Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG. 1
2. DER ROMAN 2
2.1. Was ist ein Roman? 2
2.2. Vermittlung von Geschichte - Der Roman und die Wissenschaft. Ein Gegensatz? 2
2.3. Die Intention des historischen Romans 5
3. DER NAME DER ROSE. 6
3.1. Der Roman 6
3.2. Die Handlung 7
3.3. Die Darstellung Bernard Guis und William von Baskervilles im historischen Roman
,,Der Name der Rose" 8
4. GESCHICHTE IN VERSCHIEDENEN ANDEREN LITERARISCHEN
GATTUNGEN. 11
4.1. Das historische Sachbuch. 11
4.2. Das historische Kinder und Jugendbuch / Comic 12
5. FAZIT 13
6. LITERATURVERZEICHNIS 14
1
Geschichte in historischen Romanen. Didaktische Perspektiven
„Keine noch so reiche Phantasie wird der geschichtlichen Wirklichkeit gleichkommen.“ (L. Curtius)
1. Einleitung
In meiner Hausarbeit wird zunächst erläutert, was überhaupt unter einem Roman zu verstehen ist und welche Intention ein Roman verfolgt. Natürlich will er in erster Linie unterhalten, doch ist das genug? Will der moderne historische Roman seinem Leser nicht auch das Gefühl einer Erweiterung seines eigenen Horizontes bieten? Intendiert er nicht, der wissenschaftlichen Literatur Konkurrenz zu machen? Wo liegen die Chancen und Risiken eines historischen Romans und warum spricht er die Allgemeinheit stärker an als streng nach wissenschaftlichen Kriterien aufgebaute Literatur? Um diese Fragen adäquat beantworten zu können, wird in erster Linie der Aufsatz von Hugo Aust, Geschichte im historischen Roman, aber auch auf die Werke Joachim Rolfes, Geschichte und ihre D idaktik, sowie von Rolf Schörken Geschichte in der Alltagswelt zu Rate gezogen.
Um belegen zu können, in wie weit Romanciers Einfluss auf das Geschichtsverständnis ihrer Leser nehmen, wird speziell das Buch Der Name der Rose von Umberto Eco verwendet. Anha nd der Romanfiguren Bernhard Gui und William von Baskerville wird exemplarisch zu belegen versucht, in wie weit Charaktere, die wirklich gelebt haben, im Roman für die Zwecke des Autors verändert werden und was dieser damit intendiert, aber auch erreicht. Zu diesem Zweck werden insbesondere die Ausführungen Ecos in seiner Nachschrift zu diesem Buch genutzt, aber auch die Werke von Hans-Jürgen Bachorski und Bernhard Schimmelpfennig, sowie die Dokumentation von D. Baumann und Arman Sahihi über den Namen der Rose zu Rate gezogen.
Bei dem Leser des modernen historischen Romans soll nicht der Eindruck entstehen, er würde lediglich Trivialliteratur lesen, sondern er will in die Vergangenheit eintauchen und sich mit den Figuren und Charakteren identifizieren.
Abschließend wird der Unterschied zwischen einem historischen Sachbuch und einem Roman erläutert und der Anspruch, der an die moderne Jugendliteratur gestellt wird, etwas genauer untersucht.
2
2. Der Roman
2.1. Was ist ein Roman?
Der Roman ist, nach heutigem Verständnis, ein erzählender, im Gegensatz zu Kurzgeschichte und Novelle umfangreicher Prosatext, der sich erst zu Beginn der Neuzeit als eigenständige Gattung profiliert, aber seit seiner Akzeptanz als „hohe“ Literatur im 18. Jahrhundert zunehmend an Bedeutung gewann und bis heute eine schier unerschöpfliche Vielfalt des Erscheinungsbildes entwickelt hat. Mit dem Beginn der industriellen Buchproduktion um 1800 und der Formierung einer modernen, d. h. extensiv konsumierenden Literaturgesellschaft setzt der Siegeszug des Romans zur populärsten Prosa- und Literaturgattung ein. Einerseits als triviales „Lesefutter“ in Fülle verbreitet, fordert er andererseits als Sprachkunstwerk beständig zu neuen Experimenten heraus, wobei im 20. Jahrhundert die Handlung als Struktur bildendes Element zunehmend in den Hintergrund tritt zugunsten multiperspektivischer, häufig am Filmschnitt orientierter Darstellungsweisen. 1 Allerdings ist in diesem Zusammenhang in Frage zu stellen, ob der „Roman“ nicht schon viel älter ist als heutige Analysten berichten. Denn auch die Bibel war, nach nüchternen Kriterien ausgewertet, im Grunde ein geschickt konstruierter und i m Sinn der „Romanciers“ von damals, in gewissem Sinn, ein historischer Roman, da er, wie fast alle aktuelle historische Prosa auch einen Sinn verfolgte, der zwar nicht Unterhaltung und Fortbildung zum eigentlichen Zweck hatte, sondern zum Teil einen politischen Grundgedanken beinhaltete, der dem Volk in einer verzweifelten Situation Mut machen sollte. Der historische Roman versucht, nicht erst seit Walter Scott, durch das „historische Erzählen“, durch den Versuch der Menschen, ihre Um- und Vorwelt, Ereignisse und Völker zu charakterisieren und zu individualisieren, einen Zugang der breiten Masse zu dem identitätsbildenden Medium Geschichte zu schaffen. Dies entstand aus dem Darstellungsproblem, das sich auftat, sobald die Welt aufhörte als Bühne für Gottes Heilsgeschichte zu fungieren. Es entsteht eine „Herleitung der Begebenheit aus ihren Veranlassungen und Ursachen. 2
