Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis 3
Abbildungsverzeichnis 4
Tabellenverzeichnis. 4
Verzeichnis der Anlagen 4
1. Einleitung 5
2. Situation auf dem deutschen Arbeitsmarkt 6
3. Entwicklung der Telearbeit. 11
4. Was ist Telearbeit? 17
4.1. Formen der Telearbeit 17
4.1.1. Heimbasierte Telearbeit. 17
4.1.2. Mobile Telearbeit 19
4.1.3. Centerbasierte Telearbeit. 20
4.1.4. On-Site-Telearbeit 21
5. Geeignete Tätigkeiten 22
6. Technische Entwicklung und Ausstattung von Telearbeitsplätzen. 24
7. Nutzen und mögliche Nachteile der Telearbeit 27
7.1. Vorteile für Unternehmen. 28
7.2. Vorteile für den Telearbeiter 30
7.3. Vorteile für die Gesellschaft. 32
7.4. Mögliche Nachteile für das Unternehmen. 35
7.5. Nachteile für den Arbeitnehmer 35
7.6. Mögliche Nachteile für die Gesellschaft 36
8. Wirtschaftlichkeit der Telearbeit 36
2
8.1. Beispielrechnung für Unternehmen. 37
8.2. Beispielrechnung für Telearbeiter 38
9. Telearbeit - Chancen für den deutschen Arbeitsmarkt 40
9.1. Behinderte. 42
9.2. Frauen 47
9.3. Sicherung bestehender Arbeitsplätze 52
9.4. Indirekte Beschäftigungseffekte. 54
10. Ausblick. 55
Anlagen 57
Literaturverzeichnis. 59
3
Abkürzungsverzeichnis
a.a.O. am angegebenen Ort BRZ Braillezeile bzgl. bezüglich bzw. beziehungsweise EcaTT Electronic Commerce and Telework Trends EDV elektronische Datenverarbeitung etc. et cetera EU Europäische Union EUR Euro DSL Digital Subscriber Line DV Datenverarbeitung GRS Großschrift ISDN Integrated Services Digital Network ITK Information und Telekommunikation IuK Information und Kommunikation LDS Landesbetrieb für Datenverarbeitung und Statistik Mio. Million Mrd. Milliarden OCR Optical Character Recognition OECD Organisation for Economic Co-operation and Development OS Operating System PC Personal Computer PR Public Relations PSG Programmier-Service GmbH SPR Sprachausgabe TK Telekommunikation usw. und so weiter UMTS Universal Mobile Telecommunications System z.B. zum Beispiel ZVEI Zentralverband der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V. VDMA Verband deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V.
4
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Übersicht über die Formen der Telearbeit .......................................... 21 Abbildung 2: Anforderungen an telearbeitsgeeignete Tätigkeiten ........................... 22 Abbildung 3: Jobs where telework is practised (EU10)............................................ 23 Abbildung 4: Allgemeine Richtlinien für die technische Gestaltung ....................... 26 Abbildung 5: Vorteile für das Unternehmen und Befürchtungen bei der
Einführung von Telearbeit .................................................................. 29 Abbildung 6: Vorteile für den Telearbeiter und Befürchtungen bei der
Einführung von Telearbeit .................................................................. 31 Abbildung 7: Vorteile für die Gesellschaft und Befürchtungen bei der
Einführung von Telearbeit .................................................................. 33
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Eckdaten der deutschen ITK-Branche ..................................................... 10 Tabelle 2: Verbreitung der Telearbeit in der EU 2002.............................................. 16
Verzeichnis der Anlagen
Anlage 1: Erwerbstätige Deutschland - Monatsdurchschnitte ................................. 57 Anlage 2: Registrierte Arbeitslose Deutschland ....................................................... 58
5
1. Einleitung
Die Arbeitsmarktlage in Deutschland ist seit Jahren problematisch und die Zahl der Arbeitslosen liegt deutlich über 4 Millionen. Im Zuge der Globalisierung und des damit einhergehenden Strukturwandels nimmt die Bedeutung von Anpassungsfähigkeit und Flexibilität der Unternehmen und Arbeitnehmer zu. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit soll untersucht werden, ob Telearbeit als innovative Form der Arbeitsorganisation, positive Impulse zur Verbesserung der Situation auf dem deutschen Arbeitsmarkt geben kann.
