Inhaltsverzeichnis
A. Wandel der Naturdarstellung 4
B. Die Darstellung der Natur in Leopardis Dialogo della natura e di un islande-
se und in dem Canto La ginestra - o il fiore del deserto 4
I. Dialogo della natura e di un islandese 4
1. Formales 4
2. Inhalt 5
3. Interpretation. 5
II. La ginestra - o il fiore del deserto. 8
1. Formales 8
2. Inhalt 9
3. Interpretation. 9
C. Schlussbetrachtung. 14
D. Literaturverzeichnis 15
3
A. Wandel der Naturdarstellung
Die Operette Morali von Giacomo Leopardi zählen zu den wichtigsten Prosawerken der Geschichte der neueren italienischen Literatur. Leopardi schuf diese satirischen Dialoge nach dem Vorbild Lukians. Sein Ziel war die Erörterung der Eitelkeit und Sinnlosigkeit des dem Tod verfallenen menschlichen Lebens, um so den Optimismus seiner Zeitgenossen anzuprangern. Obwohl es sich bei den Dialogen um philosophische Texte handelt, lässt sich bei Leopardi kein kohärentes philosophisches System nachweisen. Grund dafür ist die Tatsache, dass Leopardi in erster Linie ein Zweifler war - und kein systematischer Denker - der daher seine eigenen Überzeugungen immer wieder in Frage stellte. Ein anschauliches Beispiel dafür ist der Wandel in der Darstellung der Natur, der in den Operette zum Vorschein kommt. In diesem Zusammenhang sei der 1824 entstandene Dialogo della natura e di un’anima genannt.
In dem Gespräch zwischen Natur und Seele erscheint die Natur als fürsorgliche Mutterfigur, die die Seele liebevoll mit „figliuola“ 1 anredet. Da die Seele mit dem Leben, dass die Natur für sie auserwählt hat („Vivi, e sii grande e infelice“) 2 nicht einverstanden ist und das notwendige Unglück für die daraus entstehende Größe nicht in Kauf nehmen möchte, verspricht die Natur ihr, darüber mit dem Schicksal (destino), dem sie unterstellt ist, zu reden und ihr den Körper eines weniger ,großen’ Menschen zuzuweisen.
Diese verständnisvolle mütterliche Natur steht in einem starken Gegensatz zu der Natur des nur wenige Monate später entstandenen Dialogo della natura e di un islandese. Hier wird sie als schreckliche und unbarmherzige Göttin dargestellt, der die Menschheit vollkommen gleichgültig ist.
B. Die Darstellung der Natur in Leopardis Dialogo della natura
e di un islandese und in dem Canto La ginestra - o il fiore
del deserto
I. I. Dialogo della natura e di un islandese
1. Formales
Wie bereits erwähnt entstand dieser Dialogo ebenfalls 1824 in Recanati. Er gehört zur Gruppe der Operette dottrinali 3 , die - wie in diesem Fall - zum Beispiel das Verhältnis Mensch-Natur in den Mittelpunkt stellen. Bei dem Dialogo della natura e di un
1 Leopardi „Opere II“ S.40
2 Ebd.
3 Vgl. Guarracino „Guida alla Lettura“ S.163
4
islandese handelt sich allerdings um keinen reinen Dialog, sondern viel mehr um eine Mischform zwischen Erzählung und Dialog. In ihm wird der Übergang der Konzeption der Natur von einer wohlwollenden zu einer feindlichen oder zumindest gleichgültigen Natur deutlich.
2. Inhalt
Ein Isländer, der sich schon Zeit seines Lebens auf der Flucht vor der Natur befindet, begegnet dieser schließlich in Afrika. In dem daraufhin entstehenden Gespräch klagt der Isländer diese riesige und zugleich schöne und schreckliche Frau an, sich nicht um das schließlich von ihr erschaffene Menschengeschle cht zu kümmern. Er stößt dabei allerdings auf wenig Verständnis und bekommt von der Natur lediglich zu hören, dass ihr das Glück der Menschen gleichgültig sei und das Leben nun einmal ein ewiger Kreislauf von Schöpfung und Zerstörung (un perpetuo circuito di produzione e distruzione) 1 .Während der Isländer nach dieser unbefriedigenden Antwort noch mit der Frage nach dem Sinn des Lebens beschäftigt ist, wird er von zwei ausgehungerten Löwen gefressen. Andere erzählen allerdings, dass er von einem Wind zu Boden geworfen wurde, der über ihm ein Mausoleum aus Sand errichtete.
