Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis II
Abbildungsverzeichnis. IV
Abk ürzungsverzeichnis. V
1. EINLEITUNG. 1
2. GRUNDLAGEN 2
2.1. Grundbegriffe. 2
2.2. Aufgabenprofil der Unternehmensethik. 4
2.3. Konzeptionen der Wirtschafts- und Unternehmensethik im
deutschsprachigen Raum 6
2.3.1. Unternehmensethik als Problem der Rahmenordnung nach K. Homann 6
2.3.2. Unternehmensethik als Ergebnis von Kommunikationsprozessen nach H.
Steinmann und P. Ulrich. 7
2.4. Fazit 9
3. ETHIK- MANAGEMENT 10
3.1. Unternehmensethik als Managementaufgabe 10
3.2. Die Implementierung von Unternehmensethik in Entscheidungs- und
Planungsprozesse. 11
4. UMSETZUNG VON UNTERNEHMENSETHIK 12
4.1. Kodifizierung von Unternehmenswerten 12
4.1.1. Idee. 12
4.1.2. Umsetzung. 13
4.1.3. Kritische Würdigung. 15
4.2. Implementierungsstrategien. 16
4.2.1. Der Compliance- Ansatz. 16
4.2.1.1. Idee 16
4.2.1.2. Compliance bei Banken 19
4.2.1.3. Kritische Würdigung 20
4.2.2. Ein alternatives Steuerungsmodell: Der Integrity- Ansatz. 22
4.2.2.1. Charakteristika 22
4.2.2.2. Chancen und Risiken. 23
4.3. Organisationsstrukturelle Maßnahmen. 24
4.3.1. Idee: Die Organisationsstruktur als Quelle unmoralischen Handelns. 24
4.3.2. „Ethikfreundliche“ Organisationsstrukturen 26
4.3.3. Kritische Würdigung. 28
II
4.4. Organisationskulturelle Maßnahmen 29
4.4.1. Idee: Organisationskulturelle Barrieren 29
4.4.2. Kulturbewusstes Management statt Kulturmanagement. 31
4.4.2.1. Ethikorientierte Personalentwicklung 32
4.4.2.2. Betriebliche Sozialisationsbedingungen. 33
4.4.3. Fazit 34
4.5. Strategien auf moralische Herausforderungen aus Markt und Umwelt. 36
4.5.1. Allgemein. 36
4.5.2. Social Accountability 8000- Ein praktikables Instrument zur freiwilligen
Umsetzung von Sozialstandards 37
4.5.3. Fazit 39
4.6. Ethik- Audits 40
4.6.1. Idee. 40
4.6.2. Praktische Vorgehensweisen 40
4.6.3. Kritische Würdigung. 41
5. FAZIT 42
Anhang. 45
Quellenverzeichnis 54
III
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Merkmale und Implementation von Compliance- und
Integrity- Ansatz
Abbildung 2: Ethik- Management- Programm
Abbildung 3: Unternehmensethik im betrieblichen Planungs- und
Entscheidungsprozess
Abbildung 4: Management of Values - Werteviereck
Abbildung 5: Ethik von Organisationen: Moralische Entwicklungsstufen
Abbildung 6: Das Sechs- Stadien- Schema nach Kohlberg
Abbildung 7: Drei Stufen ethischen Argumentierens
Abbildung 8: Survey outcomes indicating key features most strongly
linked to perceptions of an honest workplace
Abbildung 9: Beispiele für freiwillige Selbstverpflichtungen
Abbildung 10: Phasen des Zertifizierungsprozesses SA 8000
Abbildung 11: Normative Grundlage von SA 8000
Abbildung 12: Entwicklung der Zertifizierungsinitiativen
IV
Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung Aufl. Auflage Bd. Band bzw. beziehungsweise Ebenda siehe letzte Quelle f. folgende [Seite] ff. folgende [Seiten] Hrsg. Herausgeber ICAL Independent Commission Against Corruption i. d. R. in der Regel ILO International Labour Organization i. S. im Sinne o. V. ohne Verfasser PR Public Relations SA Social Accountability u. und v. a. vor allem Vgl. Vergleiche z. B. zum Beispiel
V
1. Einleitung
Das Interesse der Gesellschaft an den Wirkungen unternehmerischen Handelns steigt. Beispiele wie Shell (Brent Spar), Nike (Arbeitsbedingungen bei den Lieferanten), Telekom (Gehaltserhöhung der Vorstände), Mannesmann (Abfindung von Topmanagern) oder Enron (Bilanzierungstricks) zeigen, dass in der Öffentlichkeit unternehmerische Handlungen zunehmend kritisch reflektiert werden. 