„Selektionsforschung kritisch betrachtet“ Seminarthema „Selektion im Web“
Inhalt
I. Situationsbetrachtung 1
II. Theoretische Grundlagen 3
III. Überblick über den Forschungsstand 8
III.1 Methoden 9
III.2 Ergebnisse 11
2.1 Navigationsmuster per Logfile-Analyse
2.2 Suchstrategien bei Laien und Experten
2.3 WEBSAY-Projekt
III.3 Probleme 15
IV. Literaturverzeichnis 18
I. Situation
Hypertextualität und Reizüberflutung, Transparenz und Selektionsdruck, Interaktivität und Informationssumpf: Bei der Betrachtung der aktuellen Nutzungssituation im World Wide Web liegen Möglichkeiten und Gefahren eng beieinander. Die unter Umständen nützliche - manchmal unentbehrliche - Unterstützung seitens der übergeordneten Navigationshilfen, namentlich (Meta-) Suchmaschinen, Kataloge und redaktionelle Startangebote von Online-Diensten, kann die chaotische Struktur der Netzwerke, aus denen das Internet besteht, nur begrenzt aufwiegen. Das größte Problem bei der Nutzung des Informationsangebotes im WWW ist nach wie vor die Frage, wo in dem Dschungel von Datenbanken man fündig werden kann. Ein kurzer Verweis auf den viel zitierten Begriff ’Lost in Hyperspace’ sollte hier genügen.
Da die Nutzer des Internet schon länger keine Randgruppe mehr darstellen und das WWW, wenn schon nicht als neuer Markt, so doch als neuer Kommunikationsraum eine wichtige Rolle spielt, ist es für die Wissenschaft sicher nicht verkehrt, sich mit der Funktion dieses Speichers „unbegrenzter“ Information auseinander zu setzen. Theoretische Grundlagen für das Phänomen Surfen im Web sind nötig, um sich die Mechanismen dieses Medienmodus zu verdeutlichen. Wahrscheinlich genauso wichtig ist aber die empirische Forschung, denn mit Theorien allein lassen sich konkrete Nutzungssituationen von Information Retrieval bis Serendipitous Browsing nur unzureichend in ihrem natürlichen Lebensraum - der Anwendung - erfassen. Neben der mehr oder minder gezielten Suche nach Informationen ist aber auch der Unterhaltungsfaktor des WWW zu betrachten, da viele Nutzungen durch Langeweile, Stimulationshunger, Eskapismus oder ähnliches motiviert sind. Information und Unterhaltung sind nicht immer leicht zu trennen („Infotainment“), müssen aber aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht differenziert werden.
Aspekte wie der Aufwand kognitiver Art und die Bereitschaft, sich ablenken oder treiben zu lassen, sind je nach Motivation und Involvement beim freien Surfen gegenüber einer konkreten Problemsituation unterschiedlich gewichtet.
Wie auch schon in der Medienwahltheorie festgestellt, ist die Nutzung eines kommunikativen Modus wie des WWW in hohem Maße von individuellen und situativen Faktoren abhängig. Diese Faktoren sind oft eng miteinander verwoben und nur schwer zu trennen. Wie die schon erwähnte Transparenz: Die Möglichkeit, einen Überblick über das
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I. Situation
Informationsangebot zu erhalten, hängt genauso von der medienmodus- bzw. situationsbezogenen Gestaltung der Optionen ab wie von den nutzerbezogenen Kenntnissen und Erfahrungen.
Die Rezipienten müssen durch immer mehr für sie Irrelevantes navigieren, um ihr kommunikatives Ziel zu erreichen und brauchen dazu Strategien. So sind auch die Ergebnisse der wissenschaftlichen Arbeit auf diesem Gebiet im Bereich des Webdesigns und der Informationsgestaltung zur Anwendung gekommen, um die Voraussetzungen für ein schnelleres Zurechtfinden und somit effektivere Nutzung zu schaffen. Die Produzenten können desweiteren ihr Angebot auf die Selektionsstrategien der Nutzer anpassen und so erfolgreicher publizieren. Allerdings nutzen die besten präskriptiven Suchstrategien nichts, wenn sie nicht vom Menschen praktisch in Gebrauch genommen werden. Auch deshalb ist die Forschung am Objekt Nutzer wichtig, denn der Anspruch der Wissenschaft geht ja meist über reines Dokumentieren hinaus. Eine möglichst exakte Analyse der tatsächlichen Nutzungsgewohnheiten und Phänomene bildet die Grundlage für Ansätze zur Problemlösung.
Wie und wonach wird also geforscht, welche Gruppen werden untersucht, wie zeichnet man Entscheidungsmuster auf und: Sind die Ergebnisse verschiedener Studien sinnvoll vergleichbar? Fragen, auf die im Folgenden unter Betrachtung ausgewählter Studien eingegangen werden soll.
