Inhaltsverzeichnis
0. On what this is 1
1. Ontologie. 4
1.1. Carnaps Metaphysikkritik 5
1.2. Quines ontologische Verpflichtungen. 6
1.3. Strawsons Unterscheidung in deskriptive und revisionäre Metaphysik 7
1.4. Materielle oder physikalische Objekte 9
2. Die Ontotheorie dreidimensionaler Objekte. 11
2.1. Diachrone Identität dreidimensionaler Dinge 13
2.2. Kritik des Dreidimensionalismus 15
3. Die Ontotheorie vierdimensionaler Objekte 17
3.1. Analogie von Raum und Zeit 18
3.2. Kritik des Vierdimensionalismus 19
3.2.1. Kritik der Raum- Zeit Analogie 20
3.2.2. Kritik der Objekt- und Gegenstandsauffassung 21
3.3. Vor- und Nachteile einer Theorie vierdimensionaler Objekte 22
4. Mereologie 24
4.1. Von den Teilen zum Ganzen. 26
4.1.1. Mereologischer Nihilismus 26
4.1.2. Mereologischer Universalismus 28
4.1.3. Inwagens Kriterien der Zusammensetzung 29
4.1.3.1 Exkurs: Inwagens material beings 31
4.1.4. Zwischenbilanz. 32
4.2. Komplexe Gege nstände 33
4.2.1. Chisholms mereologischer Essentialismus 36
4.2.2. Konstituenten und Struktur komplexer Gegenstände 37
4.2.3. Eigenschaften komplexer Gegenstände. 39
4.3. Diachrone Identität und Veränderung komplexer Gegenstände 42
4.4. Vom Ganzen zu den Teilen. 47
4.5. Resümee 51
II
5. Ein ontotheoretisches Zwei-Ebenen-Modell 53
5.1. Veränderung und die Theorie der relevanten Teile 53
5.2. Konstante Teile und veränderliche Ganze 57
5.3. Die Vierdimensionalität komplexer Gegenstände 59
5.4. Vierdimensionale Gegenstandsauffassungen. 60
5.5. Ontologische Abhängigkeit 63
5.6. Eigenschaften des ontotheoretischen Zwei- Ebenen-Modells. 65
6. On what this was. 68
7. Literaturverzeichnis 69
III
0. On what this is
Jede dieser Fragen fragt auf ihre Weise nach dem Sein. Die Ontologie als Le hre vom Sein hat in allen ihren Ausprägungen stets versucht, obige Fragen zu beantworten, indem sie jeweils einen Katalog von seienden Entitäten verschiedener Art aufgestellt hat. Ein Blick auf die Vielfalt dieser Versuche 1 macht offensichtlich, dass sich das Sein, oder das, was ist 2 , nicht an sich zeigt, sondern sich uns Philosophen immer nur als Für-uns bemerkbar macht. Das Seiende insgesamt zeigt sich und ve rhält sich zu uns also nicht in einer Weise, die nur eine Möglichkeit des Aufgebautseins des Seins denkbar erscheinen ließe. Im Gegenteil, es ist 3 vielmehr so, dass sich das Für-uns des Seienden unterschiedlich bezüglich seiner Struktur interpretieren lässt.
Allein daraus, dass zwei Beschreibungen dessen, was ist, verschieden sind, folgt allein nicht, dass eine der beiden Beschreibungen unzutreffend sein muss. 4 Möglich ist, dass zwei Beschreibungen des Seienden lediglich unterschiedliche Perspektiven auf das, was ist, haben, ohne sich jedoch zu widersprechen. Denkbar ist weiterhin, dass zwei Beschreibungen des Seienden, die sich offensichtlich gegeneinander abgrenzen und somit unvereinbar scheinen, sich unter der Annahme, dass sie jeweils eine verschiedene Perspektive auf das, was ist, einnehmen, kombinieren lassen.
1 Für eine Übersicht siehe Runggaldier/ Kanzian (1998).
2 Die Begriffe „Sein“, „Seiende“ und „was ist“ werden in dieser Arbeit bedeutungsgleich verwendet.
3 Es könnte den aufmerksamen Leser verwirren, dass auch in einer Arbeit, die sich mit Ontologie - also mit der
Lehre vom Sein - beschäftigt, konjugierte Formen des Verbs „sein“ vorkommen. Es war im Rahmen dieser
Arbeit jedoch nicht möglich, eine neue Sprache derart zu entwickeln, dass solche scheinbaren Selbstbezüge zu
vermeiden gewesen wären. Für eine Verwendung konjugierter Formen von „sein“ sprach weiterhin, dass im Text
damit jeweils Sachverhalte konstatiert werden sollen, es sich jedoch in der hier vorliegenden Arbeit nicht um
eine Ontotheorie der Sachverhalte handelt. Auch aus Gründen der Verständlichkeit wurde an der gebräuchlichen
Sprache festgehalten. Wir bauen somit, um ein berühmtes Zitat von Neurath zu gebrauchen, unser Schiff auf
offener See um. Vgl. Neurath (1932/33), S. 206.
4 Es könnte sich z.B. um zwei unvollständige Beschreibungen des Seienden handeln, die das Seiende verschie-
den kategorisieren.
