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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 2
1.1. Historischer Ansatz 3
1.2. Wirkungsansatz. 4
1.3. „Uses and Gratifications Approach“ - Nutzenansatz 7
1.4. Ethnomethodologischer Ansatz 8
1.5. Medienbiografischer Ansatz 10
1.6. Medienökologischer Ansatz 11
2. Aufsätze zum Thema
2.1. Aufenanger: „Wie Kinder und Jugendliche Gewalt
im Fernsehen verstehen“ 12
2.2. Kunczik: „Wirkungen von Gewaltdarstellungen -
Zum aktuellen Stand der Diskussion“ 15
2.3. Vollbrecht: „Jugendkulturelle Szenen und ihre Medien“ 19
3. Schlussbetrachtung 24
4. Literaturverzeichnis 26
2
1. Einleitung
Eine einheitliche Theorie zur Erklärung der Phänomene im Zusammenhang mit dem Mediengebrauch von Kindern und Jugendlichen gibt es zur Zeit (noch) nicht. 1
Im Folgenden soll versucht werden einen Überblick über die aktuellen Theoriemodelle der Medien- und Kommunikationsforschung herzustellen. Besonderer Schwerpunkt wird dabei auf die Rezeption von Gewalt- und Aggressionshandlungen in den Medien gelegt, wobei auch hier die unterschiedlichen Ansätze beleuchtet werden sollen.
Kann also „menschliches Handeln als ein im weiteren Sinne dinglich verursachtes Ereignis oder aber eher als Ergebnis von [...] selbstverantwortlich bestimmten Willensäußerungen eines aktiven und selbstreflexiven Subjekts angesehen werden [...]“ 2 ? Inwieweit adaptieren Kinder und Jugendliche die Medieninhalte, und in welchem Ausmaß tragen diese zur Gestaltung des sozialen und familiären Alltags bei? Könnten in diesem Fall demzufolge eindeutige Rückschlüsse über das Nachahmen von Fernsehgewalt im realen Leben gezogen werden? Gerade diese in der Öffentlichkeit sehr populären Fragestellungen sollen in den folgenden Kapiteln besondere Berücksichtigung finden, mit verschiedenen Theorieansätzen untersucht und durch weiteres Textmaterial überprüft werden. Als Grundlage dienen dabei die Aufsatzsammlung von Mike Friedrichsen und Gerhard Vowe sowie Michael Charltons und Klaus Neumann-Brauns Einführungsliteratur in die aktuelle kommunikationswissenschaftliche Forschung. Die darin zu findenden Forschungsansätze liefern einen Einblick in die kontroverse Diskussion um die Rolle des Zuschauers als „passiven Rezipienten und [der] Wirkung des Mediums“ 3 . Des Weiteren soll so ein Überblick über die mannigfache Hypothesenbildung geschaffen und einleitend auf die kommunikationswissenschaftlichen Texte vorbereitet werden.
1 Michael Charlton/Klaus Neumann-Braun: Theorieansätze und Methoden der Medien-und Kommunikationsforschung. In: Charlton/Neumann-Braun (Hg.): Medienkindheit, Medienjugend - Eine Einführung in die aktuelle Kommunikationswissenschaftliche Forschung. München 1992, S. 24.
2 Ebd., S. 24.
3 Ebd., S. 24.
3
1.1. Historischer Ansatz
Die Hinwendung zur Geschichtsperspektive in der Medienforschung verdankt ihre Rechfertigung nicht allein dem Umstand, dass es an sich interessant ist, eine pointiert medienwissenschaftliche Geschichtsschreibung vorzunehmen; vielmehr bemisst sich die Relevanz kommunikationshistorischer Fragestellungen an ihrer Funktionalität für die Untersuchung aktueller Kommunikationsprobleme. 4
Die von Michael Charlton und Klaus Neumann-Braun beschriebene Entwicklung der letzten Jahre, nämlich die zunehmend historische Erforschung von individueller und gesellschaftlicher Kommunikation, steht im Vordergrund dieses Forschungsansatzes. So könne er maßgeblichen Einfluss auf Erkenntnisse und Lösungsvorschläge aktueller Kommunikationsprobleme nehmen, Erklärungen anbieten und den geschichtlichen Werdegang heutiger Phänomene zu erklären helfen.
