Inhalt:
1. Einleitung 3
2. Definition der Begriffe „tertiärer Sektor“ und „quartärer Sektor“ 3
3. Standortfaktoren des Einzelhandels 4
4. Determinanten des Strukturwandels in Deutschland 6
4.1. Einzelhandelsstruktur in der BRD 8
4.2. Einzelhandelsstruktur in der DDR 10
4.3. Wandel der Einzelhandelsstruktur im vereinigten Deutschland 12
5. Ursachen für die Standortstrukturprobleme in den
neuen Bundesländern, am Beispiel der Stadt Dresden 14
6. Chancen zur Revitalisierung der ostdeutschen Innenstädte
am Beispiel der thüringischen Stadt Jena 17
6.1. Revitalisierung der Jenaer Innenstadt 18
6.2. Jena als Modellbeispiel für die ostdeutschen Städte 20
7. Fazit 20
8. Literaturverzeichnis 21
Abbildungsverzeichnis :
Abb. 1: Standortfaktoren für kundenorientierte Dienstleistungen 5
Abb. 2: Umsatzanteile von Betriebsformen des Lebensmittelseinzelhandels 6
Abb. 3: Modell der Veränderung der Standortstruktur des Einzelhandels 7
Abb. 4: Modell der Transformation von Einzelhandelsstandorten in
den Großstädten der neuen Bundesländer (Bsp. Dresden) 17
Abb. 5: Besitzverhältnisse neu errichteter Einzelhandelsbetriebe, die von
1991-1996 im Stadtzentrum und in den Außenbezirken von Jena
errichtet wurden 18
Tabellenverzeichnis :
Tab. 1: Prognose der Entwicklung des Marktanteils verschiedener
Standorttypen S. 7
Tab. 2: Innerstädtische Typen von Versorgungszentren und Angebots-
beispiele S. 8
Tab. 3: Prognose des Verkaufsflächenanteils nach Standorttypen in
Ostdeutschland S. 10
Tab 4: Ausgewählte Strukturdaten des Einzelhandels in Dresden (1996) S 16
1. Einleitung:
Der tertiäre und der quartäre Sektor haben in der heutigen Zeit eine sehr große Bedeutung für die Wirtschaft in Deutschland. Der Einzelhandel ist Teil des tertiären Wirtschaftssektors und bildet den Untersuchungsschwerpunkt dieser Hausarbeit. Es soll aufgeklärt werden, an welchen Standortfaktoren sich der Einzelhandel orientiert und wie sich der Einzelhandel und die Standortstrukturen im geteilten Deutschland entwickelt haben, denn die verschiedenen politischen Systeme hatten auch gravierenden Einfluss auf die Entwicklung des Ein-zelhandels und dessen Standortstrukturen. Nach der Wiedervereinigung stand man vor dem Problem die ostdeutschen Strukturen an die Westlichen angleichen zu wollen. Welche Probleme dabei entstanden und worin die Ursachen für die Strukturprobleme in den ostdeutschen Städten lagen, soll an dem Beispiel der sächsischen Hauptstadt Dresden veranschaulicht werden. Es gab aber auch positive Entwicklungen bei der Gestaltung von Einzelhandelsstandorten in den neuen Bundesländern, was am Beispiel der Stadt Jena verdeutlicht werden soll.
2. Definition der Begriffe „tertiärer Sektor“ und „quartärer Sektor“
Der Begriff des „tertiären Wirtschaftssektors“ ist bekannt durch die Wirtschaft-sektoreneinteilung von Jean Fourastié aus dem Jahre 1954 (vgl. Fourastié 1954). In diesem Wirtschaftssektor werden sämtliche Dienstleistungen zusammengefasst. Er umfasst den Handel, den Verkehr, die Verwaltung, das Bildungs- und Schulwesen sowie die freien Berufe wie z.B. Ärzte, Rechtsanwälte oder Architekten (vgl. Leser 1997, S. 879). Der Unterschied zu dem primären und sekundären Wirtschaftssektor liegt darin, das im tertiären Wirtschaftssektor keine materiellen Güter produziert, sondern immaterielle Leistungen erbracht werden (vgl. Kulke 1998, S. 158).
