Inhaltsverzeichnis
3 Vorwort
5 Wer war eigentlich Janusz Korczak? - Ein Lebenslauf
5 Kindheit und Jugend
7 Das Studium, soziale Arbeit und die Schriftstellerei
9 Die Jahre als Arzt
10 Im Waisenhaus
12 Die Reisen nach Palästina
13 Das Warschauer Ghetto
16 Zeittafel
18 Korczak und sein jüdisches Erbe
18 Padägogische Ansätze
20 Literatur
22 Quellen
Anhang
Inhalt CDrom:
9 Diese Arbeit als MS Word - Dokument
9Präsentation „Janusz Korczak“
9 Das Gedicht „Treblinka“ von David Graham (engl.)
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2
Vorwort
Was soll man über Janusz Korczak schreiben?
Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Man kann sich unzählige Bücher über Korczak besorgen und lesen; man kann Korczaks Bücher lesen. Aber was könnte man dann schreiben, was nicht schon längst geschrieben worden wäre?! Ich habe mich dazu entschieden, einen kurzen Abriss über das Leben des Mannes zu schreiben, der sein Leben den Kindern widmete. Hauptaugenmerk habe ich, ein Blick in das Inhaltsverzeichnis genüg, mehr auf den Lebenslauf Korczaks gelegt. Ich denke er verschafft einen groben Überblick und einen Einstieg für jemanden der mit Korczak noch nicht vertraut ist.
Ist diese Arbeit komplett? Ich kann nur ganz klar sagen NEIN, denn wie will man auf ein paar Seiten alles zu Korczak erzählen - das haben alle Schriftsteller und Biografen, die sich mit Korczak beschäftigt haben, zusammen auch nicht geschafft.
Bergen, im Januar 2003
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Wer war eigentlich Janusz Korczak? - Ein Lebenslauf
In den Lebensläufen ist die Kindheit jener Berg, von dem der Strom des Lebens seinen
Anfang, seinen Anlauf und seine Richtung nimmt
Schreibt Janusz Korczak nach langen Erfahrungen als Lehrer und Erzieher. An anderer Stelle schreibt er:
1
, und eine heitere und Erziehung, hielt er für eine „Pädagogische Allmachtsphantasie“ vollwertige Kindheit ist noch lange keine Garantie für ein entwickeltes und unverkümmertes Leben.
Doch er hegte immer die Zuversicht, dass der Reichtum des späteren Lebens in einer lebendigen Kindheit liegt.
Aber wie sah die Kindheit des Mannes aus, für den diese Lebensphase einen
so hohen Stellenwert hatte?
Kindheit und Jugend (oder: Der Junge Namens Henryk)
Am 22. Juli 1878 oder 1879 wurde Henryk Goldszmit in Warschau als Sohn des angesehenen Rechtsanwaltes Josef Goldszmit und seiner Ehefrau Cecylia geboren. Das Jahr der Geburt lässt sich nicht genau angeben, da der Vater es immer wieder versäumte eine Geburtsurkunde
1 Vergleich Pädagogische Ansätze - Zitat Kant
5
2 . Selbst Henryk wusste später nicht wie alt er eigentlich für seinen Sohn ausstellen zu lassen war. Kurz vor seinem Tode 1942 notiert er:
Morgen beende ich mein 63. oder 64. Lebensjahr. Mein Vater hat sich jahrelang nicht um eine Geburtsurkunde für mich bemüht. Später hatte ich deswegen Schwierigkeiten. Mutter nannte es eine strafbare Nachlässigkeit: gerade als Rechtsanwalt hätte Vater die Sache mit der Geburtsurkunde nicht so verschleppen dürfen.
Aufgewachsen ist Henryk zusammen mit seiner jüngeren Schwester Anna in behüteten Verhältnissen.
3 Familie einen sorgenfreien Lebensstil: Das Einkommen des Vaters ermöglicht der jüdischen
Ein geräumiges Haus, Dienstleute und an den Abenden öfters eine kleine Gesellschaft im Salon. Henryk besuchte eine polnische Schule, welche damals fest in russischer Hand waren. Der Unterricht fand in russischer Sprache statt. Später vergleicht der Schriftsteller Janusz Korczak diese bzw. alle damaligen Schulen mit Kadettenanstalten: Kasernenhofton und Prügelstrafe waren an der Tagesordnung. Unsere Schule ist eine Kaserne. Die Kinder machen wir mit Uhren an der Hand zu Mannequins, wir gleichen ihre Charaktere an, ordnen ihre Initiative aus. Wir haben die Kinder nummeriert, haben eine mit Tausenden von Gesetzen, Verordnungen und Anordnungen dem Gefängnis ähnliche Disziplin eingeführt. Diesen bleibenden Eindruck verarbeitet Henryk später in einer seiner Erzählungen, in welcher ein Lehrer zurück in seine Kindheit versetzt wird und die Schule wieder aus den Augen eines Kindes erlebt.
