Genetisches Blockpraktikum für Lehramt SII im Hauptstudium
1. Woche vom 18.2 -23.2.2002
Cytogenetischer Teil - Chromosomen
Genetik-Protokolle - 1.Teil
Sabrina Engels
Gliederung.
1. Präparation von primären Spermatocyten aus den Hoden von Drosophila hydei verschiedener Genotypen
2. Darstellung von Mitosen aus dem Wurzelmeristem von Allium ( nach Induktion von Chromosomen- Mutationen durch Maleinsäurehydrazid )
3. Präparation von Polytänchromosomen von Drosophila hydei und Induktion von Hitzeschock- Puffs
4. Identifizierung des Geschlechtschromatins in Interphase-Kernen
5. Präparation von Mitose- Chromosomen aus Neuroblasten
1. Präparation von Polytänchromosomen von Drosophila hydei und Induktion von Hitzeschock- Puffs
Einleitung:
Normale Chromosomen bestehen aus ein bis zwei Chromatiden, während der Interphase ist die Chromosomenstruktur aufgelöst. Riesenchromosomen bestehen aus einer Vielzahl von Chromatiden (größenordnungsmäßig 1000). Sie werden daher auch polytäne Chromosomen oder Polytänchromosomen genannt. Ihre Größe übersteigt die normaler Metaphasenchromosome. In jeder mitotischen Phase sind sie bis zu 25 µm breit und bis zu 250 µm lang, Das ist 10x breiter & 100x länger als normale kondensierte Metaphase Chromosomen.
Der polytäne Charakter bleibt während der Interphase erhalten. Man findet sie dann aber nicht als freie Chromosomen im Plasma, sondern stets im Kern von einer deutlich sichtbaren Kernmembran umgeben. In Präparationen der Riesenchromosomen (in Quetschpräparaten) wird die Membran absichtlich zerstört, um die Chromosomen zu spreiten und dadurch besser sichtbar zu machen.
Riesenchromosomen kommen in Geweben mit trophischer Funktion (z.B. Speicheldrüsen, Malphigische Gefäße, Darmepithel) bei Dipteren, Ciliaten und Collembolen vor. Außerdem gibt es sie in den Antipoden- und Suspensorzellen einiger Pflanzen (Samenanlage von Bohnen). Im Praktikum werden die Polytänchromosomen aus den Kernen der Speicheldrüsenzellen der Larven der Gattung Drosophila hydei untersucht.
Riesenchromosomen setzen sich aus einer großen Anzahl gepaarter Chromatiden zusammen, die durch schrittweise Verdopplung von DNA (Replikation) ohne darauffolgende Zell- und Kernteilung entstehen (Endomitose). Durch ihre endomitotische Entstehung sind die entstehenden Kerne polytän, d.h. sie besitzen ein Vielfaches des normalen Chromosomensatzes. Normale diploide Zellen besitzen einen doppelten Chromosomensatz 2n. Riesenchromosomen der Speicheldrüsen von Drosophila erreichen eine Polytänie von ungefähr 1000n (210), die von Zuckmücken eine Polyploidie bis zu 16000n. Die Anzahl der Chromatiden pro Chromosom beträgt bei Drosophila etwa 1024.
Bei Dipteren sind es die homologen Chromatiden, die gebündelt ein aus tausenden parallel verlaufenden DNA-Molekülen bestehendes, dicht gepacktes vielsträngiges Riesenchromosom bilden. Durch die Fusion der jeweils homologen Chromosomen entsteht der Eindruck, es würde nur ein haploider Chromosomensatz vorliegen. Das X-Chromosom der Männchen ist leicht daran erkennbar, dass es nur halb so dick wie die übrigen ist, da ihm ein homologer Partner fehlt. Dies liegt daran, dass alles Heterochromatin ( und das Y- Chromosom ist total heterochromatisch) bei der Polytänisierung nicht oder nur sehr wenig mitpolytänisiert wird, so dass es anteilsmäßig in den Riesenchromosomen stark zurück tritt. Alle Riesenchromosomen von Drosophila sind im Bereich ihrer Centromeren untereinander verbunden. Dieser Bereich ist stark heterochromatisch (Chromozentrum).Von dem Chromozentrum gehen sechs Chromosomenarme aus, von denen einer sehr kurz und oft nicht zu sehen ist (6. Chromosom).
Riesenchromosomen zeichnen sich durch eine deutliche regelmäßige Querbänderung aus; das Bandenmuster ist hochspezifisch. Ihr Bänderungsmuster, auch Banden genannt, ist charakteristisch für Riesenchromosomen. Sie entstehen dadurch, dass die DNA in den Banden dichter kondensiert vorliegt als in den benachbarten Bereichen, den Interbanden. Durch ihre je nach Region unterschiedliche Dicke und den variierenden Abständen zwischen den einzelnen Banden können mittels des Bänderungsmusters Chromosomenkarten erstellt werden. Auf diese Weise lassen sich einzelne Gene bestimmten Banden zuordnen und so z.B. ihre Aktivität mikroskopisch untersuchen. Die Bänderungsmuster sind allerdings nicht fixiert, vielmehr weisen sie zu unterschiedlichen Zeitpunkten in der Entwicklung oder in verschiedenen Geweben charakteristische Unterschiede auf. 1952 wurde von Wolfgang Beermann erkannt, dass diese Unterschiede ihre Ursache in unterschiedlicher Genaktivität haben.