1 Zwar verdanken die traditionellen Wirtschaftsordnungen der westlichen Industrieländer ihre Legitimation dem hohen materiellen Leistungsstandard und der allgemeinen Prosperität, die sie erzeugt haben, doch findet die ausschließende Konzentrierung auf strategische Rationalität und Nutzenmaximierung keine Rechtfertigung mehr. 2 Es reicht nicht mehr aus, das Jahresergebnis zu erhöhen und für einen steigenden Aktienkurs zu sorgen, weil erwartet wird, dass der Gewinn auf verantwortbare Weise entsteht. „Nur das Gleichgewicht von Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft gewährleistet die Stabilität, die für unseren Erfolg ausschlaggebend ist. Das gilt für unsere unternehmensinternen Abläufe und Prozesse im gleichen Maße wie für unsere Beziehungen zu anderen gesellschaftlichen Akteuren.“ 3 Es stellt sich also nicht mehr die Frage, ob Unternehmen eine gesellschaftliche Rolle ausüben, sondern wie sie die unterschiedlichen Vorstellungen seitens der Politik, der Kunden, der Lieferanten, der Aktionäre und auch der Mitarbeiter in ihre alltäglichen Entscheidungsprozesse integrieren können. Durch welche Maßnahmen und Prozesse kann im alltäglichen Handeln eine Synthese aus ökonomischen Anforderungen und ethischen Forderungen hergestellt werden? In den USA liefert die Business- Ethics-Bewegung hierzu bereits Vorschläge und praktische Modelle zur Umsetzung von ver-antwortlichem Handeln im unternehmerischen Alltag, während empirische Studien in Deutschland zeigen, dass beim Thema Unternehmensethik noch sehr viel Unsicherheit herrscht: „Es muss fast erschrecken, wie einseitig Unternehmensethik mit Umweltschutz- und zwar als technisches Problem- gleichgesetzt wird, und wie selten beispielsweise die Arbeitsplatzfrage als spezifisch unternehmensethisches Problem eingeschätzt wird“. 4 Damit lässt sich die Problemstellung folgendermaßen skizzieren: Auf der einen Seite verlangt die kritische Öffentlichkeit, dass Unternehmen ihren Auftrag nicht mehr ausschließlich als Nutzen- und Gewinnmaximierung definieren, sondern unterschiedliche gesellschaftliche Wertvorstellungen berücksichtigen. Auf der anderen Seite herrscht bei Managern sehr viel Unklarheit und Unsicherheit darüber, welche
1 Siehe auch: „Zementkartell muss 661 Millionen Euro zahlen (Die Welt, 15.03.2003)“; „Unternehmen leiden unter dem Verfall der Sitten - Studie: Immer mehr Manager an Wirtschafts- Straftaten beteiligt - Berater kritisieren mangelhafte Vorsorge (Die Welt, 14.03.2003).“
2 Vgl. Buss, Eugen (1995), S. 189.
3 BASF (2001), S. 4.
4 Ulrich, Peter/ Lunau, York/ Weber, Theo (1998), S. 166.
1
praktischen Konsequenzen verantwortungsbewusstes (ethisches) Handeln mit sich bringt, wenn es ernsthaft und ehrlich gemeint ist und nicht nur als PR-Maßnahme fungiert. Daher lautet ein Ziel dieser Arbeit, ein Bewusstsein für die Bedeutung von Unternehmensethik zu schaffen, und das zweite, Möglichkeiten vorzustellen, wie Unternehmensethik im unternehmerischen Alltag umgesetzt werden kann. Es soll gezeigt werden, dass die praktische Umsetzung einen ganzheitlichen Prozess darstellt, der nicht nur Auswirkungen auf die unternehmerische Umwelt hat, sondern auch die soziotechnische Strukturen innerhalb des Unternehmens umfasst. Dieser Prozess ist mit verschiedenen Restriktionen und Barrieren behaftet, die erheblich zum Erfolg oder Misslingen beitragen können. Aufgrund des begrenzten Umfanges der Arbeit kann allerdings kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben werden. Nachfolgend werden zunächst wichtige Grundbegriffe erklärt, das Aufgabenprofil von Unternehmensethik erläutert und grundlegende Konzeptionen der Wirtschafts- und Unternehmensethik im deutschsprachigen Raum vorgestellt, die die philosophische Basis dieser Arbeit bilden. Nachdem die Bedeutung und Funktion des Ethik- Managements skizziert worden ist, werden die Bausteine des Implementierungsprozesses von Unternehmensethik erläutert und kritische evaluiert: Am Beginn steht die Formulierung eines Leitbildes. Hierauf bauen grundlegende Implementierungsstrategien auf, welche im Unternehmen mit organisationsstrukturellen Lösungen und mit Beeinflussung der Unternehmenskultur umzusetzen und nach außen durch entsprechende unternehmerische Strategien zu kommunizieren sind. Abschließend gilt es, die Bemühungen des Ethik- Managements über Audits zu kontrollieren.
