Inhalt:
Einleitung S. 3
1. Zur Einführung - ein kurzer Einblick in die Geschichte der 4
IG Farben AG
2. Die Vorgeschichte einer Zusammenarbeit: Das Projekt 8
Kohle -hydrierung
3. Einschub: Der „Kalle-Kreis“ - Unterstützung politischer 10
Parteien durch die I.G. Farben vor 1933
4. „Dann ist der Mann vernünftiger, als ich gedacht habe.“ - 11
Die Verknüpfung der I.G. Farben AG mit dem
Nationalsozialismus S. 11
4.1 Das Verhältnis der I.G. Farben AG zur NSDAP vor 1933 14
4.2 Das erste Treffen mit Hitler 16
4.3 Hitlers Reden vo r den Spitzen der deutschen Industrie am
20. Februar 1933 17
4.4 „Adolf-Hitler-Spende“ - Ausweitung der finanziellen
Unterst ützung seitens der I.G.
S. 18
5. Benzinvertrag und Projekt Buna - der Vierjahresplan und
die Ausweitung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit
zwische n I.G. und NSDAP 18
5.1 Der Benzinvertrag 18
5.2 Das Projekt Buna 20
5.3 Der Vierjahresplan und Carl Krauch - Katalysatoren des
Projekts Buna
S. 22
6. I.G. Auschwitz - Zwangsarbeit und Vernichtung unter der
F ührung der I.G. Farben AG 22
6.1 Standortsuche, Frage der Finanzierung, Beginn der 24
Bauarbeiten
6.2 Monowitz - das KZ der I.G. Farben 25
7. Zyklon B - die I.G. Farben liefern den Tod für Millionen 26
8. Der verlorene Krieg und der Nürnberger I.G.-Farben- 28
Prozess
Bibliographie
2
Einleitung:
Diese Studienarbeit beschäftigt sich mit der Verknüpfung der I.G. Farben AG mit dem Nationalsozialismus.
Die Geschichte der I.G. Farben wird zunächst - so kurz wie möglich, so ausführlich wie nötig - zusammengefasst. Anschließend werden die für die Zusammenarbeit mit der nationalsozialistischen Regierung entscheidenden Erzeugnisse der I.G.synthetisches Mineralöl und Buna, künstlicher Kautschuk - näher betrachtet; eingeschoben ist eine kurze Abhandlung der politischen Aktivitäten der I.G. vor 1933 mit Konzentration auf die Spendenpolitik. Ausführlich wird auf die Anfänge der Zusammenarbeit mit dem Nationalsozialismus eingegangen, der Bogen spannt sich über erste Kontakte mit Hitler, Unterstützungen der NSDAP in ihrer Anfangsphase seitens der I.G. Farben durch großzügige Spenden und die erste schriftliche Fixierung der Zusammenarbeit, dem Benzin-Vertrag.
Thematisiert wird anschließend die Planung und der Aufbau der I. G. Auschwitz incl. des von der I.G. unterhaltenen KZ Monowitz; kurz wird die Lieferung von Zyklon B durch die Degesch, eine Tochterfirma der I.G., geschildert.
Den Abschluss der Studienarbeit bildet ein Kapitel über den Nürnberger I.G.-Farben-Prozess, weiterhin wird ein kurzer Einblick in die Entwicklung der I.G. nach dem Zweiten Weltkrieg gegeben.
3
1. Zur Einführung - ein kurzer Einblick in die Geschichte der IG
Farben AG
Um die Ursprünge der IG Farben AG zu klären, bedarf es eines kurzen Exkurses in die Geschichte der Chemie: Zunächst, in der Mitte des 19. Jahrhunderts, war die chemische Forschung, die seinerzeit etwa durch die Entdeckung synthetischer Farbstoffe und Entwicklung neuer Arzneimittel für Aufsehen sorgte, noch von finanziellen Zuwendungen der chemischen Industrie oder privaten Mäzen abhängig 1 .
