Inhaltsverzeichnis
Seite
I Einleitung 1
II Das Problem des Raumes absolut oder relational 2
III Kants Argument für den Absoluten Raum Rekonstruktion 5
IV Diskussion und Kritik 10
Anhang: Möbius-Band NA
I.
Der Gegenstand meiner Arbeit ist Immanuel Kants vorkritische Schrift „Von dem ersten Grunde des Unterschiedes der Gegenden im Raume“ aus dem Jahre 1768, die man als ersten Abschnitt auf Kants Weg zu seinem transzendentalen Idealismus betrachten kann. Um das Grundproblem der Schrift verstehen zu können, beginne ich mit einer Darstellung des damals aktuellen Problems des Raumes, der Frage nach seinem Wesen: absolut oder relational. Den Hauptteil bildet eine Rekonstruktion des Kantischen Arguments für den absoluten Raum, die im letzten Kapitel von einer Diskussion desselben mit einigen interessanten der zahlreich existierenden Kritikpunkte ergänzt wird.
Bei meiner gesamten Arbeit stütze ich mich auf die in Prof. Mühlhölzers Proseminar „Kants Weg zum transzendentalen Idealismus“ besprochenen Punkte; zur Ergänzung hinzugezogene Literatur ist in den Fußnoten angeführt.
1
II. Das Problem des Raumes
- absolut oder relational - 1
Zu Kants Zeiten existierten zwei konkurrierende Raumvorstellungen, in deren Spannungsfeld sich dieser befand und zurechtfinden mußte: Isaac Newtons Theorie des absoluten und Gottfried Wilhelm Leibniz’ Vorstellung des relatioalen Raumes. Die Frage nach dem Wesen des (Welt-)Raumes ist ein vielseitiges Problem und bildet einen Schnittpunkt der Mathematik, der Physik und der Philosophie – und ist bis heute umstritten. Um nun die Möglichkeiten, die sich Kant anboten, und seine in 1768 getroffene Entscheidung für den absoluten Raum nachvollziehen zu können, seinen die gegensätzlichen Definitionen kurz dargestellt, bevor es um das Argument des Philosophen geht.
Der wesentliche Unterschied zwischen der absoluten und der relationalen Raumvorstellung besteht im Verhältnis des Raumes zu seinen Körpern. Den absoluten Raum kann man sich als eine Art unendlich ausgedehnten Behälter denken, in dem sich alles (Ko-)Existente befindet, aber er ist durchaus auch ohne Körper vorstellbar. Im Gegensatz dazu entsteht der relationale Raum erst durch die Existenz von Körpern, er stellt sozusagen das System der Beziehungen zwischen diesen dar. Kurz: der absolute Raum ist von Körpern unabhängig, der relationale ist ohne sie nicht denkbar.
Nun soll aber speziell die Raumvorstellung Newtons beschrieben werden, deren unbegrenzter Behälter einem Kasten mit sechs in die Unendlichkeit hinausgeschobenen Wänden gleicht und auf der dreidimensionalen euklidischen Geometrie basiert. Und obwohl sich durch die Unendlichkeit ein Problem bei der Bestimmung der Koordinaten des Raumes ergibt (da feste Anhaltspunkte entfallen), sind verschiedene Orte im absoluten Raum sinnvoll unterscheidbar, denn für zwei physikalische Prozesse (unabhängig davon, ob diese zeitgleich stattfinden) ist es 1 Entnommen aus: Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaft. Hrsg. von Jürgen Mittelstraß. Bd. III. Stuttgart, Weimar: Verlag J. B. Metzler 1995. / Schüler Duden Philosophie. Hrsg. von d. Red. für Philosophie d. Bibliogr. Inst. unter d. Leitung v. Gerhard Kwiatkowski. Mannheim, Wien, Zürich: Bibliographisches Institut 1985. / Mühlhölzer, Felix: Das Phänomen der inkongruenten Gegenstücke aus Kantischer und heutiger Sicht. In: Kant-Studien. Philosophische Zeitschrift der Kant-Gesellschaft.
