- 3 -
Inhalt
1 Einführung 4
2 Gründe für die Entwicklung der Prozesskostenrechnung 5
3 Ziele und Aufgaben der Prozesskostenrechnung 6
4 Aufbau der Prozesskostenrechnung 7
4.1 Auswahl geeigneter Unternehmensbereiche 7
4.2 Tätigkeitsanalyse 8
4.3 Prozessverdichtung 8
4.4 Bestimmung der Kostentreiber 9
4.5 Festlegung der Planprozessmengen und Planprozesskosten 10
5 Einsatzgebiete der Prozesskostenrechnung 12
5.1 Verrechnung der Gemeinkosten 12
5.2 Kostenoptimierung, Planung und Kontrolle 13
6 Kritische Würdigung in der Literatur 15
6.1 Vorteile und Schwächen 15
6.2 Vergleich zu Grenzplankostenrechnung und Activity-based Costing 17
6.3 Einordnung in das System der Kostenrechnung 18
7 Anwendung in der Wirtschaft 20
7.1 Integration im Prozessmanagement 20
7.2 Verbreitung im Unternehmensbereich 21
8 Schlussbetrachtung 22
Literaturverzeichnis 27
- 4 - 1Einführung
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Prozesskostenrechnung als Gemeinkostenkalkulation und deren Stellung im Rahmen der Unternehmensplanung. Dabei soll neben der praktischen Durchführung und den Anwendungsmöglichkeiten auch die Entwicklung des Einsatzgebietes der Prozesskostenrechung untersucht werden. Der strukturelle Aufbau orientiert sich an der ursprünglichen Literatur insbesondere von Horváth, Mayer und Coenenberg und wurde um die Sekundärliteratur ergänzt. An die Darstellung des strukturellen Aufbaus einer Prozesskostenrechnung knüpft sic h die kritische Betrachtung in der Literatur. Dabei sollen ausgehend von den nahezu unbestrittenen Vorteilen auch Schwächen aufgezeigt werden. Aufgrund der kontroversen und breit gefächerten Diskussion in der Literatur, beschränkt sich die weitere kritische Würdigung auf den Vergleich mit der Grenzplankostenrechung und dem Activity-based Costing. Die Diskussionen um die Stellung der Prozesskostenrechnung und deren Wandelung von den Anfängen bis zur heutigen Zeit sind ebenfalls Bestandteil dieser Arbeit. Die Einsatzgebiete in der heutigen Unternehmenspraxis sollen durch die Darstellung von Studien und einsetzbaren Computerprogrammen gezeigt werden. Es wird versucht insbesondere die Meinung und Einschätzung von den Verfechtern der ersten Stunde im Vergleich zum heutigen Erkenntnisstand und dadurch die Anpassungsfähigkeit und oftmals vielseitige Nutzung von neuen Ansätzen zu zeigen. Nicht unbeachtet bleiben soll dabei jedoch die ursprüngliche Aufgabe als Kalkulationsverfahren und deren ökonomische Anwendung im heutigen Unternehmensbereich.
- 5 - 2Gründe für die Entwicklung der Prozesskostenrechnung
Die Ursprünge der Prozesskostenrechnung werden auf eine Untersuchung zurückgeführt, die Miller und Vollmann im Jahr 1985 anhand der Situation der amerikanischen Wir tschaft durchgeführt haben. 1 Im Jahre 1987 wurden die dargestellten Sachverhalte von Johnson und Kaplan weiterentwickelt. Es entstand das „Activity-based Costing“, das zum Ziel hatte, die summarische Vollkostenkalkulation durch ein System abzulösen, das die Produktionsgemeinkosten verursachungsgerechter zuordnete. Die Bezugsgröße Lohn sollte durch eine verbesserte Basis abgelöst werden. 2 In Deutschland wurde die Prozesskostenrechnung durch den von Horváth und Mayer veröffentlichten Artikel „Prozesskostenrechnung - Der neue Weg zu mehr Kostentransparenz und wirkungsvolleren Unternehmensstrategien“ aus dem Jahr 1989 bekannt. 3
Die Entstehung der Prozesskostenrechnung basiert im wesentlichen auf drei Ursachen, die von Reckenfelderbäumer als „Problemtriade“ charakterisiert werden. Veränderungen in der Ausgangssituation der Unternehmen, wie der zunehmende Wettbewerb und die Änderung der Bedürfnisse der Nachfrager nach Dienstleistung und Service, führten zu einem enormen Anstieg der Gemeinkosten. Auch die zunehmende Automatisierung der Produktherstellung führte dazu, dass die indirekten Leistungsbereiche, wie Planung, Kontrolle, Steuerung und Disposition immer mehr in den Vordergrund rückten. 4 Aus der Änderung der Wertschöpfungsstrukur des Unternehmens resultierte demnach auch eine Veränderung der Kostenstruktur. 5 Damit geht auch ein erhöhter Informationsbedarf des Managements einher. Insbesondere die strategische Entscheidungsfindung des Unternehmens basiert auf detaillierten Informationen bezüglich der Kostenstruktur und Wirtschaftlichkeit der einzelnen Unternehmensbereiche. 6
