Peter J. Dennings „Computing the Profession“
Kritisch betrachtet
Katharina Strohmeier
Inhalt
Einleitung 4
1. Ausgangslage 6
1.1 Der Bedarf 6
1.2 Die historische Entwicklung 9
1.2.1 Die experimentelle Informatik 9
1.2.2 Computational Science 10
1.2.3 Software Engineering 11
1.3 Der Ist-Zustand und seine Probleme 12
2. Theoretisches Modell eines Berufsstandes von Computerfachleuten 13
2.1 Ein allgemeines Modell mit Beispielen 13
2.1.1 Die Medizin 14
2.1.2 Das Gesetz 14
2.1.3 Bibliotheken 15
2.2 Übertragung des Modells auf die Informatik 16
2.2.1 Dauerhafte Interessen 16
2.2.2 Übergreifende Institutionen 17
2.2.3 Verhaltensstandards 18
2.2.4 Kompetenzzertifizierung 19
3. Kompetenzen und Kriterien, die Berufsanfängern künftig vermittelt werden sollten 20
3.1 Praktiken 20
3.2 Applikationen 21
3.3 Innovation 22
3.4 Grenzbereiche 23
3.5 Ein renoviertes akademisches Modell 24
4. Zusammenfassung: Die Informatik richtet sich neu aus 25
4.1 Zwiespälte lösen sich auf 25
4.2 Fazit 26
Literatur 28
Einleitung
Es erscheint fast wie eine rhetorische Frage, wenn man Studierende der Informatik darauf anspricht, ob sie während ihres Studiums je das Gefühl hatten, dass sie das, was sie an der Universität lernen, nie im Berufsleben gebrauchen würden. Allgemein verbreitet ist der Eindruck, an den Universitäten würde am Bedarf vorbei gearbeitet und ausgebildet. Informatiker scheinen eher ihren eigenen Interessen nachzugehen als nach denen potenzieller Kunden zu fragen. Traditionell befassen sie sich eher mit theoretischen Entwürfen und Modellen als mit praktischen Anwendungen. Umgekehrt beklagen sowohl Anwender als auch Arbeitgeber in der Industrie die mangelhafte Unterstützung, die ihnen im Umgang mit Computern von Seiten der Universitäten entgegengebracht wird. Studenten prangern an, dass sie an den Instituten für Informatik keine praxisnahe Ausbildung erhalten und dass sie umgekehrt die Dinge, die sie lernen, später im Berufsleben nur bedingt anwenden können. Die akademische Informatik, so scheint es, hat sich weit entfernt vom tatsächlichen Bedarf.
Die akademische Arbeitsweise entbehrt jedoch nicht einer gewissen Logik. Ihrem Anspruch und ihren Wurzeln nach ist die Informatik eine wissenschaftliche Disziplin. Ihre Wurzeln liegen in Mathematik, Maschinenbau und Ingenieur wesen sowie den Naturwissenschaften. Als in den 40er Jahren Menschen dieser Fachrichtungen zusammen kamen, um die ersten elektronischen Rechner zu bauen, gingen viele davon aus, dass die neu entstandene Disziplin „Computer Science“ nur eine Modeerscheinung sei, die irgendwann in einer der drei Ursprungsdisziplinen aufgehen würde1. Dies ist jedoch nicht geschehen. Und damit stellt sich die Frage, ob die Forschung in Zukunft stärker mit dem Anwendungsbereich kooperieren und sich an ihm ausrichten sollte, um dem steigenden Bedarf an problemorientierten Lösungen begegnen zu können. Zudem muss die akademische Ausbildung einer eingehenden Prüfung auf Zweckmäßigkeit unterzogen werden. Dieser Aufgabe hat sich im Jahr 2000 der amerikanische Informatiker Peter J. Denning gewidmet. In seinem Aufsatz „Computing the Profession“ spürt er dem historisch gewachsenen Berufsverständnis der akademischen Informatik nach und entwirft ein Modell für die Reformierung der Forschung und Ausbildung in diesem Bereich. Zwei grundlegende Fragen bestimmen seinen Ansatz:
1. Wie muss sich das Berufsverständnis von Informatikern verändern, um ihnen eine effizientere und problemorientiertere Arbeitsweise zu ermöglichen und ihnen eine leitende Funktion innerhalb des Berufsstandes der Computerfachleute zu sichern?
2. Wie sollte künftig die Ausbildung von Informatikern gestaltet werden, um sie auf diese Arbeitsweise vorzubereiten? Sollte sich die Ausbildung eher am Bedarf der Wirtschaft orientieren oder traditionell wissenschaftlich aufgebaut bleiben?
Dazu fordert er übergreifende Berufsorganisationen für Computerfachleute, vergleichbar z.B. der Juristenkammer oder Lehrerverbänden, sowie eine einheitlich geregelte Ausbildung. Aus deutscher Sicht betrachtet erscheint es jedoch fraglich, inwieweit sich sein Konzept auf die hiesigen Verhältnisse übertragen lässt. Um diese Frage zu beantworten, wird Dennings Aufsatz hier einer kritischen Analyse unterzogen. Seine Forderungen bezüglich Ausbildung, Arbeit und Verbänden werden verglichen mit der Situation in Deutschland. In manchen Punkten erscheint die deutsche Informatik weiter in Dennings Sinne entwickelt zu sein als die amerikanische. Leider ist Dennings Aufsatz nur mäßig durchsichtig strukturiert. Viele Aussagen werden getroffen, ohne dass auf den ersten Blick klar ersichtlich ist, welchem Zweck sie an dieser Stelle dienen. Ich habe daher zunächst versucht, den Aufsatz zu strukturieren. Ich beginne mit der Ausgangslage, von der Denning ausgeht. Dies umfasst den Bedarf, der von außen, das heißt von Seiten der Wirtschaft, an die Informatik herangetragen wird. Um seine Forderung nach Praxisnähe zu untermauern, geht Denning auf drei Teilbereiche der Informatik ein, die von diesem Prinzip wesentlich profitiert haben. Diese Bereiche werde ich als zweites darstellen. Zuletzt wird das Selbstverständnis dargestellt, das die akademische Informatik bis heute erreicht hat, zusammen mit den Problemen, die sich daraus ergeben. Des Weiteren entwirft Denning ein theoretisches Modell dessen, was einen Berufsstand seiner Meinung nach auszeichnet. Diesen Ansatz werde ich im zweiten Kapitel erläutern und ihn anschließend auf die Informatik übertragen. Zuletzt postuliert Denning eine Reihe von Kompetenzen und Kriterien, die einen reformierten Berufsstand von Informatikern präge n und daher in der Ausbildung vermittelt werden sollten. Diesen widme ich das dritte Kapitel. Im vierten und letzten Kapitel werde ich seine Aussagen zusammenfassen und seine Schlussfolgerung aus diesen Überlegungen erläutern. Gleichzeitig werde ich überprüfen, ob dieses Konzept auch für deutsche Verhältnisse sinnvoll erscheint.
1. Ausgangslage
1.1 Der Bedarf
[...]
1 Vgl. Denning, Peter J., Computing the Profession, in: Greening, Tony (Hrsg.), Computer Science Education in the 21st Century, New York 2000, S. 27-46, hier: S. 29.
Arbeit zitieren:
Katharina Strohmeier, 2003, Peter J. Denning - Computing the Profession, München, GRIN Verlag GmbH
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