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Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wird der Versuch unternommen, dies für die konkurrierenden Beschreibungen des Seienden einmal als dreidimensionale Ent itäten und ein anderes Mal als vierdimensionale Entitäten zu leisten. Dazu werden nach einer generellen Einführung in die Ontologie und ihre wichtigsten Begriffe sowie nach einer Klärung der Grenzen dieser Arbeit (Kapitel 1) zunächst die sich scheinbar ausschließenden Beschreibungen dessen, was ist, zuerst als dreidimensionale Entitäten (Kapitel 2) und danach als vierdimensionale Entitäten (Kapitel 3) vorgestellt und diskutiert. Hierbei werden im Fall des Dreidimensionalismus die Probleme der diachronen Identität dargestellt und im Fall des Vierdimensionalismus die Raum-Zeit Analogie sowie der sich ergebende Objekt- oder Gegens-tandsbegriff problematisiert.
Über die Vorstellung der konkurrierenden Beschreibungen des Seienden hinaus wird es für eine Kombination derselben notwenig sein, die in letzter Zeit zune hmend an Beachtung gewinnende Theorie der Ganzen und ihrer Teile, die Mereologie, in ontologisch interessanter Weise vorzustellen und einige Kritikpunkte an ihr zu formulieren (Kapitel 4). Nach dieser Bereitung des Feldes, so wie es sich in der Literatur darstellt, wird es mö glich sein, die hier zunächst nur angekündigte Unterschiedlichkeit der jeweiligen Perspektiven zu erläutern und die konkurrierenden Beschreibungen dessen, was ist, in einer Beschreibung zu integrieren (Kapitel 5). Hierbei wird dafür zu argumentieren sein, dass sich durch eine solche Kombination des Dreidimensionalismus und des Vierdimensionalismus die in den Kapiteln 2, 3 und 4 dargestellten Probleme nicht mehr ergeben, sowie dafür, dass einige ontologische Probleme einer Lösung zugeführt werden können.
Es ist ersichtlich, dass die eingangs gestellten Fragen nicht oder zumindest nicht in dem klaren, erwünschten Sinn beantwortet werden. Stattdessen werden Antworten auf folgende Fragen vorgeschlagen:
1. Wann ist etwas ein Gegenstand? Was macht etwas zu einem Gegenstand? 2. Was heißt es, von einem Ding auszusagen, es ve rändere sich und bliebe doch es selbst? 3. Wie ist das Verhältnis zwischen einem Ganzen und seinen Teilen ontologisch einzuordnen?
Dass die eingangs gestellten Fragen nicht weiter direkt behandelt werden, ist dabei nicht als ein Nachteil oder Versäumnis dieser Arbeit anzusehen. Quine hat auf eine Frage wie diese („Was gibt es?“) in seinem vielbeachteten Aufsatz „On What There Is“ ebenso einfach wie
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unbeantwortend mit „Alles!“ geantwortet. 5 Dass auf diese Fragen in der mehrtausendjährigen Philosophiegeschichte keine zufriedenstellenden Antworten gegeben werden konnten, könnte seinen Grund darin haben, dass sie unvorteilhaft gestellt sind. Spricht man über das, was ist, mit dem Ziel, Arten des Seienden auszumachen, so versucht man, sich das, was ist, zum Objekt zu machen. Hierbei von Einfluss ist die Art, wie das, was ist, auf uns wirkt, was also das Für-uns am Seienden ist. Denn das wird nicht nur der Ausgangspunkt und unsere intuitive Basis unserer Beschreibungen sein, sondern auch der Prüfstein der Angemessenheit einer Beschreibung dessen, was ist. So sind wir nicht bereit, eine Beschreibung der Welt, die nicht mit unseren Beobachtungen des Seienden in Übereinstimmung zu bringen ist, zu akzeptieren. An dieser Stelle liegt der Schnittpunkt zwischen Ontologie und Erkenntnistheorie: Wir formulieren unsere Beschreibung dessen, was ist, vor dem Hintergrund und mit dem Ziel der Erklärung des Für-uns des Seienden. Nimmt man an, dass sich im Für-uns des Seienden nicht das Wesen des Seienden offenbart, - und es ist keinesfalls sicher, dass es überhaupt so etwas wie ein Wesen 6 , oder Ansich des Seienden gibt, - so ist eine Frage danach, was als Seiendes ist, eine mit Carnap extern zu nennende Frage. 7 Denn das Seiende vermittelt sich uns als Für-uns und nur als solches können wir es beschreiben. Ein etwaiges Wesen des Seienden oder An-sich des Seienden ist unseren Beschreibungen dessen, was ist, extern. Fragt man nun aber danach, was das Seiende als Für-uns ist, so fragt man nach einer Beschreibung des Für-uns des Seienden. Hierbei kann nun die jeweilige Perspektive auf das Für-uns des Seienden ursächlich für die Unterschiedlichkeit der Beschreibung sein.
Ist es nun so, dass sich der Streit zwischen zwei zunächst rivalisierenden Beschreibungen des Seienden prinzipiell nicht durch die Erfahrung entscheiden ließe, wie es im Fall der in dieser Arbeit vorgestellten Beschreibungen, dessen, was ist - Dreidimensionalismus und Vierdimensionalismus - zu sein scheint, so bewegt sich eine Untersuchung und Zusammenführung der unterschiedlichen Perspektiven und Beschreibungen vor aller Erfahrung und ist somit im besten Sinne: revisionäre Metaphysik. 8
5 Quine (1961b), S. 1.
6 Es kann angenommen werden, dass Einzelnes, was ist, neben einem Für-uns auch noch ein Für-anderes hat.
Soweit sich ein solches Für-anderes nicht in seinem Für-uns zeigt, sind also auch Fragen nach dem Für-anderes
extern zu nennen. Das Wesen ließe sich in dieser Redeweise als das auffassen, was das Seiende neben seinem
Für-uns und seinem Für-anderes noch ist.