Nach der Einleitung schließt sich im Kapitel 2 der Arbeit die Betrachtung der Situation auf dem deutschen Arbeitsmarkt an. Hierbei findet die Entwicklung der Erwerbstätigen- und Arbeitslosenzahlen von 2000 bis 2003 Beachtung. Es werden Erklärungsansätze für die ungünstige Entwicklung der Beschäftigungslage in Deutschland aufgezeigt und der Einfluss der Globalisierung sowie der Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien betrachtet. Kapitel 3 zeichnet die Entwicklung der Telearbeit nach. Berücksichtigt werden hier die USA, Skandinavien und Deutschland. In Kapitel 4 wird die Frage beantwortet, was unter Telearbeit zu verstehen ist und welche Erscheinungsformen es gibt. Es schließt sich in Kapitel 5 die Betrachtung telearbeitsgeeigneter Tätigkeiten und ihrer Anforderungen an. Technologische Entwicklungen, die eine wichtige Voraussetzung für die Schaffung von Telearbeitsplätzen darstellten, werden in Kapitel 6 betrachtet. Anschließend wird die Ausstattung des Telearbeitsplatzes mit Hardware, Software und Technologie für den Informationsaustausch dargestellt. Kapitel 7 beschäftigt sich mit dem Nutzen und möglichen Nachteilen der Telearbeit. Es werden Vor- und Nachteile für Unternehmen, Arbeitnehmer, Gesellschaft und Gesamtwirtschaft aufgezeigt. Beispielrechnungen zur Wirtschaftlichkeit der Telearbeit für Unternehmen und Telearbeiter finden sich in Kapitel 8. In Kapitel 9 wird untersucht inwiefern Telearbeit eine Chance für den deutschen Arbeitsmarkt darstellen kann. Hierbei werden Chancen berücksichtigt, die sich für Frauen und behinderte Personen ergeben können und es werden die Aspekte der Sicherung vorhandener Arbeitsplätze und indirekter Beschäftigungseffekte betrachtet. Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der gewonnenen Erkenntnisse und einem Ausblick auf die zukünftige Entwicklung der Telearbeit ab.
6
2. Situation auf dem deutschen Arbeitsmarkt
Die Situation auf dem deutschen Arbeitsmarkt ist seit Jahren sehr angespannt. Im Jahresdurchschnitt 2000 ist die Zahl der Erwerbstätigen auf 38,53 Mio., um 1,5% gestiegen, dies sind rund 580.000 Personen mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Arbeitslosen betrug 3.888.700.
Der Beschäftigungsaufbau kam 2001 zum Stillstand auf Grund der konjunkturellen Schwäche. Im Jahresdurchschnitt 2001 konnte in Deutschland nur ein geringer Anstieg um 0,2 % (70.000 Personen) bei den Erwerbstätigen festgestellt werden. Dies bezieht sich jedoch nur auf Westdeutschland (+ 0,5% oder + 180.000). In Ostdeutschland (- 1,7% oder - 110.000) waren rückläufige Erwerbstätigenzahlen zu verzeichnen. Betrachtet man jedoch die monatlichen saisonbereinigten Erwerbstätigenzahlen im Verlauf des Jahres 2001, so ist zu erkennen, dass diese insbesondere von Mitte bis Ende 2001 leicht abgenommen haben. Dies ist auch der Tabelle zu den Erwerbstätigen in Deutschland zu entnehmen, die als Anlage beigefügt ist. Ausgewiesen sind dort die Monatsdurchschnitte der Erwerbstätigen für die Jahre 2000 bis 2002. 