2. Grundlagen
2.1. Grundbegriffe
Im Folgenden werden die Begriffe Ethik, Moral, Werte, Normen und Wirtschaftsethik skizziert, weil sie eine wichtige philosophische Grundlage für diese Arbeit bilden. Die Begriffe Ethik und Moral werden im umgangssprachlichen Gebrauch oft synonym verwendet. Tatsächlich ist die lateinische Übersetzung mos/mores die griechische Übersetzung für ethos und bezeichnet eine Gewohnheit, einen Brauchtum und eine Sitte. Schon bei Sokrates wird dem Begriff Ethos eine zweite Bedeutung zuteil, nämlich die Frage nach dem, was gut und recht ist zu tun. 5 In dieser Betrachtung liegt die wissenschaftlich definitorische Unterscheidung zwischen Ethik und Moral. Während Moral die in einer Gruppe oder Organisation geltenden und notfalls erzwingbaren Normen
5 Vgl. Rich, A. (1991), S.15 ff.
2
sowie Werte und Haltungen zu einem bestimmten Zeitpunkt umfasst, reflektiert Ethik das Seiende und fragt normativ nach dem, was sein soll. Was sollen wir tun ist die Grundfrage der ethischen Diskussion. Allerdings kann nur demjenigen die Frage nach dem gut und böse, nach richtig und falsch zugemutet werden, der eine freie Willensentscheidung treffen kann, weil er Freiraum für seine Eigeninteressen hat. Ein Unternehmen oder ein einzelner Mensch kann nur dann ethisch handeln und Verantwortung übernehmen, wenn sein Tun nicht schon im Vorhinein zum Beispiel durch äußere Zwänge (Wettbewerbsdruck) oder durch eine innere psychische Disposition (fehlende Zurechnungsfähigkeit) determiniert ist. 6 Bei der Beantwortung der ethischen Frage, wie ein sittlich hochstehendes Leben zu gestalten ist, spielen Werte eine wesentliche Rolle. Sie besitzen jene Qualität, die den Grund dafür angibt, dass sie für wichtig empfunden, geschätzt und begehrt werden. Da eine Präferenzordnung individuell unterschiedlich ausfällt, ergibt sich für Unternehmen vor dem Hintergrund der eingangs beschriebenen unterschiedlichen Erwartungshaltungen der Stakeholder das Problem, einen geeigneten Maßstab zu finden, um möglichst vielen Wertvorstellungen gerecht zu werden. Die bewusste Orientierung an Maßstäben führt zu Normen, die den Rahmen dessen beschreiben, was in Ordnung, was normal ist. Sie schreiben präskriptiv ein bestimmtes Verhalten vor und erheben einen Anspruch auf Verbindlichkeit. Normen haben im gewissen Sinne eine entlastende Funktion, als sie für Handlungssituationen, Problem-oder Konfliktfälle, bereits vorbedachte und vorüberlegte Handlungsalternativen ermöglichen. 7 Allerdings herrschen auch bei Normen unterschiedliche Auffassungen darüber vor, welche gut und welche schlecht sind, sodass Unternehmen vor der Aufgabe stehen, Verfahren zur Begründung von allgemein akzeptierten Richtlinien zu entwickeln. Während Ethik als Theorie der Moral danach fragt, welche menschlichen Handlungen gut und richtig sind, reflektiert Wirtschaftsethik über wirtschaftliches Agieren und befasst sich mit der Frage, wie legitimes Handeln gefördert werden kann. Wirtschaftsethik lässt sich in eine Makro-, Meso- und Mikroebene untergliedern: In der Makroebene ist die Wirtschaftsordnung Gegenstand ethischer Reflektion: Wie sind die Rahmenbedingungen zu gestalten, dass ein friedliches Zusammenleben aller erreicht wird?