7 Vgl. Carnap (1958), S. 206ff.
8 Zur Unterscheidung revisionärer und deskriptiver Metaphysik siehe Strawson (1972) sowie 1.3. Die in dieser
Einleitung geführte Argumentation kommt somit auch zu dem Schluss, dass revisionäre Metaphysik nicht not-wendig schlechte oder unbegründete Metaphysik sein muss.
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1. Ontologie
Was ist Ontologie? Eine gängige Antwort hierauf ist, dass sie als Lehre vom Sein sich damit zu beschäftigen hat, was ist. In einem „systematischen Studium der grundlegendsten Struktur der Realität“ 9 ist dabei „die begriffliche Erfassung der allgemeinsten Merkmale der Wirklichkeit in die Wege zu leiten.“ 10 Ontologie lässt sich auch beschreiben als „diejenige menschliche Aktivität, die darauf abzielt, auf einer hohen Stufe der begrifflichen Allgemeinheit ein theoretisches (also logisch organisiertes) Gesamtbild von allem überhaupt (...) hervo rzubringen.“ 11 Mit diesen Charakterisierungen der Ontologie ist jedoch keineswegs der genaue Katalog von als existierend angenommenen Entitäten einer jeden Ontologie beschrieben, denn diese Ontologien unterscheiden sich genau darin, dass sie die „Realität“, „Wirklichkeit“ oder „alles überhaupt“ jeweils anders beschreiben.
So lassen sich zwei Verwendungsweisen des Wortes „Ontologie“ untersche iden. 12 Zum einen wird ein konkreter Vorschlag darüber, was als das Inventar der Welt zu gelten habe, eine Ontologie genannt 13 , zum anderen wird die in obigen Zitaten beschriebene Lehre vom Sein als Teilgebiet der Philosophie Ontologie genannt. Diese Mehrdeutigkeit des Wortes „O ntologie“ ist dabei nicht nur Grund potentieller Missverständnisse innerhalb philosophischer Diskussionen, sondern auch inhaltlich schwer zu rechtfertigen. Denn eine Ontologie wie ein Vorschlag bezüglich des Inve ntars, oder der Struktur der Welt oder auch eine Beschreibung dessen, was ist, genannt wird, ist nichts anderes als eine Theorie darüber, was es gibt. So wird deshalb innerhalb dieser Arbeit eine Beschreibung des Seienden Ontotheorie genannt, um sie gegen die Ontologie abzugrenzen, die als Lehre vom Sein jeweils Ontotheorien hervorbringt und sie zu diskutieren hat.
In diesem Sinn versteht sich vorliegende Arbeit als Beitrag zur Ontologie, indem sie zwei Ontotheorien, Dreidimensionalismus und Vierdimensionalismus, diskutiert und kritisiert und eine neue Ontotheorie vorschlägt. Zunächst werden jedoch Carnaps Metaphysikkritik (1.1.), Quines ontologische Verpflichtungen (1.2.) und Strawsons Unterscheidung in deskriptive und revisionäre Metaphysik (1.3.) vorgestellt, um den allgemeinen ontologischen Hinter-grund dieser Arbeit zu formulieren.
9 Lowe (1995), S. 12.
10 Runggaldier/ Kanzian (1998), S. 14.
11 Meixner (1999), S. 9.
12 Eine ähnliche Unterscheidung in A- und B-Ontologien entwirft Inwagen (2001a), S. 2.
13 Zur Illustration dieser Redeweise sei beispielhaft auf Zemach (1970) verwiesen, der bereits im Titel den Plu-
ral führt: „Four Ontologies“. Aber auch Informatiker sagen von sich, dass sie „Ontologien“ entwerfen, wenn sie
z.B. Klassen für Java entwerfen .
