. Auch sind diese Beziehungen innerhalb der Humboldt-Forschung vielfach analysiert worden.
Was hingegen Humboldts Begegnungen mit Angehörigen der Unterschicht betrifft, so gibt es nur wenige Veröffentlichungen, die sich explizit diesem Thema widmen. Als wichtigste Quellen sind hier der Artikel „Indianische Begleiter Alexander von Humboldts auf seiner amerikanischen Forschungsreise 1799 bis 1804“ von Kurt Biermann und Ingo Schwarz zu nennen, sowie das Alexander von Humboldt gewidmete Kapitel aus dem Werk „Imperial Eyes - Travel Writing and Transculturation“ von Mary Louise Pratt. Aufgrund dieser Quellenlage sind für die vorliegende Arbeit vor allem Humboldts eigene Texte, also seine Reiseberichte sowie seine amerikanischen Briefe, auf relevante Hinweis untersucht und interpretiert worden.
1 vgl. Zeuske 1992, S. 190
1
II. Die Kenntnisse indigener Sprachen und der Sprachgebrauch Alexander von Humboldts
Erste Hinweise auf Kontakte Humboldts zu eingeborenen Amerikanern kann uns sein Sprachgebrauch geben.
In der einleitenden Studie zum Bericht Humboldts über die Reise auf dem Rio Magdalena, durch die Anden und durch Mexiko, führen die Herausgeber an, die Überarbeitung desselben sei in besonderem Maße dadurch erschwert worden, daß Humboldt „sich auf der Reise zahlreiche Fachausdrücke aus dem in allen Ländern mit der jeweiligen Indianersprache vermischten Spanisch“ angeeignet habe, „die man nicht immer in der von ihm gebrauchten Form in den verfügbaren Wörterbüchern wiederfindet.“ 2 Tatsächlich werden indianische Ausdrücke von Humboldt in seinen Reisetagebüchern häufig verwandt, vornehmlich um in Europa unbekannte Pflanzenarten oder aber indianische Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens zu bezeichnen. Es stellt sich die Frage, ob ein solches „indianisiertes“ Spanisch zu Zeiten Humboldts in der spanischen und kreolischen Oberschicht bereits gebräuchlich war, oder ob dieser Sprachgebrauch auf seinen Umgang mit der indianischen Bevölkerungsgruppe zurückzuführen ist.
Ein Hinweis darauf, daß ersteres der Fall gewesen sein könnte, findet sich in einem Brief Humboldts an seinen Bruder, den Sprachforscher Wilhelm von Humboldt, aus Lima vom 25. November 1802:
„Mich beschäftigt auch sehr das Studium der amerikanischen Sprachen, und ich habe gesehen, wie sehr das, was La Condamine über ihre Armut sagt, falsch ist [...] Besonders beschäftige ich mich mit der Inka-Sprache. Man spricht sie hier gewöhnlich in Gesellschaft, und sie ist so reich an feinen und mannigfaltigen Wendungen, daß die jungen Herren, um den Damen Schmeicheleien zu sagen, Inka zu sprechen beginnen, wenn sie die ganzen Schätze des Kastilianischen ausgeschöpft haben. “ 3
Auch Pratt führt an, Humboldt habe sich während seines einjährigen Aufenthaltes in Mexiko (1803 - 1804) dem Studium des Nahuatl ausschließlich in den Bibliotheken der Universität und im Kreise der amerikanischen Intellektuellen gewidmet. 4 Nichtsdestotrotz finden sich in Humboldts Reisetagebüchern immer wieder Passagen, die darauf hindeuten, daß er sich seine Kenntnisse indigener Sprachen nicht nur „aus zweiter Hand“ sondern auch im direkten Umgang mit Indios aneignete. So berichtet er beispielsweise im August 1802 über eine Begegnung mit den Jibaro-Indianern am Rio Magdalena:
2 Humboldt 1986, Bd. I, S. 33
3 Humboldt 1999, S. 154
2
„Sie fanden selbst ein so großes Vergnügen daran, spanische Worte nachzusprechen, daß sie, wenn man in ihrer Gegenwart sprach, fortgesetzt Wort für Wort das, was man sagte, wiederholten. Sie haben die gleiche Besessenheit, ihre eigene Sprache zu lehren. Beginnt man einmal, ihnen Worte durch Zeichen abzufragen, um ein Vokabular zusammenzustellen, so bestürmen sie einen fortzufahren.“ 5
Die auf diese Weise zusammengetragenen Vokabularien hielt Humboldt in seinem Tagebuch detailliert fest, unter anderem um sie an seinen Bruder Wilhelm weiterzugeben. 6
III. Rassistische Residuen in der Berichterstattung Alexander von Humboldts
Humboldt hat in seinen Schriften häufig, zum Teil in drastischer Form, Kritik am spanischen Kolonialregime und den „beklagenswerten Zuständen“ in seinen amerikanischen Besitzungen geübt. Eines der markantesten Beispiele dafür stellt sein vehementes Plädoyer gegen die Institution der Sklaverei dar. 7 Die menschenunwürdige Behandlung versklavter Indianer und Schwarzer, die er auf seiner Amerikareise vielfach beobachtete, wurde von ihm immer wieder aufs Schärfste verurteilt und sein Einsatz für die Abschaffung der Sklaverei geht zweifelsohne weit über ein bloßes Lippenbekenntnis hinaus. 8 Besonders hart geht er dabei mit jenen Zeitgenossen ins Gericht die
„[...] mit schönen philosophischen Redensarten im Munde doch die ersten Grundsätze der Philosophie durch ihre Handlungen verleugnen, mit dem Raynal in der Hand ihre Sklaven mißhandeln und mit Enthusiasmus von der wichtigen Angelegenheit der Freiheit redend, die Kinder ihrer Neger einige Monate nach der Geburt verkaufen.“ 9
Ob Humboldt selbst aber den Angehörigen anderer Ethnien wirklich völlig vorurteilsfrei begegnete, ob er sie als gleichwertige und ihm intellektuell ebenbürtige Individuen erlebte, ist eine Frage, die nicht einfach zu beantworten ist. Wie im Folgenden gezeigt werden soll, weisen Humboldts antirassistische Einstellung und seine Berichterstattung oftmals Inkongruenzen auf.
Eine Passage, die häufig zitiert wird, um zu illustrieren, daß der „preußische Adelige“ sich unter allen Klassen der amerikanischen Kolonialgesellschaft wie unter Seinesgleichen bewegt habe, stammt aus einem Brief Humboldts vom 18. November 1799 an Reinhard und Christiane von Haeften. Hier berichtet er von den Bällen der Gesellschaft Cumanás auf denen
4 vgl. Pratt 1992, S. 136
5 Humboldt 1986, Bd. II, S.147
6 Humboldt 1986, Bd. II, S. 350; siehe auch Faak 1993, S.13
7 Gartz 2001
8 vgl. Brann 1954, S. 11
9 Humboldt 1999, S. 78
3
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Anita Breuer, 2002, Alltagsbegegnungen Alexander von Humboldts mit Angehörigen der kolonialen Unterschicht während seiner amerikanischen Forschungsreise, Munich, GRIN Publishing GmbH
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