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Athen mit kleinen Unterbrechungen funktioniert hat. Schiller sieht in der repräsentativen und vorbe- reitenden Funktion des Rates der 500 einen wesentlichen Beitrag zum Funktionieren dieser Form von Demokratie. Auch zeigt der Rat der 500, dass es sich bei der attischen Demokratie um keine reine Direktdemokratie handelte, da bestimmte Exekutivfunktionen zum Beispiel vom Rat der 500 wahrge- nommen wurden.
Die Zeit der Demokratie – eingeläutet mit den Reformen des Ephialtes – endete mit der makedoni- schen Eroberung 322 v. Chr.
2a. Partizipationsmöglichkeiten
Die Bürger hatten auf jeder Ebene die Möglichkeit, Einfluss auf politische Entscheidungen zu nehmen. Die Volksversammlung mit Rederecht stand jedem Bürger offen, und wenn sie die nötigen Kriterien erfüllten, war im Prinzip auch jeder zur Amtsübernahme befähigt. Da für die Beamten oft ein Verbot der Kumulation, Kontinuation und Iteration für Ämter galt und man auch nur zweimal im Leben Mitglied des Rates werden konnte, stieg die Wahrscheinlichkeit beträchtlich, einmal im Leben einen Posten zu übernehmen. So hatte ein großer Teil der Bevölkerung direkte Erfahrung im Regieren. Es muss zwar beachtet werden, dass die Teilnahmemöglichkeit in der Praxis für viele eingeschränkt war, da sie zu weit entfernt lebten, Militärdienst leisteten oder sich den Verdienstausfall bei Amtsübernahme oder beim Besuch der Volksversammlung nicht leisten konnten, aber letzteres wurde zumindest dadurch gemildert, dass es ab der Mitte des 5. Jh. v. Chr. Tagegelder für Rat und Volksgerichte, später auch für die Volksversammlung gab. Zum besseren Verständnis insgesamt muss auch gesehen werden, dass es im antiken Athen nicht wie heute eine Trennung zwischen Privatleben und Politik gab, son- dern beides untrennbar zusammengehörte und daher jeder in irgendeiner Weise politisch aktiv war.
2b. Politische Elite
Trotz der Basisdemokratie gab es auch in Athen eine politische Elite. Dies zeigte sich darin, dass lediglich ein kleiner Kreis von Personen das allgemeine Rederecht in der Volksversammlung wirklich wahrnahm und Alternativen zur Abstimmung vorlegte. Diese Redner stammten meist aus privilegier- ten Schichten, die es ihnen überhaupt erst erlaubten, eine politische Tätigkeit auszuüben: Reichtum ermöglichte es, diese Beschäftigung zu finanzieren und eine gute Ausbildung, vor allem als Redner, zu erhalten. Gute Abstammung verhalf zudem zu wichtigen Beziehungen. Allerdings sicherten ihnen diese Eigenschaften keine Privilegien. Sie mussten für ihre Vorschläge immer wieder um die Mehrheit in der Volksversammlung kämpfen und konnten ihren Status, auch wegen der Ämterrotation und der Loswahl, nie institutionalisieren. Das Volk nutzte den Vorteil, dass gebildete Leute Ratschläge gaben, sicherte aber gleichzeitig durch verschiedene Kontrollmöglichkeiten, dass die Entscheidungsmacht weiterhin bei ihm blieb.
3. Finanzen im direktdemokratischen Athen der Antike
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Das antike Athen war von drei Faktoren gekennzeichnet, die von zu großen Ansprüchen seitens des Staates und seiner Bürger zeugen: ständiger Finanzmangel, hohe Staatsschulden und starke Geldentwertung.
3a. Die Ausgabenseite
Betrachtet man die Staatsausgaben, so stellt man fest, dass es vier große Ausgabenbereiche gab: Militär, öffentliche Bauten, die Diäten für die Teilnehmer der Volksversammlung und Kultur. Der wohl größte Ausgabenanteil ging zugunsten des Militärs, das im Kriegszustand über 50 Prozent der Gesamtausgaben einnehmen konnte. Prestigebauten sicherten den Bürgern jahrelang zwar sowohl Arbeit als auch ein Einkommen, kosteten aber den Staat entsprechend viel Geld.
Das durch Perikles oder Ephialtes – da herrscht Uneinigkeit – eingeführte Bürgergeld – mit den heu- tigen Diäten zu vergleichen – kostete den Staat ebenfalls viel Geld. Die zunächst auf Mitglieder des Rates der 500, Beamte und Richter beschränkten Diäten wurden ab 403 v. Chr. auch den Mitgliedern der Volksversammlung gezahlt. Somit war auch eine Teilnahme der ärmeren Bevölkerung an der Volksversammlung möglich. Auch wer arm war konnte nun in der Volksversammlung Miglied werden und die zu vergebenden Ämter konnten mit Bürgern aller Schichten besetzt werden. Auch die vom Staat an seine Bürger gezahlten sogenannten Schaugelder – Gelder, die der Bevölkerung die Teilnahme an religiösen oder Kulturveranstaltungen ermöglichten – trugen wohl mit zum Untergang der attischen Demokratie bei (Wagschal 2001).
Zwischen 317 und 307 v. Chr. – nach der makedonischen Eroberung – wurden sowohl die Diäten als auch die Schaugelder abgeschafft und an die Stelle der hohen Ausgaben trat eine finanzielle Stabilität.
3b. Die Einnahmenseite
Eine Einkommensteuer direkter Art gab es in der attischen Demokratie nicht. Und auch Gewerbesteuern wurden nicht erhoben. Die bereits erwähnten Liturgien nahmen mit der Zeit Steuercharakter an. Jedoch war diese Art der Einnahme auf das Wohlwollen der Wohlhabenden angewiesen und sparte den Großteil der Bevölkerung von Zahlungen aus. Mit der Zeit ging der Freiwilligenaspekt der Liturgien verloren und wurde zu einer Vermögenssteuer.
Eine weitere Einnahmequelle war die Kopfsteuer, die auf die Fremden ohne Bürgerrechte – die Metöken – erhoben wurde. Die Metökensteuer war ein nicht unbedeutender Posten im Haushalt, da in Athen zwischen 25.000 und 35.000 Metöken lebten.
Die größte und zeitweise auch wichtigste Einnahmequelle für Athen war die Bundeskasse des atti- schen Seebundes (478/477 - 404 v. Chr. und 378 - 353 v. Chr., Wagschal 2000). Der attische Seebund wurde nach den Perserkriegen von der damaligen Seemacht Athen ins Leben gerufen und umfasste viele griechische Städte auf dem griechischen Festland, in der heutigen Türkei und auf griechischen Inseln. Athen bezog seine Einnahmen aus den großzügigen Beiträgen der Mitgliedsstaaten. Wagschal geht davon aus, dass der „Finanzierungsanteil der Bundesbeiträge 50% der Gesamtausgaben“ – wenn auch nur phansenweise – betragen haben muss. Allerdings waren die Einnahmen auf die Dauer des Bündnisses beschränkt.
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Jean-Pierre Winter, 2004, Gigantische Staatsausgaben im antiken Athen vs. Direktdemokrati und ausgabenreduzierende Tendenz, Munich, GRIN Publishing GmbH
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