Es dürfe, laut Roland Burkart, jedoch nicht der Fehler gemacht werden, Verhaltensweisen und Auswirkungen zurückliegender Medienrezeption ohne Berücksichtigung der sich heute ständig verändernden Medienlandschaft in die aktuelle Kommunikationsforschung mit einzubeziehen. So unterstreichen die Autoren die Bedeutung der Inter- und Multidisziplinarität, denn heutige Theorien und historische Erkenntnisse seien nur durch das Zusammenwirken verschiedener Wissenschaftsrichtungen eindeutig mit-einander zu verknüpfen und als solche definierbar. Der historische Ansatz einer aktuellen Medien- und Kommunikationsforschung impliziere zudem weit mehr als nur die bloße geschichtliche Betrachtung des Pressewesens - vielmehr erstrecke er sich nunmehr auch auf andere Aspekte und Erscheinungsformen wie beispielsweise die Studien zur historischen Publikums- und Wirkungsforschung 5 , zur Geschichte der Medien- und Kommunikationswissenschaften 6 oder zur Geschichte der Institution der Medienproduktion 7 . Charlton und Neumann-Braun betonen jedoch, dass diese Ansätze allein noch nicht ausreichen, um eine eigenständige und für sich abgerundete Theorie der Kommunikationsgeschichte auszumachen. Nur die Summation dieser und verschiedener weiterer As-
4 Ebd.,S. 25.
5 z.B. Kauf- und Lesepublikum von Zeitschriften; Lesegesellschaften im 17. und 18. Jahrhundert
6 z.B. die Entwicklungsgeschichte von Soziologie und Zeitungskunde
7 z.B. die Programmgeschichte des Fernsehens und des Hörfunks; Institutionalisie- rungsprozesse
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pekte könne helfen die Mediengeschichte als „eine Geschichte kultureller Differenzierungen“ 8 zu verstehen. Was damit gemeint ist, soll das folgende Beispiel deutlich machen.
Bezug nehmend auf die oben referierten Thesen, greifen Charlton und Neumann-Braun auszugsweise den Text „Kinderwelten in einer sich verändernden Medienumwelt“ von Bettina Hurrelmann, auf. Dieser zeigt deutlich, welchen Wandel die Inhaltsbedeutung, Vermittlung und Rezeption vom Medium Literatur im sozialen Kontext der Familie in den letzten Jahr-hunderten genommen haben. Die historische Relevanz eines sinnstiftenden und sachlichen Lesens/Vorlesens habe sich bis zur heutigen Zeit zunehmend verändert. So hatte die Buchlektüre im 18. Jahrhundert primär autoritative und pädagogische Funktionen im interfamiliären Eltern-Kind Verhältnis zu erfüllen - „lesen wurde als eine soziale Interaktionsform praktiziert“ 9 . Diese Eigenschaft veränderte sich im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts insofern, als dass Geselligkeit und selbstständiges Lesen der Kinder immer mehr in den Vordergrund traten. Heute jedoch stehe das Lesen zunehmend in Konkurrenz zu anderen Medien, so dass familiäre Gemeinsamkeiten und Kommunikationsinhalte vermehrt in Fernsehkonsum und -rezeption wieder zu finden seien. So stiften Bücher heute, laut Hurrelmann, kaum noch wichtige soziale Situationen und Interaktionen im Familienverbund - diese Funktion habe zunehmend das Fernsehen übernommen.
Die Geschichte eines Mediums ist ohne Berücksichtigung von individuellen bzw. sozialen Verwendungspraktiken bzw. gesellschaftlichen Rahmenbedingungen nicht adäquat zu erfassen. 10
1.2. Wirkungsansatz
Charlton und Neumann-Braun unterteilen den von ihnen beschriebenen Wirkungsansatz in drei unterschiedliche Ausprägungen: Die medienzentrierten und rezipienten-orientierten Ansätze sowie das komplexe Kausalmodell der Medien-Rezipienten-Beziehung. Diese werden im Folgenden einzeln aufgegriffen, so dass die verschiedenen Ansätze und Verflechtungen des aktuellen Forschungsstandes detailliert betrachtet werden können.
8 Ebd., S. 28.
9 Ebd., S. 29.
10 Ebd., S. 30.
5
So gibt es in der heutigen medien-zentrierten Wirkungsforschung ein einfaches, und zugleich weit verbreitetes Denkmodell, das auf der starren Verbindung zwischen Medienreiz und -rezeption beruht. Demnach hätte der übermittelte Inhalt direkten Einfluss auf die daraus resultierende Reaktion des Zuschauers - eine vermutete Gesetzmäßigkeit, die trotz vorhandener Gegenbeweise immer noch einen festen Platz in der Medienforschung einnimmt. Die Autoren definieren sie als „direkte Wirkungshypothese“ 11 , als konkrete Schlussfolgerung von den Inhalten auf die Wirkungen, die den Rezipienten als eindeutig passiven Empfänger charakterisiert. Die Erweiterung dieses Modells hin zur rezipienten-kontextorientierten Forschung zeige jedoch, dass dieses zwar nicht grundlegend falsch sei, jedoch weitere, für diesen Ansatz fundamentale Aspekte außer acht lasse. Die Berücksichtigung situativer, subjektiver und formaler Bedingungen während der Rezeption liefere ein weitaus realistischeres Bild des Zusammenhangs zwischen Reiz und Reaktion. Der Zuschauer gelte nicht mehr nur als passiver Informationsempfänger, vielmehr könne er durch oben genannte Einflüsse die Medieninhalte individuell verarbeiten, selbst auswählen und während der Rezeption mit anderen Zuschauern interagieren.
