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INHALTSVERZEICHNIS
1. Einleitung 3
2.1. Multikulturalität und Multi- 4
kulturelle Gesellschaft
2.2. Multikulturalität in Deutsch- 5
land
2.2.1. Migration in Deutschland- 5
einige Fakten
2.2.2. Von der Ausländerpädagogik 6
zur interkulturellen Erziehung
3. Interkulturelles Lernen und 7
interkulturelle Erziehung
3.1. Zur Begrifflichkeit 7
3.2. Interkulturelles Lernen als 7
soziales und politisches Ler-
nen
3.2.1. Aufgaben von interkulturel- 9
lem Lernen
4. Fremdverstehen durch litera- 12
rische Texte
4.1. Multikulturelle Literatur 12
4.2. Wie ist Fremdverstehen lehr- 13
und lernbar
4.2.1. Perspektivenübernahme und 13
Perspektivenwechsel
4.2.2 Zur methodischen Umsetzung 15
5. Zusammenfassung 16
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1. Einleitung
Deutschland ist seit Jahrzehnten Zielland von Zuwanderern aus unterschiedlichen Herkunftsländern, „der Fremde“ und die Erfahrung der Fremdheit ist für viele Menschen längst ein Teil ihres Alltags geworden, ob am Arbeitsplatz, im Sport- verein, im Krankenhaus oder in der Schule, die in diesem Sinne ein Spiegelbild der Gesellschaft darstellt und neben den Konflikten und Problemen des Zusam- menlebens von Menschen unterschiedlicher Herkunft auch neue Chancen eines Miteinander eröffnen kann. Die folgende Arbeit soll sich mit der multikulturellen Zusammensetzung der Gesellschaft mit Schwerpunkt Deutschland beschäftigen und die Notwendigkeit der interkulturellen Erziehung aufzeigen. Es soll gezeigt werden, dass interkulturelles Lernen nicht nur in der Fremdsprachendidaktik, in deren Zusammenhang es meist diskutiert wird, eine Rolle spielt, sondern für die Didaktik generell und für das Funktionieren einer multikulturellen Gesellschaft wichtig ist. Hierzu sollen Zielvorstellungen und Konzepte zum interkulturellen Lernen vorgestellt werden. Außerdem soll anschließend auf die Nutzungsmö g- lichkeiten von multikulturellen Texten im Fremdsprachenunterricht eingegangen werden. Anhand von Ansgar Nünnings 1 Aufsatz „Fremdverstehen durch literari- sche Texte“ soll gezeigt werden, dass mit Hilfe von multiethnischer Literatur ein lebensweltliches Fremdverstehen gefördert werden kann. Trotz der sehr umfang- reichen Literatur zu dieser Thematik und den zahlreichen Konzepten zur interkul- turellen Erziehung ist dieser Bereich noch nicht erschöpft, und es bedarf noch mehr Untersuchungen vor allem zur Umsetzung der Zielvorstellungen. Mit ande- ren Worten is t die theoretische Erforschung der Thematik sehr umfangreich, doch mangelt es an praxisnahen Vorschlägen zur Umsetzung der theoretischen Ansätze. Aus diesem Grunde habe ich mich mit Ansgar Nünnings praxisorientierten Vor- schlägen zum interkulturellen Fremdsprachenunterricht beschäftigt.
