Die Gründung des Deutschen Museums 1
Inhalt:
1. Das Jubiläum 2
2. Der Initiator: Oskar von Miller. 3
2.1 Familiärer Hintergrund 3
2.2 Bildung, Ausstellungserfahrung und Politik 4
3. Die Interessen am Bau des Deutschen Museums 6
3.1 Verein Deutscher Ingenieure 6
3.2 Gesellschaft und Politik 7
4. Die ersten Schritte zur Umsetzung des Planes. 8
4.1 Rundschreiben vom 1. Mai 8
4.2 Mai und Juni 1903 10
5. Die Realisierung der Pläne bis 1925. 12
5.1 Provisorische Sammlungen 12
5.2 Größenordnung und weiterer Verlauf 13
6. Die Rezeption des Museums 15
6.1 Mitgliederentwicklung 15
6.2 Besucher 1907 - 1914 17
7. Der Symbolgehalt des Deutschen Museums 18
7.1 Nationales Institut 18
7.2 Technik und Kultur 20
8. Resümee 21
9. Literaturverzeichnis 23
9.1 Quellen. 23
9.2 Darstellungen. 23
9.3 Zeitungsartikel 24
10. Anhang. 25
10.1 Kurz-Chronik des Deutschen Museums. 25
10.2 Stern-Artikel 26
1. Das Jubiläum
Diese Wort e des Minist erpräsident en St oiber anlässlich der Jubiläum sfeierlichkeit en zum hundert j ährigen Best ehen des Deut schen Museum s sprechen hier eine deut liche Sprache: Die Subst anz, hier im Sinne von Technik gem eint , m uss noch st ärker gefördert werden. Geist und Gefühl, gewöhnlich Wesenzüge künst lerischer Produkt ion, m üsst en dem nach verm ehrt
technischen Objekten zugeordnet werden.
Eine solche Aussage wirkt vor den hist orischen Gegebenheit en der Gründung des Deut schen Museum s ungem ein passend. Denn dieses Must er des sich hier andeut enden Spannungsbogens zwischen Kult ur und Technik ist ein wicht iger Ausgangspunkt für die 1903 erfolgt e Gründung des „ Deut schen Museum s von Meist erwerken der Nat urwissenschaft und Technik“ . 2 Das Augenm erk dieser Arbeit liegt in der Haupt sache daher auf den Zeitraum zwischen 1903 bis 1914.
Ent sprechend erfolgt e die Auswahl der Lit erat ur für die vorgelegt e Arbeit : Aus der vorhandenen Vielfalt der
Sekundärlit erat ur st achen im Besonderen die fundiert en Analysen Mayerhöfers und Menzels hervor; das verwendet e Quellenm at erial st am m t zum großen Teil vom Deut schen Museum selbst . Zur Abrundung wird ebenfalls auf
Zeit ungsart ikel, die sich m it dem Jubiläum des Museum s befassen, verwiesen.
I m Folgenden wird die Gründung des Deut schen Museum s behandelt , indem zunächst das Zusam m enwirken persönlicher und gesellschaft licher I nt eressen aufgezeigt wird. Die
Konsequenzen dieses frucht baren Zusam m enwirkens von den
1 So der bayerische Ministerpräsident Stoiber anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten des Deutschen Museum, zitiert nach der Augsburger Allgemeinen vom 10./11.05.2003.
2 Im Folgenden werde ich die Bezeichnung „Deutsches Museum“ verwenden.
ersten Schritten bis hin zur Realisierung der Pläne stehen danach im Zent rum der Bet racht ung. I m Weit eren werden das Deut sche Museum und seine Rezept ion durch Förderer und Besucher verdeutlicht , um es danach in den größeren Rahm en, dem des Nat ionalism us und des St reit es, um den Kult urwert der Technik zu stellen. Mit einem Resümee findet die Arbeit ihren Abschluss.
2. Der Initiator: Oskar von Miller
2.1 Familiärer Hintergrund
Oscar Wildes Aphorism us „ Nur Persönlichkeit en bewegen die Welt , niem als Prinzipien“ m ag st reit bar sein, im Falle des Deut schen Museum s kom m t m an j edoch nicht an einem hervorst ehenden Einzelnen, Oskar von Miller, vorbei. Daher soll hier seine Biografie thematisiert werden.
