Die Pflichtprüfung von Aktiengesellschaften in Deutschland findet ihren Ursprung in der am 19.September 1931 vom Reichspräsidenten erlassenen ersten Notverordnung zur Pflichtprüfung. Die Verordnung wurde mit dem Ziel erlassen, das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Abschlußinformationen zu stärken.
Heute schreitet der Globalisierungsprozeß der Industrie und der Kapitalmärkte immer schneller voran. Diese fortwährende Industrialisierung des Wirtschaftslebens führt dazu, daß die Prüfung der Jahresabschlüsse nicht ausschließlich unter nationalen Gesichtspunkten zu sehen ist. Insbesondere internationale Rechnungslegungsvorschriften (IAS und US-GAAP) erfahren zunehmende Bedeutung. Diese Entwicklung führt dazu, daß zunehmend höhere Anforderungen an die Prüfungssysteme (ISA bzw. US-GAAS) nach denen solche Abschlüsse geprüft werden zu stellen sind. An dieser Entwicklung nimmt das IDW durch die Angleichung deutscher Standards an internationale Vorschriften teil.
Von besonderer Bedeutung sind die US-GAAS. Die stellen das einzige von der SEC akzeptierte Prüfungssystem dar, nach denen Unternehmen, die an einer USamerikanischen Börse notiert sind grundsätzlich zu prüfen sind. Entsprechendes gilt also auch für deutsche Unternehmen mit Notierung an der NYSE.
Nicht zuletzt durch Bilanzskandale in Deutschland, spätestens aber durch die Bilanzfälschungen in den USA und dem Zusammenbruch einer der größten Prüfungsgesellschaften, ist die Wirtschaftsprüfungsbranche international in das Kreuzfeuer der Kritik gerückt. Besonders die sog. Erwartungslücke4 belastet das Verhältnis zwischen der Öffentlichkeit und den Prüfern. Die Frage, die häufig gestellt wird ist, ob Bilanzfälschungen von den Wirtschaftsprüfern im Rahmend er Abschlußprüfung aufgedeckt werden müssen und ob die jeweiligen Prüfungssysteme dazu geeignet sind.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Gang der Untersuchung
2 Aufbau und Konzeption der Prüfungsgrundsätze
2.1 Das System der deutschen Prüfungsgrundsätze
2.2 Das System der amerikanischen Prüfungsgrundsätze
2.3 Unterschiede in den Systemen der Prüfungsstandards
2.4 Die Bedeutung der US-amerikanischen Prüfungsvorschriften für die deutsche Prüfungspraxis
3 Vergleich ausgewählter Standards
3.1 Genereller Prüfungsansatz
3.1.1 Prüfungsansatz nach deutschen Standards
3.1.2 Prüfungsansatz nach US-amerikanischen Standards
3.1.3 Unterschiede
3.2 Planung
3.2.1 Planung nach deutschen Prüfungsstandards
3.2.2 Planung nach US-GAAS
3.2.3 Unterschiede
3.3 Prüfungsnachweise
3.3.1 Prüfungsnachweise nach deutschen Prüfungsstandards
3.3.2 Die Prüfung der Vorratsinventur zur Erlangung von Prüfungsnachweisen nach IDW EPS 301
3.3.3 Prüfungsnachweise („evidential matters“) nach US-GAAS
3.3.3.1 Bestätigungen nach US-GAAS
3.3.3.2 Vorräte
3.3.4 Unterschiede
3.4 Risikoeinschätzung
3.4.1 Risikoeinschätzung nach deutschen Standards
3.4.1.1 Aufdeckung von Unregelmäßigkeiten im Rahmen der Abschlußprüfung
3.4.1.2 Das interne Kontrollsystem
3.4.2 Risikoeinschätzung nach US-amerikanischen Standards
3.4.2.1 Die Feststellung von „illegal acts“ im Jahresabschluß
3.4.2.2 Die Feststellung von „fraud“ im Jahresabschluß
3.4.2.3 Die Prüfung des IKS („Internal Control“)
3.4.3 Unterschiede
4 Schlußbemerkung und Ausblick
Zielsetzung und Themenfelder
Die Arbeit verfolgt das Ziel, einen detaillierten inhaltlichen Vergleich zwischen ausgewählten deutschen und US-amerikanischen Grundsätzen ordnungsmäßiger Abschlussprüfung vorzunehmen, um Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede in den jeweiligen Prüfungssystemen aufzuzeigen und deren Bedeutung für die internationale Prüfungspraxis zu analysieren.