3. Interpretation
Ausgehend von der Erkenntnis, dass sich der Mensch umso weiter vom Glück entfernt, je mehr er es sucht, beschließt der Isländer auf alle Wünsche zu verzichten und ein ruhiges Leben zu führen. Die Probleme, die sich ihm dabei stellen, schildert er in Form eines chronologischen Rückblicks, als er in Afrika auf die Natur trifft. Wie bereits erwähnt, tritt die Natur nicht länger als mütterliche Gestalt auf. Allerdings soll diese Arbeit zeigen, dass sich der Wandel hin zu dem feindlichen Bild erst nach und nach vollzieht.
Die Beschreibung der Natur zu Beginn des Dialogs lässt noch keine ablehnende Haltung des Isländers erkennen. Einzig Größe („busto grandissimo“) 2 und Gesicht („di volto mezzo tra bello e terribile“) 3 der Natur könnten negativ bewertet werden. Die Natur beginnt schließlich das Gespräch, indem sie den Isländer weder freundlich noch unfreundlich fragt, wer er sei und was er hier wolle. Auf die Worte des Isländers, dass er es als „maggior disavventura“ 4 betrachte, der Natur begegnet zu sein, reagiert diese mit Verwunderung. Offensichtlich kann sie sich nicht vorstellen, was ihn zu einer
1 Leopardi „Opere II“ S.81
2 Leopardi „Opere II“ S.75
3 Ebd.
4 Leopardi „Opere II“ S.76
5
solchen Abneigung bewogen haben könnte. Es folgt darauf ein langer Monolog des Isländers, der die Etappen, die zu dieser Auffassung führten darlegt. Zu Beginn sucht dieser die Schuld in erster Linie bei sich selbst, weshalb er beschließt, sich zurückzuziehen, auf seine Wünsche zu verzichten und bescheiden zu sein. Doch die Gier der Menschen macht ihm sogar das Wenige, das er beansprucht streitig. Die Lösung dieses ersten Problems findet er im Rückzug in die Einsamkeitwas auf einer Insel wie Island kein Problem darstellt.
Das zweite Problem, auf das er stößt, sind äußere Umstände: „la lunghezza del verno, l’intensità del freddo e l’ardore estremo della state“ 1 , außerdem macht ihm im Haus der Rauch des Feuers zu schaffen und die friedliche Stille wird gestört durch Ängste vor Stürmen und Vulkanausbrüchen.
Er entwickelt daher die Theorie, dass er trotz Rückzug und Enthaltsamkeit leiden muss, weil sich der Mensch über die ihm zugedachten Grenzen hinaus gewagt hat: „/.../ un pensiero che mi nacque, che forse tu non avessi destinato al genere
umano se non solo un clima della terra /.../ e certi tali luoghi; fuori di quali gli
uomini non potessero prosperare né vivere senza difficoltà e miseria; da dover
essere imputate, non a te, ma solo a essi medesimi, /.../“ 2
An dieser Textstelle wird mehr als deutlich, dass der Isländer die Schuld an seinem Leid noch immer nicht bei der Natur sucht, die zwar für Stürme und Erdbeben verantwortlich ist, aber natürlich nicht dafür, dass er sich in diesem Land aufhält. Auffallend ist, dass er die Natur hier zum ersten Mal direkt anspricht. Das Ergebnis der Reisen, die eine solche Überlegung logischerweise nach sich zieht, ist allerdings niederschmetternd: Ein ruhiges Leben ist dem Isländer an keinem Ort der Erde möglich! 3
Auf diese Erfahrung hin erfolgt nun ein Stimmungsumschwung. Die Enttäuschung mündet in eine direkte Anklage der Natur - der Ersten von insgesamt Drei. Der Isländer wirft der Natur in dieser Anklage vor, die Menschen auf vielfältige Art und Weise Tag für Tag anzugreifen, so zum Beispiel durch Gewitter, Wirbelstürme, Erdbeben, Überschwemmungen und wilde Tiere. Vokabeln aus dem militärischen Bereich unterstreichen dabei das Vorgehen der Natur als Angriff (battaglia formata ) 4 . Außerdem wird betont, dass die Menschen diese Angriffe vollkommen schuldlos erleiden müssen:
„che è quanto dire che tu dai ciascun giorno un assalto e una battaglia formata
a quegli abitanti, non rei verso te di nessun’ ingiuria.“ 5
1 Leopardi „Opere II“ S.77
2 Ebd.
3 Vgl. Leopardi „Opere II“ S.78
4 Ebd.
5 Leopardi „Opere II“ S.78
6
Arbeit zitieren:
Dorothea Nolde, 2003, Die Darstellung der Natur in Leopardis Dialogo della natura e di un islandese und dem Canto La ginestra - o il fiore del deserto, München, GRIN Verlag GmbH
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