Auf der Mesoebene kommt die Unternehmensethik zum Tragen. Hier lauten zentrale Fragestellungen: In welchem Rahmen können (oder müssen) Unternehmen zu einem friedvollen Zusammenleben beitragen? Können Unternehmen sowohl ethisch als auch erfolgreich handeln oder schließt die Verfolgung ethischer Prinzipien Gewinnstreben aus? Welche unternehmensstrukturellen und -kulturellen Bedingungen ermöglichen ethisch gerechtfertigtes Verhalten?
6 Nach Aristoteles führen Zwang, Nötigung, Irrtum und Geisteskrankheit zur Einschränkung der Veranwortung.
7 Vgl. Dietzfelbinger, Daniel (2002), S. 69.
3
Die Mikroebene beschäftigt sich mit der Individualethik. Dort werden Pflichten des Einzelnen gegenüber sich und der Umwelt formuliert. Individualethische Fragestellungen besitzen deswegen immer Relevanz, weil zum Beispiel unternehmerisches Handeln immer von Menschen entschieden und umgesetzt wird. 8 Diese analytische Trennung zwischen System (Wirtschaftsordnung), Institution (Unternehmen) und Individuum (Führungskraft, Mitarbeiter) lässt sich in der alltäglichen Praxis nicht hundertprozentig durchhalten, da es zu Überschneidungen kommt. Aber sie dient als Hilfskonstruktion, um die Frage zu beantworten, wie die Diskrepanz zwischen wirtschaftlichem Sein und Sollen, also die ethische Frage der Ökonomie, auf den einzelnen gestaltenden Ebenen beantwortet werden kann. 9
2.2. Aufgabenprofil der Unternehmensethik
Unternehmensethik beschäftigt sich grundsätzlich mit dem Reflektieren unternehmerischen Agierens. Dabei sind vor allem Konfliktsituationen auslösendes Moment, in denen gerade die Diskrepanz zwischen dem Sein und Sollen bewusst wird. Ausgehend von empirischen Befunden, wonach das Bewusstsein über konkrete Problemfelder der Unternehmensethik im Wesentlichen auf allgemein übliche, keine besonderen Reflexionsprozesse erfordernde Themen beschränkt ist 10 , soll an dieser Stelle ein differenziertes Aufgaben- und Konfliktspektrum illustriert werden, in dem ethische Fragen existieren, zu deren Klärung Unternehmensethik einen Beitrag leisten kann. Dabei wird im Folgenden nach Intra- Team-, Inter-Team- und Extra-Team- Beziehungen unterschieden: 11
Intra- firm- Beziehungen betreffen die Zusammenarbeit von internen Stakeholdergruppen, insbesondere das Management und die Mitarbeiter. Hier besitzt zum Beispiel der Leistungserstellungsprozess eine moralische Dimension, wenn es gilt, vermutete Gesundheits- und Umweltgefährdungen bei den Mitarbeitern zu vermeiden, und zwar auch jenseits von staatlichen oder tarifvertraglichen Standards. Daneben ergeben sich auch aus dem Umgang der Beteiligten ethische Fragen. Wichtige Themen sind die Diskriminierung von Frauen, sexuelle Belästigung, Mobbing, der Umgang mit personenbezogenen Daten oder eine gerechte Entlohnung.
Bei Inter- firm- Beziehungen werden mögliche Konfliktfelder zwischen einem Unternehmen und externen Stakeholdergruppen angesprochen, zu denen Fremdkapitalgeber, Zulieferer, Kunden und Wettbewerber gehören. Eine typische ethische Entscheidungssituation entsteht zum Beispiel dann, wenn für die Vergabe von Aufträgen
8 Vgl. Noll, Bernd (2002), S. 36.
9 Vgl. Dietfelbinger, Daniel (2002), S. 90ff.
10 Vgl. Ulrich, Peter/ Lunau, York/ Weber, Theo (1998), S. 166.
11 Vgl. Wieland, Josef (1998), S. 35 ff. ; vgl. hierzu auch Enderle, G. (1983) zit. in Dietzfelbinger, Daniel (2002), S. 142f.