- Genereller Prüfungsansatz bei der Abschlussprüfung
- Methodik der Prüfungsplanung
- Erlangung und Bewertung von Prüfungsnachweisen
- Risikoeinschätzung und Umgang mit Unregelmäßigkeiten
Auszug aus dem Buch
3.4.1 Risikoeinschätzung nach deutschen Standards
Wie in den vorangegangenen Kapiteln verdeutlicht wurde, hängt die Art und Weise der Prüfungshandlungen sowie das Urteil des Abschlußprüfers von dem festgestellten Risiko ab, in wie weit der Jahresabschluß Fehler enthalten kann. Im folgenden soll nun anhand des IDW EPS 210 „Zur Aufdeckung von Unregelmäßigkeiten im Rahmen der Abschlußprüfung“ und des IDW PS 260 „Das interne Kontrollsystem im Rahmen der Abschlußprüfung“ aufgezeigt werden, wie die festgestellten Risiken beurteilt werden müssen und welche Prüfungshandlungen durchgeführt werden müssen, damit mit hinreichender Sicherheit Unrichtigkeiten und Fehler entdeckt werden.
3.4.1.1 Aufdeckung von Unregelmäßigkeiten im Rahmen der Abschlußprüfung
Als erstes soll auf die Vorschriften des IDW EPS 210 eingegangen werden. Dieser Standard ersetzt die Stellungnahme HFA 7/1997: Zur Aufdeckung von Unregelmäßigkeiten im Rahmen der Abschlußprüfung. Der Standard konkretisiert und interpretiert die positive Suchverantwortung des Abschlußprüfers zur Aufdeckung von Bilanzdelikten nach § 317 Abs. 1 Satz 3 HGB. Durch diesen Paragraphen i.V.m. IDW EPS 210 wird die historische Verantwortung des Abschlußprüfers Bilanzdelikte und sonstige Gesetzesverstöße aufzudecken explizit übernommen. In IDW EPS 210 werden falsche Aussagen im Jahresabschluß als „Unregelmäßigkeiten“ bezeichnet und in drei Kategorien, „Unrichtigkeiten“, „Verstöße“ und „sonstige Gesetzesverstöße“ aufgeteilt (s. Darstellung 4).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Erläutert die Problematik, Zielsetzung und den Aufbau der Untersuchung zur Prüfung von Aktiengesellschaften.
2 Aufbau und Konzeption der Prüfungsgrundsätze: Beschreibt das deutsche und US-amerikanische Prüfungssystem sowie deren konzeptionelle Unterschiede.
3 Vergleich ausgewählter Standards: Detaillierter Vergleich der Ansätze bei Prüfungsplanung, Nachweiserlangung und Risikoeinschätzung.
4 Schlußbemerkung und Ausblick: Fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet zukünftige Entwicklungen infolge internationaler Skandale.
Schlüsselwörter
Abschlussprüfung, Prüfungsgrundsätze, US-GAAS, IDW PS, Risikoeinschätzung, Prüfungsnachweise, Planung, internes Kontrollsystem, Bilanzdelikte, Unregelmäßigkeiten, Wirtschaftsprüfer, Sarbanes-Oxley Act, Rechnungslegung, Prüfungshandlungen, Unabhängigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt eine vergleichende Analyse zwischen deutschen und US-amerikanischen Grundsätzen ordnungsmäßiger Abschlussprüfung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf dem generellen Prüfungsansatz, der Prüfungsplanung, den Prüfungsnachweisen sowie der Risikoeinschätzung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, einen inhaltlichen Vergleich dieser Standards darzustellen und eventuell vorhandene Unterschiede aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt ein systematischer Vergleich der einschlägigen Normen (IDW-Standards vs. US-GAAS) unter Einbeziehung der Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die konkreten Anforderungen an den Prüfungsansatz, die Planung, die Nachweisgewinnung und die Risikobeurteilung in beiden Systemen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Abschlussprüfung, Prüfungsgrundsätze, Risikoeinschätzung, Prüfungsnachweise und internes Kontrollsystem.
Welche Bedeutung haben die US-amerikanischen Vorschriften für deutsche Prüfer?
Aufgrund der Globalisierung und der Notierung deutscher Unternehmen an US-Börsen gewinnen US-GAAS und die Vorgaben der SEC indirekt an Bedeutung für die deutsche Prüfungspraxis.
Wie wird mit „fraud“ und „illegal acts“ umgegangen?
Die Arbeit stellt dar, wie beide Systeme den Umgang mit vorsätzlichen Falschangaben (Fraud) und Gesetzesverstößen regeln und welche Verantwortung der Prüfer dabei trägt.
- Quote paper
- Marc Gittler (Author), 2002, Vergleichende Analyse ausgewählter US-amerikanischer und und deutscher Grundsätze ordnungsmäßiger Abschlußprüfung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20057