Auch der Vater war prägend in der Kindheit des Henryk Goldszmit. Er liebte seine Kinder zwar, doch war er als Erziehender anscheinend nicht geeignet. Auch seine Frau überließ ihre Kinder nur selten und ungern der väterlichen Fürsorge und Aufsicht. Hinzukommt das Josef Goldszmit an chronisch wiederkehrenden Depressionen litt, und deswegen häufiger in eine psychiatrische Klinik eingeliefert werden musste. Die Familie litt darunter, dass Ehemann und Vater öfters in einer „Irrenanstalt“ war. Als der Gesundheitliche Zustand von Josef sich verschlechtert kommt er für längere Zeit in die Nervenheilanstalt von 4 ). Damals war Henryk siebzehn Tworki, wo er einige Monate später stirbt (vermutlich 1895
Jahre alt. Es stellt sich heraus, dass der Vater das gesamte vermögen der Familie verspielt 2 Es wird vermutet das Josef Goldszmit seinen Sohn absichtlich nicht bzw. erst sehr spät gemeldet hatte, da Polen
zu Korczaks Geburt starker „Russifizierung“ ausgesetzt war, fälschten viele Eltern die Geburtsurkunden ihrer
Söhne, um deren Einzug in die Armee des russ. Zaren zu verzögern bzw. zu verhindern
3 Die Goldszmits waren Anhänger der gemäßigten haskalah (Aufklärung), welche für die Auflösung des
kulturellen Separatismus zwischen Juden und dem Rest der (polnischen) Gesellschaft eintrat, was u.a. auch
bedeutete, dass die Kinder in polnische Schulen gingen.
4 Anmerkung des Autors: Es mag auch 1896 gewesen sein, ich gehe der Einfachheit halber hier und im weiteren
Verlauf aber von Korczaks Geburt im Jahre 1878 aus
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hatte. Mutter Cecylia blieb nichts anderes übrig als den bisherigen Lebensstil aufzugeben, und mit ihren zwei Kindern in eine billige Mietwohnung zu ziehen.
Von nun an wird das Leben für die Familie härter, ein deprimierendes Grundgefühl beherrscht das Familienklima. Henryk gibt Nachhilfeunterricht und versucht mit diversen Gelegenheitsarbeiten die finanzielle Situation der Familie etwas aufzubessern. 1896 erscheint ein erster Aufsatz von Henryk Goldszmit in der Zeitschrift Kolce (Stacheln), für die er in den darauf folgenden Jahren regelmäßig schreibt. 1898 ist gewisser Maßen das „Geburtsjahr“ von Janusz Korczak. Bei einem Literaturwettbewerb reicht der junge Henryk Goldszmit ein Theaterstück mit dem Namen 5 ein. Henryk benutze hierbei das Pseudonym „Janasz Korczak“ 6 , „Ktoredy?“ (Wo entlang?)
dem Namen einer seiner Lieblingsfiguren aus einem Roman des polnischen Schriftstellers Kraszewski. Durch einen Druckfehler wurde aus „Janasz“ „Janusz“, und so kam es zu dem Namen Janusz Korczak.
Im selben Jahr beginnt Korczak nach einigem Zögern mit dem Studium der Medizin. Er war sich erst nicht sicher, ob dies der Richtige Weg für ihn sei, da er sich ja auch sehr für Literatur und Schriftstellerei interessierte. Trotz mehrere Veröffentlichungen in der „Kolce“ und seinem Theaterstück (zu Beginn des Studiums wusste Korczak noch nicht das das Stück einen Preis bekommen würde) fühlte sich Henryk Goldszmit/Janusz Korczak noch nicht sicher genug in seiner Schriftstellerei, und so war das Medizinstudium sicher die klügere Alternative.
Das Studium, soziale Arbeit und die Schriftstellerei Korczak studiert an der Universität von Warschau.