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1.1. Carnaps Metaphysikkritik
Carnap verneint die Möglichkeit, sinnvoll Ontologie oder Metaphysik zu betreiben. Er versteht metaphysische Aussagen als “knowledge claims about something which is over and beyond all experience”. 14 Ihm geht es in „Überwindung der Metaphysik durch logische Analyse der Sprache“ darum, den Erkenntnisgehalt wissenschaftlicher Sätze klarzustellen. Metaphysische Aussagen erfüllen dabei nicht die an wissenschaftliche Sätze gestellten Anforderungen, da sie prinzipiell nicht verifizierbar oder falsifizierbar und somit ohne Sinn sind. 15 Vor diesem Hintergrund unterscheidet er externe und interne Fragen, wobei sich interne Fragen innerhalb eines Bezugsrahmens beantworten lassen, während sich externe Fragen theoretisch nicht beantworten lassen. 16 So wäre der Satz „der Blauwal ist ein Lebewesen“ ein bezüglich des Begriffsrahmens der Lebewesen interner Satz und somit beantwortbar, während die Frage “gibt es Dinge?“ extern zu nennen wäre, da es keinen wohldefinierten Gegenstandsbereich gibt, relativ zu dem wir den Satz verstehen oder verifizieren könnten. 17 Man dürfe somit nicht glauben, dass die Annahme eines sprachlichen Rahmens eine metaphysische Doktrin über die Realität der fraglichen Entitäten impliziere. 18
Da sich Fragen immer nur relativ zu einem Begriffsrahmen beantworten lassen sind dann auch Fragen, die sich mit der Angemessenheit des Begriffsrahmens selbst beschäftigen, nicht beantwortbar. „Real im wissenschaftlichen Sinn zu sein, heißt, ein Element des Systems sein. Daher kann dieser Begriff nicht in sinnvoller Weise auf das System selbst angewendet werden.“ 19
Die Ontologie als wissenschaftliche Teildisziplin ist heute jedoch lebhafter denn je. Um zu verstehen, wie dies nach Carnaps „Überwindung der Metaphysik durch logische Analyse der Sprache“ möglich ist, aber auch um das Ontologische dieser Arbeit gegen den Vorwurf der Sinnlosigkeit zu verteidigen, ist es zunächst notwendig, in diesem Kontext auf die Posit ionen Quines und Strawsons einzugehen.
14 Carnap (1935), S. 15.
15 Carnap (1931/32)
16 Carnap (1958), S. 206ff; Vgl. Runggaldier/ Kanzian (1998), S.19, 72.
17 Vgl. Zimmermann (1981), S.14, 32.
18 Carnap (1958), S. 350; Vgl. Zimmermann (1981), S.48.
19 Carnap (1958), S. 341.
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1.2. Quines ontologische Verpflichtungen
Quine argumentiert dafür, dass es einen entscheidenden Zusammenhang zw ischen der Sprache oder Theorie, die wir annehmen, und den in ihr jeweils entstehenden ontologischen Verpflichtungen gibt. 20 Er schreibt: “To be assumed as an entity is, purely and simply, to be reckoned as the value of a variable. (...) A theory is committed to those and only those entities which the bound variables of the theory must be capable of referring in order that the affirmations made in the theory be true.” 21 Zu diesen gebundenen Variablen einer Theorie kommen wir, indem wir systematisch alle wahren Sätze der Theorie in die Sprache der Quantorenlogik erster Stufe übersetzen. Wir können dann schauen, welche Dinge “must fall within the range of the variables of quantification to make those sentences true.” 22
Quines Maxime hilft uns somit zu erfassen, auf welche Art von Entitäten sich Theorien oder Sprachsysteme verpflichten. Quine greift somit Carnaps Unterscheidung in interne und externe Fragen in folgender Weise auf: Damit eine Aussage oder auch eine Theorie bestehend aus vielen zur Frage stehenden Aussagen wahr sein kann, sind wir verpflichtet anzunehmen, dass die gebunden Variablen auf etwas referieren. Also müssen Entitäten derart angenommen werden, dass sie die Werte der gebundenen Variablen sein können. Ob nun eine Aussage wahr ist, hängt somit wesentlich vom Quantifikationsbereich der Quantoren ab, die die in der Aussage vorkommenden Variablen binden. So lässt sich die Wahrheit einer Aussage nur relativ zum Wertebereich der in ihr vorkommenden Variablen betrachten. Betrachten wir z.B. den Satz „Es gibt Blauwale“ bezüglich des Quantifikationsbereiches der Lebewesen, so ist er wahr, betrachten wir ihn hingegen bezüglich des Quantifikationsbereiches der Autos, so ist er falsch. Auch der Satz „Es gibt Dinge“ wird bezüglich eines dieser beiden Quantifikationsbereiche genau dann wahr, wenn wir zumindest einige der darin enthaltenen Entitäten auch als Dinge auffassen. Sehen wir z.B. Lebewesen nicht als Dinge an, so würden wir mit Quine sagen, dass der Satz „Es gibt Dinge“ bezüglich dieses Wertebereiches der Lebewesen falsch ist, eben weil annahmegemäß keine Entität im Wertebereich der Lebewesen ein Ding ist. Diese zunächst trivial anmutende Verbindung zwischen unseren als wahr angenommenen Sätzen und der Verpflichtung, bestimmte Entitäten als existent anzunehmen, offenbart uns somit, dass eine Theorie der Welt, aufgefasst als eine Menge wahrer Sätze über die Welt, nicht von einer Beschreibung des Seienden, einem Katalog der Dinge, die sind, oder auch einem Wertebereich der in der Theorie oder der Satzmenge vorkommenden Variablen zu
20 Quine (1961b), S. 13f.; Vgl. Runggaldier/ Kanzian (1998), S.73.
21 Quine (1961b), S. 13f.
22 Stroud (1990), S. 321.
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trennen ist. Quine argumentiert nun an anderer Stelle dafür, dass es mehrere nicht ineinander übersetzbare Theorien der Welt oder auch Begriffsysteme geben könne. 23 Die Wahl des Begriffsystems hat dabei unterschiedliche ontologische Verpflichtungen zur Folge, d.h. unterschiedliche Arten von Dingen, die man annehmen muss, damit die Sätze angenommener Weltbeschreibung wahr sein können. Bei dieser Wahl zwischen Begriffsystemen oder Theorien lassen wir uns, so Quine, vom Kriterium der Einfachheit leiten, “we adopt (...) the simplest conceptual scheme into which the disordered fragments of raw experience can be fitted and arranged.” 24 Somit lässt sich auch nach Carnaps Metaphysikkritik für eine Beschä ftigung mit Metaphysik oder auch Ontologie werben: Wenn es also so ist, dass es mehrere Beschreibungen des Seienden geben kann, gilt es, eine möglichst einfache, unsere Erfahrung möglichst gut erklärende oder einordnende Ontotheorie zu finden.
