Die Darstellung der Phönizier in Homers Epen
Inhaltsverzeichnis:
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1) Einleitung 2
2) Die Phönizier in Homers Epen 4
2.1) Die Phönizier als „Helden der Schiffahrt“ 4
2.2) Die Phönizier als „kunstgeübte Sidonier“ 6
2.3) Die Phönizier als „phoinikische Strolche“ 10
2.4) „Sidonier“ und „Phoiniker“ 14
3) Resümee 15
4) Literaturverzeichnis 17
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Die Darstellung der Phönizier in Homers Epen
1) Einleitung
Die Epen Homers sind nicht denkbar ohne die Phönizier, denn hätten die Griechen nicht um 800 v. Chr. die Alphabetschrift von den Phöniziern übernommen, hätten die Epen nicht schriftlich fixiert und zum Ausgangspunkt der europäischen Literaturgeschichte werden könne. 1 Archäologische Que llen belegen den phönizischen Handel, ausgehend von den Stadtstaaten Tyrus, Sidon, Byblos und Arvad, mit und in Griechenland seit etwa dem 10. Jh. v.Chr.. 2 Durch den auf herausragenden nautischen Kenntnissen und Fähigkeiten aufbauenden Fernhandel kamen die Phönizier in den gesamten Mittelmeerraum und sogar durch die Säulen des Herakles (die Straße von Gibraltar). 3 Durch diese rege Handelstätigkeit im gesamten Mittelmeerraum kamen die Phönizier in Kontakt mit vielen Kulturen, woraus natürlich eine wechselseitige Beeinflussung der jeweiligen Kulturen erwuchs. Dabei waren die Phönizier nicht nur Träger einer eigenen Kultur, sondern auch Mittler und Bindeglied zwischen Orient und Okzident. 4 So haben offensichtlich babylonische und orientalische Mythen, die in provinzieller Redaktion zum Teil auch im Alten Testament vorliegen, Eingang in die homerischen Epen gefunden. 5 Als Beispiel sei hier nur die Parallele zwischen dem biblischen Turmbau zu Babel zu dem Mauerbau in der Ilias genannt: So ist es nicht unwahrscheinlich, daß es den Phöniziern zu verdanken ist, daß das Motiv einer nach göttlicher Beratung verhinderten menschlichen, gegen Gott bzw. die Götter gerichteten Emanzipation in zwei ansonsten nicht in direktem Kontakt stehenden Kulturkreisen auftrat. 6 Die frühen Griechen bezogen offensichtlich viele Informationen und Motive aus den Kulturen des Nahen Ostens und fügten diese in den eigenen
1 Vgl. Latacz 1990, S. 12
2 Vgl. Patzek 1996, S. 28
3 Vgl. Niemeyer 2000a, S. 161
4 Vgl. Latacz 1990, S. 12
5 Vgl. Niemeyer 1984, S. 69
6 Poseidon und Zeus beraten sich im 7. Gesang der Ilias wegen der von den Achaiern
gebauten Mauer und beschließen deren Zerstörung wegen des erwarteten Ruhmes der Mauer, die anscheinend selbst göttliche Werke in den Schatten stellen könnte. Ein verblüffend ähnliches Motiv findet sich im Alten Testament in der Geschichte vom Turmbau zu Babel (Gen 11,1-9): Der Turmbau mit dem Ziel, sich einen Namen zu machen, gefährdet den göttlichen Wirkungskreis, „nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden können von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun“ (6), nach dieser Beratung wird der Turmbau durch einen göttlichen Eingriff (hier: Sprachverwirrung) verhindert, wobei von dieser Aktion im Plural berichtet wird(!): „Wohlan, laßt uns herniederfahren ...“ (7).
