Inhaltsverzeichnis__________________________________________________ 3
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 4
2. Der Begriff Straßenkind 5
2.1 Historischer Rückblick
2.2 Der Begriff heute
3. Zahlen und Fakten 9
4. Ursachen 11
5. Die Lebenssituation 14
6. Erwartungen und Wünsche 16
7. Hilfsangebote 17
7.1 Jugendhilfe
7.2 Jugendamt
7.3 Sozialpädagogen und Sozialarbeiter
7.4 Streetworker
7.5 Hilfsorganisationen
7.6 Vertrauenswürdige Ansprechpartner
8. Straßenkids erzählen 25
9. Schlussbemerkung 28
10. Literaturverzeichnis 29
Einleitung_________________________________________________________ 5
1. Einleitung
Dass es in vielen armen Ländern der Erde Straßenkinder gibt, hört und sieht man immer wieder. Es ist auch den meisten wohl bekannt, unter welchen Bedingungen diese Kinder leben und welche Folgen dies für sie hat. Die Tatsache jedoch, dass in Deutschland das Leben auf der Straße bereits auch große Formen angenommen hat, ist vielen nicht bewusst, bzw. wollen viele nicht wahrhaben. Warum sollten auch Jugendliche und Kinder in diesem ´reichen Land´ auf der Straße leben, wo sie doch alles haben, was sie brauchen? Diejenigen, die sich diesem Schicksal ausgeliefert haben, werden oft als ´Penner´, faul, verschmutzt und gewaltbereit angesehen. Man geht ihnen gerne aus dem Weg und verschließt die Augen vor dem Problem. Ihr Schicksal ist dabei für andere uninteressant. Die Hintergründe werden eher als ´nicht so schlimm´ abgetan, weil sich auch keiner ernsthaft versucht, in deren Lage zu versetzen und deren Handeln zu verstehen. Wenn man sie jedoch zu ihrem Leben befragt, kommen erschreckende Einzelschicksale ans Licht, von denen man nie geglaubt hätte, dass es sie gibt. Diese Geschichten machten mich bei der Ausarbeitung sehr nachdenklich und traurig.
Es ist schon beängstigend, dass in einem Land wie Deutschland die Zahl der ´Straßenkarrieren´ immer weiter ansteigt, im Gegenzug aber die Hilfen und das Interesse, diesen Kindern eine Zukunft zu bieten, nicht genügend vorhanden ist. Es ist wohl den Verantwortlichen immer noch n icht bewusst, welche Folgen diese Lebensweise für die Kinder hat und wie viele es bereits auf die Straße getrieben hat. Sicher kennt man im allgemeinen die Ursachen, aber sie zu beheben ist sicherlich sehr schwer. Das Ganze ist ein Kreislauf, den man kaum stoppen kann. Das fängt bei der Arbeitslosigkeit an, führt weiter über die teilweise erschreckenden Familiensituationen und endet oft in der stetig steigenden Gewalt- und Missbrauchsbereitschaft.
Glücklicherweise gibt es doch viele Hilfsorganisationen, die in Deutschland, aber auch weltweit, den Kindern Nahrung und Schlafmöglichkeiten zur Verfügung stellen, sie ärztlich behandeln oder ihnen einfach nur zuhören. Diesen Organisationen gilt meine Bewunderung und mein Respekt. Es gehört viel (unbezahltes) Engagement
Der Begriff Straßenkind______________________________________________ 6
und Interesse an den Kindern dazu, um so etwas auf die Beine zu stellen, da mit großen Hilfen vom Staat nur selten zu rechnen ist.
Im Folgenden werde ich mich diesem Thema widmen und verschiedene Details dieser Problematik aufführen.
2. Der Begriff Straßenkind
2.1 Historischer Rückblick
Besonders in jüngerer Zeit hat sich in der Bundesrepublik Deutschland ein Interesse an Kindern und Jugendlichen entwickelt, für die die Straße im wahrsten Wortsinn zum zentralen Aufenthalts- und Überlebensort geworden ist. Dabei ist festzuhalten, dass es sich bei dieser Thematik keineswegs um eine neuartige Form handelt, wenngleich sich die Ursachen bzw. Motivationen, die zu einem Leben auf der Straße führen, im Laufe der Zeit durchaus verändert haben. Waren in vorigen Zeiten noch vor allem Kriege dafür verantwortlich, dass Kinder ihren Eltern entzogen wurden und ohne elterliche Obhut aufwachsen mussten, so kam spätestes beim Einsetzen von Industrialisierung und Urbanisierung ein weiterer wesentlicher Grund f ür die Zunahme der Anzahl „herumstreunender" Kinder " und Jugendlicher hinzu. Die Verarmung großer Bevölkerungsschichten führte sowohl zum Entstehen von tatsächlichen, „klassischen" Obdachlosenexistenzen in den Armenvierteln der Städte als auch vielfach zu der Notwendigkeit, sich zwecks Arbeitssuche auf Wanderschaft begeben zu müssen. Bereits zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts zogen solche „umherwandernden" Jugendlichen die Aufmerksamkeit auf sich.