Im Fall von Drosophila melanogaster ist jede einzelne Bande identifiziert, klassifiziert und nummeriert worden. Dabei ist zu beachten, dass die Bänderung der Riesenchromosomen nichts mit der eben besprochenen Bandierung normaler Chromosomen zu tun hat.
Die Bänderung der Riesenchromosomen ist auch ohne Färbung sichtbar (z.B. im Phasenkontrast- oder im Interferenzkontrastmikroskop). Die Bandierung normaler Chromosomen ist, wenn man so will, ein Artefakt, ein Muster also, das nur nach Einsatz spezifischer Farbstoffe und unter bestimmten Bedingungen zutage tritt. Riesenchromosomen erwiesen sich als geeignete Studienobjekte zur Untersuchung von Strukturänderungen der Chromosomen und deren Folgen. Die differenzielle Transkriptionsaktivität ist anhand des „Puffing“ klar zu ersehen. Jene Chromosomenabschnitte an denen Transkription stattfindet, sind stark aufgelockert und bilden sogenannte Puffs oder Balbiani-Ringe (das sind besonders große Puffs; z.B. in der Zuckermückenlarve). Verteilung und Größe der Puffs ist in verschiedenen Geweben und Entwicklungsstadien unterschiedlich. Mit dem Beginn der Transkription eines Genes dekondensiert die DNA einer Bande und wird so für die an der RNA-Synthese beteiligten Moleküle und Enzyme zugänglich, es entsteht ein sogenannter Puff. Diese Puffs können mehrere benachbarte Banden einschließen oder sich über eine Reihe schrittweise fortbewegen. Da in den Riesenchromosomen eine starke RNA-Synthese zu beobachten ist und sie dekondensiert vorliegen, handelt es sich um Interphasenchromosomen.
Durch Hitzebehandlung von Larven kann man eine Stressantwort induzieren, wobei Hitzeschock-Gene aktiviert werden, was die Ausbildung markanter Puffs bewirkt.
[....]
Arbeit zitieren:
Sabrina Engels, 2002, Genetik-Protokolle 1.Teil, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Referat / Aufsatz (Schule), 9 Seiten
Letzes Ringen um die Res Publica.
Klassische Philologie - Latinistik - Literatur
Ausarbeitung, 13 Seiten
Der Staatslenker (‚rector rei publicae’) in Ciceros „De re publica“
Klassische Philologie - Latinistik - Literatur
Hauptseminararbeit, 20 Seiten
Anlageinnovationen und Finanzierungsmöglichkeiten durch Optionsanleihe...
BWL - Bank, Börse, Versicherung
Studienarbeit, 26 Seiten
Geowissenschaften / Geographie - Phys. Geogr., Geomorphologie, Umweltforschung
Hauptseminararbeit, 18 Seiten
Der Surrealismus in Frankreich als typische Avantgardebewegung?
Magisterarbeit, 92 Seiten
Effiziente Architekturen und Technologien zur Realisierung von Smart M...
Informatik - Wirtschaftsinformatik
Diplomarbeit, 137 Seiten
Hollandia meets Brecht - Ein Vergleich der Dreigroschenoper Bertolt Br...
Hausarbeit, 26 Seiten
Ciceros Staatsverständnis - Res publica und populus im Dienste der Ger...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 18 Seiten
ClickandBuy 72806679 folgt nun Genetik-Protokolle 1.Teil
Sabrina Engels hat den Text Genetik-Protokolle 1.Teil veröffentlicht
Sabrina Engels hat einen neuen Text hochgeladen
eñe A1. Teil 1 Unidad ñ - 3. Kursbuch + Arbeitsbuch + Audio-CD
Der Spanischkurs
Cristóbal González Salgado
eñe A1. Teil 2 Unidad 4 - 6. Kursbuch + Arbeitsbuch + Audio-CD
Der Spanischkurs
Cristóbal González Salgado
eñe A1. Teil 3 Unidad 7 - 9. Kursbuch + Arbeitsbuch + Audio-CD
Der Spanischkurs
Cristóbal González Salgado
O Blessed Night!: Recovering from Addiction, Codependency, and Attachm...
Francis Kelly Nemeck, Omi, Marie Theresa Coombs
Erste Philosophie (1923/24): Zweiter Teil: Theorie Der PH Nomenologisc...
Edmund Husserl, R. Boehm
0 Kommentare