Aus diesen Erkenntnissen resultierend hat sich ein weiterer Aspekt der Medienwirkungsforschung herausgebildet - der rezipienten-orientierte Ansatz. Basierend auf der Voraussetzung von Eigenaktivität der Rezipienten bei der Verarbeitung der Medieninhalte, beruht dieser auf dem Bemühen, die kognitiven und emotionalen Abläufe dieses Vorgangs zu analysieren. So ist, laut Charlton und Neumann-Braun, der Zuschauer bereit die Inhalte dann nachzuahmen, wenn er diese „für […] erfolgreich und (moralisch) gerechtfertigt oder für […] übertragbar auf die eigene Person […] einschätzt“ 12 . Die Fähigkeit zur individuellen Bewertung einer Situation entwickle sich jedoch erst im Laufe der Jahre. Kinder könnten demnach schwerer die moralischen Aspekte sowie Realität und Fiktion voneinander unterscheiden. Die Autoren sprechen in diesem Zusammenhang von sozialkognitiven Fähigkeiten, die es dem Rezipienten später ermöglichen sollen, alltägliche Mediennutzungssituationen perspektivisch richtig einzuschätzen.
11 Ebd., S. 32.
12 Ebd., S. 35.
6
Je nach seinem persönlichen Situationsverständnis […] sieht bzw. liest oder hört der einzelne Rezipient möglicherweise etwas ganz anderes als das, was vom Autor intendiert worden ist […]. 13
Die komplexen Kausalmodelle der Medien-Rezipienten-Beziehung sind ein weiterer Ansatz der heutigen Wirkungsforschung. Im Gegensatz zu einfachen Ursache-Wirkungs-Analysen widmen sich diese Modelle den vernetzten und multiplen Systemen zwischen Mensch und Umwelt, zwischen ständig wechselnden Bedingungen und Ereignissen. Charlton und Neumann-Braun untersuchen exemplarisch, basierend auf den komplexen Modellen der Medienwirkungsforschung, die Auswirkungen von Gewalt im Fernsehen auf den Rezipienten. Die vermuteten Folgen 14 , gerade für Kinder, konnten jedoch bis heute nicht eindeutig nachgewiesen werden - populäre Hypothesen, wie zum Beispiel die Katharsis-Hypothese 15 , gelten heute als nahezu widerlegt.
Neuere, groß angelegte Untersuchungen wie die von Helmut Lukesch zeigen zumindest einen geringfügigen Zusammenhang zwischen Gewaltdarstellungsrezeption und reaktiver Aggressivität. Die Überprüfung dieses Ergebnisses durch die Einbeziehung anderer möglicher Faktoren, was dem Ansatz eines komplexen Kausalmodells entspricht, senkte diesen Bezug zwar, machte ihn aber doch nicht weniger signifikant. Des Weiteren kam Lukesch zu dem Ergebnis, dass vorhandenes Aggressionspotential das Interesse an Gewaltdarstellungen noch verstärke, was wiederum eine Forcierung der Gewaltbereitschaft bedeuten könne 16 . Diese Jugendlichen hätten Schwierigkeiten im Umgang mit anderen und isolierten sich von der sie umgebenden Alltagsrealität („Selbstselektionshypothese“ 17 ). Charlton und Neumann-Braun betonen jedoch, dass alle aufgeführten Zusammenhangsmaße sehr niedrig seien, und dass sich zudem themengleiche Untersuchungen im Ergebnis voneinander unterschieden haben. So sei der Fernsehkonsum nur eine von vielen Variablen, die für die Persönlichkeitsentwicklung prägend ist. Diese zu bestimmen, einzuordnen und zu
13 Ebd., S. 38.
14 Darunter sind Aggressionsminderung, Wirkungslosigkeit oder Verstärkung der Gewaltbereitschaft als Zuschauerreaktion auf Gewaltdarstellungen zu verstehen.
15 Sie besagt, dass Gewaltdarstellungen eine reinigende, also aggressionsmindernde Wirkung auf den Zuschauer hätten.
16 Dieser Ansatz ist in der Forschung als rekursives Verursachungsmodell bekannt.
17 Ebd., S. 42.
Arbeit zitieren:
Moritz Klöppel, 2003, Theorieansätze und exemplarische Vergleiche der aktuellen Medien- und Kommunikationsforschung, München, GRIN Verlag GmbH
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