Zu Beginn seines Studiums schließt er sich einem Wohltätigkeitsverein an, der von privaten Spenden getragen wird. Vor allem ist Korczak von der Verwahrlosung der Kinder aus den unteren Schichten empört; ihr Elend geht ihm sehr nahe. In einem Artikel für die Zeitschrift “Spoleczenstwo“ (Die Gesellschaft) schreibt er:
Solange wir nicht allen Menschen Brot und ein Dach über dem Kopf geben, dazu die Möglichkeit, sich geistig zu vervollkommnen, solange dürfen wir uns nicht der Täuschung hingeben, wir verdienten den Namen „Menschliche Gesellschaft“
5 Das Theaterstück selbst ist verloren gegangen, es existiert nur noch eine Zusammenfassung im Bericht der
Wettbewerbsjury von1898
6 weiter bekannte Pseudonyme von Goldszmit/Korczak waren: „Hen“, „Janusz“, „Hen-Ryk“ und „Janusz K.“
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Zusammen mit Stefania Sempolowska und Helena Bobinska leitet er eine öffentliche Bücherei und unterrichtet in einer Schule für die ärmsten Kinder Warschaus. Nebenbei arbeitet Janusz weiter als Schriftsteller, um sein Studium zu finanzieren. Die Zahl der Zeitschriften, für welche er schreibt hat sich beträchtlich erhöht. Bei den Veröffentlichungen handelt es sich meist um kleine Aufsätze, Kurzgeschichten und Anekdoten zu aktuellen Geschehnissen.
Damit aber nicht genug, auch die fortschreitende Russifizierung Polens erschwerte das Studium. Viele Professoren verloren durch politische Opposition ihre Lehrstühle. Sie hielten im Geheimen illegale Vorlesungen ab, die auch Korczak oft besuchte. Die Zeit war von Studentenunruhen und dem sich formierenden Widerstand gegen die Russen geprägt. Noch während des Studiums wird 1901 Korczaks erster Roman Die Kinder der Straße veröffentlicht, ein Buch indem das Leben der verwahrlosten Kinder beschreibt. Im selben Jahr unternimmt Janusz Korczak seine erste Auslandsreise nach Zürich. Er möchte 7 in Erfahrung bringen, dessen Werke ihn zu Beginn seines mehr über Pestalozzi Medizinstudiums beschäftigten.
Drei Jahre später, 1904, wird ein zweiter Roman von Janusz Korczak veröffentlicht: Das Kind des Salons. In wöchentlichen Abständen erschien Folge um Folge des Romans in der linksorientierten Wochenzeitschrift „Glos“ (Die Stimme). Der Roman, ein Gegenstück zu den Kindern der Straße mit autobiographischen Zügen, fand großen Anklang. Als die Geschichte zwei Jahre später als gebundene Ausgabe erscheint, ist Korczaks Ruf als Schriftsteller gefestigt.
Im November des Jahres 1904 kommt es in Warschau zu großen Unruhen, bewaffnet Kampfgruppen treten erstmals gegen
die Polizei an. Während dieser Zeit beendet Janusz Korczak sein Studium und tritt eine Stelle als Arzt in der Baumann-Berson-Kinderklinik an. Bereits 1903 kam Janusz Korczak durch seinen jetzigen Kollegen Dr. Eliasberg dazu an den von der Warschauer Wohltätigkeitsgesellschaft organisierten Sommerkolonien teilzunehmen.
7 Johann Heinrich Pestalozzi galt über Jahrzehnte als Begründer der Pädagogik und als Propagandist einer
allgemeinen Bildung für alle Menschen.
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Bei seiner ersten Teilnahme machte der junge Korczak erste pädagogische Erfahrungen. Den Sommerkolonien habe ich viel zu verdanken. [...] Ich glaubte es sei leicht, Liebe und Vertrauen der Kinderwelt zu erwerben [...] Daß sie mir neue Forderungen stellte, daß ich schmerzlich überrascht war, unterlag keinem Zweifel. Mein Ehrgeiz war getroffen,... Bis 1908 verbrachte Korczak seinen Sommerurlaub jedes Jahr mit einer Gruppe Kindern auf dem Land. Die Jahre als Arzt
Kurz nachdem Korczak seine Stelle als Kinderarzt angetreten hatte kam auch schon die erste Unterbrechung seiner Tätigkeit. Korczak wird in die russische Armee eingezogen. Als Lazarettarzt versorgt er Verwundete im russisch - japanischen Krieg, der ihn bis in die Mandschurei verschlägt.