Der Begriff Straßenkind______________________________________________ 7
Mit der Hinwendung zur Analyse individueller biographischer Problemlagen wurde
die Grundlage für modernere sozialpädagogische Betrachtungsweisen und
Lösungsansätze geschaffen. (vgl. 2 )
2 Jordan, E. u. Trauernicht, G. 1981. S. 39 f.
Der Begriff Straßenkind______________________________________________ 8
2.2 Der Begriff heute
Der Begriff ´Straßenkinder´ bezog sich ursprünglich vor allem auf die Situation von Kindern in der Dritten Welt. Die Übertragung dieser Bezeichnung auf die Situation in Deutschland ist nicht unproblematisch. Ein wesentlicher Kritikpunkt an der undifferenzierten Übernahme dieses Begriffs ist die Tatsache, dass dadurch die gravierenden qualita tiven Unterschiede zwischen beiden Phänomenen vermischt werden. In den Elendsvierteln der Dritten Welt treibt materielle Not, bitterer Hunger die Kinder auf die Straße. In unserem Wohlstandsstaat ist es jedoch emotionale Not, Hunger nach Liebe und Anerkennung, der Kindern als letzten Ausweg den schmutzigen Platz am Rande der Gesellschaft lässt.(vgl. 3 )
Eine genaue und einheitliche Begriffsdefinition zu diesem Thema ist natürlich nicht zu finden. Deshalb habe ich einige Umschreibungen von unterschiedlichen Autoren aufgeführt, durch die jedoch die grundlegendsten und wichtigsten Merkmale, was den Begriff ´Straßenkinder´ angeht, erläutert werden.
„Straßenkinder sind nach einer Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) der Vereinten Nationen Minderjährige..., also Kinder und Jugendliche, für die die Straße im weitesten Wortsinn zum zentralen Aufenthalts- und Überlebensort wurde und die keinen entsprechenden Schutz genießen. Der Begriff "Straße" schließt hierbei verlassene oder heruntergekommene Gebäude bzw. Wohnungen mit ein. "Straßenkinder" sind, das belegen die wenigen vorliegenden Forschungsergebnisse, fast nie Kinder, sondern Jugendliche und junge Erwachsene. Zwar wurde von manchen Experten festgestellt, dass diese Jugendlichen im Schnitt jünger werden, Kinder unter 14 sind aber (bisher) nur die Ausnahme. Trotzdem muss gesehen werden, dass sich potentielle Straßenbiografien schon in einem viel früheren Alter abzeichnen.“ 4
Eine andere Beschreibung zu diesem Begriff liefert Specht (1989): „Sie leben allein oder in Gangs. Sie sind unterernährt und hungern seit ihrer Geburt. Es mangelt ihnen an Zuwendung, Geborgenheit, Erziehung und Bildung und vor allem an Liebe. Es
3 http://www.offroadkids. de (« Buddy-Projekt »).
4 http://www.schoolweb.de/millenniumobserver2/albert-schweitzer/strassenkinder/...