1 Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit blieb wegen des schwachen Wirtschaftswachstums und Beschäftigungsdynamik, hinter den Erwartungen zurück. „Im Jahresdurchschnitt 2001 ergab sich eine Zahl von rund 3,85 Mio. Arbeitslosen (West rd. 2,48 Mio., Ost 1,37 Mio.). Dies sind zwar rund 40.000 weniger als im Vorjahr. Gegenüber dem Niveau zu Jahresbeginn waren die Zahlen zum Jahresende hin aber wieder erheblich höher. Denn die saisonbereinigten Zahlen nahmen von Monat zu Monat zu.“ 2 Im Jahr 2002 hat die Zahl der Erwerbstätigen im Jahresdurchschnitt um mehr als 220.000 abgenommen 3 . Hinsichtlich der Anzahl arbeitsloser Personen in Deutschland ist 2002 ein starker Anstieg festzustellen. Gab es 2001 im Jahresdurchschnitt 3,85 Mio. Arbeitslose, so betrug die Zahl im Jahr 2002 durchschnittlich 4,07 Mio. 4 . Auch von Januar bis August 2003 lag die Zahl der Arbeitslosen deutlich über 4 Mio., schwankte zwischen 4,62 Mio. im Januar und 4,31 Mio. im August 5 . Bezugnehmend auf die zuvor genannten Zahlen ist festzustellen, dass sich die Situation auf dem deutschen Arbeitsmarkt in den vergangenen Jahren verschlechtert hat, die Zahl der Erwerbstätigen nahm ab, die Zahl arbeitsloser Personen stieg an.
1 Quelle : http://www.destatis.de/indicators/d/arb310ad.htm
2 IAB Kurzbericht: http://www.iab.de/ftproot/kb0802.pdf
3 Vgl. Anlage 1. Quelle: http://www.destatis.de/indicators/d/arb310ad.htm
4 Vgl. Anlage 2. Quelle: http://www.destatis.de/indicators/d/arb110ad.htm
5 Vgl. Anlage 2. Quelle: http://www.destatis.de/indicators/d/arb110ad.htm
7
Es stellt sich die Frage nach den Gründen für diese problematische Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt.
Es wird unter anderem die Ansicht vertreten, dass die ungünstige Entwicklung der Beschäftigungssituation in Deutschland primär auf „Rigiditäten des Arbeitsmarktes“ 6 zurückzuführen ist. Damit sind institutionelle Regelungen gemeint, die die Funktionsfähigkeit des Arbeitsmarktes dahingehend beeinflussen, dass Angebot und Nachfrage nicht zur Deckung gebracht werden können. Als Ursachen für diese negative Beeinflussung des Marktmechanismus werden beispielsweise Kündigungsschutzbestimmungen, die
Lohnfestlegung durch Kollektivverträge, geringe Lohnspreizung, eingeschränkte Möglichkeit Arbeitsverträge zu befristen, zu hohe Zahlungen bei Arbeitslosigkeit, unflexible Arbeitszeitregelungen etc angesehen. Insgesamt gesehen haben nach der These von den Rigiditäten des Arbeitsmarktes, die zuvor genannten Regelungen sowie die hohe Abgabenbelastung von Unternehmen und Arbeitnehmern wesentlich zur hohen strukturellen Arbeitslosigkeit beigetragen. Es ist jedoch anzumerken, dass quantifizierbare empirische Tests für die Rigiditätstheorie fehlen.
Ein weiterer Erklärungsversuch ist eine Wachstums- und Nachfrageschwäche und die Folgen des ökonomischen Umbruches in Ostdeutschland. Eine mögliche Lösung wird in einer besseren makropolitischen Steuerung gesehen.