4
Schmiergeld angeboten wird und der Mitarbeiter eines Unternehmens nicht weiß, wie er sich verhalten soll, zumal vom Auftrag eventuell viele Arbeitsplätze abhängen. Gerade hier ist es Aufgabe einer praxisbezogenen Unternehmensethik, zu klären, wie mit dieser Dilemmasituation umgegangen wird, sei es in Form von Verhaltensrichtlinien auf Unternehmensebene oder in Form eines Branchenkodex. 12
Extra- firm- Beziehungen unterscheiden sich von den vorherigen dadurch, dass externe Stakeholder wie Gewerkschaften, Menschenrechts- und Umweltschutzgruppen, Medien, Kommunen, Staat, etc. in keiner Marktbeziehung zum Unternehmen stehen. Allerdings weisen die eingangs zitierten Skandale darauf hin, dass das gesellschaftliche Umfeld einen entscheidenden Einfluss auf die Reputation und damit auf die Existenz eines Unternehmens ausüben kann. Zum Beispiel kann durch Boykottaufrufe und Medienberichte in kürzester Zeit das mühsam aufgebaute Image eines Unternehmens negativ beeinflusst werden, sodass Konsumenten vermehrt Produkte der Konkurrenz nachfragen. J. Wieland hat vier Konfliktfelder unterschieden, um das recht umfassende Spektrum unternehmensethischer Aufgaben einzugrenzen: 13 1. Zigaretten, Alkohol, Kernenergie, Wehrtechnik und Gentechnik gehören zu moralisch sensiblen Produkten. Bei diesen Produkten muss ein Unternehmen nicht nur nachweisen, dass sein Produkt die Qualitäts- und Preisvorstellungen der Nachfrager trifft, sondern auch, ob auch ein gesamtwirtschaftlicher Nutzen damit ver-bunden ist.
2. Moralisch sensible Produktionsmethoden im Bereich der Landwirtschaft, Pelzverarbeitung, in der Kosmetikindustrie oder auch im Banken- oder Versicherungs-sektor lenken den Blick auf weitere Problemfelder. Banken als Kreditgeber für Kernkraftwerke müssen sich als Risikoträger im Schadensfall fragen lassen, ob sie durch ihr Engagement moralische Mitverantwortung zu tragen haben. 3. Die Legitimität moralisch sensibler Transaktionen wird dann diskutiert, wenn zum Beispiel ein Unternehmen Beziehungen zu Ländern oder Partnern unterhält, die nach westlichem Verständnis Menschenrechte verletzen. Kinderarbeit ist zwar offiziell in vielen Entwicklungsländern verboten, trotzdem inoffiziell geduldet, weil sie einen wichtigen wirtschaftlichen Faktor darstellt. Daher muss ein Unternehmen, das Produktionsstätten in solche Länder ausgelagert hat, damit rechnen, dass seine Produkte öffentlich in einen kausalen Zusammenhang mit notorischem sozialen Elend gebracht werden.
4. Auch moralisch sensible Standortentscheidungen führen dazu, dass Unternehmen einem öffentlichen Rechtfertigungsdruck ausgesetzt werden, wenn sie
12 Vgl. Ethikmanagement der Bauwirtschaft e.V. (1998), S. 245 ff.
13 Vgl. Wieland, Josef (1998), S. 40 ff.
5
Produktionsprozesse in Länder mit komparativen Lohnkostenvorteilen ausgliedern, was im Inland mit einem Abbau von Arbeitsplätzen verbunden ist. Es wurde deutlich, dass das Aufgabenspektrum von Unternehmensethik sehr vielschichtig ist, da sowohl unternehmensintern, als auch im unternehmerischen Umfeld ein breites Konfliktpotenzial vorhanden ist. Daraus folgt zum einen, dass praktische Unternehmensethik nicht nur auf eine Spendenethik reduziert werden kann und auch nicht mit dem Gewissen des Unternehmers oder eines Managers gleichzusetzen ist, sondern eine strategische Wachsamkeit aller Mitarbeiter erfordert. Zwar ermöglicht Unternehmensethik eine Sensibilisierung für ethische Probleme und Konflikte, doch ohne konkrete Vorschläge zur Behebung dieser Dilemmasituationen wird sie praxisuntauglich bleiben. Das Ziel lautet also, die Funktionsfähigkeit der internen und externen Beziehungen des Unternehmens zu sichern und zu fördern. Allerdings besteht in der wissenschaftlichen Diskussion eine unterschiedliche Auffassung darüber, in welchem Umfang eine selbstständige Unternehmensethik einen aktiven Beitrag dazu leisten kann. Nachfolgend soll nun ein Überblick über die wesentlichen konzeptionellen Vorschläge zur Wirtschafts- und Unternehmensethik im deutschsprachigen Raum gegeben werden.