Im Sommer 1905 kehrt Janusz Korczak nach Warschau zurück, wo er seine Arbeit an der Baumann-Berson Klinik wieder aufnimmt. Im Sommer 1907 entschließt Korczak sich seine Arbeit wieder zu unterbrechen, um auf eine längere Auslandsreise zu gehen. Sein erstes Ziel ist Berlin, zur damaligen Zeit ein „Mekka für Mediziner und solche die es werden wollten“. Er blieb gut ein Jahr in der Hauptstadt des Deutschen Reiches und studierte und praktizierte dort im Kaiser und Kaiserin-Friedrich-Kinderkrankenhaus und in psychiatrischen und pädagogischen Einrichtungen (u.a. an der Nervenklinik der Charité). Wertvolle Erfahrungen für den jungen Arzt aus Warschau, der später sagte: Wer nicht in einer Schule für geistig Behinderte, taubstumme oder blinde Kinder gelernt hat, Geduld und die Grundlagen der Didaktik zu üben, der wird niemals ein richtiger Lehrer werden können... Über den weiteren Verlauf der Reise ist nicht so viel bekannt; Korczak verbrachte im Anschluss an Berlin ein halbes Jahr in Paris und wahrscheinlich nur einige Wochen in London. Wieder in Warschau nimmt er seine Arbeit als Arzt erneut auf, wieder in der Baumann-Berson Klinik. Korczak verdient in seinem Beruf nicht schlecht, hinzu kommen Honorare für seine Publikationen in den diversen Zeitschriften und für die Behandlung privater Patienten.
Dr. Goldszmit erwarb sich den Ruf eines „eigenwilligen Arztes“. Er wird als unprofessioneller Philosoph, als Lebensberater und als Arzt, der mehr tut als nur Medizin zu verschreiben, gesehen. Dank seines Rufes hatte Korczak hochgestellte Persönlichkeiten als Patienten: Rechtsanwälte, Direktoren, niedrige Adelige, und das trotz seiner jüdischen
9
8 . Korczak nahm bei seinen reichen Patienten, wie er selbst sagt, unverschämte Abstammung Preise.
Für Konsultationen bei reichen Leuten [...]ließ ich mir drei und fünf Rubel zahlen. Eine Unverschämtheit [...] - wahre Professorenhonorare. Ich, ein gewöhnlicher Ortsarzt, ein Lückenbüßer, ein Aschenputtel des Berson’schen Krankenhauses. Mit dem so verdienten Geld konnte Dr. Goldszmit es sich leisten die Kinder armer Leute umsonst zu behandeln.
1909 und 1910 entstehen aus den Erfahrungen in den Sommerkolonien zwei Bücher. Die Mojsches, Joscheks und andere Lausbuben und die Fortsetzung Von den Joscheks, Jascheks und Franeks. Beides Vertreter der damals noch jungen Kinderliteratur. 1911 legt Korczak seine Arbeit als Arzt nieder um die Leitung eines neu gegründeten Waisenhauses zu übernehmen. Im Waisenhaus
Warum Korczak seine ärztliche Tätigkeit niederlegte um die Leitung eines Waisenhauses zu übernehmen ist nicht bekannt. Über diese Entscheidung wird viel spekuliert, zumal sie auch mit finanziellen Einbußen und einer starken Änderung des bisherigen Lebensstils einherging. Die Entscheidung selbst oder besser, der Grundstein der Entscheidung, wurde schon im Winter 1909 gelegt. Korczak wird von Eliasberg in ein Heim für jüdische Kinder zu einem Gedenkfest eingeladen. Der Verein für Waisen, dem Eliasberg und seine Frau angehörten bemühte sich um Renovierungsarbeiten für das Haus und um neues Personal, da man mit den jetzigen Angestellten nicht zufrieden war. An diesem Abend wurde Korczak gefragt sich regelmäßig um die Kinder zu kümmern. Korczak willigte ein, und so half er regelmäßig neben seinem Arztberuf im Waisenhaus. Bald stellte sich heraus, daß das Haus ungeeignet für die Kinder war, die Räume waren feucht und dunkel. Als der Verein für Waisen keine geeigneteren Räume auftreiben konnte, wurde beschlossen ein eigenes Haus zu bauen. In einer Spendenaktion wurde das nötige Geld gesammelt. Korczak selbst war an der Planung des Hauses beteiligt. Als es im Herbst 1911 bezugsfertig war, wurde Korczak angetragen die Leitung zu übernehmen. Der weitere Aufbau des Hauses nahm Korczak voll in Anspruch. Die Verhältnisse mußten sich erst noch festigen, was seine volle Kraft und Aufmerksamkeit in Anspruch nahm, so ist es kein Wunder das erst 1912 wieder eine Erzählung von Korczak
8 jüdische Ärzte hatten selten christliche Patienten, und wenn doch hatten die Patienten meistens nur eine
Stellung als Lehrer, Bankportier, oder Postmeister, etc...
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Arbeit zitieren:
Björn Blaha, 2003, Janusz Korczak - sein Leben und seine pädagogischen Ansätze, München, GRIN Verlag GmbH
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