1.3. Strawsons Unterscheidung in deskri ptive und revisionäre Metaphysik
Teils mit und teils gegen Strawson lässt sich weiter für eine Sinnhaftigkeit der Metaphysik oder auch Ontologie argumentieren. Zunächst unterscheidet Strawson zwei Arten von Metaphysik -, deskriptive und revisionäre Metaphysik, - wobei erste „sich damit begnügt, die tatsächliche Struktur unseres Denkens über die Welt zu beschreiben“ 25 , während zweite „das Ziel hat, eine bessere Struktur hervorzubringen“. 26
In denselben Spannungsfeld zwischen Kontinuität und Bruch positioniert sich auch Putnam, indem er sagt: „I take it as a fact of life that there is a sense in which the task of philosophy is to overcome metaphysics and a sense which its task is to continue metaphysical discussion.” 27 Deskriptive Metaphysik zu betreiben sei nun, so Strawson, „bis zu einem gewissen Punkt [als] Untersuchung des tatsächlichen Wortgebrauchs der beste, ja einzig sichere Weg in der Philosophie“ 28 , der „keiner weiteren Rechtfertigung bedarf als der der Forschung im allgemeinen.“ 29 Im Gegensatz dazu, so ist Strawson zu interpretieren, sei die Rechtfertigungsbedürftigkeit von revisionärer Metaphysik als größer und die Änderung begrifflicher Strukturen als unsicherer Weg in der Philosophie einzuschätzen.
Einen gegenteiligen Metaphysikentwurf entwirft hingegen Lowe: „Setzt sich die Metaphysik hingegen weniger ehrgeizige Ziele - versteht man darunter z.B. den Versuch, unserer
23 Quine (1980), S. 59ff.
24 Quine (1961b), S. 16; Vgl. Runggaldier/ Kanzian (1998), S. 24.
25 Strawson (1972), S. 9.
26 Vgl. Runggaldier/ Kanzian (1998), S. 43.
27 Putnam (1987), S. 457.
28 Strawson (1972), S. 10.
29 Strawson (1972), S. 9.
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zur Zeit allgemein anerkannten Sprechweisen über die von uns unhinterfragt angenommene generelle Beschaffenheit der Welt, in der wir leben, zu analysieren - , so wird das ihre Rechtfertigung erleichtern, jedoch nur auf Kosten der Attraktivität der Metaphysik und des Wertes der metaphysischen Untersuchungen. (...) In diesem Fall sollten wir dann aber zumindest nicht so tun, als ob wir etwas täten, das es Wert wäre, mit dem Namen ‚Metaphysik’ ausgezeichnet zu werden.“ 30
Dieser Disput über den „Wert“ der Metaphysik im deskriptiven Sinn wird hier nicht entschieden, von Interesse ist hier, dass Lowe einer rein deskriptiven Metaphysik abspricht, Metaphysik im eigentlichen Sinn zu sein. So lässt sich auch die Unterscheidung in zwei Methoden der Metaphysik mit Quine kritisieren. Denn ist die Wahl unseres begrifflichen Ra hmens keine, die nur ein Ergebnis zuließe, und dafür argumentiert Quine, so ist die Tatsache, dass wir den bestimmten begrifflichen Rahmen haben, den wir haben, keine qualitative Auszeichnung oder Garantie für Sicherheit in der Beschreibung dieses Rahmens. Vielmehr könnte das, was wir, unter der Voraussetzung, dass wir den begrifflichen Rahmen haben, den wir gerade haben, als deskriptive Metaphysik verstehen, eine revisionäre Metaphysik sein, unter der Voraussetzung, dass wir einen anderen begrifflichen Rahmen hätten, als wir haben. Die Bezeichnung einer Metaphysik oder auch Ontologie als deskriptiv oder auch revisionär ist somit relativ zu dem, was gerade Begriffssystem ist. Aus einer solchen relativen Bezeichnung können nun aber keinerlei Schlüsse auf die Qualität einer bestimmten Metaphysik oder auf unsere Sicherheit im Zugang zu ihr gefolgert werden. Die einzigen Kriterien zum Vergleich dieser verschiedenen Versionen der Weltbeschreibung sind also das der Einfachheit und das der Erklärung oder Einordnung unserer Erfahrungen. 31
Strawson selbst schreibt, dass „kein wirklicher Metaphysiker nach Absicht und Wirkung jemals ausschließlich das eine oder das andere [war]“. 32 In dem Sinn, dass eine bestimmte Metaphysik oder Ontotheorie als deskriptiv oder revisionär jeweils nur relativ zu dem bestehenden Begriffsystem verstanden werden kann, ist auch der in dieser Arbeit vorliegende Beitrag zur Ontologie deskriptiv und revisionär. So werden zunächst die bestehenden Sprachgebräuche der dreidimensionalen und der vierdimensionalen Theorie der Dinge so, wie sie sich in der Literatur finden, beschrieben und kritisiert, um dann in einem eher revisionären Teil eine ontotheoretische Synthese, begründet vorzuschlagen.