Diese Abhängigkeit der Forschung von diversen Gönnern änderte sich am 23. Oktober 1912, mit der Gründung des Kaiser-Wilhelm-Instituts für physikalische Chemie und Elektrochemie, in dessen Verwaltungsrat,ausschuss und wissenschaftlichen Beirat bereits die „Grundstoffe für die kommende Vereinigung“ 2 versammelt waren, im Einzelnen: Heinrich von Brunck und Carl Möller (Badische Anilin- und Soda-Fabrik), Henry von Böttinger und Carl Duisberg (Farbwerke vorm. Friedr. Bayer & Co.), Gustav von Brüning und Walther von Rat (Höchster Farbwerke vorm. Meister, Lucius & Brüning) sowie Franz Oppenheim (AG für Anilinfabrikation), Edmund ter Meer (Chemische Fabriken vorm. Weiler-ter Meer) und Arthur von Weinberg (Cassella & Co.). Die chemische Forschung war also von diesem Zeitpunkt an an die finanzielle Unterstützung des Staates gebunden, sie wurde verbeamtetwas innerhalb der Chemie einen „massiven Nationalismus“ entstehen ließ, der im Ersten Weltkrieg z utage treten sollte 3 . Während des Ersten Weltkriegs wurde nämlich ein Problem offenbar, das der deutsche Generalstab zunächst nicht als solches gesehen hatte - das Deutsche Reich war in hohem Maße von Rohstoffen aus Übersee abhängig. Ohne Salpeter, die Basis aller damals bekannten Sprengstoffe, drohte der Krieg vorzeitig zu Ende zu gehen - auf Salpeter besaß Chile das Monopol, es musste folglich aus Übersee importiert werden, was die englische Marine durch Blockaden zu verhindern wusste 4 .
1 Vgl. Ruschig, Ulrich: Chemiker an der Heimatfront. Die I.G. Farben, die deutsche Chemie und der
Nationalsozialismus. 2. Aufl. Oldenburg: 1987. S. 2.
2 Köhler, Otto: …und heute die ganze Welt. Die Geschichte der IG Farben. Bayer, BASF und Hoechst.
Köln: Papyrossa 1990. S. 42.
3 Vgl. Ruschig, S. 2
4 Vgl. Ruschig, S. 3
4
Doch es „entstand unserem Krieg ein Retter“ 5 namens Carl Bosch. Dieser, Ingenieur der BASF, wurde damit beauftragt, die bereits im Labor erprobte Umwandlung synthetisch gewonnenen Ammoniaks im industriellen Maßstab zu verwirklichen 6 ; die Gegenleistung für Boschs „Salpeterversprechen“ bestand in Abnahmegarantien sowie einem Staatsdarlehen von 35 Millionen Reichsmark, welches zum Bau einer Großanlage zur Herstellung von Salpetersäure verwendet wurde 7 / 8 .
Carl Bosch (1874-1940) Fritz Haber (1868-1934)
Ein weiterer „Retter“ des Ersten Weltkriegs trägt den Namen Fritz Haber. Habers Forschungen, ebenfalls unterstützt von der BASF, bildeten die Grundlage für Boschs industrielle Herstellung von Salpetersäure 9 ; diese ging unter der Bezeichnung „Haber- Bosch-Verfahren“ in die Geschichte der Chemie ein.
Haber, promovierter Philosoph und Soldat im Rang eines Hauptmanns, hatte aber noch eine weitere „zündende Idee“ 10 - er erkannte, dass die Abfallprodukte der Farbindustrie, vornehmlich Chlor, auch zur Vernichtung des Feindes verwendet werden können. Dem ersten deutschen Gasangriff
5 Köhler, S. 18.
6 Vgl. Ruschig, S. 4
7 Vgl. Köhler, S. 29 f.
8 Es muss allerdings angemerkt werden, dass Salpeter auch ein Grundstoff für Düngemittel war, es also
durchaus auch edlere Verwendungszwecke und Forschungsgründe gab.