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II. Theoretische Grundlagen Definition von Selektion
„Der Aspekt des Nutzungs- und Rezeptionsprozesses (und damit als Teilprozess), bei dem vor dem Hintergrund begrenzter Ressourcen die eingehende bzw. aufgenommene Informationsmenge auf ein erträgliches Maß für die Weiterverwendung reduziert wird.“ 1
Dieser Vorgang lässt sich in unterscheidbare Phasen unterteilen, die bis zum Erreichen des kommunikativen Zieles, also der Befriedigung eines Bedürfnisses nach Information, Unterhaltung oder sozialem Kontakt, durchlaufen werden. Besteht ein solches Bedürfnis, muss nach Donsbach (1991: 24ff.) zuerst eine präkommunikative Medien- bzw. Moduswahl stattfinden, nach der sich der Rezipient einem bestimmten redaktionellen Medienprodukt zuwendet. Die eigentliche kommunikative Phase besteht aus der Angebotsauswahl, die der Rezipient innerhalb des redaktionellen Angebots trifft, und der eigentlichen Rezeption der Inhalte. Während der letzten - der postkommunikativen - Phase werden die rezipierten Inhalte „potentiell bis zum Ende der Hirnfunktion eines Rezipienten“ verarbeitet, auf die persönlichen Bedürfnisse angewandt und später ggf. erinnert. Dabei wird der gesamte Bereich der Medienzuwendung als Selektion bezeichnet. Eine exaktere Einteilung bietet das folgende Ablaufmodell 2 der Mediennutzung, bei dem zwischen Selektion, Evaluation und Rezeption unterschieden wird:
1 In: W. Wirth & W. Schweiger „Selektion neu betrachtet:“ S.46
2 In: W. Schweiger „Hypermedien im Internet.“ S. 79
II. Theoretische Grundlagen
Mit Selektion ist hier nur die physische Handlung des Rezipienten gemeint, zum Beispiel das Anklicken eines Links. Der eigentliche kognitive Prozess findet mit der Evaluation statt, die ja vor allem der Bewertung des Inhaltes hinsichtlich des Informationsgehaltes, der Relevanz und der Abwägung verschiedener Optionen dient. Wann geht der Rezipient von einer Phase in die nächste über?
Sobald der Nutzen einer Selektionshandlung als Verbesserung des vorangegangenen Zustandes evaluiert wird, beginnt die Rezeption. Sowohl in der der Selektionsphase, als auch bei der Evaluation muss ständig aufgenommen und verarbeitet werden. Und vermutlich wird auch während jeder der angegebenen Phasen die Evaluation kaum unterbrochen. Wenn nun während der eigentlichen Rezeption kein weiterer Nutzen erkannt wird, kann natürlich jederzeit abgebrochen werden, was oft eine neue Selektionshandlung zur Folge hat. Es findet ein ständiges, peripheres - oft unbewusstes -Scannen der Inhalte statt, um eine Bewertung überhaupt erst zu ermöglichen. Dieses Modell bietet ein grundlegendes Raster eines Teilbereiches des Nutzungsablaufes, wobei im konkreten Fall die Anzahl der Selektions- und Rezeptionshandlungen stark von der Komplexität der Suchaufgabe bzw. von der Länge des Weges zum gesuchten Inhalt abhängt und somit stark variieren kann. Wenn ich lange nach einem bestimmten Link bzw. einer Seite suchen muss, steigt auch die Anzahl der Selektionsentscheidungen. Ungeklärt bleibt hier jedoch die Frage der Reihenfolge. Muss die Mediennutzung wirklich immer mit einer Selektionsphase anfangen, oder kann eine Nutzungssituation nicht auch mit der Rezeption einer bestimmten Webseite beginnen, an die sich weitere Recherche samt Selektion und Evaluation anschließt? Selektions-beeinflussende Faktoren
Wie letztendlich im World Wide Web über Navigationsschritte entschieden wird, hängt in hohem Maße von den grundlegenden Vorraussetzungen ab, die aus der Beschaffenheit des Medienmodus resultieren. Die in der folgenden Übersicht zusammengefassten Kriterien der Selektionssituation hängen eng miteinander zusammen und bedingen sich teilweise gegenseitig. So ist zum Beispiel der kognitive Aufwand (Situation) einer Selektionsentscheidung eher gering, wenn der Nutzer viel Erfahrung und eine hohe Habitualisierung mitbringt (Personenmerkmale). Der hohe Grad an Reversibilität, der
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Arbeit zitieren:
B.A. Felix Reid, 2003, Selektionsforschung - eine kritische Betrachtung, München, GRIN Verlag GmbH
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