30 Lowe (1995), S. 12.
31 Hinzuzufügen wäre das Kriterium der Widerspruchsfreiheit. Bezüglich Versionen der Weltbeschreibung siehe
Goodman (1984), S. 19ff.
32 Strawson (1972), S. 9.
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In der Summe sollten die Ausführungen in Abschnitt 1.2. und 1.3. dem Leser erklären,
warum die Ontologie als philosophische Teildisziplin heute lebha fter denn je ist, und warum sich die Überzeugung vertreten lässt, „dass sich Metaphysik (...) in einem wissenschaftlich respektablen Sinn betreiben lässt.“ 33
Um Dreidimensionalismus und Vierdimensionalismus vorstellen zu können, ist es hilfreich, eine thematische Einschränkung vorzunehmen. Bei der Debatte um Drei- und Vierdimensionalismus stehen die Existenz, Identität und Persistenz der Dinge im Vordergrund. Deswegen werde ich mich im Folgenden auf ein bestimmtes Teilgebiet der Ontologie beschränken: das der materiellen und physikalischen Dinge. 34 In Abschnitt 1.4. werden sie zunächst charakterisiert.
1.4. Materielle oder physikalische Objekte
Diejenigen Entitäten, die wir gewohnt sind als Dinge zu bezeichnen, - von John Austin auch „mittelgroße Trockenwaren“ genannt, - sind Teil der Entitäten, die wir materielle oder physikalische Dinge nennen. Ein Teil sind sie deswegen, weil wir neben den Entitäten, die wir gewohnt sind als Dinge zu bezeichnen, auch noch anderen Entitäten zubilligen, materielle oder physikalische Dinge zu sein. Insofern leistet eine Ontotheorie, die über physikalische und materielle Dinge spricht, zumindest eines: Sie kann prinzipiell auch über die Entitäten reden, die wir gewohnt sind als Dinge zu bezeichnen.
Was aber verstehen wir unter materiellen und physikalischen Dingen? Versteht man materielle Dinge zunächst als Entitäten, die aus Materie bestehen und physikalische Objekte als Entitäten, die die Physik untersucht, so schließen sich die Fragen an, was „Materie“ ist und welche Entitäten die Physik untersucht. Ist man aber bereit anzunehmen, dass die Physik sich zur Aufgabe gemacht hat, alle Entitäten in Raum und Zeit zu betrachten und dass Materie genau das ist, was in Raum und Zeit ist, so wird man auch folgern müssen, dass ein materie lles auch immer ein physikalisches Ding ist. 35 An dieser Stelle ist die Definition eines physikalischen Dinges, wie sie in der Literatur zu finden ist, um ein weiteres Kriterium zu ergänzen. Die Physik untersucht Entitäten in Raum und Zeit nur insofern sie sich in irgendeiner Weise auswirken. Denn nur insofern sie sich, vermittels ihrer Eigenschaften oder auf irgendeine andere Weis e auf ihr Umfeld auswirken, sind sie den Methoden der Physik zugänglich.
33 Brandl u.a. (1995), S. 7.
34 Die in Abschnitt 0. und bisher in 1. getätigten Überlegungen treffen unabhängig von der hier getroffenen Ein-
schränkung des Gegenstandsbereiches dieser Arbeit zu. Für einen Überblick über alternative Versionen der
Weltbeschreibung, die nicht von materiellen oder physischen Dinge als Inventar der Welt ausgehen siehe zur
Einführung Runggaldier/ Kanzian (1998).
35 Vgl. Markosian (2000), S. 375; Laycock (1979), S. 91; Zimmermann (1981), S. 103f.
9
Der Ansatz dieser Arbeit, Ontologie mit Blick auf materielle und physikalische Dinge, also mit Blick auf Entitäten in Raum und Zeit, zu betreiben, ist dabei ein wohl akzeptierter und oft verfolgter Ansatz in der gegenwärtigen ontologischen Diskussion. 36 An dieser Stelle wird jedoch nicht dafür argumentiert, dass abstrakte Entitäten wie „Zahlen“, „Geist“ oder „Mengen“ etc. nicht existieren 37 , sondern dafür, dass sie lediglich im Rahmen einer Untersuchung dessen, was wir in Raum und Zeit verorten, nicht betrachtet werden. Dies eben genau darum, weil anzune hmen ist, dass abstrakte Entitäten wie „Zahlen“, „Geist“ oder „Mengen“ nicht in Raum und Zeit verortet sind. Im Folgenden wird also „existiert“ oder „ist“ bedeutungsgleich mit „existiert in Raum und Zeit“ oder „ist in Raum und Zeit“ verwendet. 38 Terminologisch vereinfachend legen wir fest, dass genau die Entitäten, die in Raum und Zeit verortet sind, im Folge nden als „Ding“ oder auch als „Gegenstand“ bezeichnet werden. 39 Nachdem wir nun den Gegenstandsbereich eingeschränkt und konkretisiert haben und einige terminologische Übereinkünfte getroffen haben, sind wir nun bereit, eine Theorie der dreidimensionalen Dinge 40 vorzustellen und zu diskut ieren.