1 Ansgar Nunning: „Fremdverstehen durch literarische Texte: von der Theorie zur Praxis“. DFUE 572001, 4-9
à Nünning
4
2.1. Multikulturalität und multikulturelle Gesellschaft
Multikulturalität bezeichnet zunächst eine Situation, in der mehrere (lat.: multus = viel, zahlreich) Kulturen miteinander in Beziehung stehen 2 . Der Begriff fasst das Zusammenleben verschiedener Kulturen und Mentalitäten zusammen, ausge- zeichnet durch unterschiedliches Aussehen, unterschiedliche Religionen, Spra- chen und Bräuche. Obwohl der Begriff Multikulturalität im deskriptiven G e- brauch ein Versuch sein sollte, die Realität zu umschreiben 3 , impliziert er meist einen wertenden Unterton auf ganz unterschiedlichen Ebenen. So haftet dem Be g- riff einerseits eine negative Wertung an, wo er als Bedrohung der eigenen Kultur und des eigenen nationalen Denkens angesehen wird. Andererseits ist es ein Be g- riff, der im präskriptiven Gebrauch für Utopien und normative gesellschaftliche Zukunftsentwürfe steht, in denen es durch Überwindung von nationalem Denken und Ungerechtigkeiten zu einem friedlichen Zusammenleben ohne Kriege kom- men soll 4 . In der zahlreichen Literatur zur Definition und Untersuchung von Mul- tikulturalität wird auf diese implizierten Wertungen hingewiesen, sich aber auch deutlich davon distanziert. Es muss Abschied genommen werden von „dem My- thos der reinen Nation“ 5 ebenso wie von der beschönigenden Auffassung eines konfliktlosen, friedlichen Zusammenlebens, denn Multikulturalität ist heute in den meisten europäischen Staaten ein Faktum. Dass weder Beschönigung noch Ver- zweiflung über diese Realität angebracht ist, kommentiert Leggewie 6 wie folgt:
„Man kann aus einem sozialen Faktum keine moralische Norm basteln. We- der kann die ethnische Vielfalt an sich jemanden retten, noch wird sie die eu- ropäische Menschheit ins Unglück stürzen. Weder verschönt uns „Multikulti“ den grauen Alltag, noch versetzt sie alles in einen Zustand schlimmster Un- übersichtlichkeit. Sie ist weder Quell unverdorbener Solidarität noch institutio- nalisierter Rassenkrieg. (...) Die multikulturelle Gesellschaft ist eine Dauerbau- stelle, ein weiteres „stabiles Provisorium“. Das schafft Aussicht auf Verbesse- rung, aber bisweilen auch Stockungen und Verdruss.“
2 Duden, Das Fremdwörterbuch. Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich, 3 Vgl. Elke Bracht: Multikulturell leben lernen. Heidelberg, 1994 à Bracht, S. 32-33 4 Vgl. Susanne Albrecht: „Überlegungen zum Konzept der Interkulturalität“, S.117 5 Bracht, S. 30 6 Claus Leggewie: MULTI – KULTI. Spielregeln für die Vielvölkerrepublik. Berlin, 1991
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Ebenso wie Multikulturalität ist der Begriff ‚Multikulturelle Gesellschaft‘ eine „schillernde Worthülse für inhaltlich facettenreiche Konzepte“ 7 . Er tauchte erst- mals im Zusammenhang mit Kanada und Australien auf, wo die ethnische Vielfalt der Staaten „zu einem immerwährenden, legitimen Charakteristikum“ 8 erhoben wurde, „das mit politischen Mitteln zu wahren und zu fördern sei“ 9 . Mit anderen Worten wurde hier der kulturelle Pluralismus als „Basis des staatsrechtlichen Selbstverständnisses“ 10 gefestigt.
In Deutschland trat der Begriff ‚Multikulturelle Gesellschaft‘ erstmals Anfang der 80er Jahre „in sozialpädagogischen, erziehungswissenschaftlichen und kirchlichen Diskussionen auf“ 11 . Ende der 80er Jahre trat er vor allem in der öffentlichen Dis- kussion um die „Ausländerpädagogik“ in Erscheinung.
2.2. Multikulturalität in Deutschland 2.2.1. Migration in Deutschland – einige Fakten
Seit den 80er Jahren ist Migration und Multikulturalität ein Thema in Deutsch- land, welches sich aus drei Ursachen begründet. Zum einen aus der Arbeitsimmig- ration aus den Mittelmeerstaaten, welches die zahlenmäßig bedeutendste ist, der Asyl- und Fluchtbewegung und der Ost-West Wanderung 12 . Durch den Mangel an Arbeitskräften in Industrie und Wirtschaft kam es zum gezielten Anwerben von Arbeitskräften aus dem Ausland durch deutsche Politiker. So wurde 1955 das ers- te Anwerberabkommen mit Italien geschlossen, woraufhin bis 1968 weitere An- werberabkommen mit Spanien, Griechenland, der Türkei, Marokko, Portugal, Tu- nesien und Jugoslawien geschlossen wurden. Während bis 1954 noch ca. 70.000 ausländische Mitbürger in Deutschland lebten, waren es 1973 schon ca. 2,6 Milli- onen 13 .
7 Bracht, S. 29 8 Vgl. ebd., S. 31 9 Vgl. ebd., S. 31 10 Vgl. ebd., S. 31 11 Vgl. ebd., S. 31 12 Vgl. Gita Steiner-Khamsi: Multikulturelle Bildungspolitik in der Postmoderne. Opladen, 1992 à Steiner-Khamsi, S. 1 13 Vgl. Ute Schad: Multikulturelle Herausforderung. Neuwied, Kriftel, Berlin, Zürich, 1997
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Daphne Bruland, 2002, Interkulturelle Kompetenz in einer Multikulturellen Gesellschaft, Munich, GRIN Publishing GmbH
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