2
objektiv bestimmbar, ob sie sich am selben Ort ereignen oder nicht. Diese Orte und die Abstände zwischen ihnen hängen weder von der Existenz materieller Dinge ab, noch vom Standpunkt eines Beobachters; die innere Struktur des Newtonschen Raumes ist nicht auf materielle Ereignisse und deren Beziehungen zurückzuführen, sondern liegt diesen vielmehr zugrunde. Nach der substantialistischen Interpretation zählen die Raumpunkte zu den inneren Raumstrukturen. Der absolute Raum ist seiner Natur nach stets in sich ruhend und homogen, seine Koordinaten bezeichnen absolute Orte und folglich absolute Abstände – in diesem unendlichen Raum ruht der Schwerpunkt des Weltsystems (vorausgesetzt, es ist endlich). Die „dynamische“ Komponente der Raumdefinition besteht im ihrem Bezug auf die mit Geschwindigkeitsänderungen verknüpften Kräfte, denn laut Newton zeichnen sich absolute Bewegungen (also die gegen den absoluten, stabilen Raum) durch Trägheitskräfte aus – so beschleunigte Bewegungen oder Rotationen – und beweisen die Existenz des absoluten Raumes sehr anschaulich (siehe Newtons „Eimerversuch“). Diese auf die Mechanik gestützte Argumentation Newtons wurde viel kritisiert, doch fand man keine bessere, oder genauer gesagt mathematisch- physikalisch funktionsfähigere Theorie als Alternative.
Solch eine Alternative ist die Leibnizsche Gegenposition, deren Stärke auf den Schwachstellen des absoluten Raumbegriffs beruht, die sich auf die Plausibilität seiner Grundidee stützt und insgesamt erkenntnistheoretisch sehr überzeugend sein mag, aber weder mathematisch ausgearbeitet noch empirisch angewandt werden kann. Nach der relationalen Raumkonzeption sind nur die Beziehungen zwischen den Körpern innerhalb des Weltsystems für Räumlichkeit von Bedeutung und sie bleiben gleich, unabhängig davon, wo sich das Weltsystem wann befindet. Also kommt Leibniz zu der Überzeugung, daß es gar keinen Sinn hat, zu unterscheiden, ob es sich gerade hier oder dort befindet und argumentiert folgendermaßen: Erstens gibt es keinen zureichenden Grund, warum sich das Weltsystem zu einem bestimmten Zeitpunkt am Ort A und nicht am Ort B des absoluten Raumes befinden sollte (Prinzip des zureichenden Grundes), und zweitens könnten wir die Situation, an dem es sich am Ort A befindet, gar nicht unterscheiden von der Situation, an dem es am Ort B ist (Prinzip der Ununterscheidbarkeit des Identischen). Newtons Konzeption, die beide Unterscheidungen zuläßt, postuliert also mehr Struktur als zur Erfassung des Phänomens nötig wäre. Außerdem könnten wir auch eine gleichförmige 83 (1992). Hrsg. von Gerhard Funke u. Rudolf Malter. Berlin, New York: Walter de Gruyter 1992.
3
Quote paper:
Eleonóra Szemerey, 2002, Kants Argument für den absoluten Raum aus dem Jahre 1768, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Der Zusammenhang des Sonnen- und Höhlengleichnisses in der Politeia
Philosophy - Philosophy of the Ancient World
Termpaper, 15 Pages
Sklaven in der Gesellschaft des römischen Kaiserreiches
History - World History - Early and Ancient History
Scholarly Essay, 29 Pages
Zu: David Hume - Dialoge über natürliche Religion
Philosophy - Philosophy of the 17th and 18th Centuries
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 24 Pages
History Europe - Other Countries - Newer History, European Unification
Presentation (Handout), 10 Pages
Geography / Earth Science - Demographics, Urban Management, Planning
Termpaper, 17 Pages
vom Reliquienkult zur Anatomie...
Scholary Paper (Seminar), 24 Pages
Platons Frauenbild vor dem Hintergrund der athenischen Wirklichkeit
Wie entsteht ein moralischer C...
Philosophy - Philosophy of the Ancient World
Termpaper, 17 Pages
Ist die Tugend lehrbar? Die Frage nach der Tugendlehrbarkeit bei Plato...
Philosophy - Philosophy of the Ancient World
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 16 Pages
Kann der von Platon entwickelte Idealstaat als totalitär bezeichnet we...
Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
Scholary Paper (Seminar), 14 Pages
Traineeprogramme international tätiger Unternehmen zur Deckung des wel...
Business economics - Personnel and Organisation
Diploma Thesis, 85 Pages
Griechenland, Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr.
History - World History - Early and Ancient History
Presentation / Essay (Pre-University), 4 Pages
Peter Brook: Der leere Raum - Das heilige Theater
Scholary Paper (Seminar), 17 Pages
Eleonóra Szemerey has published the text Kants Argument für den absoluten Raum aus dem Jahre 1768
Eleonóra Szemerey has uploaded a new text
Kunst im öffentlichen Raum Steiermark. Art in Public Space Styria
Projekte / Projects 2007-2008
Werner Fenz, Evelyn Kraus, Birgit Kulterer
Öffentliche Kunst, Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich, Band 9...
Katharina Blaas-Pratscher, Jonathan Quinn, Christopher Roth, David Westacott
0 comments