36 Ontologien mit Blick auf Entitäten in Raum und Zeit finden sich z.B. in Zimmermann (1981); Strawson
(1972); Runggaldier/ Kanzian (1998); Denkel (1996); Markosian (2000); Laycock (1979) und Inwagen (1990).
Aber auch die Literatur der nächsten beiden Kapiteln zum Drei- und Vierdimensionalismus blickt, aus ihrer
jeweiligen Perspektive, auf Entitäten in Raum und Zeit.
37 Eine solche Position vertritt z.B. Denkel (1996).
38 An dieser Stelle sei jedoch noch ein Zitat von Quine (1961b), S. 3 diskutiert: “If spatio-temporal reference is
lacking when we affirm the existence of the cube root of 27, this is simply because a cube root is not a spatio-
temporal kind of thing, and not because we are being ambiguous in our use of ‘exist’.” Behauptet Quine, dass
der Satz „
27
existiert“ und der Satz „es gibt Bäume“
innerhalb derselben Theorie
wahr sein sollen, so ist er
auch auf einen Quantifikationsbereich festgelegt, der raum-zeitliche Entitäten genauso wie nicht-raum-zeitliche
Entitäten enthält. Enthält der Quantifikationsbereich jedoch nur eine Sorte von Entitäten, so wird auch nur einer
der beiden Sätze wahr sein können. Wir sehen erneut, dass „Existieren“ relativ zu einem angenommenen Werte-bereich zu verstehen ist. Insofern kann das Existieren einer Entität in Raum und Zeit als ein anderes als ein Exis-
tieren einer Entität außerhalb von Raum und Zeit angesehen werden. Existierten jedoch beide Arten von Entitä-
ten bezüglich eines gemeinsamen Quantifikationsbereiches, so stellt sich die Frage was an diesem Existieren von
Entitäten innerhalb und außerhalb von Raum und Zeit das Gemeinsame ist. Natürlich kommen wir auf einheitli-
che Weise dazu, Entitäten innerhalb und außerhalb von Raum und Zeit Existenz zuzuschreiben, nämlich indem
wir Existieren als „Wert einer gebunden Variable sein“ explizieren. Da wir in diesem Fall einmal Existieren als
Wert einer gebundenen Variable sein, der in Raum und Zeit verortet ist, und einmal als Wert einer gebundenen
Variable sein, der nicht in Raum und Zeit verortet ist, verstehen, bleibt unklar, was nun das Gemeinsame an
diesem Existieren neben einer einheitlichen Behandlung durch die Quantoren sein sollte. Es ist jedenfalls nicht
das Existieren in Raum und Zeit.
39 „Ding“ wird also gegenüber der gewohnten Verwendungsweise in seiner Bedeutung ausgeweitet und existie-
ren evtl. beschränkt. Somit lässt sich auf die Frage, was existiert, antworten: „Dinge!“
40 Im Folgenden beschränken wir uns also auf materielle und physikalische Dinge. Bezüglich der Frage, ob Er-
eignis se als materielle oder physikalische Dinge anzusehen sind wird hier keine Position bezogen. Es wird dar-
um im Folgenden auch nicht von Eigenschaften die Rede sein. Für einen Überblick über die ontologische Ereig-nistheorie siehe Scheffler (2001).
10
2. Die Ontotheorie dreidimensionaler Objekte
Dass ein Objekt dreidimensional ist, besagt zunächst einmal nicht mehr, als dass es in drei Dimensionen ausgedehnt ist. In der ontologischen Debatte darüber, ob die Dinge, die es gibt, drei- oder vierdimensionale Objekte sind, wird darum gestritten, ob sie als bloß räumlich (dreidimensional) oder auch als zeitlich (vierdimensional) ausgedehnt aufzufassen sind. 41
Wollen wir über eine Klasse oder Art von anzunehmenden Dingen reden, so ist es hilfreich, wenn wir uns darüber klar sind, wann eines dieser Dinge mit etwas identisch ist und wie wir eines dieser Dinge von etwas anderem unterscheiden 42 , da uns andernfalls jedes Kriterium fehlte davon zu sprechen, dass ein Exemplar dieser Art vorliege. 43 Wir werden im folgenden zwei prominente Prinzipien der Identifizierung oder Individuation von Dingen vo rstellen.
Eine Basis für ein solches Individuationsprinzip schlägt Strawson vor, indem er schreibt: „(...) das System der raumzeitlichen Beziehungen [ist] derart umfassend und überzeugend (...), dass es sich wie kein anderes als Rahmen dafür eignet, unser individuierendes Denken über Einzeldinge zu ordnen.“ 44 Folgen wir Strawson in diesem Punkt, so werden wir von einer Ontotheorie der dreidimensionalen wie von einer Ontotheorie der vierdimensionalen Objekte verlangen können, dass sie, eben weil sie jeweils eine bestimmte Art von Dingen als existent annehmen, mit Bezugnahme auf die jeweiligen raumzeitlichen Beziehungen der Dinge erklären können, was die Identitätsbedingungen dieser als existent angenommenen Dinge sind. Ein solcher Vorschlag von Identitätsbedingungen dreidimensionaler Objekte ist: “two individ uals are identical if and only if they occupy the same place at the same time.” 45
Ein zweites prominentes Identitätsprinzip, das auf Leibniz zurückgeht, besagt die Ident ität der Ununterscheidbaren. Dies wird gängigerweise so interpretiert, dass aus der Gleic hheit aller Eigenschaften die Identität der untersuchten oder betrachteten Dinge folgt. Denn unterscheidbar sind zwei Dinge genau dann, wenn sie unterschiedliche Eigenschaften haben. Es ist
41 Theoretis ch wären auch Dinge, die in zwei räumlichen Dimensionen und einer zeitlichen Dimension ausge-
dehnt wären, dreidimensionale Objekte zu nennen. Solche Dinge sind uns jedoch nicht bekannt und hier auch
nicht gemeint.