Der Begriff Straßenkind______________________________________________ 9
sind Kinder und Jugendliche, die auf selbsterlebte Ablehnung, Gleichgültigkeit, skrupellose Ausbeutung, Gewalt, Verführung und Ausgrenzung zu ihrem Überleben verzweifelte Auswege in Diebstahl, Prostitution, Gewalt und Drogenhandel suchen. Viele Straßenkinder verrichten unterbezahlte Arbeit. In Straßenbanden schaffen sie sich einen Familienersatz, eine psychische und emotionale Zufluchtsstätte, ein Überlebenssystem, das Sicherheit und Schutz gewährt. Etwas, das sie in ihrem Leben bitter vermisst haben. [..] Der Begriff ´Straßenkinder´ schließt viele dieser Merkmale ein, doch die wesentlichen Definitionskriterien für die eigentlichen Straßenkinder sind zum einen die schutzlose Straße als existenzieller Lebensraum und die in den Hintergrund getretene und nicht mehr existente Familie. (vgl. 5 )
´Straßenkind´ ist hierzulande ein reiner Pressebegriff, der im Zusammenhang mit der Situation in der Dritten Welt entstanden ist und mit der deutschen Realität wenig zu tun hat. Hierbei achten die Medien nicht darauf, ob die Kinder tatsächlich ihr ganzes Leben auf der Straße verbringen oder ob sie noch Kontakt zu Familien oder Heimen haben und nur einen Teil ihres Lebens auf der Straße verbringen. Der Begriff ist somit nur oberflächlich anwendbar, da individuelle Unterschiede von ´Straßenkarrieren´ nicht berücksichtigt werden. Man müsste deshalb jeden ´Ausreißerfall´ für sich benennen und nicht jeden Jugendlichen diesem übergeordneten Begriff ´Straßenkind´ zuordnen. Erst dann würden die vielen individuellen Hintergründe, Ursachen, Lebenssituationen und Probleme dieser Kinder erkennbar. Zudem ist es auch wichtig, dass nicht jeder Ausreißer gleich als Straßenkind abgestempelt wird, sondern man zuerst hinterfragt, welche Gründe dahinter stehen. Sicherlich kann man dann auch gemeinsame oder ähnliche Hintergründe erkennen und Gruppierungen bilden. Romahn unterteilt den Begriff ´Straßenkind´ in folgende Typen:
Die Ausgegrenzten sind Kinder und Jugendliche, die von zu Hause oder aus Einrichtungen geflohen sind oder rausgeschmissen wurden.
Die Auffälligen sind Kinder, die die Straße als Ort der Selbstinszenierung bzw. Id entitätsfindung nutzen.
Die Gefährdeten sind Kinder, die der elterlichen Kontrolle entzogen sind.
(vgl. 6 )
5 Specht, W. 1989. S 405.
6 Romahn, A. 2000. S. 9, 10.
Arbeit zitieren:
Nicole Laqué, 2003, Straßenkinder in Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Strassenkinder und -jugendliche in Deutschland - eine Suche nach Ursac...
Soziologie - Kinder und Jugend
Hausarbeit, 28 Seiten
Strassenkinder in Deutschland - Begriffe, Ursachen und Lösungen
Pädagogik - Pädagogische Soziologie
Zwischenprüfungsarbeit, 36 Seiten
"Haste mal `ne Mark?! - Straße als Lebensraum von Kindern und Jug...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Seminararbeit, 23 Seiten
Strassenkinder in Deutschland, Lateinamerika und Afrika im Vergleich
Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung
Studienarbeit, 52 Seiten
Straßenkinder in Deutschland - Probleme, Ursachen, Arbeitsansätze
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 23 Seiten
Bindungstheorie und Bindungsforschung
Bedeutung der Väter als Bindun...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Seminararbeit, 18 Seiten
Werkstätten eines lernenden Menschen - Lern-, Reise- und Lesetagebüche...
Hauptseminararbeit, 21 Seiten
Deutsche und lateinamerikanische Straßenkinder im Vergleich
Theologie - Praktische Theologie
Hauptseminararbeit, 19 Seiten
Ausgebrannt und abgestempelt?!
Straßenkinder in Deutschland -...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 22 Seiten
Der Wandel der Familie und die Folgen für den Sozialisationsprozess
Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft
Hausarbeit, 21 Seiten
Kindheit und Jugend im Wandel der Zeit
Pädagogik - Pädagogische Soziologie
Hauptseminararbeit, 20 Seiten
Nicole Laqué hat den Text Straßenkinder in Deutschland veröffentlicht
Nicole Laqué hat einen neuen Text hochgeladen
Todos Dias Die Welt der brasilianischen Straßenkinder
Ein Musical über Elend und Dro...
Marco Ringel
Als drei Straßenkinder unter der Brücke gefunden wurden
(und weitere wahre Erzählungen...
Gerhard Jan Rötting
Entwicklung des Staats- und Verwaltungsrechts in Südkorea und Deutschl...
Vorträge und Berichte auf dem ...
Rainer Pitschas
Ökonomische Analysen zu den Effekten von Aufsichtsrats- und Betriebsra...
Schmollers Jahrbuch, 131. Jg. ...
Joachim Wagner
0 Kommentare