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Die Darstellung der Phönizier in Homers Epen
gesellschaftlichen und geistigen Zusammenhang ein. 7 Bei der Frage nach den Übermittlern dieser Mythen bieten sich die Phönizier geradezu an. Der Geschichtsschreiber Herodot nun weiß in seinen Historien davon zu berichten, daß die griechische Buchstabenschrift von den Phöniziern in Griechenland eingeführt wurde, er spricht an dieser Stelle auch von weiteren „Wissenschaften und Künsten“, die durch die Phönizier zu den Griechen gelangten (Hdt. 5,58), er weiß auch vom Wissensaustausch im Bereich der Musik (Hdt. 2,79) und Technik zu berichten (Hdt. 7,23). Offensichtlich übernahmen die Griechen auch das Maßsystem von den Phöniziern. 8 Der Einfluß der Phönizier auf die griechische Kultur war also, wie hier nur kurz angedeutet, sehr groß. Da die Phönizier aber kein Grenzvolk der Griechen waren, bleibt das Wissen der Griechen über diese recht vage und tendiert zu einer T ypisierung 9 Doch während die andere überlegene Zivilisation in Homers Epen, die Phäaken, nicht real einzuordnen bzw. zu identifizieren sind und deutlich märchenhafte Züge tragen, beruht die Beschreibung der Phönizier auf realer Grundlage. Die Fragestellung dieser Arbeit ist nun, wie die Phönizier in den Epen Homers dargestellt werden. Diese Darstellung kann nun ein gewichtiges Indiz sein, wie die Griechen die Phönizier, denen sie, wie bereits angesprochen, viel zu verdanken haben (ohne sich dessen immer bewußt sein zu müssen), wahrgenommen haben. Dabei erfolgt eine Berücksichtigung zweier anderer literarischer Quellen: Zum einen Herodots Historien als zeitlich spätere Quelle (Mitte des 5. Jh.) aus dem selben Kulturraum, und zum anderen des Alte Testaments als Quelle aus einem anderen, den Phöniziern benachbartem Kulturraum, die in zeitlicher Nähe zu den Epen Homers als Herodot entstand. 10 Die Untersuchung der Darstellung erfolgt nun gegliedert nach den verschiedenen Darstellungsebenen, auf die ein Erklärungsansatz für die jeweiligen Darstellungen folgt. Um die unterschiedlichen Schreibweisen auf einen Nenner zu bringen, erfolgt in dieser Arbeit die durchgängige Schreibweise ‚Phönizier’ und nicht als ‚Phöniker’, ,Phoiniker’ oder
7 Vgl. Patzek 1996, S. 31
8 Vgl. Niemeyer 1984, S. 69
9 Vgl. Patzek 1996, S. 11
10 Die hier relevanten Bücher der Könige (vgl. Zenger 2001, S. 221) und Hesekiels (vgl. a.a.O., S. 454f.) werden auf Anfang des 6. Jh. datiert, das Buch Jesaja wird bis Kapitel 39 („Protojesaja“, vgl. Levin 2001, S. 90) auf Ende des 8. Jh. datiert (zu allen vgl. Zenger 2001, S. 535)
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Die Darstellung der Phönizier in Homers Epen
‚Phönikier’. Bei einer Zitation v on Stellen der Epen stehen die Übersetzungen aus der Sammlung Tusculum in Anführungszeichen, während andere eventuell mögliche Übersetzungen mit Apostroph umrahmt sind.
2) Die Phönizier in Homers Epen
2.1) Die Phönizier als „Helden der Schiffahrt“
Die Phönizier in ihrer Eigenschaft als hervorragende Seefahrer werden in dieser Eigenschaft bei Homer nur in der Odyssee angesprochen. Zuerst kommt dieses Motiv in der Lügengeschichte vor, die Odysseus Athene über seine Fahrt auf einem phönizischen Schiff erzählt (13,272-286). Das phönizische Schiff beschreibt er dabei als glaphyros („geräumig“, 283). Im Hinblick darauf, daß glaphyros auch mit ‚gewölbt’ oder ‚hohl’ übersetzt werden kann, scheint Homer hier ein gaulos, also ein ‚Frachtschiff’ oder ‚Rundschiff’ zu beschreiben, das durch sein rundes Bug und Heck markante Züge trug. 11 Im nächsten Gesang erzählt Odysseus, wie er auf dem Schiff eines betrügerischen Phöniziers war (14,287-309). Hier wird das Schiff ohne besondere Eigenschaft als melaina (307, „schwarz“ oder ‚dunkel’) beschrieben. Die nächste Erwähnung eines phönizischen Schiffes bzw. der phönizischen Schiffahrt beinhaltet eine eindeutige Bewertung (15,415): phoinikes nausiklutoi andres - „phoinikische Männer, Helden der Schiffahrt“ (oder, textnäher: ‚schiffsberühmte phönizische Männer’). Diese Attribuierung bezüglich der nautischen Fähigkeiten ist bei Homer so singulär wie unmißverständlich. Kurz darauf schließlich beschreibt Eumaios das Schiff, mit dem er von Phöniziern entführt wurde. Dabei kommt erneut das Wort glaphyros (15,456; „geräumig“, ‚gewölbt’, ‚hohl’) vor, an zwei anderen Stellen ist jeweils von einem koilos naus (15, 457.464; „hohles Schiff“) die Rede. Diese Beschreibung deutet wiederum auf ein Frachtbzw. Rundschiff hin, was durchaus in den Kontext dieses Mikrotextes paßt, da die phönizischen Ankömmlinge und späteren Entführer offensichtlich ursprünglich mit der Absicht ankamen, Handel zu treiben, wofür sich ein geräumiges Schiff für die Aufnahme vieler Waren und Güter natürlich am
11 Vgl. Briese 2000b, S. 167
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Arbeit zitieren:
Thomas Diehl, 2003, Die Darstellung der Phönizier in Homers Epen, München, GRIN Verlag GmbH
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