1 Vgl. Coenenberg, Adolf Gerhard, Kostenrechnung und Kostenanalyse, 2. Auflage, Landsberg/Lech
1993, S. 195
2 Vgl. Däumler, Klaus-Dieter, Grabe, J., Prozesskostenrechung, in: Betrieb und Wirtschaft 2000, S.
129
3 Vgl. Braun, Stephan, Die Prozeßkostenrechnung; Ein fortschrittliches Kostenrechnungssystem ?, 3.
Auflage, Berlin 1999, S. 7
4 Vgl. Reckenfelderbäumer, Martin, Entwicklungsstand und Perspektiven der Prozeßkostenrechnung,
2. Auflage, Wiesbaden 1998, S. 5f
5 Vgl. Coenenberg, Adolf Gerhard, a.a.O., S. 194
6 Vgl. Reckenfelderbäumer, Martin, a.a.O., S. 10f
- 6 - Dietraditionelle Vollkostenrechnung basiert bei der Zuteilung der Gemeinkosten auf Zuschlagssätzen. So werden häufig die Gemeinkosten auf der Basis der Fertigungslöhne oder der Herstellkosten auf die einzelnen Kostenträger verteilt. Aus den oben genannten Ausführungen zur Verschiebung der Kostenstruktur muss sich jedoch ergeben, dass diese Verfahren zu überdenken und an die heutigen Gegebenheiten angepasst werden mussten. 7
3 Ziele und Aufgaben der Prozesskostenrechnung
Ein Prozess wird als eine Folge von Aktivitäten verstanden, der durch einen messbaren Input gekennzeichnet ist, in seinem Verlauf eine Wertschöpfung erfährt und am Ende einen messbaren Output hervorbringt. 8 Kostenrechnungssysteme stellen Informationen über den Werteverzehr zur Verfügung, der durch den Gütereinsatz im Rahmen der Leistungserstellung und der Leistungsverwertung entsteht.
Die Grundlagen der Prozesskostenrechnung basieren auf der Kostenartenrechnung, die die Kosten erfasst und gliedert. 9 Die Prozesskostenrechnung hat sich zum Ziel gesetzt, die Gemeinkosten anhand der tatsächlichen Inanspruchnahme der Tätigkeiten durch die Kalkulationsobjekte zu verrechnen. 10 Dabei wird der Gemeinkostenblock untersucht, erfasst und strukturiert. Die Erfassung und Dokumentation der Tätigkeiten führt zu mehr Transparenz. Die Kenntnis der einzelnen Prozesse eröffnet die Möglichkeit, diese zu optimieren 11 und damit wirtschaftlicher innerhalb der Kostenstelle zu agieren. 12 Die Vertreter der Prozesskostenrechnung gehen davon aus, dass die traditionelle Zuschlagskalkulation die Kosten der einzelnen Produkte bei diversifizierter Produktherstellung derart ungenau wiedergibt, dass Standardprodukte zu teuer kalkuliert werden und damit zu strategischen Fehlentscheidungen führen kann.
7 Vgl. Kajüter, Peter, Prozeßmanagement und Prozeßkostenrechung, in: Franz, Klaus- Peter, Kajüter,
Peter, Kostenmanagement: Wettbewerbsvorteile durch systematische Steuerung, Stuttgart 1997, S.