I m Jahre 1855 wurde er als Sohn Ferdinand von Millers, Besit zer der Königlichen Erzgießerei, geboren. Der Vat er, selbst noch aus dem kleinbürgerlichen Handwerksm ilieu st am m end, war rege polit isch und gesellschaft lich akt iv, sei es als Vorst and des
Kunstgewerbevereins, als Mit glied des Landt ages und ab 1881 auch des Reichst ages oder als Teil des Münchner
Gem eindekollegium s. Von viel größerer Bedeut ung ist j edoch eine andere Tat sache: Die Erzgießerei unt er der Leit ung Ferdinand von Millers gehört e in der exklusiven Kreis der Hoflieferanten - in diesem Falle zeigt sich aufs Deut lichst e die Wechselwirkung zwischen sozialen und ökonom ischen Aufst ieg, die als exemplarisch für jene Zeit gelten kann. 3
Das Fam ilienleben war geprägt durch den Pat riot ism us des Vaters und dem Gegensat z zwischen fest lich- reicher
Repräsent at ion und st renger wert orient iert er Erziehung in der zu
3 So bei Mayerhöfer Ingrid: Gesellschaftliches und politisches Interesse am Bau eines „Museums für Meisterwerke der Naturwissenschaft und Technik“ in München zu Beginn des 20. Jahrhunderts, Magisterarbeit, München 1988, S. 28-30.
Beginn der 20. Jahrhundert s weit über München hinaus bekannt en „ Aufst eigerfam ilie“ . 4 Hierzu sei im Besonderen Oskars Bruder Ferdinand, der als Vert raut er des Prinzregent en über großen Einfluss verfügt e, genannt . 5 So ist es kaum
überraschend, dass die Kölnische Zeitung im Zusammenhang mit der Museum gründung deut lich darauf verweist : Oskar von Miller sei dem nach „ Mit glied der bekannt en Münchner Künst lerfamilie, die m it den baulichen und künst lerischen Schöpfungen der bayerischen Könige so eng verknüpft ist.“ 6
2.2 Bildung, Ausstellungserfahrung und Politik
Dieses Zit at aus der Zeit ung verweist auf eine int eressant e Widersprüchlichkeit : Oskar von Miller, ein Bauingenieur, wird als Teil einer Künstlerfamilie gesehen. Das findet seine Entsprechung auch in seiner Schullaufbahn: Er wechselt e vom hum anist ischen Maxgym nasium auf das Alt e Realgym nasium . 7 Danach folgt e ein St raßen-und Bauingenieurst udium , Beam t enj ahre in
Flussbauäm t ern und Auslandsst udien. Überregionalen Bedeut ung erlangt e er zwischen 1884- 1890, als er in Berlin als Direkt or der Deut schen Edisongesellschaft 8 die Popularisierung der Elekt rizit ät forcierte. 9
Zurück in München unt erhielt er ein I ngenieurbüro, fiel aber vor allem durch Vort räge und Veröffent lichungen für die
Energiewirt schaft auf. Die fachliche Anerkennung, die er genoss, ist durch den 1903 verliehenen Ehrendokt or der Technischen Hochschule München und durch den Vorsit z des Vereins Deutscher Ingenieure nachhaltig belegt. 10
4 Siehe Mayerhöfer, München 1988 S. 28.
5 Zur Bedeutung der von Miller-Familie und ihrer Beziehungen: Hesselmann Hans: Das Wirtschaftsbürgertum in Bayern 1890-1914, Stuttgart 1985, S. 258-264.
6 Bericht der Kölnischen Zeitung vom 3.12.1905: Das Deutsche Museum II, zitiert nach HstA, MA 92273.
7 Heute bezeichnenderweise das Oskar-von-Miller-Gymnasium.
8 Später und heute noch unter dem Namen „AEG“ bekannt.
9 Mayerhöfer, München 1988, S. 30f.
10 Mayerhöfer, München 1988, S. 31.
Seine erst en Erfahrungen im Museum s- und Ausst ellungswesen sam m elt e er wohl als bayrischer Regierungskom m issar. 11 Als er sich 1881 bei der I nt ernat ionalen Elekt rot echnischen Ausst ellung in Paris aufhielt , besucht e er auch das „ Conservat oire des Art s et des Mét iers“ , das neben dem bedeut enden Sout h- Kensingt on in London eines der ält est en t echnischen Museen der Neuzeit war. Seine dort erworbenen Kennt nisse waren ihm bei der Münchner Elekt rot echnischen Ausst ellung 1882 hilfreich, bei der er in der Funkt ion des Schrift führers schwerpunkt m äßig auch m it der Beschaffung und Planung der Ausst ellungsst ücke befasst war. 12 Ein Jahr danach besucht e er j enes „ Sout h- Kensingt on Museum “ und sam m elt e 1891 bei der Frankfurt er Elekt rot echnischen Ausst ellung Erfahrungen in der öffent lichkeit swirksam en Darstellung technischer Objekte.