2.2. Vermittlung von Geschichte - Der Roman und die Wissenschaft. Ein Gegensatz?
Es gibt keine Geschichtliche Wahrheit. Deshalb ist es die Aufgabe des Didaktikers, eine Beziehung zwischen der Vergangenheit und der Lebenswirklichkeit der Schüler, also deren
1 Encarta.
2 Aust, Hugo S.617
3
Gegenwart herzustellen, um dieser „Geschichtlichen Wahrheit“ möglichst nahe zu kommen. Dabei muss er versuchen, in den Schülern ein Gefühl für Geschichtsbewusstsein, also eine mentale Gemengelage von Vergangenheit, Gegenwartserfahrung und Zukunftserwartung, herzustellen.
Diese Erwartung stellt der Romancier nicht an sein Werk. Er will mit seiner Erzählung in erster Linie unterhalten, erst in zweiter den Leser (unterschwellig) fortbilden. Im historischen Roman kommt es zunächst zu einer Konsolidierung von Geschichtsbewusstsein, dessen Vorläufer das Epos, das historische Lied und das historische Drama ist. Diese Vorläufer des (historischen) Romans sind, wenn man die didaktische Stellung eines solchen Werkes aufzuarbeiten versucht, unumgänglich mit einzuschließen. Die Vermittlung von Geschichte hängt allerdings auch von jeher eng mit dem Roman, zumindest unter dem entstehungsgeschichtlichen Aspekt zusammen, da beide sprachlichliterarische Darstellungsverfahren und Wertedeutungsmuster sind, die sich in vielen Bereichen unterscheiden. (z. B. Quellen) 3 So hat der historische Roman zwar einen immensen Vorsprung gegenüber den geschichtswissenschaftlichen Büchern allein dadurch erreicht, dass er ein viel größeres Publikum anspricht, allerdings entsteht ein Problem im „historischen Dilettantismus“ der Romanciers. So lesen die Schriftsteller wohl einzelne Quellen, interpretieren diese jedoch nicht und üben vor allem keine Quellenkritik. So wird das historisch - faktische z.T. zum überzeitlichen menschlichen Daseinsproblem degradiert. 4 Geschichte im historischen Roman hat zwei wesentliche Aspekte. Zum einen den Medialen, d.h. die Aufnahme, Verarbeitung, Zubereitung und Vermittlung von der Geschichte, und zum anderen den genetischen, d.h. den, die schöpferische Leistung anerkennenden, die Geschichte als ästhetisches Gebilde und literarischen Sinn verstehenden Aspekt. Diese Unterscheidung führt dazu, dass historische Figuren, Daten und Erklärungen durch die jeweilige Darstellung entweder eine illustrierte Historie, ein rekonstruiertes Modell, eine romaneske Phantasie oder eine Vermischung dieser Teile werden. 5 Es entsteht Geschichte aus einem gewandelten Ordnungsverständnis: statt reihenden, häufenden und beschreibenden Prinzipien, entstehen intentionale, „geschlossene“ und erzählende Prinzipien. Die Unterscheidung zwischen dem wissenschaftlichen und dem ästhetischen bezieht sich jedoch einzig auf das, was wirklich war. So setzt sich die zeitgenössische Romanpoetik und Erzählpolitik durch Verlebendigung und Erklären fort. 6
3 Aust, Hugo, Geschichte im historischen Roman, S.616.
4 Rolfes, Joachim, Geschichte und ihre didaktik, S.348.
5 Aust, Hugo, S.618.
6 ebd., S.619.
Arbeit zitieren:
Kai Vogler, 2003, Geschichte im historischen Roman. Didaktische Perspektiven, München, GRIN Verlag GmbH
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