Doch diese Einteilung der Wirtschaft in drei Hauptsektoren ist nicht unbedingt eindeutig. Es kann es zu einer Unterschätzung des tertiären Sektors kommen, weil im sekundären Sektor ein immer größerer Teil der Beschäftigten dispositive Tätigkeiten (z.B. Forschung, Marketing, Logistik) ausüben, die eigentlich zum tertiären Sektor gezählt werden müssten.
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Entwicklung und Probleme des deutschen Einzelhandels im west- ostdeutschen Vergleich
Demgegenüber kann es aber auch zu einer Überschätzung des tertiären Sektors kommen, weil er häufig als Restgröße dient und in ihm alle anderen Aktivitäten zusammengefasst werden, die den anderen zwei Wirtschaftssektoren nicht zu-geordnet werden können (vgl. Kulke 1998, S. 158). Anhand dieser Probleme kann man sehen, wie schwierig und differenziert die Einteilung der Wirtschafts-sektoren gesehen werden muss.
Anstelle der dreigliedrigen Einteilung der Wirtschaft, schlug Jean Gottmann 1961 ein vierteiliges System vor. Bei diesem System umfasst der tertiäre Sektor den Handel (v.a. Einzelhandel und Großhandel), den Verkehr und verschiedene einfache Dienstleistungen (vgl. Gottmann 1961). Der neu entstandene, quartäre Sektor umfasst demnach Dienstleistungsaktivitäten, für deren Ausübung eine höhere Ausbildung notwendig ist. Sie leisten im Vergleich zu den einfachen Dienstleistungen einen höheren Beitrag zu Entscheidungsprozessen (vgl. Heineberg 2000, S. 168). Zum quartären Sektor zählen z.B. öffentliche Einrichtungen der Regierung oder der Verwaltung, aber auch private personenbezogene Dienstleistungen wie Rechtsanwälte, Steuerberater und Dienstleistungen die bei Transaktionen genutzt werden (z.B. Banken, Versicherungen) (vgl. Leser 1997, S. 664). Der Vorteil dieser Einteilung liegt darin, dass dieses System besser an die Erscheinungsformen des modernen Wirtschaftsprozesses angepasst ist und die wirtschaftliche Entwicklung besser charakterisiert.
3. Standortfaktoren des Einzelhandels
Der Einzelhandel orientiert sich an 5 Faktorengruppen, die in Abb. 1 dargestellt sind. Zu diesen Faktorengruppen gehören absatz- und nachfrageorientierte Fak-toren, Agglomerations- und Konkurrenzfaktoren, beschaffungsorientierte Faktoren, planerische Faktoren und individuellen Faktoren (vgl. Abb. 1). Da beim Einzelhandel ein direkter Kontakt zwischen den Anbietern und Nachfragern besteht, orientiert er sich primär an absatz- und nachfrageorientierten Faktoren. Dazu zählt die Größe des Einzuggebietes und die damit verbundene Anzahl der Nachfrager. Ein weiterer wichtiger Faktor sind die Präferenzen der Nachfrager, d.h. welche Produkte nachgefragt werden. Das Einkommen und die Kaufkraft beeinflussen in einem starken Maße den Konsum der Nachfrager und sind deswegen auch ein weiterer primärer Faktor neben der Erreichbarkeit und der Attraktivität des Standortes (vgl. Kulke 1998, S. 162).