217
8 Vgl. Kajüter, Peter, a.a. O., S. 211
9 Vgl. Braun, Stephan, a.a.O., S. 33
10 Vgl. Reckenfelderbäumer, Martin, a.a.O., S. 22
11 Vgl. Remer, Detlef, Einführen der Prozeßkostenrechnung: Grundlagen, Methodik, Einführungen
und Anwendung der verursachungsgerechten Gemeinkostenzurechung, Stuttgart 1997, S. 61f
12 Vgl. Däumler, Klaus-Dieter, Grabe, J., a.a.O., S. 128
- 7 - Diesekönnten durch die Anwendung der Prozesskostenrechnung vermieden werden. 13
Die Entscheidung zur Einführung der Prozesskostenrechnung hängt wesentlich von den Prämissen des Unternehmens ab. Die durch die Einführung entstehenden Kosten sind mit den Kosten zu vergleichen, die ohne die Anwendung durch die herkömmliche Verrechnung der Gemeinkosten entstehen würden. Sinnvoll ist die Einführung nur, wenn das bisherige Kostensystem zu ungenaue Informationen für die Kalkulation und Unternehmensführung wiedergibt. 14 Unternehmen, die sich auf die Herstellung weniger, homogener Produkte spezialisiert haben, erhalten genaue Informationen auch ohne die Einführung der Prozesskostenrechnung. 15
4 Aufbau der Prozesskostenrechnung
4.1 Auswahl geeigneter Unternehmensbereiche
Die Einführung der Prozesskostenrechnung sollte unter Beachtung von Praktikabilität und Wirtschaftlichkeit erfolgen. Sie eignet sich daher für Unternehmensbereiche, die durch repetitive, das heißt relativ gleicha rtige und sich wiederholende, Tätigkeiten, 16 gekennzeichnet sind und nur einen geringen Entscheidungsspielraum aufweisen. Weiterhin empfiehlt sich eine Konzentration auf betriebliche Kostenschwerpunkte und auf betriebliche Ressourcen, die von verschiedenen Produkttypen beansprucht werden. Ressourcen, welche im bisher angewendeten Kostensystem am wenigsten verursachungsgerecht verrechnet werden, sind Tätigkeitsfelder der Prozesskostenrechnung. 17
Zur Implementierung bieten sich Projektteams an, die häufig durch externe Berater ergänzt werden. 18 Vor der Tätigkeitsanalyse werden sogenannte Hauptprozess-
13 Vgl.Horváth, Péter, Mayer, Reinhold, Prozeßkostenrechnung: Der neue Weg zu mehr
Kostentransparenz und wirkungsvolleren Unternehmensstrategien, in: Controlling 1989, S. 215
14 Vgl. Reckenfelderbäumer, Martin, a.a.O., S. 41f
15 Vgl. Kaplan, Robert S; Cooper, Robin; Prozesskostenrechnung als Managementinstrument, New
York/ Frankfurt am Main 1998, S. 113f
16 Vgl. Kajüter, Peter, a.a.O., S. 210
17 Vgl. Coenenberg, Adolf Gerhard, a.a.O., S. 199ff
18 Vgl. Remer, Detlef, a.a.O., S. 79
- 8 - hypothesengebildet, die die Basis für die folgenden Aktivitäten bilden. In der Praxis hat sich die Beschränkung auf sieben bis zehn Hauptprozesse bewährt. 19
4.2 Tätigkeitsanalyse
Als Tätigkeit wird die kleinste Ausführungseinheit oder Leistung betrachtet, die in einer Gemeinkostenstelle in der Richtung eines Arbeitsergebnisses unternommen wird. 20 In der Literatur wird dafür synonym auch der Bergriff Aktivität verwendet. 21 Sie bildet die Grundlage für die Erstellung der Prozesskostenrechnung. Hierbei werden die einzelnen Tätigkeiten identifiziert und ihr Anteil an der Gesamtkapazität der Kostenstelle ermittelt. 22 Zur Ermittlung stehen verschiedene Erhebungstechniken zur Auswahl. Das Erstellen eines Arbeitsprozessbogens (siehe Abbildung 1), das Führen von Interviews mit Kostenstellenleitern oder Mitarbeitern, die Selbstaufschreibung des Mitarbeiters über die täglichen Arbeiten oder die Dauerbeobachtung von Prozessen. 23 Das persönliche Gespräch mit den Kostenstellenleitern hat sich hierbei als am effizientesten erwiesen. 24 Dabei sollte auf eine lückenlose Zeiterfassung geachtet werden, da dies sonst zu verzerrten und falschen Kosteninformationen führen könnte. 25 Die Erkenntnisse werden anschließend in einer Prozessübersicht abgebildet. 26 (siehe Abbildung 2)
4.3 Prozessverdichtung
Die Fülle der Tätigkeiten erfordert eine weitere Zusammenfassung der einzelnen Tätigkeiten zu Teilprozessen. Diese sind zum einen der zugehörigen Kostenstelle zuzuordnen und gleichzeitig auch dem übergreifenden Hauptprozess. 27 So besteht die Kostenstelle „Einkauf und Organisation“ beispielsweise aus den Teilprozessen
19 Vgl. Däumler, Klaus-Dieter, Grabe, J., a.a.O., S. 130
20 Vgl. Michel, Rudolf, Torspecken, Hans-Dieter, Jandt, Jürgen, Kostenrechnung, Neuere Formen der
Kostenrechnung mit Prozesskostenrechnung, 4. Auflage, München 1998, S. 231
21 Tätigkeit und Aktivität werden synonym verwendet
22 Vgl. Reckenfelderbäumer, Martin, a.a.O., S. 54
23 Vgl. Müller, Armin, Gemeinkosten-Management, 2. Auflage, Wiesbaden 1998, S. 110
24 Vgl. Reckenfelderbäumer, Martin, a.a.O., S. 56
25 Vgl. Braun, Stephan, a.a.O., S. 40
26 Vgl. Reckenfelderbäumer, Martin, a.a.O., S. 56
27 Vgl. Horváth, Péter, Mayer, Reinhold, a.a.O., S. 216
Arbeit zitieren:
Daniela Matthäi, 2001, Darstellung und kritische Würdigung der Prozesskostenrechnung, München, GRIN Verlag GmbH
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