2.3. Konzeptionen der Wirtschafts- und Unternehmensethik im deutschsprachigen Raum
2.3.1. Unternehmensethik als Problem der Rahmenordnung nach K. Homann 14
Der unternehmensethische Ansatz Homanns basiert auf dem klassischen Ansatz Adam Smiths, wonach der gesellschaftliche Gesamtnutzen durch das individuelle Gewinnstreben der Wirtschaftssubjekte erreicht wird. Zwecks Optimierung des Allgemeinwohls werden Dilemmastrukturen etabliert, welche Unternehmen nur dadurch überwinden können, indem sie versuchen, individuell vorteilhafte Außenseiterpositionen zu besetzen. Die Spielregeln für den marktwirtschaftlichen Wettbewerb werden in der Rahmenordnung getroffen, welche für alle Wettbewerber gleichermaßen gelten und von allen akzeptiert werden. Aufgrund der ökonomischen Rationalität, die sich im konsequenten Gewinnstreben ausdrückt, werden nicht-ökonomische Werte im Optimalfall ausschließlich über die Rahmenordnung normativ ins Spielgeschehen eingebracht und nicht seitens der Unternehmen, weil sie ansonsten Gefahr laufen, wichtige Marktanteile zu verlieren: „Der systematische Ort der Moral in der Marktwirtschaft ist die Rahmen-
14 Vgl.ausführlich: Homann, Karl, 1994: Marktwirtschaft und Unternehmensethik; 1992: Marktwirtschaftliche Ordnung und Unternehmensethik; 1998: Normativität angesichts systemischer Sozial- und Denkstrukturen.
6
ordnung.“ 15 Nach Homann kommt Unternehmensethik erst dann ins Spiel, dass die Rahmenordnung aus praktischen und systematischen Gründen nie vollständig und lückenlos ausgestaltet ist. 16 Solche Ordnungsdefizite sind zum Beispiel Lücken in der Gesetzgebung oder Defizite im Kontrollsystem. Unternehmen können diese Defizite nur hilfsweise und vorübergehend, also provisorisch auffangen. „Seiner moralischen Verantwortung wird ein Unternehmen dadurch gerecht, dass es auf die Defizite in der Rahmenordnung hinweist, bei den zuständigen Stellen durch politische Aktion die er-forderliche Kollektivregelung anmahnt und mitarbeitet, diese Defizite abzubauen.“ 17 Für Homann kommt der Unternehmensethik eher eine subsidiäre Funktion zu, während der wirtschaftsethische Ansatz im Vordergrund steht. Aus pragmatischer Sicht bietet die Konzeption für Unternehmen vor allem für externe Konfliktfelder einen Lösungsansatz. Zum Beispiel kann über eine kollektive Lösung (z. B. Selbstverpflichtung) erreicht werden, dass moralische Anforderungen erfüllt werden und gleichzeitig ein verbindlicher normativer Rahmen für alle Wettbewerber geschaffen wird. Allerdings kann kritisiert werden, dass dieser Lösungsvorschlag ausschließlich für den Fall vorgedacht ist, in dem die Rahmenordnung imperfekt ist. Empirisch ist jedoch festzustellen, dass das hier angedeutete Regel- Ausnahme- Verhältnis sich umkehrt. Denn die von Homann selbst aufgeführten Defizite in der Rahmenordnung treten ja nicht nur punktuell auf, sondern festigen sich in einem zunehmenden Maße, woraus zu schließen ist, dass ökonomisch rationales Handeln zunehmend um eine kommunikative Komponente erweitert werden muss. Ferner fehlen beim unternehmensethischen Ansatz praktische Lösungsvorschläge für die Handhabe von internen ethischen Konfliktfeldern, zum Beispiel bei alltäglichen Fragen des Umgangs miteinander.