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Entwicklung und Probleme des deutschen Einzelhandels im west- ostdeutschen Vergleich
Bei den Betrieben der gleichen Branche ist die Nähe zueinander ein sehr wichtiger Standortfaktor und es kann eine Clusterbildung von diesen Betrieben mit mittel- bis langfristigen Warenangebot, beobachtet werden. Außerdem kann sich die Nähe zu sogenannten Frequenzbringern (Bushaltestellen, Bahnhof etc.) positiv auswirken (suscipient business). Diese drei Faktoren kann man unter den Begriff der Agglomerationsfaktoren zusammenfassen. Im Gegensatz dazu kann die Nähe zu anderen Betrieben auch Konkurrenzfaktoren auslösen. „Einheiten mit einem einfachem standardisierten Angebot (z.B. Lebensmittelgeschäfte, Friseur, Reinigung) meiden die unmittelbare nähe zu gleichartigen Anbietern [...]“ (vgl. Kulke 1998, S. 162-163). Für größere Betriebe sind sogenannte be-schaffungsorientierte Faktoren von Bedeutung. Dazu zählen die Verfügbarkeit von Freiflächen, die nötig sind, um z.B. ein großes Kaufhaus zu errichten. Auch die Verfügbarkeit von Arbeitskräften und die Erreichbarkeit des Betriebes für Lieferanten spielen eine große Rolle. Planerische Faktoren beschränken die Standorte für den Einzelhandel, da sie im Flächennutzungsplan und im Bebauungsplan ausgewiesen werden. Weiterhin gibt es die individuellen Faktoren, die besonders für kleine Einbetriebsunternehmen von Bedeutung sind. Dazu zählen persönliche Präferenzen der Betriebsinhaber, wie z.B. die Nähe des Betriebes zum eigenen Wohnort.
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Entwicklung und Probleme des deutschen Einzelhandels im west- ostdeutschen Vergleich
4. Determinanten des Strukturwandels in Deutschland
Der Wandel der Betriebsformen und die Unternehmenskonzentrationsprozesse hatten prägende Bedeutung für die Entwicklung des Einzelhandels in Deutsch-land. Durch den Anstieg der Personalkosten und die Vergrößerung des Waren-sortiments kam es zu einer internen Umstrukturierung der Einzelhandelsbetriebe, die im Folgenden erläutert wird.
Die hohen Personalkosten konnten nicht mehr getragen werden, und so kam es zu einem Austausch der qualifizierten Vollzeitarbeitskräften durch angelernte Teilzeitarbeitskräfte, mit geringeren Gehältern. Im Zeitraum von 1960 bis 1992
Vollbeschäftigten sank von 90,6% auf 64,9% ab. Außerdem gewann das Selbstbedienungsprinzip immer größere Bedeutung, wodurch man versuchte, die gestiegenen Personalkosten zu kompensieren (vgl. Abb. 2). Das Warenangebot wurde erweitert und lag im Jahre 1991 bereits bei durchschnittlich 6621 Artikeln (EHI 1995). Das war ein Wachstum von über 50% im Vergleich zum Jahre 1979, wo die durchschnittliche Anzahl der Artikel bei 3997 lag (vgl. Kulke 1998, S. 166). Die Betriebsinhaber mussten einen immer höheren Mindestumsatz erwirtschaften, um ihre eigenen Einkommen noch sichern zu können. Eine Folge daraus war die Expansion der durchschnittlichen Verkaufsfläche von 53m² auf 283m² (1970-1990). „Im Lebensmitteleinzelhandel sind die bis zu Beginn der 60er Jahre dominierende kleinen Bedienungsläden („Tante-Emma-Laden“) aufgegeben worden. Sie wurden zuerst durch SB-Läden (bis 400m² Verkaufsfläche) ersetzt. Seit den 70er Jahren erzielten Supermärkte (über 400m² Verkaufsfläche) und etwas später Verbrauchermärkte (über 1500m²) mit einem vielfältigen und preisgünstigen Angebot immer größere Marktanteile.“ (vgl. Kulke 1998, S. 166 und Abb. 2 und Tab. 1).
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Entwicklung und Probleme des deutschen Einzelhandels im west- ostdeutschen Vergleich
Arbeit zitieren:
Joerg Geuting, 2002, Standorttendenzen und -entwicklung des tertiären und quartären Sektors - Entwicklung und Probleme ds deutschen Einzelhandels im west- ostdeutschen Vergleich, München, GRIN Verlag GmbH
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