Eine andere Theorie spricht von einer sogenannten Dienstleistungslücke als Ursache für die schlechte Beschäftigungslage in Deutschland. „Die These lautet, dass die ungünstige Beschäftigungslage Deutschlands ausschließlich auf die im internationalen Vergleich besonders geringe Beschäftigung im geschützten Sektor, speziell bei den Dienstleistungen, zurückzuführen ist, während im exponierten Sektor sogar eine überdurchschnittliche Beschäftigung - höher als in den USA - erreicht wird.“ 7 Als Ursache für diese Dienstleistungslücke wird das Leistungsprofil und die Finanzierungsstruktur des deutschen Sozialsystems angesehen. Diese Theorie sieht eine Lösungsmöglichkeit in der Verringerung der Sozialabgaben geringer Einkommen, um somit ein preiswertes Angebot privater Dienstleistungen zu ermöglichen. Auch die Verringerung der Arbeitslosigkeit durch eine steuerfinanzierte Ausdehnung des öffentlichen Beschäftigungssektors (soziale
Dienstleistungen) wird in Betracht gezogen.
6 Deutscher Bundestag (Hrsg.): Schlussbericht der Enquete-Kommission - Globalisierung der Weltwirtschaft;
Leske + Budrich, Opladen 2002, S. 209
7 Ebd., S. 210
8
Es gibt also verschiedene Erklärungsansätze für die negative Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt.
Dieser wird auch durch die Globalisierung beeinflusst, die Gewinner und Verlierer auf der Ebene von Volkswirtschaften und innerhalb dieser hervorbringt. Angesichts des beschleunigten Strukturwandels, der mit der Globalisierung einhergeht, stehen „Länder, Unternehmen, Kulturen und Sozialschichten, die beim beschleunigten Strukturwandel nicht mithalten können und die weder über Macht noch Reichtum noch weltweit benötigte Ressourcen verfügen ...“ 8 , als Verlierer da. Gewinner der Globalisierung ist, wer sich anpassen kann und über den entsprechenden Einfluss und das Kapital verfügt, um die Richtung des Strukturwandels zu seinen Gunsten mitzubestimmen. Im Schlussbericht der Enquete-Kommission „Globalisierung der Weltwirtschaft“ wird darauf hingewiesen, dass Deutschland seinen Außenhandelsüberschuss auch in Zeiten weltwirtschaftlicher Schwäche erhalten konnte und insgesamt als Gewinner der Globalisierung betrachtet werden kann. Dennoch gibt es auch in Deutschland Verlierer wie kleine und mittlere Unternehmen, die Unterstützung benötigen, um sich dem Strukturwandel anzupassen. Weiterhin zählen zu den Globalisierungsverlierern Personen mit geringer Berufsqualifikation, für die im Privatsektor, besonders im Dienstleistungsbereich nicht genug einfache Arbeitsplätze geschaffen werden. 9 Internationale Arbeitsteilung, Mobilität des Kapitals sowie hochqualifizierter Arbeitskräfte, Innovations- und Wettbewerbsdruck nehmen zu. Die Situation auf den internationalen Märkten kann sich schnell ändern, was die Fähigkeit zu schneller und flexibler Anpassung erforderlich macht. Die Arbeitsmarktchancen von Personen, die diese Fähigkeiten besitzen, steigen. Es ist insgesamt ein Anstieg der Qualifikationsanforderungen zu verzeichnen. Der Strukturwandel auf dem Arbeitsmarkt wird auch bedingt durch den Wandel der Erwerbsformen. Die Europäische Arbeitskräfteerhebung von Eurostat wies aus, dass die Zahl der Normalarbeitsverhältnisse in Deutschland von 1991 bis 2001 gesunken ist. Die Anzahl von Teilzeitbeschäftigten stieg ebenso wie die der geringfügigen und befristeten Beschäftigungsverhältnisse. Eine weitere Veränderung auf dem deutschen Arbeitsmarkt besteht in der Flexibilisierung der Arbeitszeiten. Diesbezüglich wurde ein Zusammenhang zwischen Arbeitszeitveränderung und Qualifikationsniveau der Arbeitnehmer festgestellt. Die Arbeitszeit verkürzte sich für Personen mit einfachen Qualifikationen und erhöhte sich für Beschäftigte mit höheren Qualifikationen. Es arbeiten weniger Personen in „Normalarbeitszeit“. „Wenn man Normalarbeitszeit äußerst restriktiv als Vollzeitarbeit von
8 Deutscher Bundestag (Hrsg.): Schlussbericht der Enquete-Kommission - Globalisierung der Weltwirtschaft;
Leske + Budrich, Opladen 2002, S. 53
9 Vgl. ebd., S. 223
9
montags bis freitags, mit konstanter Verteilung der Arbeitszeit, ohne Überstunden, Schichtarbeit, Nachtarbeit und Wochenendarbeit interpretiert, dann hatten schon 1989 nur noch 24 Prozent der Beschäftigten, 1995 noch 19 Prozent und 1999 nur noch 15 Prozent der Beschäftigten eine normale Arbeitszeit.“ 10
Ein weiteres Arbeitsmarktproblem ist die strukturelle Arbeitslosigkeit. Hierbei stellt sich die Situation besonders schwierig dar für Beschäftigte mit einfacher Qualifikation. Die Arbeitslosenquote geringqualifizierter Arbeitnehmer ist höher als die allgemeine Arbeitslosenquote.