2.3.2. Unternehmensethik als Ergebnis von Kommunikationsprozessen nach H. Steinmann 18 und P. Ulrich 19
Im Gegensatz zur unternehmensethischen Konzeption von Homann sehen Steinmann und Ulrich unternehmerisches Handeln nicht vollständig durch den Wettbewerb determiniert. Zwischen ökonomischen und ethischen Ansprüchen bestehen situative Hand-
15 Homann,Karl (1994), S.112.
16 Vgl. ebenda, S.115: „Wo die Rahmenordnung ihre Funktion nicht erfüllt, fällt die moralische Verantwortung für das Handeln an die einzelnen Unternehmer/Manager bzw. Unternehmen zurück.“
17 Ebenda, S.119.: „Um zu erreichen, dass die moralischen Normen für alle Wettbewerber gleichermaßen gelten, ohne dass jemand sich dadurch Vorteile verschaffen kann, dass er eine Trittbrettfahrerposition einnimmt, muss eine Kollektivlösung auf der Ebene der Rahmenordnung angestrebt werden. Eine ähnliche normative Funktion würde ein kollektive Selbstbindung in Form eines Branchenkodex erfüllen“.
18 Vgl. ausführlich: Steinmann, Löhr, 1989: Unternehmensethik; 1994: Unternehmensethik - ein republikanisches Programm in der Kritik; 1994: Grundlagen der Unternehmensethik.
19 Vgl. ausführlich: Ulrich, 1994: Integrative Wirtschafts- und Unternehmensethik - ein Rahmenkonzept; 1996: Unternehmensethik und „Gewinnprinzip“ - Versuch der Klärung eines unerledigten wirtschaftsethischen Grundproblems; 2001: Unternehmensethik in sechs Thesen ; 2002: Der entzauberte Markt - eine wirtschaftsethische Orientierung.
7
lungsspielräume, die von Unternehmen ausgestaltet werden können. Ebenfalls gehen sie davon aus, dass es vernunftbegabten Individuen möglich ist, Werte und Normen für unternehmerisches Handeln zu begründen. Das Individuum wird nicht nur als homo oeconomicus gesehen, sondern ihm wird vielmehr die Fähigkeit zugetraut, in Übereinstimmung mit als gerechtfertigt anerkannten Normen zu handeln. Das Verfahren für die Gewinnung solcher moralischer Normen ist der ethische Diskurs, hinter dem folgende Überlegung steht: Um ein Problem zu lösen, in dem die Ansprüche und Interessen verschiedener Beteiligter aufeinander stoßen, hat wohl jene Lösung den Anspruch, gut und richtig zu sein, der irgendwie alle Beteiligten zustimmen können. Der Begründungsprozess unterliegt dabei strengen Kriterien, z. B. die Teilnahme aller Betroffenen an der Kommunikation, Zwanglosigkeit (keine Sanktionen), Sachkompetenz der Beteiligten, Unvoreingenommenheit gegenüber anderen Meinungen. Aufgrund der erfahrbaren Tatsache in der Praxis, dass nicht alle Betroffenen an dem Kommunikationsprozess teilnehmen können (z. B. zukünftige Generationen), bedarf die kommunikative Ethik der Ergänzung der Verantwortungsethik. Ulrich erhebt diesen idealen Diskurs zum Primat aller unternehmerischen Entscheidungen. Im Rahmen kommunikativer Verständigungsprozesse sollen mit allen Stakeholdern die Formalziele des Unternehmens festgelegt werden, welche von den Betroffenen als legitim angesehen werden: „Unternehmerische Verantwortung ist dialogisch wahrzunehmen und bedeutet, allen vom unternehmerischen Handeln Betroffenen Red’ und Antwort zu stehen.“ 20 Im Gegensatz zu Ulrich liegt der Schwerpunkt der Anwendung des Dialogprinzips bei Steinmann in der Regelung von Ad- hoc- Konflikten, die nicht unmittelbar über die Rahmen-ordnung geregelt werden können. Die Bedeutung von Dialogverfahren wird vor allem bei international agierenden Unternehmen offensichtlich. Trotz Globalisierung ist die Etablierung einer supranationalen Institution noch nicht in Sicht, welche allgemein akzeptierte Vorschriften zum Beispiel im Bereich der Arbeitsplatzbedingungen verabschieden kann. In dialogischer Verständigung mit Menschenrechtsorganisationen können nun Global Player selbst einen normativen Rahmen setzen und damit ihr Handeln legitimieren. Eine Unternehmensethik, die auf einem dialogorientierten Fundament ruht, hat den Vorteil, dass sie dem Unternehmen die Möglichkeit eröffnet, seine politische Rolle auszufüllen und an normsetzenden Prozessen direkt teilzunehmen sowie diese zu gestalten. Darüber hinaus begegnen Diskurse dem Problem, dass trotz Pluralisierung von Werten dennoch einzelfallbezogen wertorientierte Entscheidungen möglich sind. Aus pragmatischer Sicht sind daher Dialogverfahren ein geeignetes Instrument zur Lösung von ethischen Konfliktfeldern innerhalb und außerhalb des Unternehmens. Ein zentrales Problem bleiben jedoch die postulierte Randbedingungen. In