All dies verweist auf die immense Begeisterung und Begabung von Millers für vielseitige technische Frage- und Problemstellungen. Dem gegenüber steht - und hier sei auch auf Thomas Manns „Betrachtungen eines Unpolitischen verwiesen“ - eine zu seiner Zeit oft typische Einstellung zu Politik: „Ich bin Ingenieur und mache elektrischen Strom, der ist nicht deutschnational und nicht sozialdemokratisch, sondern einfach elektrisch.“ 13 Bei der Gründung des Deutschen Museums, das wird sich im Folgenden auch zeigen, half letztendlich dann jedoch der elektrische Strom recht wenig, sondern vielmehr die gezielte Einflussnahme in das komplexe Interessengeflecht der Münchner Gesellschaft um die Jahrhundertwende.
11 Nockher Ludwig: Oskar von Miller, Stuttgart 1953, S. 21ff.
12 Zenneck Jonathan: 50 Jahre Deutsches Museum. In: Deutsches Museum. Abhandlungen und Berichte. 21. Jahrgang, Heft 3, 1953, S. 5.
13 Von Miller Walter: Oskar von Miller. Pionier der Energiewirtschaft und Schöpfer des Deutschen Museums, München 1955, S. 98.
3. Die Interessen am Bau des Deutschen Museums
3.1 Verein Deutscher Ingenieure
Die Begeist erungsfähigkeit und der Einfluss eines Oskar von Miller sind kaum zu unt erschät zen. Dennoch verpufft das Wollen eines Einzelnen im vorpolit ischen Raum leicht , wenn es nicht durch einen st arken I nt eressenvert ret er flankiert wird; im konkret en Fall war dies der Verein Deut scher I ngenieure, VDI , 14 dem von Miller selbst als Mit glied und spät er als Vorsit zender angehörte.
I m Gründungsj ahr 1903 zählt e der Verein knapp über 18.000 Mit glieder, die in 45 Bezirksvereinen organisiert waren und verfügt e über eine ent sprechend hohe Finanzkraft . Ziel des VDI war es, seiner Berufsgruppe j ene gesellschaft liche Anerkennung zu erkäm pfen, die m an den t echnischen Berufen bis dahin verweigerte. Aus diesem Grund war man von dieser Seite auf der Suche einen Weg zu finden, m it dem m an eine breit e Öffentlichkeit vom Kulturwert der Technik überzeugen könnte. 15
Überzeugungsarbeit konnt e m an aber am wirkungsvollst en leist en, in dem m an auf die Met hoden der gesellschaft lich akzept iert en bürgerlichen Kult ur zurückgriff, also durch die Musealisierung des Technischen 16 die Äst het isierung und Hist orisierung der Leist ungen der Techniker m anifest iert e. 17 Weit er lag dem Verband daran, die Verbindung von Wissenschaft und Technik voranzut reiben, die, auch im Zuge der
Gleichst ellung von Technischen Hochschulen und Universit ät en, in einem Museum , wie dem Geplant en, sicht baren Ausdruck finden könnte. 18
14 Zum VDI und seiner Geschichte: siehe Internetseiten des VDI, www.vdi.de.
15 Vgl. Mayerhöfer, München 1988, S. 74-90.
16 Zum Begriff: Menzel Ulrich: Die Musealisierung des Technischen. Die Gründung des „Deutschen Museums von Meisterwerken der Naturwissenschaft und Technik“ in München, Dissertation, Braunschweig 2002, S. 17-21.
17 Mayerhöfer, München 1988, S. 84-90.
18 Mayerhöfer, München 1988, S. 90f.
Arbeit zitieren:
Felix Hessmann, 2003, Die Gründung des Deutschen Museums, München, GRIN Verlag GmbH
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