Angesichts der angespannten Lage auf dem Arbeitsmarkt stellt sich die Frage nach Möglichkeiten, die Situation zu verbessern. Hier ist zum einen die Bildungs- und Qualifizierungspolitik zu nennen, mit der dazu beigetragen werden kann, dass Beschäftigte dem steigenden Innovations- und Flexibilisierungsdruck standhalten können. Eine Volkswirtschaft mit gut ausgebildeten und qualifizierten Arbeitnehmern hat bessere Chancen, im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Die OECD hebt in ihrem diesjährigen Beschäftigungsausblick die Bedeutung einer arbeitsplatzbezogenen Aus- und Weiterbildung hervor. „Manche Arbeitskräfte können, wenn sie eine Beschäftigung finden, in Niedriglohnfallen geraten und durch Trainingsmaßnahmen kann diese Gefahr möglicherweise verringert werden, weil sie den Betreffenden helfen, ihr Produktivitäts- und Verdienstpotenzial effektiv zu realisieren.“ 11 Die OECD warnt, dass das zukünftige Wirtschaftswachstum gefährdet ist, falls die Beschäftigung nicht ausgeweitet und stärker in die Aus- und Weiterbildung investiert wird. 12 Des Weiteren ist eine Arbeitsmarktpolitik mit dem Ziel, arbeitssuchende Personen in den regulären Arbeitsmarkt zu integrieren, bedeutsam. Ansatzpunkte sind die Verbesserung der Arbeitsvermittlung, Unterstützung von Ausbildung und beruflicher Weiterbildung sowie Existenzgründungen. Von Bedeutung ist auch die Arbeitszeitpolitik. „Es wird empfohlen, sich für Arbeitszeitverkürzungen in den verschiedensten Formen einzusetzen. Dabei kommt einer individuell differenzierten und freiwilligen Arbeitszeitverkürzung eine besondere Bedeutung zu. Zum einen muss die Arbeitszeit wegen der steigenden Anforderungen an Innovationstempo und Reaktionsgeschwindigkeit flexibler werden. Dies gilt zumindest für die der Globalisierung ausgesetzten und wettbewerbs- und modernisierungsintensiven Bereiche der Wirtschaft. Zum anderen ist im Hinblick auf das für mindestens ein Jahrzehnt bestehende
10 Deutscher Bundestag (Hrsg.): Schlussbericht der Enquete-Kommission - Globalisierung der Weltwirtschaft;
Leske + Budrich, Opladen 2002, S. 217, 218
11 http://www.oecd.org/document/4/0,2340,en_2649_201185_14894724_1_1_1_1,00.html
12 Vgl. ebd.
10
gesamtwirtschaftliche Arbeitsplatzdefizit bzw. den Arbeitskräfteüberschuss Umverteilung von Arbeit durch Arbeitszeitverkürzung notwendig.“ 13 Es wird auf eine individuell differenzierte und freiwillige Arbeitszeitverkürzung hingewiesen, da die Situation von Betrieben in den Branchen und in verschiedenen Berufsgruppen sehr unterschiedlich ist und dem würde eine Arbeitszeitverkürzung durch schematische und flächendeckende Rationalisierung der Arbeitskraft nicht gerecht werden. Weiterhin sollte auf die Steigerung der Frauenerwerbstätigkeit Wert gelegt werden.