9 Vgl. Köhler, S. 41.
10 Köhler, S. 46.
5
am 22. April 1915 fielen etwa 5000 französische Soldaten zum Opfer, Tausende blieben ihr Leben lang gezeichnet 11 .
Habers Stellenwert innerhalb der Giftgasforschung ist auch durch die nach ihm benannte Formel, das „Haber-Produkt“, ersichtlich: In Habers „Tödlichkeitsformel“ 12 wird das Produkt aus der Multiplikation der Konzentration einer Substanz in der Luft mit der bis zum Eintritt des Todes benötigten Zeit errechnet.
Mit Forschungen an Substanzen, die zum Tod des Feindes führen, beschäftigte sich auch Carl Duisberg 13 . Dieser war seit 1883 bei den Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Co. angestellt; Duisbergs „Auftrag lautete schlicht: Erfindungen machen“ 14 . Diesen Auftrag erfüllte Carl Duisberg, die Firma konnte vom Zeitpunkt seiner Anstellung an eine Vielzahl von Patent-Neuanmeldungen vermelden - Duisberg stieg auf, wurde 1900 zum Direktor und 1912 zum Generaldirektor der Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Co. e rnannt 15 . Carl Duisberg wurde aber auch zum Vater der I.G. Farbenindustrie AG. Bereits im Jahr 1903, sich auf die Erfahrungen seiner zweiten USA-Reise beziehend, stellte Duisberg in einer Denkschrift die Frage, ‚ob die Verhältnisse der chemischen Industrie und speziell in der Farbenindustrie nicht auch derartig sind, daß eine Vereinigung der verschiedenen Farbenfabriken nicht nur zweckmäßig ist, sondern im Laufe der Zeit erfolgen muss’ 16 .
Diese Denkschrift wurde im Januar 1904 an die „Herren von der Konkurrenz“ 17 geschickt; im gleichen Jahr entstand der Dreibund, der Zusammenschluss zwischen BASF, Bayer und Agfa zu einer Interessengemeinschaft 18 sowie der Zweibund zwischen Meister Lucius & Brüning und Casella, der sich 1907 durch den Beitritt von Kalle & Co. zum Dreierverband erweiterte 19 .
11 Vgl. Köhler, S. 47 f.
12 Köhler, S. 53.
13 Vgl. Köhler, S. 56.
14 Köhler, S. 59.
15 Vgl. Köhler, S. 68.
16 Zitiert nach: Heine, Jens Ulrich: Verstand und Schicksal. Die Männer der I.G. Farbenindustrie A.G.
in 161 Kurzbiographien. Weinheim: VCH Verlagsgesellschaft mbH 1990. S. 14.
17 Köhler, S. 81.
18 Vgl. Heine, S. 14 f.
19 Vgl. Köhler, S. 91.
6
Am 18. August 1916 schlossen sich Dreibund, Dreierverbund, die chemische Fabrik Griesheim-Elektron und die chemischen Fabriken Weiler-ter Meer nach dem in einer neuen, 1915 erschienen Denkschrift zusammen 20 . veröffentlichten Plänen Duisbergs Dieser
Zusammenschluss basierte vornehmlich auf zwei Motiven: Die amerikanische Regierung hatte während des Krieges erkannt, welcher Nutzen, welcher strategische Vorteil aus Abfallprodukten der Farbstoffproduktion gezogen werden konnte - um das deutsche Farbmonopol zu zerstören, erklärte die US-Regierung die Farbstoffproduktion zur „nationalen Aufgabe“, deren Erfüllung sie mit Schutzzöllen unterstützte 21 . Um einen Preiskampf untereinander zu verhindern, war die deutsche Farbenindustrie folglich auf Absprachen und Zusammenarbeit angewiesen.