42 Dabei ist klar, dass wir identifizieren und individuieren können, sobald wir auch nur eines dieser beiden kön-
nen.
43 Vgl. Quines berühmten Sinnspruch “No entity without Identity”, Quine (1969b), S. 23. Vgl. Künne (1983),
S.24.
44 Strawson (1972), S. 31.
45 Wilson (1956), S. 46.
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aber unter Philosophen unklar, ob unter die so betrachteten und miteinander verglichenen Eigenschaften auch sogenannte relationale Eigenschaften fallen sollten. 46
Bewerten wir beide vorliegenden Vorschläge zur Individuation dreidimensionaler Dinge, so stellen wir fest, dass ausgehend von unserem alltäglichen Sprachgebrauch das Ident itätsprinzip von Leibniz überzeugender ist. Denn obwohl wir sagen, dass die Gesamtheit der Teile eines Tisches zu einer an derselben räumlichen Stelle ist 47 , wie der Tisch selbst, sind wir zumindest unentschieden in der Frage, ob die Gesamtheit der Teile eines Tisches identisch mit ihm ist. 48 Zum anderen identifizieren wir häufig Dinge, die sich in vielen Eigenschaften gleichen. 49
Wir tun Wilson jedoch Unrecht, wenn wir seinen mit Strawson begründbaren Vorschlag einer Identitätsbedingung dreidimensionaler Objekte vorschnell ablehnen. So lässt sich dafür argumentieren, dass die zwei Identifikationsprinzipien über unterschiedliche Arten dreidimensionaler Objekte reden. Während Leibniz anzunehmenderweise auch Zusammengesetztes wie z.B. Tische betrachtet, redet Strawson zunächst nur von Einzeldingen: „Wir denken uns die Welt zusammengesetzt aus einzelnen, von uns selbst zum Teil unabhängigen Dingen (...)“, und nennt diese Dinge „unabhängige Einzeldinge“ 50 , ohne sich dabei explizit auf dreidimensionale Dinge zu beschränken. Mit unabhängig meint Strawson hier zunächst nur soviel, dass unser Reden über diese Einzeldinge 51 nicht von der Annahme anderer Dinge abhä nge, 52 und somit Einzeldinge als nicht weiter analysierbare logische Subjekte behandelt werden können.
46 Relationale Eigenschaften sind die Eigenschaften eines Dinges, die es in Verbindung mit anderen Dingen hat.
Beispiele relationaler Eigenschaften sind „ist größer als B“ oder „ist 2m rechts von A“ oder auch „ist Onkel von
C“. Es ist dabei strittig, ob auch solche relationalen Eigenschaften zur Menge der gleichbleibenden Eigenschaf-ten gezählt werden müssen, wenn ein Ding es selbst bleiben soll. Hiermit verbunden ist die Frage, ob sogenannte
Cambridge-Changes - Änderungen relationaler Eigenschaften - echte Veränderungen an den Dingen sind, die
sie haben. Vgl. Geach (1969), S. 71.
47 Hierzu lässt sich auch bemerken, dass eine räumliche Stelle natürlich nicht absolut, sondern nur relativ zu den
Orten anderer Dingen zu verstehen ist. Unsere Fähigkeit, eine räumliche Stelle zu einer Zeit zu identifizieren
wird hiervon jedoch nicht beeinträchtigt.
48 Für die Position, dass ein Ding nicht mit der Gesamtheit seiner Teile identisch ist, ist häufig formuliert wor-
den, dass das Ganze mehr als seine Teile ist. Für Überblick über das Verhältnis der Ganzen zu ihren Teilen siehe
4.
49 Natürlich kann man das Prinzip der Identität der Ununterscheidbaren unter praktischen Gesichtspunkten kriti-
sieren. Wir kennen einfach nie alle Eigenschaften eines Dinges und können somit nie einer Ununterscheidbarkeit
sicher sein. Es ist jedoch unsere Praxis, Dinge die sich in vielen oder allen relevanten Eigenschaften gleichen zu
identifizieren. Ein Gegenbeispiel zu Leibniz Prinzip der Identität der Ununterscheidbaren formuliert Black
(1952).
50 Strawson (1972), S. 17.
51 Diese Einzeldinge beschreibt Strawson, als die gegenüber anderen „ontisch primär“ oder auch als „grundle-
gende Einzeldinge“ Strawson (1972), S. 20; S. 50.
52 Was so eine Abhängigkeit eines Dings von einer Menge anderer Dinge sein könnte, werde ich in Abschnitt
5.5. noch näher erläutern.
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Arbeit zitieren:
Malte C. Daniels, 2003, Ontologische Perspektiven - Unsere Sicht auf Gegenstände und ihre Teile, München, GRIN Verlag GmbH
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