Angesichts dieser Lage ist die Beschäftigung mit neueren Formen der Arbeitsorganisation, wie Telearbeit notwendig, um das hier vorhandene Potential an Arbeitsplätzen auszuschöpfen. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Entwicklung der Anzahl der Erwerbstätigen in der deutschen ITK-Branche im Zeitraum vom 1999 bis 2002.
Gab es im Jahr 1999 noch 745.000 Erwerbstätige in dieser Branche, so waren es im Jahr 2000 bereits 75.000 mehr, ein Zuwachs von 10,1%. „Die Krise der New Economy und die allgemeine Konjunktureintrübung führten im Jahr 2001 zu einem deutlich verlangsamten Wachstum und im Jahr 2002 zu einem Rückgang beim Umsatz von 1,3 % und bei der Beschäftigung um 36.000. Für das Jahr 2003 ist noch keine signifikante Besserung zu
13 Deutscher Bundestag (Hrsg.): Schlussbericht der Enquete-Kommission - Globalisierung der Weltwirtschaft;
Leske + Budrich, Opladen 2002, S. 222
14 Quelle: http://www.bmwi.de/Navigation/Wirtschaft/Branchenfocus/informationswirtschaft.html
11
erwarten. Die mittelfristigen Aussichten der Branche werden aber weiterhin positiv eingeschätzt. Insbesondere von der Einführung und Verbreitung neuer Technologien, z.B. UMTS und Breitband, werden wichtige Impulse für die zukünftige Entwicklung der ITK-Branche und der Gesamtwirtschaft erwartet.“ 15
Neue Informations- und Kommunikationstechnologien führen zu Änderungen existierender Organisations- und Arbeitsstrukturen. Dezentrale, vernetzte Organisationsformen können eingeführt werden, so dass Arbeitsprozesse zeitlich entkoppelt und räumlich ausgelagert werden können. Die Telearbeit wird als innovative und flexible Form der dezentralen Arbeitsorganisation betrachtet. Die Auflösung starrer und standardisierter Arbeitszeiten und -formen ist die vorherrschende Perspektive. Die Arbeitsteilung innerhalb und zwischen Unternehmen, Organisationen und Verwaltungen wird zunehmend neu strukturiert. Politik, Wissenschaft, Arbeitnehmer-Vertreter und Arbeitgeber sowie Unternehmen überlegen, wie Arbeit ökonomischer und ökologischer gestaltet werden kann und suchen nach Arbeitsorganisationen, die die Arbeitseffektivität erhöhen. Moderne Informations- und Kommunikationstechnologien und die weltweite Verknüpfung von Datennetzen haben das Potential für Steigerungen von Leistung und Effizienz.
3. Entwicklung der Telearbeit
Betrachtet man die Geschichte der Telearbeit, so sind verschiedene Entwicklungsstränge erkennbar. Im Jahr 1973 kam es zu einer Ölkrise. Arabische Staaten verhängten gegen die Niederlande und die USA einen Lieferboykott wegen ihrer israelfreundlichen Haltung im Jom-Kippur-Krieg. Die betroffenen Staaten reagierten mit Sparprogrammen und suchten nach alternativen Energiequellen. In den USA wurden daraufhin Überlegungen angestellt, wie der Berufsverkehr reduziert und Energie eingespart werden könnte. Jack Nilles führte im Jahr 1976 eine Studie durch, in der er die Entwicklungsprozesse der Dezentralisierung untersucht und dabei die Stufen Zentralisierung, Zergliederung, Ausbreitung und Zerstreuung / Vermischung unterscheidet.
15 http://www.bmwi.de/Navigation/Wirtschaft/Branchenfocus/informationswirtschaft.html
12
Arbeit zitieren:
Mandy Rath, 2003, Telearbeit - Chancen für den deutschen Arbeitsmarkt, München, GRIN Verlag GmbH
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