Durch den Ersten Weltkrieg, „den vom Staat aus nationalen Gründen subventionierten Aufbau großtechnischer Anlagen“ 22 , hatte die deutsche chemische Industrie aber auch einen großen Vorsprung im internationale n Vergleich, vornehmlich durch die Umsetzung des bereits erläuterten Haber-Bosch-Verfahrens - es war folglich voraussehbar, dass zu der Realisierung des theoretisch Machbaren auf diesem Gebiet große finanzielle Kapazitäten vonnöten sein würden, die nur durch einen Zusammenschluss aufgebracht werden konnten, Kapital sollte gesammelt werden, um in die „Zukunftstechnologien“ der Hochdruck-Chemie zu investieren 23 .
In 1926 erfolgte dann der Zusammenschluss des Kartells „Interessengemeinschaft der deutschen Teerfarbenindustrie“ zur „I.G. Farbenindustrie AG“. Den Anstoß zu dieser Fusion, in deren Rahmen auch die Dynamit AG und die Westfälische Sprengstoff AG und damit die deutsche Munitionsindustrie „geschluckt“ wurde, gab die Forderung nach einem neuerlichen Ra tionalisierungsprozess; unrentable Produktionszweige
20 Vgl. Henning, Friedrich-Wilhelm: Das industrialisierte Deutschland 1914 bis 1992. 8. Aufl.
München: UTB 1993 (UTB-Taschenbücher 337). S. 109 f.
21 Vgl. Ruschig, S. 6.
22 Ruschig, S. 7.
23 Ebd.
7
wurden geschlossen oder zusammengelegt 24 , um Kapital für weitere Investitionen in die Hochdruck-Technologie zu akkumulieren. Neben der Hochdruck-Chemie sollte zudem die Umsetzung einer weiteren „Zukunftstechnologie“ finanziert werden, die Benzin-Synthese durch Kohlehydrierung 25 .
2. Die Vorgeschichte einer Zusammenarbeit: Das Projekt Kohlehydrierung
Unter der Führung Carl Boschs beschloss die I.G. Farbenindustrie AG, die bereits 1924 begonnenen Versuche zur Mineralölsynthese zu verstärken, dabei wurden zunächst große Fortschritte erzielt, so dass man bereits in 1926 das Wagnis einging, im Rahmen der Leunawerke eine „technische Großversuchsanlage“, mit der etwa 100.000 Tonnen Benzin produziert werden konnten, zu errichten 26 .
Die Errichtung dieser Anlage schien eine Investition für die Zukunft zu sein: Aufgrund einer immer weiter zunehmenden Motorisierung der Bevölkerung stieg der Treibstoffbedarf 27 ; zugleich gab es
„vielversprechende(n) Meldungen, daß die Ölquellen der Erde in absehbaren Jahren zu Ende gehen“ 28 .
Kurz nachdem am 1. April 1927 mit der Produktion künstlichen Benzins 29 begonnen wurde, erkannte man, dass das erforschte Verfahren keineswegs ausgereift war; es ergaben sich unvorhergesehene Probleme, die weitere Forschungen nötig machten 30 .
24 Vgl. Ruschig, S. 9.
25 Vgl. Ruschig, S. 9.
26 Vgl.: Plumpe, Gottfried: Die I.G. Farbenindustrie AG. Wirtschaft, Technik und Politik 1904-1945.
Berlin: Duncker & Humblot GmbH 1990 (= Schriften zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte 37). S.
255-257
27 Vgl. Plumpe, S. 255.
28 Köhler, S. 201.
29 Eine genaue Darstellung dieses Verfahrens würde den Rahmen dieser Studienarbeit sprengen. Einen
Überblick verschaffen die Artikel Kohlehydrierung (S. 2144) und Kohleverflüssigung (S. 2162) in:
Neumüller, Otto-Albrecht: Römpps Chemie-Lexikon. 8. Aufl. Stuttgart: Franckh’sche
Verlagshandlung 1983 (= Band 3).
30 Vgl. Plumpe, S. 257.
8
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Torben Wengenroth, 2003, Die Verknüpfung der IG Farben AG mit dem Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag GmbH
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Tolle Arbeit.
Torben Wengenroth hat hier eine super Arbeit vorgelegt, das Herunterladen lohnt sich auf jeden Fall!
Bjoern
am Tuesday, April 04, 2006-