20 Ulrich (2001), S. 11.
8
Arbeit zitieren:
Simon Pietschmann, 2003, Maßnahmen und Möglichkeiten bei der Umsetzung von Unternehmensethik, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Steuerhinterziehung - Eine Betrachtung des gesellschaftlichen Problems...
BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern
Bachelorarbeit, 42 Seiten
Bedeutung der Unternehmensethik im Rahmen des strategischen Controllin...
BWL - Unternehmensethik, Wirtschaftsethik
Hausarbeit, 18 Seiten
Die besondere Bedeutung der Unternehmensethik für betriebswirtschaftli...
BWL - Unternehmensethik, Wirtschaftsethik
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
"Was ist Europa?" Zur Hermeneutik des "Europabegriffs&q...
Jura - Europarecht, Völkerrecht, Internationales Privatrecht
Seminararbeit, 23 Seiten
Corporate Citizenship und Wettbewerbsvorteile
BWL - Unternehmensethik, Wirtschaftsethik
Diplomarbeit, 76 Seiten
Coffee Shop Industry - A Strategic Analysis
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Studienarbeit, 37 Seiten
BWL - Unternehmensethik, Wirtschaftsethik
Referat (Ausarbeitung), 29 Seiten
CRM - Customer Relationship Management
Medien / Kommunikation - Public Relations, Werbung, Marketing
Seminararbeit, 16 Seiten
Evolutionärer Wertewandel in einer institutionellen Wirtschaftsethik
BWL - Unternehmensethik, Wirtschaftsethik
Seminararbeit, 24 Seiten
Management und Unternehmensethik - Corporate Citizenship als Integrati...
BWL - Unternehmensethik, Wirtschaftsethik
Hausarbeit, 18 Seiten
Übersicht über die Globalisierungskritik mit ethischer Relevanz
BWL - Unternehmensethik, Wirtschaftsethik
Hausarbeit, 44 Seiten
Neoliberalismus, Postmoderne und Soziale Arbeit - Von neuem Denken zu ...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Diplomarbeit, 92 Seiten
Neuentwicklungen in der Rechnungslegung nach IAS/IFRS im Bereich Busin...
BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern
Hausarbeit (Hauptseminar), 33 Seiten
Wirtschaftsethik als Ordnungsethik: Das klassische Konzept von Spielre...
BWL - Unternehmensethik, Wirtschaftsethik
Seminararbeit, 21 Seiten
Unternehmensethik - Wertentwicklungsprozess
Entwicklung eines Kriterienkat...
BWL - Unternehmensethik, Wirtschaftsethik
Diplomarbeit, 99 Seiten
Simon Pietschmann hat den Text Maßnahmen und Möglichkeiten bei der Umsetzung von Unternehmensethik veröffentlicht
Simon Pietschmann hat einen neuen Text hochgeladen
Luca Andrea Degunda (CH) / Kar...
Gisela Clement, Michael Schneider, Elizabeth Volk
Wirtschafts- und Unternehmensethik
Rückblick � Ausblick � Perspek...
Thomas Beschorner, Bettina Hollstein, Matthias König, Mi-Yong Lee-Peuker, Olaf J. Schumann
Unternehmensethik im Spannungsfeld der Kulturen und Religionen
Josef Wieland, Johannes Wallacher, Michael Reder, Tobias Karcher
Gestaltung von Anreizsystemen und Unternehmensethik
Eine norm- und wertbezogene An...
Manuela Barbara Roiger
Forschungsperspektiven zur Ver...
Thomas Beschorner, Alexander Brink, Olaf Schumann
Unternehmensethik und Wertemanagement in Familien- und Mittelstandsunt...
Projektorientierte Analyse, Ge...
Max Kunze
0 Kommentare